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Test
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03.11.2017

Vox Continental Test

Stagekeyboard

Nur Orgel oder mehr?

Die Musik der 60er und 70er Jahre gilt musikgeschichtlich betrachtet als Grundstein unserer heutigen, aktuellen Musik. Damals wurde der Sound aber nicht nur von den Musikern und Künstlern selbst, sondern auch von besonderen Instrumenten geprägt, die dadurch zum Klassiker anvisierten. Dazu zählt auch die britische Transistororgel Vox Continental. Sie wurde 1962 als transportable Alternative zur schwergewichtigen Hammondorgel vorgestellt. Trotz ihres vergleichsweise andersartigen und hellen Klangs entwickelte sie sich zu einer der beliebtesten Transistororgeln und ist in All-Time-Hits wie „The House Of The Rising Sun“ von The Animals und natürlich „Light My Fire“ von The Doors zu hören. Jetzt stellt Vox, offensichtlich in Zusammenarbeit mit Korg, eine neue Continental vor, die, optisch angelehnt an die Legende der 1960er Jahre, vom Konzept her aber ein modernes Stagekeyboard ist, das ein großes Potenzial an Klängen zu bieten scheint, die für Live-Performances so wichtig sind. Ob dieses Konzept aufgeht, haben wir für euch herausgefunden.

Neben dem unverwechselbaren Sound der Transistororgelklassiker Vox Continental und Farfisa Compact, die soundseitig allein schon dem optischen Erscheinungsbild des Instruments geschuldet sind, bietet die Continental eine Fülle an bühnenfertigen Sounds für Rock, Pop und Jazz, vielseitige Effekte und eine neuartige analoge Nutube-Röhrentechnik. Gepaart ist das Ganze mit einem praktischen Bedienkonzept, speziell für den Live-Betrieb. Die unterschiedlichen Klangwelten der Continental resultieren dabei vermutlich aus den, für deren gute Soundeigenschaften bekannten, Soundengines der Korg Kronos Music Workstation. Optisch zieht die Vox Continental mit ihrem Retro-Design Blicke magisch an, denn niemand vermutet sofort, dass in ihr mehr steckt, als "nur" eine Transitororgel. Ist die "Tarnung " erkannt, wird schnell klar, dass man hier viel mehr zu erwarten hat.

Details

Lieferumfang

Die Vox Continental ist in zwei Tastaturgrößen mit 61 oder 73 halbgewichteten Waterfall-Tasten erhältlich. Technisch sind beide Versionen identisch. Mit zum Lieferumfang gehören ein Vox V861 Volumenpedal und ein Keyboardstativ. Das robuste Pedal kann sowohl als Volumenpedal mit zwei Ein- und Ausgängen und regelbarer Minimal-Lautstärke als auch als Expression-Pedal genutzt werden. Das verchromte Keyboardstativ im geschwungenen Sixties-Style erinnert an die Beine des Originals. Das Keyboard wird mit der Auflagefläche verschraubt und kann als optischer Hingucker stufenlos in jedem möglichen oder unmöglichen Winkel arretiert werden. „Wer-schön-sein-will-muss-leiden“ gilt auch hier. Wenn man den Aufbau einmal gemacht hat, weiß man, wie es funktioniert. Er erklärt sich anfangs nicht von selbst. Zudem wiegt das Stativ mehr als das Instrument und man sollte ein Transportmittel mit langer Ladefläche besitzen, da die Auflagefläche recht breit ist. Das Stativ steht felsenfest und stabil auf dem Boden und bietet dem Instrument einen sicheren Halt.

Die Vox Continental ist bei Auslieferung gut bestückt. (Fotos: Bonedo)

 

Optik

Beim Auspacken der Continental sieht man gleich, dass das Instrument offensichtlich aus einer anderen Zeitepoche zu kommen scheint. Mit dem Erscheinungsbild moderner Stagekeyboards hat die Continental auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten. Unwissenden zeigt man dann am besten gleich mal ein Foto des originalen Klassikers und schon wird vieles klarer. Bezüglich orange-roter Farbe und kantiger Form versprüht die neue Continental echtes Sixties-Flair und erinnert an ihr Vorbild. Auf der Rückseite wird dieser Eindruck von dem beleuchteten Vox-Logo verstärkt. Das leichte Gehäuse aus Aluminium- und Blechbauteilen macht mit Ausnahme der Seitenteile aus Kunststoff einen robusten und roadtauglichen Eindruck. Alles, inklusive sämtlicher Bedienelemente, ist gut verarbeitet. Für Stylefetischisten gibt es noch ein kleines Manko: Im Gegensatz zur Ur-Vox ist die Tastatur nicht invertiert. Das aber soll uns jetzt nicht weiter stören.

