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Workshop
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08.05.2020

Synthesizer und Sounddesign #7: Bass-Sounds

Synthesizer Sounddesign für Einsteiger

Synth-Bass-Sounds einfach selbst programmieren

Bass, Bass, wir brauchen Bass! In dieser Folge des Workshops Synthesizer und Sounddesign dreht sich alles um Synth-Bässe. Wir programmieren einige klassische Bass-Sounds, die sich vielseitig einsetzen lassen.

Schon kurz nach dem Aufkommen der ersten Synthesizer erwies sich der Bassbereich als ganz besondere Stärke der neuen Instrumentengattung. Pioniere wie Herbie Hancock, Parliament und Stevie Wonder begannen bald damit zu experimentieren, „echte“ Bässe durch Synthesizer-Bässe zu ersetzen. Und spätestens mit dem Aufkommen der Synthie-Pop-Bands der späten 1970er und frühen 1980er waren Synth-Bässe im Mainstream angekommen.

Dass sich Synthesizer so gut als Bassinstrument eignen, liegt vielleicht auch ein Stück weit daran, dass Bässe für das subtraktive Syntheseverfahren quasi ein „gefundenes Fressen“ sind. Subtraktive Synthesizer verfügen in aller Regel über ein Tiefpassfilter, das tiefe Frequenzen hindurch lässt, hohe aber je nach Cutoff-Einstellung herausfiltert. Und da sich mit elektronischen Oszillatoren Frequenzen erreichen lassen, die tiefer sind als die meisten akustischen oder elektroakustischen Instrumente, waren mit den frühen analogen Synthesizern wie dem Minimoog auf einmal kraftvolle Bässe möglich, die es bis dato nicht gegeben hatte.

Der Minimoog gilt bis heute als einer der Bass-Synthesizer schlechthin. Aber auch mit fast jedem anderen Synthesizer lassen sich kraftvolle Bässe erzeugen, die die Wände zum Wackeln bringen. In diesem Workshop zeigen wir, wie es geht.

Quick Facts: Synth Bass

Ein Synth-Bass ist ein Synthesizer-Sound, der in einem Track die Bassstimme spielt. Seine Hauptaufgaben entsprechen denen einer von einem Bassisten gespielten Bassline: Für ein harmonisches Fundament zu sorgen und gleichzeitig zum Groove des Titels beizutragen. Dabei sollte der Bass gut auf die Bassdrum und andere tieffrequente Instrumente abgestimmt sein, damit es im Bassbereich keine Konflikte gibt und das Arrangement „aus einem Guss“ wirkt.

Vor allem in elektronischen Stilen tritt der Synth-Bass oft stärker in den Vordergrund und trägt durch einen markanten Sound mit Wiedererkennungswert zum Charakter eines Stückes bei. Es gibt auch Titel, bei denen die Bassline so prägnant ist, dass sie zugleich die Aufgabe einer Hookline erfüllt. Hier ist alles erlaubt, solange das Arrangement davon profitiert. 

Was macht einen guten Synth-Bass aus?

Wie schon bei den Pads und Flächensounds der letzten Folge gilt bei Bässen: Einfacher ist meist besser. Der Bass spielt in einem Arrangement selten die Hauptrolle. Er soll ein Fundament schaffen und zum Groove beitragen, aber den Melodieinstrumenten oder dem Gesang dabei nicht in die Quere kommen. Deshalb sollte man bei Bass-Sounds auf allzu komplexe Kreationen mit ausgefallenen Modulationen verzichten – es sei denn, dies ist ausdrücklich erwünscht und passt zum Arrangement des Tracks.

Auch deshalb habe ich für die Beispielsounds dieser Workshop-Folge den beliebten Software-Synthesizer TAL-U-NO-LX verwendet, eine sehr gute Emulation des Roland Juno-60. Der polyphone Juno ist nicht unbedingt als typischer Bass-Synthesizer bekannt. Wegen seiner sehr übersichtlichen Struktur eignet er sich aber sehr gut dafür, mit wenigen Handgriffen einen Sound zu bauen, der sich gut in einen Track einfügt. Wer das Plug-In nicht besitzt, kann auf die etwas ältere Freeware-Version U-NO-62 zurückgreifen, die aber leider auf aktuellen Macs nicht mehr läuft. Windows-Nutzer können das Plug-In hier herunterladen. 

