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Workshop
3
25.07.2015

Synthesizer und Sounddesign #7 - House Bass

Synthesizer Sounddesign für Einsteiger

In dieser Folge des Crashkurses Synthesizer und Sounddesign zeigen wir euch, wie man einen typischen Bass-Sound für Oldschool House Tracks programmiert. Diese Stilrichtung hat ja in den letzten Jahren mit Hits wie „My Love“ von Route 94 und „Hideaway“ von Keisza einen zweiten Höhenflug erlebt und bei einigen Chart-Hits der letzten Jahre fühlt man sich direkt in die frühen Neunziger versetzt. Hier findet ihr den passenden Bass-Sound.

Der House Bass ist eigentlich recht simpel aufgebaut. Der Clou ist der zweite Oszillator, der eine Oktave plus eine Quinte höher gestimmt ist und dafür sorgt, dass der Sound ein kleines bisschen an Orgel-Bässe („Show me love“...) erinnert. Ich habe den Sound diesmal mit dem Roland SH-2 Plug-Out Synthesizer programmiert. Ihr könnt ihn aber mit jedem Synthesizer nachbauen, der zwei Oszillatoren und einen Suboszillator hat.

Wir beginnen mit Oszillator 1, der eine Sägezahnschwingung liefert (eine Rechteckschwingung geht auch, probiert das ruhig aus und entscheidet euch dann, welche Variante ihr lieber mögt). Das ist der Init-Sound, der beim SH-2 Plug-Out Synthesizer auf den leeren Speicherplätzen ab Nr. 46 zu finden ist.

Hinzu kommt der Suboszillator, der auf eine Rechteckschwingung eingestellt wird und eine Oktave tiefer als Oszillator 1 klingt. Im Mixer wird er auf etwa drei Viertel aufgedreht – je nach Synth und Geschmack kann das natürlich auch völlig anders sein.

Oszillator 2 bekommt eine Rechteckschwingung und wird eine Oktave und eine Quinte höher gestimmt als Oszillator 1. Bei manchen Synthesizern (wie dem SH-2) werden die Oktaven der Oszillatoren in Fuß angegeben, was seinen Ursprung in der Länge von Orgelpfeifen hat. 8 Fuß ist halb so lang und damit eine Oktave höher als 16 Fuß. Die zusätzlichen 7 Halbtöne werden mit dem Regler COARSE TUNE eingestellt. Bei einigen Synthies gibt es keinen Fußlagenschalter, sondern nur einen Stimmregler – dann muss Oszillator 2 19 Halbtöne höher als Oszillator 1 gestimmt werden. Im Mixer wird Oszillator 2 etwas leiser eingestellt als Oszillator 1 – in etwa so wie der Suboszillator.

Der Filter-Cutoff wird auf etwa ein Drittel herunter- und die Resonanz ganz leicht aufgedreht. Nun brauchen wir eine Filterhüllkurve mit einer kurzen Decay-Zeit. Das Sustain wird auf Null geregelt und Release in etwa so wie das Decay eingestellt. Der Regler ENV in der Filtersektion steuert, wie stark der Cutoff von dieser Hüllkurve beeinflusst wird und sollte recht weit aufgedreht werden. Je nach Synthesizer könnt ihr das Zusammenspiel von Cutoff, Envelope Depth und Decay nach Belieben justieren und an euren Synth und euren Geschmack anpassen.

Das Decay der Amp-Hüllkurve wird ein ganz kleines bisschen aufgedreht und das Sustain auf etwa 80% reduziert. Die Release-Zeit sollte ungefähr so wie bei der Filterhüllkurve eingestellt sein.

Nun habe ich noch mit dem TONE-Regler die Bässe des Sounds etwas hervorgehoben. Diesen Regler – es handelt sich um eine Art Ein-Knopf-Equalizer – hat natürlich nicht jeder Synthie. Beim SH-2 Plug-Out ist er aber eine schöne Möglichkeit, den Sound untenherum noch etwas satter zu machen.

Indem ihr mit Cutoff, Decay-Zeit und Intensität der Filterhüllkurve experimentiert, könnt ihr aus diesem Basis-Sound eine Menge verschiedene Bässe generieren:

Und so klingt der Sound, wenn man für Oszillator 1 statt des Sägezahns eine Rechteckschwingung verwendet:

In der nächsten Folge widmen wir uns Dance-Chords, wie sie in vielen aktuellen Hits vorkommen.

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