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13.12.2019

Snare-Vergleich: Ludwig Supraphonic vs. Sonor D505 vs. Pearl D4514

Vergleichsvideo in drei Stimmungen

Metallsnares der späten 1970er Jahre

Equipment vergleichen macht bekanntlich Spaß, besonders wenn es um das Lieblingsthema vieler Trommler geht. Die Rede ist natürlich von Snaredrums. Heute habe ich mir drei Metallsnares aus den späten 1970er Jahren auf den Tisch gelegt: Eine Supraphonic LM400 (Baujahr 1979) von Ludwig, eine Sonor D505 aus der Phonic-Serie (Baujahr 1977) und als dritten, preisgünstigen Teilnehmer eine Pearl D4514 von 1978.

Über die Supraphonic müssen wohl nicht mehr viele Worte verloren werden. Ihr luftiger, gleichzeitig klarer und bei Bedarf auch druckvoller Sound hat sie eng mit der Musikgeschichte ab den 1960er Jahren verknüpft. Von Joe Morello über Steve Gadd bis Marco Minnemann - unzählige Drummer schwören bis heute auf diese Trommel, bzw. ihre große Schwester in 14“ x 6,5“, die John Bonham so berühmt gemacht hat. 

Als ich vor ein paar Jahren mit Technik-Guru Gordy Knudtson über Skype telefonierte, kamen wir irgendwann auch auf das Thema Snares zu sprechen. Er hielt mir dann zwei fünf Zoll tiefe Vintage-Ludwigs aus Alu und Messing vor die Linse, und meinte: Mehr brauche er nicht mehr, alles andere sei verkauft. Ich habe ihn im Nachhinein etwas beneidet, nicht um die Trommeln, sondern am Ende der Suche zu sein… 

Ludwig LM400 Supraphonic

Aber in einem Punkt hat Gordy unweigerlich recht: Mit einer 14“ x 5“ tiefen Supra kann man wirklich (fast) alles machen. Ob hoch oder tief gestimmt, ob offen oder gedämpft, ob mit Besen oder Sticks, die Trommel funktioniert und bettet sich harmonisch in die Musik ein. So kultig der Sound, so nervig war bis vor Kurzem die Hardware. Auch hier auf bonedo haben wir uns das eine ums andere Mal über so manche Details echauffiert. Dank einer neuen Bauteilgeneration ist bei Ludwig aber jetzt Land in Sicht. Ich habe bei meiner Supra die P85-Abhebung fast direkt gegen ein neues Modell (P88AC) getauscht, am Butt End wurden von Mic Scharf /Klangmacherei Inbusschrauben installiert, weil ich die originalen weichen Schlitzschrauben auf den Tod nicht ausstehen kann. Eine gut erhaltene Supra aus den späten 70er Jahren bekommt ihr meist ab 350 Euro aufwärts. Die Qualität der Verchromung fällt je nach Modellreihe stark unterschiedlich aus. Bei meinem Modell würde ich bei einem anderen Hersteller von mangelhaft sprechen, für Ludwig-Verhältnisse ist sie aber gut, da es keine großflächigen Chromabplatzer gibt.

Solche Umbauten wie die Supra hat der zweite Kandidat, die D505, allerdings nicht nötig.