Die Sounds dieser Folge lassen sich im Prinzip aber auf fast jedem Synthesizer nachbauen, der einen Oszillator mit Rechteck- und Sägezahnschwingungen, einen Suboszillator, ein Tiefpassfilter und eine Hüllkurve besitzt. Besitzer des TAL-U-NO-LX können sich die fertigen Patches für den Software-Synthesizer am Ende dieses Artikels herunterladen.

Beispielsound 1: Classic Funk Bass

Der Funk der 1970er war das erste Musikgenre, in dem sich der Synth-Bass so richtig durchsetzen konnte. Unser erster Beispielsound orientiert sich an Herbie Hancocks „Chameleon“ vom Album „Head Hunters“ aus dem Jahr 1973 – noch heute einer der Synthesizer-Bässe mit dem höchsten Wiedererkennungswert.

Der Sound bekommt seine funky Vibes durch die Filterhüllkurve. Sie klingt ein bisschen nach einem Auto-Wah-Effekt, wie ihn Funk-Bassisten jener Zeit gerne einsetzten.

Wir beginnen wie immer mit einem frisch initialisierten Preset, das nur aus einer Sägezahnschwingung besteht. Ein solches „weißes Blatt Papier“ speichere ich mir grundsätzlich bei jedem meiner Synthesizer ab, um eine neutrale Grundlage für die Klangprogrammierung zu haben. Das Preset U-No-LX Init liegt dem Downloadpaket am Ende des Artikels ebenfalls bei.

Im ersten Schritt transponieren wir den ganzen Sound mit dem Schalter Octave Transpose eine Oktave nach unten und stellen unter Max Poly eine maximale Polyphonie von einer Stimme ein. Für Bässe ist es eindeutig besser, wenn sich der Sound nur monophon spielen lässt. Einerseits verhindert dies, dass man versehentlich zwei Töne gleichzeitig spielt, was im Bassbereich furchtbar klingt. Andererseits kann man auf diese Weise die Portamento-Funktion nutzen, mit der sich Basslines lebendiger gestalten lassen.

Dann schalten wir zusätzlich zum Sägezahn die Pulsschwingung an. Der Juno verfügt nur über einen einzigen Oszillator. Er kann gleichzeitig Sägezahn- und Pulsschwingungen erzeugen, die sich jedoch nicht getrennt in der Lautstärke regeln lassen. Um dies zu simulieren, nimmt man bei anderen Synthesizern einen zweiten Oszillator hinzu, der genau wie der erste gestimmt wird und auch auf die gleiche Lautstärke eingestellt wird.

Die Breite der Pulsschwingung lässt sich mit dem Schieberegler PW manuell regeln. Diesen stellt ihr auf etwa 8,6 (der Wert wird in der linken unteren Ecke des Plug-Ins angezeigt). Nun klingt der Sound so:

Kommen wir nun zum Filter (VCF). Freq (Cutoff) wird auf etwa 1,5 eingestellt, Resonance auf ca. 6. Um die Filtersteuerung per Hüllkurve zu aktivieren, dreht ihr den Regler Env in der Filtersektion auf etwa 3 auf. Und mit dem Regler Keyb fügen wir etwas Filter-Keytracking hinzu, sodass der Cutoff bei höheren Tönen etwas weiter geöffnet wird als bei tiefen Tönen. Keyb bekommt einen Wert von ca. 5.

Der Juno besitzt nur eine ADSR-Hüllkurve, die das Filter und zusätzlich wahlweise auch die Lautstärke steuert. Sie erhält die folgenden Werte: Attack=3; Decay=3,5; Sustain=5; Release=3,5. Nun sollte der Sound so klingen:

Mit dem Schalter VCA aktivieren wir nun zusätzlich die Hüllkurvensteuerung der Lautstärke.

