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Test
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04.03.2021

SSL UF8 Test

Motorfader-Controller

Solid State Logic, kurz SSL, stand einmal ausschließlich für dicke britische Consolen und High-End Outboard im oberen Preissegment. In jüngster Zeit kamen aber auch günstigere Produkte hinzu, die rückblickend und den Hatern zum Trotz echte Erfolge waren: SSL Six, SSL Fusion – und nun der UF8. 

Der neue, relativ kompakte Motorfader-Controller löst auch den SSL Nucleus ab, der mehr als doppelt so groß, viermal so teuer – und noch nicht „Assembled in China“ war. Aber das muss bekanntlich nichts mehr heißen, oder? Zumal neue EU-Richtlinien ohnehin gerade einige Produktlebenszyklen aufgrund neuer EMV-Anpassungen überraschend vorzeitig terminieren.

Details

Same, same but different?

Der SSL UF8 ist ein DAW-Controller mit acht flinken 100mm-Motorfadern in 10-Bit-Auflösung; eingebettet in gebürstetes Space-Grau-Aluminium, umschlungen von einem knappen, gelochten Metallgewand. 

Die Unit bringt 2,9 kg auf die Waage und frisst „ge-racked“ in etwa 6-HE/19 Zoll, genauer sind es 431x62,7x266 mm (BHT). Damit ist der UF8 bei weitem nicht so opulent wie einst der Nucleus, aber ist dennoch eine äußerst stattliche Erscheinung. Das Layout ist schön weitläufig und bietet auch großen Händen genügend Spielraum.

Jeder Fader/Kanal verfügt über einen Push-Encoder, ein eigenes Display sowie die typischen Solo-, Cut- und Select-Taster, die alle bidirektional mit der DAW kommunizieren; je nach Status also entsprechend leuchten oder sich bewegen. 

Verbunden wird via USB und – wie bei vielen anderen Konzepten der Mitbewerber auch – grundlegend mit der DAW via MCU oder HUI-Protokoll kommuniziert. Zusätzlich setzt man hier auch auf die Simulation von Tastatur- und Mauskommandos, um die Möglichkeiten der Individualisierungen zu maximieren. SSL bietet außerdem umfangreiche Presets für Ableton Live, Cubase, Pro Tools, Studio One und Logic, die keiner weiteren Bearbeitung bedürfen.

Bis zu vier Units können ferner kaskadiert werden und bis zu drei Layer gleichzeitig angesprochen werden. So kann man drei DAWs parallel betreiben. Ein Direkt-Layer für SSL Sigma fehlt und wird mit Hinblick auf die neuen EU/EMV-Verordnungen wohl auch nicht mehr kommen. Soweit also alles identisch zu Nucleus.

Neu ist die Kommunikation via USB-C, vorher setzte man auf ein umständliche Netzwerkverbindung. Hinzu kommt die neue Software SSL 360°, die unkomplizierte Verwaltung der Controller/DAW-Belegungen und Hintergrund-Kommunikation übernimmt. 

Ein recht großes Netzteil sowie zwei entsprechende USB-Kabel (USB-C/A) und solide Füße zum Anschrauben sind Bestandteil des Lieferumfangs. Den SSL Vocal Channel und das Drum Strip Plugin gibt es dazu.

Gechained wird zu weiteren Units mit USB, dafür ist die zweite USB-A-Buchse da. Rack-Ohren sind optional erhältlich, eine Fader-Only-Variante gibt es nicht.

Fader-Controller Marktvergleich

Mit einem Straßenpreis von rund 1125 Euro ist der UF8 preislich wie der olle Mackie Control Universal Pro verortetund damit ist der Aufguss auch deutlich teuer als Vergleichbares von Behringer, Presonus und wie sie alle heißen. Und die haben ja auch erstmal alle 100mm-Motorfader und MCU/HU-Protokolle – allesamt sind sie aber deutlich schlechter in die Top 5 DAWs integriert; Presonus Studio One einmal explizit ausgenommen.

Wenn man das Ding hier aus dem Karton pellt, weiß man jedenfalls wo die Kohle hin ist: Hochwertiges, schlankes Industriedesign. Ein absolut durchdachtes Layout mit zurückhaltender, universeller Beschriftung sowie gutem Farbkonzept hinsichtlich der Tastenbeleuchtung. Im Prinzip der alte Klassiker, modern gedacht, in genau der richtigen Größe und um praktische Details ergänzt. 

Da wären beispielsweise die eingerückte Anschlussseite sowie die soliden Metallfüße zu nennen: Zahlreiche Anschraub-Kombinationen ermöglichen mehrere Anstellwinkel, und kratzersichere Positionierungen auf einem dicken Mixer sind dank der verstellbaren Gummi-Poppel ebenfalls problemlos möglich. Der USB-A Thru-Port kann weiterhin für Dongles oder dergleichen missbraucht werden. Und eigene Macros kann man auch ohne Weiteres erstellen.

Große Displays, gute Encoder

Die großen Displays sind aus unterschiedlichen Winkeln einwandfrei lesbar. Die acht korrespondierenden Push Encoder übermitteln zuverlässig Daten, haben aber kaum Drehwiderstand, was Geschmacksache ist. 

Der neunte Encoder ist gerastert und mit einer größeren Kappe versehen. Er bietet Mouse-Wheel-Emulation, durch die man komfortabel am Gerät scrollen kann oder das EQ-Plugin ab sofort zweihändig mit Maus und UF8 bedient („Focus“). Und knattern tut er auch wie ein Mausrad. Navigation und Nudging Modes sind ebenfalls mit dem großen Encoder möglich, per Default scrollt man durch die Fader-Selektion, die sich banken lässt. Ein weiterer Tasten-Cursor bewegt in der DAW herum bzw. zoomt horizontal/vertikal in die Session.

Hinzu kommen viele weitere, RGB-beleuchteten Taster, die allesamt eine gute Größe und einen angenehmen Druckpunkt besitzen. Insgesamt gibt es bis zu 43 individuell belegbare Taster für „häufig“ benutzte Shortcuts sowie Macros. Dazu zählen auch die drei Quick Keys, auf die bereits unterschiedliche DAW-Ansichten gemappt sind. Selbst ein Taster zum Hervorholen des SSL-360-Fensters ist vorhanden. Aber wie gesagt, alles ist auch anpassbar und durch die Klarnamen im Display jederzeit in seiner Vielzahl schnell zu finden.

Und wem das alles nicht reicht, kann auch mit den beiden Fußschaltereingängen ausrasten; Vangelis lässt grüßen. Alles weitere ist Bedienung und damit Praxis!

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