Sonor D505

Nicht weniger Ansehen als Ludwig Drums genießen Trommeln der Firma Sonor aus den 70er Jahren. Zwar sind sie in Tonstudios nicht so weit verbreitet wie Ludwig Snares, trotzdem scharen sie auf der ganzen Welt eine sehr große und treue Fangemeinde hinter sich. Das liegt mit Sicherheit an dem Label „Made in Germany“ und dem eigenständigen Design, verknüpft mit bester Bauteilqualität und einer Verchromung, die bis heute ihresgleichen sucht. Auch nach über 40 Jahren sieht die D505 aus nahtlosem Ferromanganstahl nicht nur richtig gut aus, sie klingt auch so, mit einer etwas trockeneren, fast spröden und klar eigenständigen Note. Die Phonic-Serie sorgte seinerzeit für einen entscheidenden Wechsel des Images bei Sonor und öffnete die Marke für Spieler aus dem Rock-Bereich, wie zum Beispiel Phil Rudd von AC/DC. Bis dato hatte Sonor mitunter der Ruf einer etwas elitären Schmiede für Jazzdrummer angehaftet. Auf dem Gebrauchtmarkt gab es nach einer steilen Kurve etwas Entspannung, im Moment habe ich das Gefühl, dass die Preise für alte Sonor-Trommeln wieder etwas ansteigen. Für ein gut erhaltenes Exemplar einer D505 muss man ab ca. 300 Euro aufwärts auf den Tisch legen. Ich habe sie vor Kurzem ebenfalls bei der Klangmacherei aufarbeiten lassen, jetzt blitzt sie wieder. Abgesehen von ein paar Gebrauchsspuren und einem nicht ganz optimal laufenden Strainer, ist sie in einem sehr guten Zustand. Beim Fellwechsel und beim Stimmen muss man sich an das Snap-Lock-System und die Schlitzschrauben anfangs etwas gewöhnen. Auch ist die Ersatzteildichte lange nicht so gut wie bei den am Fließband produzierten Ludwig Snares.

Pearl D4514

Im Vergleich zur Supra und der D505 ist die Pearl D4514, kauft man sie einzeln, mit Gebrauchtmarktpreisen zwischen 70 und 120 Euro ein absolutes Schnäppchen. Die Trommel wurde 1978 in Japan gebaut und gehört zu dem Wood-Fiberglass-Set, welches ich an anderer Stelle hier besprochen habe. Die Böckchen sind eine Rogers-Kopie, so wie es zu der Zeit bei Pearl üblich war. Den Gladstone-Style Strainer gibt es bis heute in leicht abgewandelter Form aus Taiwan zu erstehen, die Verchromung und insgesamte Verarbeitung ist als sehr ansprechend zu bezeichnen. Ein paar hochwertige Felle und einen guten Teppich darunter, und schon kann es losgehen. Stewart Copeland hat das Geschwistermodell mit Messingkessel, die B4514, auf den Aufnahmen von The Police weltbekannt gemacht. Die Messing-Variante hat allerdings drei Streifen auf dem Kessel und kostet aufgrund des Sammlerwerts meist wesentlich mehr. Die D4514 hat ebenfalls zehn Böckchen, verfügt aber im Gegensatz zur Supra und zur D505 über keinen nahtlos gezogenen Kessel, sondern über einen an einer Naht verschweißten Stahlkessel.  

Im folgenden Video habe ich euch alle Trommeln in drei Stimmungen aufgenommen, die Snares sind mit Remo Ambassador Coated und Ambassador Snare Side Fellen bestückt, sowie einem Millenium Messing Teppich mit 20 Spiralen. Am besten schaut ihr euch das Video mit guten Boxen oder einem Kopfhörer auf den Ohren an.

Fazit

Schaue ich mir unsere drei Modelle abschließend an, bleibt festzustellen: Alle drei Snares machen ohne Frage den Job, und zwar in allen Stimmungen. Im hohen Register gibt die Pearl D4514, besonders mit Rimshots gespielt, mit ihrem leicht komprimierten, eher fokussierten und singenden Sound die beste Figur ab. Die Trommel ist günstig und für manche Sounds absolut die richtige Wahl. In den tieferen Lagen kann sie den anderen beiden aber nicht das Wasser reichen. Die Sonor D505 erzeugt mit ihrem leicht trockenen und spröden Klang am meisten Druck. Auch hat sie aufgrund des tieferen Kessels am meisten Bauch, wie man in der letzten Stimmung hören kann. Für Geradeaus-Rock à la AC/DC mit einem ordentlichen Center-Schlag auf 2 und 4 finde ich sie richtig super. Die Ludwig Supraphonic klingt durch den Alukessel deutlich luftiger und insgesamt facettenreicher und dynamischer. Einfach auch, weil es mir von den dreien den größten Spaß bereitet, auf ihr zu spielen, rechtfertigt sich für mich der Aufpreis.

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