Seit wir den Filter-Cutoff eingestellt haben, klingt der Sound jetzt sehr dumpf. Das liegt daran, dass wir etwas „Luft nach oben“ für eine Steuerung per Anschlagstärke (Velocity) gelassen haben, die wir jetzt aktivieren. Dreht den Regler Vel Env in der Sektion Control auf etwa 2,4 auf. Jetzt wirkt sich die Anschlagstärke darauf aus, wie stark das Filter von der Hüllkurve beeinflusst wird. Dadurch kann man dynamischer spielen und lebendigere Basslines erzeugen. 

Nun fügen wir noch etwas Portamento hinzu. Dies bewirkt, dass der Oszillator jeweils einen ganz kurzen Moment braucht, um von einer zur nächsten Tonhöhe zu „rutschen“, was ebenfalls für einen lebendigeren Klang sorgt. Aktiviert in der Sektion Portamento den Time-Modus, stellt den Wahlschalter auf II und dreht den Regler auf etwa 1 auf. Mit der Portamento-Zeit könnt ihr natürlich experimentieren.

Und damit ist unser Classic Funk Bass fertig. Um den Sound noch etwas bissiger zu machen, habe ich zum Schluss noch etwas Sättigung bzw. Overdrive mit einem externen Plug-In hinzugefügt, dem kostenlosen Klevgränd Freeamp.

Beispielsound 2: House Bass

Der zweite Beispielsound ist ein universell einsetzbarer Bass-Sound. Ich habe ihn „House Bass“ genannt, weil in vielen älteren House-Tracks ähnliche Sounds verwendet werden. Genauso gut eignet er sich aber für 80er-Synth-Pop und ähnliche Stile. Mit ein paar Handgriffen könnt ihr Filter und Hüllkurve so anpassen, dass der Sound zu eurem Track passt.

Los geht’s wieder mit dem Init-Preset.

Zunächst wird wieder die maximale Polyphonie auf eine Stimme heruntergesetzt. Außerdem aktivieren wir zusätzlich zum Sägezahn die Rechteckschwingung.

Als nächstes aktivieren wir den Suboszillator und drehen seinen Lautstärkeregler ganz auf.

Im nächsten Schritt ist einiges zu tun. Der Filter-Cutoff (Freq) wird auf etwa 2,25 eingestellt, die Resonanz auf etwa 3. Mit dem Regler Env bringen wir die Hüllkurve zur Steuerung des Filters zum Einsatz. Er wird auf ca. 2,3 aufgedreht. Zusätzlich aktivieren wir mit dem VCA-Schalter die Hüllkurvensteuerung der Lautstärke.

Die Hüllkurve selbst bekommt die folgenden Einstellungen: Attack=0, Decay=3, Sustain=5, Release=4. Nun sollte das Ganze so klingen:

Um den Sound dynamischer spielbar zu machen, können wir sowohl die Filterhüllkurve, als auch die Lautstärke per Anschlagstärke steuern. Dazu drehen wir unter Control den Regler Vel Env auf etwa 2 auf. Vel/MPE Volume bekommt einen Wert von etwa 6.

Etwas runder wird der Sound noch, wenn zusätzlich die Pulsbreite per Hüllkurve moduliert wird. Dazu stellen wir in der Oszillatorsektion (DCO) den Wahlschalter für die Pulsbreitenmodulation auf Env und drehen den Regler PW auf etwa 3,5 auf. Hier hört ihr den Effekt isoliert bei der Pulsschwingung – zuerst aus, dann eingeschaltet:

Im Zusammenhang klingt das dann so:

Zum Schluss können wir noch den berühmten Chorus des Juno Synthesizers aktivieren, um dem Sound einen Stereoeindruck zu verleihen. Im nächsten Beispiel hört ihr den Chorus in Modus 1. Hierbei muss man gut darauf achten, ob ein so breiter Bass-Sound zum Rest des Arrangements passt. Wenn nicht genügend Platz dafür ist, kann es besser sein, den Sound mono, ohne Chorus zu lassen.