Die Vox Continental aus verschiedenen Perspektiven betrachtet (Fotos: Bonedo)

Anschlüsse

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Die Stromversorgung erfolgt über ein externes 15V-Netzteil. Das ist nicht wirklich bühnentauglich, weil Netzteile gerne mal vergessen werden oder kaputt gehen. Und Universalnetzteile, die als Ersatz dienen könnten, haben meistens nur eine maximale Ausgangsspannung von 12V. Die Ausgabe der Audio-Signale erfolgt über einen Kopfhöreranschluss und einem doppelten Stereo-Main-Output. Dieser liegt als Klinken- und als symmetrische XLR-Ausführung mit Ground-Lift-Schalter vor. Dies wiederum ist äußerst praktisch für die Bühne. Man geht über die XLRs ohne DI-Boxen direkt ins FOH-Pult und über die Klinkenausgänge in einen aktiven Bühnenmonitor. So kann man seine Bühnenlautstärke unabhängig vom Kollegen am Pult regeln.

Drei Anschlüsse gibt es für Fußpedale und Controller. Die CONTROL-Buchse ist für das mitgelieferte Control-Pedal gedacht. Dieses steuert entweder die Gesamtlautstärke oder alternativ den Wah-Wah-Effekt. Zum Umschalten der Geschwindigkeit des Rotor-Effektes kann ein Fußtaster an die ROTOR SPEED-Buchse angeschlossen werden. DAMPER ist für den Anschluss eines Haltepedals reserviert. Leider ist kein Haltepedal im Lieferumfang enthalten, sondern muss optional erworben werden.

Zur digitalen Kommunikation gibt es zwei MIDI-Buchsen (IN/OUT), sowie zwei USB-Anschlüsse. USB A dient zum Anschluss handelsüblicher USB-Speichermedien und USB B zum Datenaustausch mit einem Computer. Es fehlt der heutzutage immer üblicher werdende AUX-Input, über den externe Signalquellen wie Smartphone, mp3-Player usw., zu Übungszwecken angeschlossen werden können.

Die Anschlussseite der Vox Continental im Detail (Foto: Bonedo)

Tonerzeugung

Die Vox Continental verfügt über insgesamt sechs Soundengines unterschiedlichen Aufbaus und greift auf  ca. 10,5 GB an PCM-Daten zurück, die von dem PCM-Engine sowie dem Piano-Engine verwertet werden. Insgesamt stehen 150 Programme zur Verfügung, welche den Soundvorrat der PCM -Engine, der Piano-Engine  und vier weiteren komplexen Modeling-Engines beschreiben. Die Tonerzeugung gliedert sich dabei in vier unabhängige Parts, die nebeneinander auf dem Bedienpanel angeordnet sind: ORGAN, E.PIANO, PIANO und KEY/LAYER. Jede Sektion hat ihre eigenen Bedienelemente bestehend aus Volumen-Regler, Taster und diversen LEDs  sowie ihre eigene ein- bzw. zweistellige 7-Segment-LED-Anzeige zum Anzeigen der gewählten Programm-Nummer. Die Stellung der Volumenregler wird optisch durch einen leuchtenden LED-Kranz unterstützt, was auf dunklen Bühnen äußerst hilfreich sein kann. Über die vier Part-Taster werden die einzelnen Sektionen an- und ausgeschaltet.

