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28.09.2018

Video-Gesangsworkshop #7 – Optimales Einsingen vor dem Üben, vor dem Konzert

Das richtige Warm-Up für die Stimme

Einsingen kompakt: Die 10 wichtigsten Übungen für unterwegs

Wie singt man sich eigentlich "richtig" ein? Wie funktioniert gutes Einsingen überhaupt? Wie viele und welche Übungen muss ich machen? Wie lange muss ich diese machen? Wie viel Zeit sollte es beanspruchen? Wann singe ich mich ein? Gibt es Unterschiede beim Einsingen vor dem Konzert oder zu Hause vor dem Üben?

Das sind die typischen Fragen, die mir als Vocalcoach immer wieder gestellt werden. Deswegen möchte ich euch in diesem Video-Gesangsworkshop zeigen, wie ihr ein gutes Warm-Up aufbaut und euch Beispielübungen sowie ein "Warm-Up to go"-Special zum Download an die Hand geben. Seht diesen Workshop als Inspiration, wie ihr euer ganz persönliches perfektes Einsingen gestalten könnt, denn es gibt immer mehrere Wege gut aufgewärmt auf die Bühne zu gehen oder singen zu üben.

1. Wann ist der beste Zeitpunkt zum Einsingen?

Wenn ihr üben möchtet, startet ihr wie bei einem klassischen Sport Warm-Up direkt vor dem Singen mit Übungen, um euer Instrument vorzubereiten.

Vor einem Konzert (oder einer Probe) sucht ihr euch irgendwann am selben Tag eine halbe bis eine ganze Stunde, in der ihr Zeit und Ruhe habt, und wärmt euch auf. In der Praxis heißt das, dass ihr euch zu Hause (oder im Hotel) in aller Ruhe einsingt, warm in den Club fahrt, wo es selten eine ruhige Ecke gibt, und dort vor dem Soundcheck nur kurz Dinge wie Atmung, Resonanzen und Kopf- und Bruststimme noch einmal durchgeht. Fünf Minuten vor dem Gig macht ihr den dritten Check, der meistens nur ein Antippen ist, da Stimme und Körper schon warm sind. So seid ihr gut gewappnet und in jeder Situation stimmlich geschützt.

2. Wie lange hält das Einsingen?

Ein Warm-Up hält den ganzen Tag über! Ihr habt euren Körper und eure Stimme grundsätzlich warm gemacht. Selbst wenn bis zur Probe, zum Soundcheck oder zum Auftritt Zeit vergeht, braucht ihr später nur einen kurzen Check (siehe oben), um alles wieder wachzurufen.

3. Wie lange sollte das Warm-Up dauern?

Für mich gibt es keine vorgeschriebene Länge. Gestaltet euer Aufwärmen so lange oder so kurz, bis euer Körper gedehnt und warm ist, alle Resonanzräume aufgeweckt sind und die Stimme zum Laufen gebracht ist.

Vor dem Konzert: In der Regel nehme ich mir die letzte Stunde, bevor es zum Auftrittsort losgeht, Zeit für mein Warm-Up. Bevor ich anfange, ist alles gepackt und erledigt. Mein Kopf kann sich ganz auf den vor mir liegenden Auftritt konzentrieren. An guten Tagen bin ich sehr schnell mit dem Einsingen durch, an schlechten Tagen habe ich genug Zeit, meine Stimme ganz langsam in Form zu bringen.

Dabei geht es mir nicht um Quantität (die Länge oder Menge von Übungen), sondern um Qualität!

Ich mache eine Warm-Up-Übung so lange, bis ich sie einwandfrei hinbekomme. Wenn sie perfekt funktioniert, mache ich sie noch einmal, um sicherzustellen, dass es kein Zufall war. An manchen Tagen bin ich körperlich und stimmlich so fit drauf, dass die Übungen sehr schnell funktionieren und ich in kürzester Zeit mit meinem Warm-Up durch bin. An anderen Tagen lege ich mich erst mal 20 Minuten auf den Boden und dehne meinen Körper, weil ich mich fühle, als bestünde ich aus lauter unzusammenhängenden, verknoteten Einzelteile, die erst einmal wieder ein Ganzes werden müssen.

Jeder Tag ist anders. An dem einen reichen fünf Minuten (weil einfach alles passt), an einem anderen braucht ihr viel Zeit, damit ihr ganz langsam in die Gänge kommen könnt. Ich halte mir als Faustregel eine Stunde frei - egal, wie viel Zeit ich letztendlich davon brauche.

4. Wie baut man ein Warm-Up auf?

Ich unterteile mein Warm-Up in drei grundsätzliche Bereiche, die ich mit Übungen fülle:

1) Körper

2) Geist
3) Stimme


Ihr fangt mit dem Körper an und dehnt euch ausgiebig, um eure Muskeln ganz geschmeidig, locker und offen zu machen, damit eure Stimme überall in euch Platz hat und klingen kann.

