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18.09.2019

Schallwandler Podcast: Zu Gast bei Âme

Gespräche mit Klangforschern und Soundtüftlern

Das House-Duo Âme über Auflegen und Performen, Soyuz, die Zukunft der Musik, Fussball und Grundeinkommen

Tanzmusik im Hier und Jetzt: Das deutsche Duo Âme, prägt seit 2001 die internationale House-Szene. Dabei folgen sie in erster Linie ihrem eigenen Anspruch, um sich selbst und ihre konzeptionell motivierte Musik kontinuierlich weiterzuentwickeln. Auch auf die Gefahr hin, Erwartungen der Clubbesucher infrage zu stellen. 

1999 trafen sich die beiden Musikliebhaber Frank Wiedemann und Kristian Beyer in Karlsruhe und starteten ein gemeinsames Projekt, um der inzwischen ultracoolen Tanzmusik wieder etwas mehr „Soul“ einzuverleiben. Kristian jobbte damals noch in einem Plattenladen für elektronische Musik, den er später übernahm. Er tourte auch schon als House- und Techno-DJ durch die Lande. Frank war eher der Frickler und schraubte bereits im Homestudio an eigenen Sounds. 2001 schaffte er es mit seinem Track „TraneSpotting“ unter dem Projektnamen „Soul FC“ auf die achte Ausgabe der legendären Future Sounds of Jazz Sampler, die seinerzeit auf Compost Records veröffentlicht wurden.

Es dauerte nicht sonderlich lange, da fand das Karlsruher Duo, das sich inzwischen nach dem französischen Wort für Seele „Âme“ nennt, eine Heimat für die gemeinsamen Musikproduktionen auf dem Berliner Label Sonar Kollektiv von Jazzanova.

Auch der Hauptwohnsitz wurde später vom Badischen nach Berlin verlegt. 2003 erschien dann die erste Maxi von Âme, die Deep House Scheibe „Sarari“.

2004 folgte die erste Single Compilation „Âme“ und ein Jahr später erschien die Nummer, mit der dem jungen Duo der internationale Durchbruch gelang: „Rej“! Im Groove Magazine schaffte es der Titel bis auf Platz 2 in die DJ-Charts und auch in die Charts einzelner DJs. Die Scheibe musste mehrfach neu aufgelegt werden und erschien auch auf dem Major UK House Label „Defected“ mit diversen Remixen. Später (2006) wurde „Rej“ dann auch noch „Tune des Jahres“ im britischen Mixmag Magazin.

2005 gründeten Frank und Kristian zusammen mit Dixon das Label „Innervisons“ (https://www.innervisions.com/), ein cleverer Schachzug. In Kombination mit einer dazugehörigen Clubreihe und stattfindenden legendären Partys gelang es ihnen, sich mit dem Label weltweit einen Namen zu machen. Inzwischen zählt Innervisions zu den beliebtesten Plattenlabels und Clubmarken der Welt.

Dazu hat auch das Powerduo Âme mit seinem Sound und einigen der besten Musikstücke auf diesem Label beigetragen. Das Duo ist mit seiner Tanzmusik nun schon seit Jahren international gefragt und weltweit sowohl in kleineren als auch in großen angesagten Clubs zu hören. Âme spielen regelmäßig auf Partys auf Ibiza, genauso wie auf diversen angesagten Festivals wie z. B. dem „Wecandance“ in Belgien. Kristian Beyer übernimmt dabei die DJ-Sets. Frank Wiedemann ist für die Liveshows zuständig.

Seit 2017 treten die beiden allerdings auch als „Âme II Âme“ gemeinsam auf. Im letzten Jahr erschien nach dreizehnjähriger Zusammenarbeit das erste Âme Studioalbum „Dream House“, auf dem die beiden Künstler mit anderen Stars wie Gudrun Gut, Hans-Joachim Roedelius oder dem britischen Enfant Terrible Matthew Herbert zusammengearbeitet haben.

Am 9. August 2019 erschienen auf Innervisions die ersten „Dream House Remixe“, produziert von Freunden von Âme, u. a. von Marcel Dettmann und Rampa.

Es war ein heißer Sommermorgen, als ich das Innvervisions Studio in Kreuzberg besuchte. Das Haus wirkt herrschaftlich mit sehr hohen Decken und Teppichen auf den Stiegen. Der Fahrstuhl erinnert optisch ein bisschen an den „Fahrstuhl zum Schafott“, doch das Studio liegt oben unterm Dach, daher zuckel ich schon bald mit dem altmodischen Lift und mit mulmigen Gefühl ziemlich langsam von Stockwerk zu Stockwerk, wobei jede Etage sichtbar in Zeitlupe an mir vorbeizuziehen scheint.

Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich oben an und werde aufs Herzlichste empfangen und mit einem Espresso ausgerüstet. Dann geht es vom Innervisions Plattenladen und Office hinüber ins Studio von Frank und Kristian. Es ist heiß und ich versuche mich abzulenken, indem ich die vielen analogen Geräte bestaune und die Tasteninstrumente zähle. Ein bisschen fühlt es sich an, wie in einem Museum für Synthesizer, denn angefangen von modularen Schätzchen über diverse Klassiker von Moog und Roland gibt es hier ein umfangreiches Sortiment.

Besonders das mitten im Raum stehende Soyuz-Mikrofon hat es mir angetan. Dann kommen auch schon Frank und Kristian, letzterer in kurzen Hosen und bunten Badeschläppchen, die später beim unserem Gespräch des Öfteren zu hören sein werden, wenn er rhythmisch mit seinem Fuß wippt. Wir hatten ein angeregtes Gespräch mit Diskussionen und auch vielen lustigen Momenten. Dabei wirkten die beiden manchmal ein bisschen wie ein älteres Ehepaar mit klaren Rollenverteilungen. Aber vielleicht hatten sie auch bloß ein diebisches Vergnügen daran, diese Rollen zu spielen. Frank gibt es uns außerdem eine musikalische Kostprobe auf seinem Klavier. Wie viele Tasteninstrumente denn nun im Studio von Âme stehen und worüber wir uns unterhalten haben, das erfahrt ihr in dieser Ausgabe vom Schallwandler. 

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