Organ Part

Die Sound-Engines des Organ-Parts modellieren gleich drei legendäre Orgelmodelle: die Vox-Transistororgel aus den 1960er Jahren, den Hammond-Klon CX-3 und die italienische Farfisa Compact, ebenfalls aus den 1960ern. Jedem der drei Typen steht eine Auswahl an Presets zur Verfügung. Bei Vox und Compact sind dies jeweils elf, bei der CX-3 sind es ganze neunzehn an der Zahl. Diese bieten bereits bühnentaugliche Registrierungen der einzelnen Instrumente an, die bei Bedarf orgel-like in Echtzeit verändert werden können. Dafür stehen die typischen Orgeleffekte Percussion, Vibrato/Chorus und Rotary-Effekt zur Verfügung, die jeweils über einen eigenen Taster aktiviert werden. Veränderungen der Zugriegeleinstellungen werden über neuartige berührungsempfindliche Touch-Sensoren vorgenommen. Dazu später mehr. Für die Vox und die CX-3 gibt es einen UPPER/LOWER-Modus, der zwei virtuelle Manuale simuliert. Mit einem Taster schaltet man zwischen UPPER und LOWER um und für beide lassen sich getrennte Einstellungen vornehmen. Im SPLIT-Modus können beide Parts gleichzeitig über die Tastatur gespielt werden, wobei der Splitpunkt frei wählbar ist. Alternativ kann man den Lower-Part auch über eine angeschlossene MIDI-Tastatur spielen.

Vox Transistororgel

Die Emulation der Vox-Transistororgel stellt einen der Schwerpunkte der neuen Continental dar. Hier hat man sich auch sehr nahe am Vorbild orientiert. Für den UPPER-Bereich werden fünf Register erzeugt. Dafür dienen die Fußlagen 16’, 8’ und 4’ als Basis. Die beiden Register MIX II und MIX III sind verschiedene Mischungen aus ungeraden Quint- und Terz-Fußlagen und fügen helle Obertöne hinzu. Alle fünf Register stehen einmal als weiche, flötenartige Sinuswelle und einmal als helle, obertonreiche Rechteckwelle zur Auswahl, die stufenlos miteinander gemischt werden können. Analog gilt dies für den LOWER-Part. Allerdings gibt es hier nur vier Register: 16’, 8’, 4’ und MIX IV. Ein zuschaltbarer emulierter Vibrato-Effekt des Vox-Originals verleiht dem Klang die typische Eigenschaft, die man vom Original her kennt, und sorgt für mehr Bewegung und Lebendigkeit.

CX-3 Tonewheel-Orgel

Die CX-3 modelliert laut Vox die gleichnamige, beliebte Comboorgel von Korg aus den Siebzigern, die wiederum als erster Klon der Hammond-Tonewheel-Orgel gesehen werden darf. Allerdings ist der Funktionsumfang beschränkt und man kann nicht auf alle Klangformungsparameter des Originals zugreifen. Die CX-3 Tonerzeugung der Vox generiert die typischen neun Fußlagen einer Hammond bzw. der alten CX-3, die sich über die neun Touch-Sensoren bedienen lassen. Wie beim Original funktioniert das Percussion-Register nur auf dem UPPER-Manual. Ist es aktiviert, so schaltet es ebenso originalgetreu den höchsten Zugriegel stumm. Leider lässt sich die Percussion nur an- und ausschalten. Im Gegensatz zum Vorbild hat man hier auf die Parameter Lautstärke und Decay verzichtet. Auch lässt sich die Fußlage der Percussion nicht direkt, sondern nur mit einem Umweg über die Presets verändern. Einige verwenden nämlich das 2 2/3’- und andere das 4’-Percussion-Register. Ähnlich verhält es sich beim Vibrato-Effekt. Während eine Hammondorgel drei Vibrato- und drei Chorus-Varianten erzeugt, generiert die Continental nur den am meisten verwendeten C3-Chorus. Dieser ist allerdings für UPPER und LOWER getrennt schaltbar. Die Presets unterscheiden sich nicht nur durch unterschiedliche Zugriegeleinstellungen, sondern teilweise auch durch einen unterschiedlichen Grundklang der virtuellen Orgel. Einige klingen dunkler, andere wiederum sehr hell. Teilweise sind sie auch schon mit einem Overdrive-Effekt versehen. 