Beispielsound 3: Sub Bass

Unser dritter Beispielsound ist ein breiter Sub Bass, der sich für lange Noten als solides Bassfundament eignet. Bei der Verwendung eines solchen Sounds darf ansonsten im Bassbereich nicht viel los sein, sonst gibt es schnell Klangmatsch. Aber für langsamere Songs und für Passagen, wo der Beat aussetzt, haben sich solche Bässe bewährt. Tummeln sich noch andere Instrumente oder die Bassdrum im Bassbereich, dann sollte man durch den geschickten Einsatz von EQs, Sidechain-Kompressoren und ähnlichen Werkzeugen Platz schaffen. Mehr dazu erfahrt ihr in unserem Crashkurs Mixing.

Wie immer starten wir mit dem Init-Preset:

Die Basis für diesen Sound bildet eine per LFO modulierte Rechteckschwingung. Dazu schalten wir den Sägezahn aus und das Rechteck ein. Dann stellen wir den Schalter für die Pulsbreitenmodulation auf LFO und drehen den Regler PW auf 8. Die maximale Polyphonie reduzieren wir erneut auf eine Stimme.

Die Schwingungsform des LFOs stellen wir im Auswahlmenü (hier steht derzeit „Sine“) auf „Tri“ für Dreieck ein. Der LFO erhält eine Rate (Frequenz) von ca. 1Hz. Diese ist in der Voreinstellung des Init-Presets nicht zum DAW-Tempo synchronisiert, was ich für solche Sounds vorteilhaft finde. Falls eine Synchronisation gewünscht ist, könnte man sie mit dem Schalter Trig Mode aktivieren. Ich habe sie in den folgenden Beispielen auf Free belassen.

Nun fügen wir noch den Suboszillator hinzu, dessen Lautstärkeregler voll aufgedreht wird. Wir brauchen schließlich Bass!

Kommen wir zum Filter, das diesmal nicht moduliert wird. Freq stellen wir auf ca. 2,2, Resonance auf etwa 8. Der recht hohe Resonanzwert bewirkt eine starke Betonung der Cutoff-Frequenz (gerade unterhalb der Selbstoszillation). Zusammen mit dem tiefen Cutoff-Wert ergibt das viel zusätzliche Power im Bassbereich. Allerdings muss man den Cutoff daher sehr feinfühlig einstellen, damit die hervorgehobene Frequenz gut zum Gesamtsound passt.

Den Schalter VCA stellen wir auf Env und geben der Hüllkurve die folgenden Werte: Attack=0,8; Decay=1,4; Sustain=7,5; Release=3.

Ganz leicht fügen wir nun noch Portamento hinzu. Aktiviert den Time-Modus, stellt den Schalter auf II und den Regler auf etwa 0,8.

Nun fehlt noch der Chorus. Dieser Sound ist mal ein Fall für den Modus 2 des Juno-Chorus. Er fügt deutlich wahrnehmbare Schwebungen hinzu, die den Sound schön in die Breite ziehen. Falls dieser Modus zu heftig für einen Track ist, nehmt ihr stattdessen den Modus 1 – oder gar keinen Chorus.

Schlusswort

Bässe gehören zu den klassischen Einsatzbereichen für Synthesizer, und fast jedem Synth lassen sich satte Bässe entlocken. Mit etwas Erfahrung geht es oft schneller, den passenden Sound für einen Track schnell selbst zu bauen, statt lange Preset-Listen zu durchforsten. Mit den Beispielsounds dieser Folge könnt ihr natürlich nach Herzenslust experimentieren, sie auf andere Synthesizer übertragen und nach Belieben an eure Tracks anpassen. Viel Spaß dabei!

Preset-Download

Die Presets für den Software-Synthesizer TAL-U-NO-LX könnt ihr euch hier herunterladen. Um die Dateien dort zu speichern, wo das der Synth sie findet, wählt ihr im Hauptmenü des Plug-Ins die Option "Show Preset Folder". Es öffnet sich ein Explorer- bzw. Finder-Fenster, in dem ihr die Presets ablegen könnt.

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