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Test
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17.07.2014

Praxis

Sound

Beim ersten Anspielen fällt sofort auf, dass die Numa Organ sehr ausgewogen und authentisch klingt. Dazu gibt es unten herum ein gutes Pfund an Bass. Ihren Soundcharakter kann man mit sauber, warm und weich beschreiben. Dies kommt vor allem durch eine weiche Attack-Phase, die übrigens alle sieben Orgelmodelle aufweisen, zustande.

Die drei Hammond-Modelle weisen deutliche klangliche Unterschiede auf. Das C-Modell klingt schärfer und schriller, was auf eine Betonung der hohen Zugriegel zurückzuführen ist, während der Sound des A-Modells bassbetonter ist. Die oberen Fußlagen erklingen dabei etwas leiser, woraus ein fetterer, bauchiger Klang resultiert. Am breitesten und präsentesten kommt der Sound des B-Modells daher, bei dem eine Hervorhebung der mittleren Zugriegelregister auffällt. Mir gefallen diese Klangunterschiede sehr gut, so hat man je nach musikalischer Stilistik immer die passende Hammond im Gepäck. Im Audiobeispiel hört ihr als erstes das C-Modell, dann das A-Modell und zum Schluss das B-Modell.

Die Vertreter der elektronischen Orgelklassiker besitzen ebenso die weichen und warmen Klangeigenschaften der Hammond-Modelle. Deutliche Unterschiede zu den Originalen gibt es aber bei der Registrierung. Die Zugriegel verhalten sich mit ihren Fußlagen nämlich weiterhin wie bei einer Hammond-Orgel. Die Orgeln von Farfisa und Vox haben aber mitunter andere Register, die sich nicht zwingend stufenlos mischen, sondern nur an- und ausschalten lassen. Da die drei elektronischen Orgelmodelle nach Schwingungsformen getrennt sind, ist es bei der Numa Organ 2 leider nicht möglich, diese Schwingungsformen miteinander zu kombinieren. Dadurch fehlt mir hier das letzte Quäntchen an Authentizität. Dennoch kann man vor allem in Verbindung mit dem Vibrato-Effekt die gebräuchlichsten Orgelsounds der 60er-Jahre nachbilden. Auch Synthie-ähnliche Klänge sind möglich. Letztendlich sehe ich diese Modelle wegen der nicht authentischen Registrierung aber nicht als komplette Clones der Originale, sondern eher als nette Dreingabe zu den Tonewheel-Modellen. 

Gleiches gilt für die klassische Pfeifenorgel. Der Sound klingt zwar sehr schön mit seinem weichen Attack, aber eine strahlende, majestätische Breite bekommt er nicht zustande. 

Effekte

Hören wir uns als nächstes die typischen Hammond-Effekte an. Bei aktivierter Percussion wird originalgetreu der 1“-Zugriegel abgeschaltet. Ebenso verstummt die Percussion beim Legatospiel. Klanglich schmatzt und klackt sie sehr schön, könnte für meinen Geschmack aber etwas metallischer klingen. Nach oben hin wird sie schon relativ leise und auch dünner. Aber hier kann man ja erfreulicherweise mit den EDIT-Funktionen nachregulieren. 

Die überarbeitete Emulation des Vibrato-Scanners ist sehr gut gelungen. Die Chorus-Effekte besitzen diese typische Höhenanhebung, die den Sound bissiger macht. Sie verleihen den Orgelsounds mehr Breite und schöne Schwebungen. Allerdings ist im direkten Vergleich mit einer Hammond A100 die Lautstärkenmodulation weniger intensiv. Zwischen den Vibrato-Varianten sind deutliche Unterschiede zu hören. Und zwar nicht nur in der Intensität, sondern im ganzen Charakter des Effekts. Ein unangenehmes „Eiern“ ist nicht wahrnehmbar, sondern eher ein schönes „Wabern“. 

Der neue Rotary-Effekt wurde mit viel Liebe zum Detail entwickelt. Er weist authentische Geschwindigkeiten und Anlauf-/Abbremszeiten der Rotoren auf und klingt ausgewogen, aber auch ein wenig flach. Der Effekt des Hornrotors könnte intensiver sein. Es fehlt dem Leslie-Sound etwas an Breite und Tiefe, weshalb der Orgelsound nicht ganz so schön flattern kann, wie man es von einem echten Leslie oder den besten derzeit erhältlichen Simulationen kennt. 

Der Reverb hat – einem Federhall entsprechend – keine Highend-Qualitäten, klingt aber dennoch sehr sauber und klar. Aufgrund seiner angenehmen Dichte und einer mittleren Hallzeit ist er universell mit allen Orgelmodellen einsetzbar.

Der Drive-Effekt ist ein angenehmer, verhältnismäßig brav klingender Verzerrer, der weniger kratzbürstig ist als bei manch anderer Simulation. Die Bandbreite reicht dabei von leicht angeraut bis schmirgelnd. Jedoch hat der Effekt nicht die Reserven für britzelnde, extrem verzerrte Rockorgeln à la John Lord. 

Sehr detailreich wird der Key Click simuliert. Es gibt Key On- und Key Off-Geräusche und leichte Soundvariationen bei jedem Tastendruck. Bei moderater Einstellung schmatzt es recht ordentlich, allerdings klingt der Effekt bei hoher Intensität etwas dünn und künstlich.

Ebenso detailreich wird der Leakage-Effekt abgebildet. Beim Übersprechen der einzelnen Tonräder gibt es kleine Soundvariationen bei jedem Drawbar und jeder Taste mit einer leichten Betonung im Bassbereich bzw. den tiefen Fußlagen. Bei höherer Intensität des Effekts addiert sich diese kleine Betonung allerdings zu einem etwas störenden Brummen.

Bedienung

Die Numa Organ 2 kommt wie eine alte Hammond-Orgel ohne Display aus. Lediglich beleuchtete Taster geben dem Musiker optisch Auskunft über den Zustand des Instruments. Das hat Vor- und Nachteile. Das Bedienkonzept der alten Tonewheel-Orgeln mit direktem Zugriff auf alle Parameter sorgt für Einfachheit und einen sofortigen Überblick über das Instrument. Als Organist findet man sich schnell zurecht. Auf der anderen Seite gibt es ohne Display keine Klartextanzeige der (Preset-) Einstellungen der Zugriegel, Transpose, Tuning usw. Da muss man nach Gefühl und Gehör arbeiten, was in Live-Situationen schon zu der einen oder anderen Überraschung führen kann. Deshalb wäre zumindest ein kleines Display zur Anzeige der Parameterwerte wünschenswert – gerade angesichts der neuen EDIT-Funktionen. Dennoch ist das Instrument übersichtlich und leicht zu handhaben und legt das Hauptaugenmerk darauf, wozu es erschaffen wurde: Musik machen.

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