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16.11.2020

Shootingstar TikTok: 7 Dinge, die Musiker über die App wissen sollten

Joshua ist ein neuseeländischer Teenager, wohnt in der größten Stadt des Landes, Auckland, und bastelt in seiner Freizeit gerne an Tunes. Nie hätte er wohl gedacht, dass einer seiner Tracks einmal zum Sommerhit in Deutschland gekürt werden könnte. Wie es dazu kam? Dem Sänger Jason Derulo fiel Joshuas Stück Laxed (Siren Beat) auf TikTok auf, wo es bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hatte. Derulo bastelte kurzerhand einen weiteren Song daraus, und als Savage Love (Laxed – Siren Beat) wurde die Kollaboration auf TikTok so populär, dass der Erfolg aus der App in die Charts schwappte.

Ein guter Grund, sich TikTok einmal genauer anzusehen. Was hat die App für Musikschaffende zu bieten?

1. Was ist Tik Tok?

TikTok ist eine App, die es seinen Usern erlaubt, bis zu 15-sekündige Videos auf der Plattform zu teilen oder anzusehen. Dabei ging TikTok aus Musical.ly hervor. Der Fokus der Mutter-App lag darauf, Mundbewegungen zu Playbackmusik zu performen - TikTok ist mit seiner bunten inhaltlichen Mischung indes weitaus abwechslungsreicher. Auch hier gibt es weiterhin die Möglichkeit, Musik innerhalb der App zu nutzen.

Während es in sozialen Netzwerken wie Instagram oder Twitter für neue Benutzerinnen und Benutzer nahezu unmöglich ist, sich eine extrem hohe Reichweite aufzubauen, funktioniert dies auf TikTok wesentlich einfacher. Schuld daran ist, so Elias Leight, dessen Algorithmus, der kontinuierlich nach neuen Clips sucht, anstatt die immergleichen populären Videos wieder zu pushen.

2. Was hat das mit Musik zu tun?

Mit mehreren hundert Millionen Nutzerinnen und Nutzern ist TikTok inzwischen die führende Plattform für Kurzvideos – und schafft somit wiederum eine enorme Plattform für Musik selbst. Gewinnt ein Song einmal Popularität auf TikTok, verwenden ihn schnell mehr und mehr Benutzerinnen und Benutzer für ihre eigenen Videos. Vor allem Tanz-Challenges – die Herausforderung, eine bestimmte Choreographie zu einem bestimmten Musikausschnitt zu performen – sorgen durch ihren Aufforderungscharakter für eine rasche Verbreitung eines Musikstücks.

3. TikTok als Musikmarketing-Tool

TikTok ist unter Musikschaffenden vor allem als Marketingtool sehr beliebt, um Jugendliche ab 11 Jahren zu erreichen. Dabei geht es nicht darum, Musik über TikTok zu hören, sondern Musik darüber entdecken zu lassen. Wer einen Song aufstöbert, der ihm oder ihr gefällt, hört diesen tendenziell auch weiterhin über die üblichen Kanäle wie beispielsweise Streamingplattformen.

Ole Obermann, Global Head of Music bei TikTok, möchte mit TikTok zunächst einmal fokussiert an der Bekanntmachung unbekannter Lieder und Songs von Newcomern zu arbeiten. Ein Erfolg dieses Schaffens könne dann wiederum auch etablierte Künstlerinnen und Künstler vom Marketing-Potential der App überzeugen. 

4. Goodbye Gatekeeper

Wie auch schon bei Streamingplattformen beobachtet, ermöglicht die Unabhängigkeit von Gatekeepern Künstlerinnen und Künstlern eine größere Entscheidungsfreiheit im Umgang mit ihren Werken. Statt von der Entscheidung Einzelner hängt das Bekanntwerden der Musik von einer großen Gruppe an Usern (sowie Algorithmen) ab. Grundsätzlich steht die Option, sein Glück zu versuchen, allen offen. 

5. Rechte und Bezahlung

Mit den steigenden Nutzerzahlen steigt auch das Interesse an geregelter Bezahlung durch die App. Die Abgaben richten sich hierbei nach der Anzahl der Posts, in denen der jeweilige Song verwendet wird – nicht hingegen nach der Anzahl der Views dieser einzelnen Posts. Die Rechteinhaber, vor allem Labels und Verlage, haben dabei alle unterschiedliche Deals mit TikTok. Eine Gemeinsamkeit gibt es jedoch: TikTok darf nie die vollen Tracks nutzen, sondern nur Ausschnitte daraus.

6. Katalysator Covid-19

TikTok schien schon in gewöhnlichen Zeiten den Nerv einer Generation getroffen zu haben. Gerade die Anfangszeit der Corona-Pandemie, in der viele Leute zuhause saßen und wenig zu tun hatten, befeuerte jedoch den Aufstieg der App geradezu noch einmal gehörig. Gerade in einer Zeit, in der Live-Musik nicht mehr zum Alltag zählt, gab es durch TikTok einen neuen, anderen Weg des Musikkonsums – und des Zeitvertreibs. Das galt für die Teenage-User genauso wie für Vertreterinnen und Vertreter der Musikbranche. 

7. Datenschutz x Wirtschaft x Politik

Wirtschaft und Datenschutz scheinen einander bei der chinesischen App zu bedingen. So versucht nicht nur die USA, noch unter Trump und Angabe von Datenschutzbedenken, einen Machtkampf mit China auszutragen. Auch europäische Datenschutzbehörden befassten sich schon länger mit TikTok.

Wegen des Verdachts, TikTok würde der chinesischen Regierung Nutzerdaten preisgeben, versuchte Donald Trump die App in den USA zu verbieten. Auch Joe Biden gibt sich besorgt um die Sicherheit der Daten Millionen junger Menschen. Gerichtlich wurden entsprechende Anordnungen jedoch bereits mehrmals gekippt. Die einzige Alternative zum Verbot der App läge in der Kontrolle der App bzw. des amerikanischen Firmenzweigs durch amerikanische Firmen. Dazu solle das US-Geschäft, so die neue Bürcher Zeitung, in einem neuen Unternehmen namens TikTok Global aufgehen, an dem die US-Konzerne Oracle und Walmart zusammen rund 20 Prozent der Anteile halten sollen. Dem chinesischen Mutterkonzern Bytedance verblieben im Prinzip zwar 80 Prozent der Anteile – diese würden aber an bestehende Bytedance-Aktionäre verteilt, zu denen wiederum eine Reihe US-amerikanischer Firmen gehörten. Bytedance wiederum möchte jedoch die Aktienmehrheit behalten und  verwehrt ebenso den Transfer von Quellcode oder Technologie in die USA.

Während in den USA um eine Lösung gerungen wird, ist in Indien TikTok gemeinsam mit anderen chinesischen Apps bereits seit Ende Juni verboten. In Europa soll währenddessen eine Arbeitsgruppe des Europäischen Datenschutzausschusses TikTok durchleuchten und Maßnahmen koordinieren.

Apps wie TikTok können für Musikschaffende Fluch wie Segen sein. Wir haben ein paar hilfreiche Artikel, um sich im Social Media-Dschungel zurechtzufinden. 

Im ausführlichen Interview mit Jo Halbig, seines Zeichens Mitglied der Band Killerpilze und Inhaber der Marketingagentur Superlifepromo, kannst du dir einen Überblick zu DIY-Musikmaketingtools verschaffen. 

Eine detaillierte Anleitung für Musiker-Marketing auf Instagram findest du hier

Lass dich trotz all den Möglichkeiten nicht stressen und informiere dich über einen entspannten Umgang mit Social Media.

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