Farfisa Compact Transistororgel

Als drittes Modell simuliert die Vox Continental unter der Bezeichnung "Compact" den Klang der berühmten Farfisa Compact Comboorgel. Einer der ersten Rock-Organisten, der die Farfisa Compact spielte, war u. a. Domingo Samudio, besser bekannt als "Sam the Sham", der mit seiner Gruppe "The Pharaohs" im Sommer 1965 ihren ersten Hit "Wooly Bully" hatte. In der Compact-Emulation steht nur der UPPER-Part zur Verfügung, neun Register bietet: Bass 16’, Strings 16’, 8’, 4’, Flute 8’, 4’, Oboe 8’, Trumpet 8’ und Piccolo 4’. Diese lassen sich ebenfalls über die Touch-Sensoren bedienen. Allerdings werden sie nicht stufenlos gemischt, sondern wie beim Original nur an- und ausgeschaltet. Alternativ lassen sich über den PERC-Taster sog. MBT-Register aufrufen. MTB steht für Multi-Tone-Booster. Sie bestehen aus den drei Basisregistern Bass 16’, 8’ und 4’. Ein vierter, MTB genannter Zugriegel erzeugt für jedes Basisregister ein sehr obertonreiches, sägezahn-ähnliches Zusatzregister, das stufenlos hinzugemischt werden kann. Damit lässt sich der Klang mit nur vier Drawbars blitzschnell von warm und weich hin zu scharf und schrill verbiegen. Auch hier sorgt der Vibrato-Effekt der Vox-Emulation für Lebendigkeit im Klang.

Für alle Orgelmodelle steht auch ein Rotary-Effekt zur Verfügung. Dieser kann nur aktiviert oder deaktiviert werden, und lässt sich zwischen den Geschwindigkeiten Slow und Fast umschalten. Ansonsten sind keine weiteren Einstellungen möglich. Leider kann er den anderen Parts nicht zugewiesen werden. 

E.Piano-Part

Tine-, Reed- und FM-Elektropianos

Die Modeling Engines des E.Piano-Parts emulieren insgesamt drei Typen. Jeder Typ ist dabei mit eigenen Presets ausgestattet. 

TINE erzeugt diverse Varianten der Rhodes-Pianos Mk I, Mk II und MK V. Das Klangspektrum der neun Presets reicht von glockig bis bissig. Einige davon sind zusätzlich mit Amp-Simulation oder typischen Rhodes-Effekten wie Panning und Phaser gewürzt.

Sechs Varianten der Wurlitzer-Pianos 200 und 200A versammeln sich in der Gruppe REED. Auch hier sind die Sounds zum Teil mit einer Amp-Simulation, dem obligatorischen Tremolo-Effekt, sowie Chorus und Overdrive verfeinert. 

In der dritten Abteilung mit sieben Presets tummeln sich FM-Pianos in verschiedener Couleur von matt und knochig bis hin zu brillant und glockig, sowie zwei balladeske Layer-Sounds (E.Piano Pad und Piano Pad). Auch hier sind einige Presets mit einem Chorus-Effekt versehen. 

Die Panning- und Tremolo-Effekte lassen sich übrigens mit dem Bend-Hebel links neben der Tastatur deaktivieren.

Akustikpiano-Part

Grandpianos, Uprightpianos & E.Grandpianos

Die Pianos der Vox-Continental sind pro Taste mit loopfreien Stereo-Samples bestückt, mit bis zu zwölf Velocity-Layers ausgestattet und in drei Gruppen eingeteilt. 

Mit den sechs Presets der Gruppe GRAND kommen zwei unterschiedliche Flügel-Samples in verschiedenen Varianten zum Einsatz. Die Klänge unterscheiden sich hauptsächlich in der Helligkeit ihrer Klangfarbe und in der Stereobreite.

Die sieben Varianten der UPRIGHT-Pianos basieren ebenfalls auf zwei unterschiedlichen Samples, die jeweils als Stereo- und Mono-Variante vorliegen. Hinzu gesellen sich ein Old Upright mit warmem Charakter und leichten Tuning-Schwebungen, ein typisches Honky Tonk und ein metallisches, drahtiges Cold Upright Piano.

Als dritte Abteilung rundet die Gruppe E.GRAND das Klavier-Angebot mit zwei CP70-Sounds, dem legendären Piano-Sample des Korg M1 und zwei Layersounds bestehend aus Akustik- und FM-Pianos ab.

