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Kann man bei Soundcloud bald direkt seine Lieblingskünstler bezahlen?

Der Streaming-Anbieter Soundcloud plant offenbar eine neue Bezahlmethode. Bald gibt es wohl die Möglichkeit euer Geld direkt an eure Lieblingskünstler schicken.

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Geht es um Musik-Streaming und die damit verbundenen Vor- und Nachteile für Musikschaffende, trifft man eigentlich immer auf die gleichen Argumente. Spotify und co. bezahlen den Künstlern zu wenig sagen die einen. Das Geld bleibe eigentlich bei den Labels hängen, die von veralteten Verträgen profitieren, behaupten die anderen. Auf die Auswirkungen von Streaming im Hinblick auf Konsumverhalten oder Songstrukturen kommen wir an dieser Stelle lieber gar nicht erst zu sprechen. Streit gibt es immer. Ein konstruktiver Austausch findet so gut wie gar nicht statt. Ideen, wie man Streaming wirklich fairer machen könnte bleiben Mangelware.

Aktuell versuchen Macher hinter Soundcloud jedoch wohl genau das. Nachdem der Streaming-Service 2019 bereits die hauseigene Marketing-Plattform Repost aufgebaut hat, mit der Musiker ihre Songs auf Soundcloud monetarisieren und auch auf anderen Streaming-Diensten anbieten können, folgt nun wohl auch ein neues Bezahlmodell auf der eigenen Plattform. Bisher hatte Soundcloud – wie alle anderen großen Streaming-Anbieter auch – auf die übliche Methode vertraut, das Geld basierend auf der Gesamtanzahl von Streams an die Labels der jeweiligen Künstlerinnen und Künstler auszuschütten. Damit könnte jetzt Schluss sein. 

Können Nutzer bald selbst über ihr Geld bestimmen? 

Laut einem exklusiven Bericht des US-Musikmagazin Billboard heißt es aus verschiedenen Quellen aus der Nähe des Unternehmens, dass Soundcloud die Möglichkeit anbieten möchte, Musiker direkt zu bezahlen. Noch ist nicht ganz klar, wie das Modell, welches angeblich noch in diesem Quartal vorgestellt werden soll, genau aussehen wird. Möglich ist, dass es sich lediglich um eine zusätzliche Trinkgeld-Funktion handelt und User lediglich auf Spendenbasis und unabhängig von der monatlichen Nutzungsgebühr zahlen können. Spotify bietet das bereits an

Billboard geht allerdings von einem weitaus revolutionäreren Ansatz aus. Von einem geplanten “Game-Changer” ist gar die Rede. Es könnte nämlich auch sein, dass Soundcloud zukünftig die Nutzer entscheiden lässt, an wen ihr Geld fließt. Es bestünde also auf der einen Seite die Möglichkeit die monatliche Zahlung, die aktuell bei 10€ liegt, direkt an einen oder mehrere Lieblingskünstler zu schicken. Es ist allerdings fraglich, welchen urheberrechtlichen Spielraum das Unternehmen dabei überhaupt besitzt. Eine weitaus realistischere Alternative wäre dagegen ein Modell, in welchem der Monatsbeitrag eines Soundcloud-Nutzers passend nach dessen eigenen Hörgewohnheiten verteilt wird und nicht erst sämtliches Geld in einen großen Topf fließt, um es dann basierend auf allen Streams zu verteilen. 

Revolutionäres Modell oder lediglich eine zusätzliche Randnotiz?

In jedem Fall dürfte dieser Schachzug von Soundcloud, die den großen Streaming-Anbietern markttechnisch schon länger hinterherlaufen und mehrfach kurz vor dem Ruin standen, auch von der Konkurrenz genau beobachtet werden. Das in Berlin ansässige Unternehmen verfolgt eigentlich seit Beginn eine andere Ausrichtung als die traditionellen Streamingdienste zwischen Spotify und Apple Music. Auf der Plattform tummelten sich lange die nischigen Musiknerds sowie avangardistische Genre-Sprenger. Auch fanden viele Remixe und DJ-Sets ihren Platz auf der Plattform mit der orangenen Wolke. Viele musikalische Trends der vergangenen Jahre von verschiedenster elektronischer Musik bis zum aktuellsten Rap-Subgenre hatten ihren Ursprung auf Soundcloud. Die Musik war traditionell kostenlos.

Als die Plattform gemeinsam mit ihren Künstlerinnen und Künstlern immer größer wurde und mehr und mehr Musiker zu großen Labels wechselten und nun auch Geld für ihre Songs und Alben sehen wollten, kippte die Stimmung. Auf Grund von Urheberrechtsstreits verschwanden viele Songs und noch mehr DJ-Sets und -Edits von der Plattform. Auch konnte Soundcloud ohne Werbung oder Premium-Service den Musikern kein Geld zahlen. Eine sehr gute und innovative Plattform für neue Musik und junge Künstler schien an ihrer eigenen Idee langsam zu Grunde zu gehen. 

Noch immer schreibt Soundcloud keine schwarzen Zahlen 

Es folgte ein mächtiger Spar-Kurs, mehrere Rettungspakete und natürlich auch die Kommerzialisierung in Form der Premium-Variante Soundcloud Go+ und der Einführung von Werbung auf Audio-Basis. Mit der Einführung von Spundcloud Go+ im Jahr 2016 adaptierte der Anbieter allerdings lediglich das Geschäftmodell der großen Streaming Anbieter, lizensierte über 150 Millionen Songs für die Plattform und bot den eigenen Katalog lediglich on top an. Die einzige wirkliche Zusatzfunktion für Fans von Soundcloud bot der Ofline-Modus, in welchem Songs heruntergeladen werden konnten.

Trotzdem musste Soundcloud 2017 über 40% der Beschäftigten entlassen und Büros in San Francisco und London aufgeben. Zwar konnte durch allerlei Maßnahmen der jährliche Verlust von 70 Millionen Dollar aus dem Jahr 2016 auf ein Minus von 37 Millionen in 2018 gesenkt werden, wirklich tragfähig wurde das Unternehmen jedoch bis heute nicht. Die Unverträglichkeit aus dem ursprünglichen Ziel, eine solidarische Plattform für die kleinen Künstler zu schaffen, sowie dem Geschäftsmodell der kostenlosen Musik auf der einen und dem kontinuierlichen Wachstum hin zu einem börsendotierten Unternehmen, klafft noch heute über der orangefarbenden Wolke. 

Es geht in die richtige Richtung

Mit diesem neuen Bezahlmodell könnte Soundcloud allerdings ein wichtiger Schritt gelingen. Auf der einen Seite untermauert das Unternehmen sein Versprechen sich um kleine und unabhängige Künstler zu sorgen und auf der anderen bietet es den Abonennten eine revolutionäre Möglichkeit der Mitbestimmung. Ob dieser Game-Changer wirklich so umfangreich daherkommt, wie von Billboard proklamiert, ist fraglich. Eine erste konstruktive Diskussion um das Bezahl- und Ausschüttungsmodell der Streaming-Dienste sollte es dennoch anstoßen. 

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von Niklas Wilhelm

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