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Vocal Quickie Workshop #12 – Richtiges Einsingen vor dem Gig

Wer kennt das nicht? Zu spät im Club angekommen und dann ist es auch noch laut und dreckig. Viel Platz ist ebenfalls nicht vorhanden. Kurz: Aus dem richtigen Einsingen vor dem Soundcheck wird nichts und wenn es schlecht läuft, muss man den Gig über mit der Stimme kämpfen. Aber wie funktioniert gutes Einsingen überhaupt? Wie viel Zeit sollte es beanspruchen? Und was ist überhaupt „richtig“?

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Im folgenden Text werde ich euch ein paar grundlegende Infos rund ums Einsingen geben. Ergänzt mit meinen ganz persönlichen Erfahrungen „on the road“. Einzelne Übungen werden dieses Mal nicht behandelt, da ihr diese nach euren individuellen Anforderungen zusammenstellen solltet.

1. Wie lange hält das Einsingen?

Ein Warm Up hält im Prinzip den ganzen Tag über. Ihr habt euren Körper und eure Stimme grundsätzlich warm gemacht. Selbst wenn bis zu dem Auftritt etwas Zeit vergeht, braucht ihr später nur einen kurzen Check, um alles wieder wachzurufen.
Das heißt für mich in der Praxis, dass ich mich zu Hause (oder im Hotel) in aller Ruhe einsinge, warm in den Club fahre und dort vor dem Soundcheck kurz Dinge wie Atmung, Resonanzen und Kopf- und Bruststimme durchgehe. Der dritte Check, der meistens nur ein Antippen ist, erfolgt erst fünf Minuten vor dem Gig. So bin ich gut gewappnet und in jeder Situation stimmlich geschützt. Ein Sänger kam einmal ganz zerstört zur Gesangsstunde. Er musste stundenlang im Studio warten, bis er dran war und hat sich, weil er es „richtig“ machen wollte, ständig neu eingesungen. Bei der eigentlichen Aufnahme war seine Stimme dann erschöpft.

2. Wie lange muss das Warm Up dauern?

Für mich gibt es keine vorgeschriebene Länge. In der Regel nehme ich mir die letzte Stunde bevor es zum Auftrittsort los geht Zeit für mein Warm Up. Bevor ich anfange ist alles gepackt und erledigt. Mein Kopf kann sich ganz auf den vor mir liegenden Auftritt konzentrieren. An guten Tagen bin ich sehr schnell mit dem Einsingen durch, an schlechten Tagen habe ich genug Zeit, meine Stimme ganz langsam in Form zu bringen. Dabei geht es mir nicht um Quantität (die Länge oder Menge von Übungen) sondern um Qualität. Ich mache eine Warm Up Übung so lange, bis ich sie einwandfrei hinbekomme. Wenn sie perfekt funktioniert, mache ich sie noch einmal um sicherzustellen, dass es kein Zufall war.
An manchen Tagen bin ich körperlich und stimmlich so fit drauf, dass die Übungen sehr schnell funktionieren und ich in kurzer Zeit mit meinem Warm Up durch bin. An anderen Tagen lege ich mich erst mal 20 Minuten auf den Boden und dehne meinen Körper, weil ich mich fühle, als bestünde ich aus lauter unzusammenhängenden, verknoteten Einzelteilen, die erst einmal wieder ein Ganzes werden müssen.

3. Wie baue ich ein Warm Up auf?

Ich unterteile meine Warm Up in drei grundsätzliche Bereiche die ich mit Übungen fülle:


1) Körper

2) Stimme

3) Geist


Ich fange mit dem Körper an und dehne mich ausgiebig, um meine Muskeln, also meine Körper-Hülle, ganz geschmeidig, locker und offen zu machen, damit meine Stimme überall in mir Platz hat und klingen kann. Auch mein Geist soll ganz wach und aufmerksam sein. Lustigerweise habe ich entdeckt, dass dieser Zustand dem Yoga sehr ähnlich ist, obwohl ich bis jetzt nicht mal eine Hand voll Yogastunden gemacht habe. 
Ich horche ich in mich hinein und schaue mir an, wie ich drauf bin. Spüre die Aufregung und die Vorfreude, und was sonst noch so an Ereignissen und Emotionen in mir rumfliegt, damit ich auch von hier aus eine Verbindung zu meiner Stimme herstelle. Wenn ich zum Beispiel total schlecht drauf bin ist es für mich kein Wunder, wenn meine Stimme keinen Ton von sich geben möchte. Ich muß eben nicht nur meine Stimme abholen, sondern auch meinen Kopf.

4. Muss ich mich laut einsingen, wenn ich später auf der Bühne laut singe?

Nein. Meiner Erfahrung nach kommt die Power ganz schnell, wenn man warm ist. Wichtiger als laut singen ist es, die Muskeln in Bereitschaft zu versetzen, damit sie bei Vollgas das richtige tun. Wenn ihr stimmlich einmal nicht fit seid, könnt ihr euch sogar lautlos einsingen. Ihr denkt die Töne nur, macht dabei aber alle körperlichen Bewegungen genau so wie mit Stimme.
Wenn ich mir eine schwierige laute Stelle noch einmal verdeutlichen will, dann probiere ich diese ganz am Ende, wenn ich komplett warm bin. 

5. Und sonst so?

  • Sammelt Erfahrungen. Probiert aus, was Euch gut tut. Bei großer Aufregung hilft mir zum Beispiel körperliche Aktivität, wie etwa Wohnung schrubben (kein Witz). Es ist also ganz egal was ihr tut; für mich hat es an dem Tag gepasst. Mir ging es besser und zu Hause konnte ich vom Boden essen;-) – Wenn ihr keine Lust auf Übungen habt, könnt ihr euch natürlich auch mit Songs einsingen. Am besten eignen sich Lieblingssongs. Beginnt mit denen, die sich einfach singen lassen.
  • Warmes Essen vor dem Gig, und sei es nur ganz wenig, gibt Zusatzenergie.
  • Je mehr Auftritte ihr habt, desto wichtiger ist eine straighte Warm Up Routine. Ohne Einsingen auf die Bühne zu gehen kann funktionieren, wenn ihr nur einen Auftritt in einer ganzen Weile habt. Stehen aber eine Reihe von Gigs ins Haus, ist ein Warm Up für stimmliche Fitness unerlässlich.
  • Wenn Ihr eine Inspiration für ein mögliches Warm Up braucht schaut mal hier.

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von Catharina Boutari

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