Hersteller_Yamaha
Test
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14.11.2014

Praxis

Flügelklänge

Fangen wir doch gleich mit den drei Flügelmodellen CFX, CFIII und S6 an. Die ersten drei Bänke widmen sich mit je 15 Presets je einem der Konzertflügel und enthalten jeweils verschiedene Varianten. So gibt es von jedem Flügel Stereo- und Mono-Versionen und klangliche Variationen wie z.B. „Dark“. Im Folgenden ist eine kleine Auswahl der verschiedenen Presets zu hören.

Insgesamt ist der Flügelsound bei allen Modellen sehr ausgewogen und detailreich. Zahlreiche typische (und oftmals erwünschte) Nebengeräusche sind – wie schon im CP40 STAGE – zu hören und runden den klanglichen Eindruck positiv ab. Hier könnte man wirklich behaupten, dass es sich rein klanglich um das bislang beste Stagepiano aus dem Hause Yamaha handelt. Durch die zahlreichen Varianten der drei Modelle (gekennzeichnet z.B. als St, St-, St+, Mn, Rock, Dark etc.) kann man jedes der drei Modelle in verschiedenen Varianten spielen und es damit verschiedenen Situationen anpassen. Schön ist z.B. die Ambient-Variante des S6-Flügels, welche sich für Balladen oder beispielsweise für Filmmusik anbietet. Erfreulicherweise gibt es in jeder Bank auch Mono-Presets, die sich besonders für die Bühne eignen.

Allerdings muss ich auch erwähnen, dass mir die drei Modelle persönlich zu ähnlich klingen. Für meinen Geschmack hätte man durchaus auf einen der beiden CF-Flügel verzichten können, um stattdessen zum Beispiel ein Upright-Piano mit einem ganz eigenen Charakter zu integrieren. Darauf warte ich ehrlich gestanden aber auch bei der Konkurrenz schon lange – außer bei Nord habe ich bislang in keinem Stagepiano ein brauchbares Upright-Piano gefunden.

Vintage E-Pianos

Kommen wir nun zu den E-Pianos. Neben den Flügeln sind diese Sounds ebenfalls von hoher Priorität, denn ohne anständige Rhodes- und Wurlitzer-Sounds kann man sich als Keyboarder in der Popularmusik heute nirgendwo blicken lassen. Zum Glück findet man im CP4 STAGE eine recht große Auswahl besagter Vintage Keyboards, darunter viele Rhodes-Modelle (71er, 73er, 75er und 78er Rhodes-Presets), diverse Wurlitzer sowie auch ein Yamaha CP-80 und DX-E-Pianos. 

Einige der Rhodes-Presets gefallen mir sehr gut, obwohl sie qualitativ nicht ganz an die Flügel heranreichen. Es sind zwar auch hier mittlerweile Dämpfergeräusche zu hören und so manches „Schmatzen“ in den tiefen Lagen klingt kurzzeitig wirklich nach einem echten Rhodes, jedoch erreicht keines der Presets vom Grundsound her den gleichen Realismus wie die Flügelklänge. Beim Ausklang hört man, dass der Sound geloopt wird und so seine Lebendigkeit verliert. Beim Wurlitzer ist das sogar noch extremer, hier hört es sich nur in einer bestimmten Lage vertretbar an. Für den nicht gerade geringen Preis hätte ich in dieser Disziplin etwas mehr erwartet.

Insgesamt verhält es sich bei den meisten E-Pianos so, dass die Sounds erst lebendig werden, wenn man sie mit Effekten versieht, ansonsten klingen alle E-Pianos einfach etwas langweilig. Eigentlich ist das eher eine Art „Notlösung“, kann aber das Klangresultat deutlich verschönern. Anders als bei den Flügeln empfehle ich hier also ein munteres Zuschalten von Modulationseffekten, die teilweise auch schon in den Presets enthalten sind: Erst dann geht die Sonne auf! Das CP80 sowie verschiedene DX-Pianos klingen im Gegensatz hierzu etwas lebendiger, was mitunter daran liegt, dass diese Sounds einfacher zu sampeln sind und ohne viele Multisamples schon authentisch klingen.

Clavinet

Die Auswahl an Clavinet-Sounds kann sich sehen lassen. Als alter Vintage-Liebhaber habe ich hier mit großer Freude festgestellt, dass es im CP4 STAGE sogar Presets vom Clavinet in „Mute“-Position gibt. 

Weitere Sounds

Neben den oben genannten Sounds verfügt das CP4 STAGE über eine Menge weiterer Sounds, die ich aus Gründen der Überschaubarkeit etwas zusammengefasst habe. Besonders hervorzuheben sind schöne Streicher und Synth-Pads, die sich besonders für Split- bzw. Layer-Kombinationen eignen. Bei vielen weiteren Sounds ist es fraglich, ob sie in einer typischen Live-Situation mit einem Stagepiano überhaupt zum Einsatz kommen werden. Qualitativ bleiben diese Klänge größtenteils deutlich hinter den Pianos und E-Pianos zurück. Wer aber nur hier und da mal einen dieser Sounds braucht, kann sich so vielleicht das Mitschleppen eines weiteren Instruments sparen.

Effekte

Schnell lassen sich alle Sounds mit Effekten versehen. Per Tastendruck können Reverb, Chorus sowie ein Master-Effekt hinzugeschaltet werden und der Effektanteil lässt sich mit den Part-Slidern schnell anpassen. In einem Untermenü lassen sich die Effekte genau einstellen. Der Chorus-Block kann dabei auch als Phaser, Flanger oder Delay-Effekt verwendet werden. Zusätzlich stehen jedem Sound zwei „Part“-Effekte zur Verfügung, die eine große Auswahl an typischen Modulationseffekten bieten. Im zugehörigen Untermenü kann hier nach Belieben justiert werden, allerdings braucht es ein paar Sekunden, bis man dort angekommen ist – für spontane Änderungen ist das also leider nichts. Die Qualität der Effekte kann sich aber „hören“ lassen. Neben typischen Phaser und Delay-Effekten hat mich insbesondere auch der Distortion-Effekt überzeugt.

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