Key/Layer-Part

Key, Brass, Strings, Lead, Synth und Other

In der vierten und letzten Sektion der Klangerzeugung tummeln sich neunundsechzig zusätzliche PCM-Sounds, die man als Live-Keyboarder immer wieder braucht. Diese sind nach Instrumentengattungen in sechs Gruppen KEY, BRASS, STRINGS, LEAD, SYNTH und OTHER kategorisiert. Darunter befinden sich Clavinets, klassische Tasteninstrumente wie Pfeifenorgel oder Harpsichord, akustische und elektronische Streicher, Bläser, Synth-Sounds wie Leads, Synth-Brass, Pads, perkussive Instrumente und Bell-Sounds, sowie einige Mellotron-Sounds. Über die Touch-Sensoren lassen sich die wichtigsten Parameter der Tonerzeugung in Echtzeit steuern. Darunter die Hüllkurven-Werte Attack, Decay und Release, der Filter Cutoff und Resonance, die Intensität und Geschwindigkeit des LFO, sowie Assign 1 und 2. Letzteren sind je nach Sound passende Funktionen fest zugewiesen, z.B. Portamento oder eine Klangvariante des Presets. Die LFO-Parameter ersetzen hier das fehlende Modulationsrad.

Layer Funktion

Zwei der vier Parts der Tonerzeugung können zu einem Layer kombiniert werden. Dafür drückt man einfach die beiden Part-Taster gleichzeitig (z.B. E.Piano und Piano). Mit den Level-Potis der einzelnen Sektionen regelt man die Balance. Leider lassen sich die Parts nicht unabhängig voneinander auf die Effekte routen. Die vorgenommenen Effekt-Einstellungen wirken immer auf beide Parts. Ebenso fehlt eine für alle Parts dienende Split-Funktion, mit der man mehrere Parts unabhängig voneinander spielen könnte, was in Live-Situationen gerne gemacht wird. Lediglich die Orgeln bieten Split-Möglichkeiten. Unabhängig davon ist es natürlich möglich, die Tastatur auf Knopfdruck in der Oktave oder in Halbtonschritten, zu transponieren.

Effekte

Modulationseffekte, Delays, Hall und ein grafischer 9-Band EQ

Für anständige Live-Sounds sind Effekte wie das Salz in der Suppe. Deshalb verfügt die Vox-Orgel über drei Effektblöcke und einen Master-EQ. 

Der erste Block besteht aus sechs unterschiedlichen Effekten. Darunter die Modulationseffekte Chorus, Flanger und Phaser sowie ein Wah Wah-Effekt,  ein Kompressor (Comp) und ein Verzerrer (Drive). Die Bedienung erfolgt über einen EFFECTS-Taster zum An- und Ausschalten des Effektes und über ein Poti. Dieses regelt in seiner Erstfunktion die Intensität des Effektes. Dreht man das Poti bei gedrückter EFFECTS-Taster kann man einen zweiten Wert einstellen. Somit lässt sich z. B. die Geschwindigkeit der Modulationseffekte oder der Tone-Parameter der Verzerrung anpassen. Zusätzlich lässt sich das Wah Wah mit dem angeschlossenen Control-Pedal steuern.

Ein Delay bildet den zweiten Block der Effekt-Abteilung. Die Vox kann vier verschiedene Delay-Typen erzeugen: ein Stereo-Delay, ein Panning-Delay, ein Band-Echo und einen chorus-ähnlichen Delay-Effekt mit Schwebungen. Die Auswahl erfolgt über „versteckte“ Tastenkombinationen. Auch hier gibt es einen Taster, der das Delay aktiviert und ein Poti, das den Effektanteil regelt. Bei gedrücktem DELAY-Taster regelt das Poti den Feedback-Parameter. Mit einem weiteren Tap-Tempo-Taster lässt sich spielend leicht die Geschwindigkeit des Delays eintippen. Die rhythmische Auflösung des Delays ist auf Achtelnoten eingestellt. Möchte man andere rhythmische Intervalle haben, so muss man diese im entsprechenden Tempo "eintappen". Bei punktierten Notenwerten und Triolen ist das jedoch etwas mühsam.

