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Zwischenbilanz: House Techno Charts 2018

Von Anfang Januar bis Ende Juni sind wieder eine Fülle an Veröffentlichungen erschienen. Aber welche House- und Techno-Tracks bzw. Remixes konnten bis dato eine große Hörerschaft für sich begeistern und haben dazu eine realistische Chance, sich in den gängigen Bestenlisten am Ende dieses Jahres zu behaupten? Wir haben die Ohren gespitzt und ziehen mit diesem Überblick eine Zwischenbilanz.

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DJ Koze – Pick Up

Label: Pampa
Veröffentlichungsdatum: 13.04.2018 
Stefan Kozalla alias DJ Koze ist kein unbeschriebenes Blatt. Ein Hang zur Nichternsthaftigkeit wird dem gebürtigen Flensburger durch originelle Veröffentlichungen und illustre Selbstinszenierungen schon länger zugesprochen. In Zeiten, in denen innovative Klänge als Status quo gehandelt werden, geht der in Hamburg lebende Produzent und DJ allerdings einen Schritt zurück. Die Single-Auskopplung „Pick Up“ aus dem kürzlich erschienen Album „Knock Knock“ zitiert nicht nur Disco und Soul, sondern vor allem auch French-House.
Es wird also nostalgisch, jedoch nicht langweilig. Als Sample-Quellen dienten „Melba Moore – Pick Me Up, I’ll Dance“ und „Gladys Knight & The Pips – Neither One Of Us (Want To Be The First To Say Goodbye)“. Die leicht zugängliche Gute-Laune-Strategie aus emotionalen Bestandteilen sorgt für beherzte Gefühlsausschüttungen à la Sommer-Open-Air-Feeling. Definitiv einer der Hymnen der ersten Jahreshälfte 2018.

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Armonica – Ngeke (andhim Remix)

Label: MoBlack
Veröffentlichungsdatum: 13.04.2018
Auch diese beiden Protagonisten können über sich lachen. Durch Comedy-reife YouTube Auftritte ist die Berlin-Köln-Connection schon länger auf dem Vormarsch und besticht somit nicht nur durch abgefeierte DJ-Sets und beherzte Produktionen.
Seit 2010 bilden Simon Haehnel und Tobias Müller das Duo andhim. Darüber hinaus betreiben sie das Label Superfriends, auf dem vor allem das von ihnen selbst ins Leben gerufene Musik-Genre „Super-House“ in Szene gesetzt wird.
Für ihren Remix zum Titel „Ngeke“ stand das italienische Duo Armonica Pate. Als wesentlicher Bestandteil in andhims Version finden sich Vocals wieder, die einen afrikanischen Esprit versprühen. Rhodes-artige Klänge verhelfen der Re-Interpretation zu einer housigen Grundstimmung und eigensinnige, modulierte Percussions sorgen für die nötige Reibung. Eine klangliche Zusammenstellung, die sehr frisch klingt und somit auch zu Recht in vielen Playlists international renommierter DJs wiederzufinden war.

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andhim – Amene (Frankey & Sandrino Remix)

Label: Superfriends
Veröffentlichungsdatum: 26.01.2018
Nun dreht sich der Spieß um und andhim werden zum Interpreten des Originals. „Amene“ erschien bereits 2017 und war sicherlich einer der Bestseller des vergangenen Jahres. Einen Knüller zu remixen ist daher immer eine Aufgabe für sich, die die Remixer Frankey & Sandrino mit Bravour gemeistert haben. Wie andhim ist auch dieses Zweigestirn auf zwei Städte aufgeteilt. Frank Beckers ist in Essen beheimatet, Sandrino Tittel in Berlin. Kassenschlager wie „Acamar“ oder „Save“ haben aber gezeigt, dass den beiden Künstlern die räumliche Distanz von knapp 500 km kein Dorn im Auge ist.
Eine sich aufdrängende, leicht verstimme eintaktige Melodie-Phrase thront als Aushängeschild über der musikalischen Sichtweise der Remixer. Als Gegengewicht dienen FM-artige Percussions und rhythmisierte, geräuschhafte Synth-Sounds. Geschickt arrangiert schraubt sich die hypnotische Klangästhetik mit der Zeit gekonnt in Leib und Seele der Feiergemeinde – definitiv einer der elegantesten Remixes der ersten Jahreshälfte.