Auch euer Geist sollte ganz wach und aufmerksam sein (lustigerweise habe ich entdeckt, dass dieser Zustand dem Yoga sehr ähnlich ist, obwohl ich bis jetzt nicht mal eine Handvoll Yogastunden gemacht habe). Ihr horcht in euch hinein und schaut euch an, wie ihr drauf seid. Spürt die Aufregung und die Vorfreude, und was sonst noch so an Ereignissen und Emotionen in euch ist, damit ihr auch von hier aus eine Verbindung zu eurer Stimme herstellt. Wenn ihr zum Beispiel total schlecht drauf seid, ist es kein Wunder, wenn eure Stimme keinen Ton von sich geben möchte. Ihr müsst eben nicht nur eure Stimme abholen, sondern auch euren Kopf.

Die Stimm- und Atemübungen aus dem Workshop unten kommen als letztes ins Spiel.

5. Muss man sich laut einsingen, wenn man später auf der Bühne laut singt?

Nein. Meiner Erfahrung nach kommt die Power ganz schnell, wenn man warm ist. Wichtiger als laut zu singen ist es, die Muskeln in Bereitschaft zu versetzen, damit sie bei Vollgas das Richtige tun. Wenn ihr stimmlich einmal nicht fit seid, könnt ihr euch sogar lautlos einsingen. Ihr denkt die Töne nur, macht dabei aber alle körperlichen Bewegungen genau so wie mit Stimme.

Wenn ihr euch eine schwierige laute Stelle unbedingt noch einmal verdeutlichen wollt, probiert diese ganz am Ende, wenn ihr komplett warm seid.

6. Und was gibt es sonst so zu beachten beim Einsingen?

Sammelt Erfahrungen!
Probiert aus, was euch gut tut. Bei großer Aufregung hilft zum Beispiel körperliche Aktivität, wie etwa Wohnung schrubben (kein Witz). Es ist also ganz egal was ihr tut; Hauptsache es passt an dem Tag für euch. Wenn ihr keine Lust auf Übungen habt, könnt ihr euch natürlich auch mit Songs einsingen. Am besten eignen sich Lieblingssongs. Beginnt mit denen, die sich einfach singen lassen.

Warmes Essen vor dem Gig, und sei es nur ganz wenig, gibt Zusatzenergie!

Je mehr Auftritte ihr habt, desto wichtiger ist eine straighte Warm-Up-Routine. Ohne Einsingen auf die Bühne zu gehen kann funktionieren, wenn ihr nur einen Auftritt in einer ganzen Weile habt. Stehen aber eine Reihe von Gigs ins Haus, ist ein Warm-Up für die stimmliche Fitness unerlässlich.

Während es Einsingens geht es nicht darum, möglichst cool zu wirken, sondern die Stimme auf Touren zu bringen. Wundert euch also nicht, wenn einige Übungen lustig oder komisch aussehen - probiert sie einfach aus.

Übungen zum Einsingen

Körper öffnen

Los geht es mit dem Einsingen: In diesem Video geht es um den Körper. Ich zeige euch ein paar Dehnübungen, gehe auf die Haltung ein und zeige Übungen, um den Kiefer zu lockern. Wer von euch gern mehr Übungen dafür hätte, der schaut am besten bei unseren Basic Vocalworkshops Teil 1 und Teil 2 mit Schirin vorbei.

Atmung wach machen

Euer ‚Motor’ muss sich warm laufen, wenn die Performance gut werden soll: Eine gute Atmung ist beim Singen schon die halbe Miete. Im Video zeige ich euch ein paar schöne Übungen – auch für die Lippen und Artikulation.

Stimme anwerfen

Der ganze Körper singt mit: In diesem Abschnitt geht es um Resonanzen - die zusätzlichen ‚Lautsprecher’ eurer Stimme. Wir sprechen über Tiefe und Höhe, die verschiedenen Lagen und ihre Verbindung, um Artikulation, Räume im Mund und Konzentration.

Einsingen kompakt - Das Special für unterwegs

10 Übungen für 10 Minuten: Wenn ihr eine kompakte Zusammenfassung zum „Antippen“ der Stimme ‚on the road’ sucht, seid ihr hier genau richtig: Ich zeige euch 10 Übungen, die es euch erlauben in 10 Minuten die Stimme in Form zu bringen. Diesen Teil könnt ihr sogar herunterladen, auf euer Handy spielen und immer bei euch haben, damit ihr stets bereit seid... Den Link findet ihr unten!

Download: Für unterwegs...

Unser kompakter Einsingworkshop zum Runterladen als ZIP-File im richtigen Format für euer Handy: beim iPhone am Rechner einfach in iTunes rein ziehen und synchronisieren, bei Smartphones mit Android auf die SD-Karte kopieren.

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