Im dritten Effektblock kommt ein Halleffekt (REVERB) zum Einsatz. Die Bedienung ist analog zum Delay-Effekt. Über Tastenkombinationen lassen sich verschiedene Halltypen aufrufen: Hall 1/2, Room 1/2 und Spring (Federhall). Ein Taster schaltet den Effekt an und aus, ein Poti bestimmt den Hallanteil und regelt bei gedrückter REVERB-Taste die Länge des Halls.

Zur Anpassung des Gesamtsounds der Vox-Orgel an die akustischen Gegebenheiten steht ein globaler grafischer 9-Band Equalizer zur Verfügung, dessen Bänder sich jeweils um 12 dB anheben oder absenken lassen.

Valve Drive

Nutube-Technologie im Einsatz

Als ganz besonderes Feature kommt bei der Vox Continental die von Korg und der Firma Noritake Itron neu entwickelte Nutube-Röhren-Technik zum Einsatz. Die Nutube-Röhre ist wie eine konventionelle Röhre als Triodenröhre aufgebaut, arbeitet aber mit der Technologie von Vakuum-Fluoreszenz-Anzeigen. Dabei soll sie bei geringerem Platzbedarf und Stromverbrauch die gleiche Ansprache und die gleichen satten Obertöne bieten wie konventionelle Röhren. Links oben auf dem Bedienfeld befinden sich kleine Lüftungsschlitze unter denen sich die Röhre versteckt. Aktiviert man mit dem Taster die Valve Drive Funktion, beginnt es unter den Lüftungsschlitzen zu leuchten. Erhöht man mit dem Poti den Effektanteil, wird auch das Leuchten heller. Ein schöner optischer Effekt zur Unterstützung des Höreindrucks, bei welchem dem Signal weitere Obertöne hinzugefügt werden.

Dynamics

Dynamik während des Spielens anpassen

Mit dem DYNAMICS-Poti passt man die Anschlagempfindlichkeit der Tastatur stufenlos an die Musik bzw. die eigene Spielweise an, um den Sounds zu mehr Durchsetzungsfähigkeit zu verhelfen. Gerade im Live-Kontext bietet die DYNAMICS-Funktion besondere Vorteile, da ohne Veränderung der Anschlagshärte, die Ansprache der Tastatur durch Bewegen des DYNAMIC-Potis nach links und rechts, ausgehend von der neutralen Mittelstellung, von weniger empfindlich bis sehr empfindlich justiert werden kann. Die Wirkungsweise des DYNAMIC-Features kann man übrigens auch in unserem Korg Grandstage Stagepiano Test nachlesen. Im Gegensatz zu anderen Keyboards, gibt es bei der Continental sonst keine festen, vorgegebenen Dynamikkurven. Die DYNAMICS-Regelung ist sicherlich ein nützliches Feature auf der Bühne, um das Hörergebnis des zu spielenden Parts schnell an das musikalische Geschehen anpassen zu können.

Scenes

Plätze für die Ablage eigener Registraturen

Zum Ablegen eigener Soundeinstellungen bietet die Vox Continental 16 SCENES, die in 4 Bänke á 4 Speicherplätze organisiert sind. Alle Parameter wie Part- und Presetauswahl, sowie Effekt-Einstellungen werden dort festgehalten. Globale Effekte wie EQ, Valve Drive und Dynamics werden nicht abgespeichert um sie im Live-Betrieb schnell ändern zu können. Im modernen digitalen Zeitalter sind 16 Speicherplätze natürlich nicht gerade üppig. Deshalb bietet die Continental Möglichkeiten, die 16 Szenen direkt auf einem angeschlossenen USB-Speichermedium mit bis zu 2 TB Größe abzulegen und bei Bedarf wieder ins Instrument zu laden. Konzeptionell ähnelt die Vox Continental dem eben schon erwähnten Korg Grandstage sowie dem Nord Electro. Das Instrument ist klar strukturiert und bietet einen übersichtlichen, auf das Wesentliche reduzierten Funktionsumfang. Schauen wir nun, wie sich das auf den Einsatz in der Praxis auswirkt.

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