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ARTBAT – Planeta

Label: Diynamic
Veröffentlichungsdatum: 09.02.2018
Nach ihrem Beitrag auf der Various Artits EP „Four To The Floor“ im vergangenen Jahr, folgte Anfang 2018 die erste EP des ukrainischen Duos ARTBAT auf Solomuns Label Diynamic. Vor allem der Track „Planeta“ geht straight und kraftvoll voran. Ein pulsierendes Zusammenspiel aus Drums, Bass und einem metallisch klingenden Synth-Sound bildet das marschierende Fundament dieses Peaktime priorisierten Musikstücks. Die düstere, technoide Grundatmosphäre wird durch Bläser-artige Synth-Stabs zusätzlich bestärkt. Synthetische Build-up-Effekte, rollende Snare-Wirbel, sporadische 909-Toms sowie das stimulierende Statement Planet X sorgen für die nötige Vielfalt. Ein modernes Techno-Monster, das sich besonders als Türöffner für Großraum-Raves im industriellen und futuristischen Kontext bewährte.

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Whitesquare – Traces To Nowhere

Label: Freerange
Veröffentlichungsdatum: 23.02.2018
Nach Veröffentlichungen auf Labels wie 2020Vision, Culprit und Bedrock brachte der italienische Protagonist Whitesquare Ende Februar die EP „Traces To Nowhere“ auf dem Londoner Label Freerange raus. Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei das gleichnamige Titelstück der 3-Track EP. Dabei handelt sich um ein Musikstück, das man durchaus dem Genre „Afro-House“ zuordnen kann. Organische Trömmelchen, perkussive Stabs und Steel-Pan-artige Melodien bringen selbst den letzten Tanzmuffel in Bewegung und sorgten bereits im Februar für intensive Frühlingsgefühle.

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Denis Horvat – Paradon

Label: Exit Strategy
Veröffentlichungsdatum: 04.05.2018
Denis Horvat scheint ein Händchen für Melodic-House und Techno zu haben. Nach erfolgsgekrönten Veröffentlichungen auf Afterlife, Innervisions und Aeon ist „Guilty Pleasure“ bereits die dritte EP des dänischen Newcomers auf dem Imprint Exit Strategy.
Der Titel „Paradon“ ist wie der Großteil seiner Produktionen mit analogen Klängen gespickt. Dabei hypnotisiert vor allem der singende MS-20 Lead-Sound die tanzende Zuhörerschaft. Dazu gesellen sich knackige, geräuschhafte Moog-Synth-Rhythmiken, die durch sporadische 32-tel Programmierungen an Fahrt aufnehmen. Des Weiteren versüßt eine subtil untergemischte Clave die ratternden Ästhetik, die die Feiergemeinde kollektiv in Bewegung hält. 

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Desert Sound Colony – Sunrise Of My Mind (Denis Horvat Remix)

Label: Fayer
Veröffentlichungsdatum: 16.02.2018
Nach seinem fulminanten Remix für WhoMadeWho’s Dynasty zeigte Denis Horvat Anfang dieses Jahres erneut, dass er auch ein grandioser Remixer ist. Auch mit seiner Re-Interpretation zu „Sunrise Of My Mind“ des Indie Dance Acts Desert Sound Colony, hat der Däne dem Original gekonnt seinen Stempel aufgedrückt.
Seine Version baut sich stetig mithilfe von metallisch-anmutende 8-Bit-Sequenzen auf, die in ihrer Wiedergabe kurz gehalten werden und gelegentlich den Eindruck erwecken, aus ihrem Gewand auszubrechen. Pumpige Toms untermauern die synthetischen Klänge. Im Break wird die Spannung gelöst, indem die sehr stark rhythmisierten Pattern für einen kurzen Augenblick in Sirenen-artigen Pad-Sounds zu verschmelzen erscheinen. Klickernde Töne, die weit im Stereo-Panorama auffunkeln, komplettieren den marschierenden Groove, nach der Wiederkehr der Kickdrum. Als wesentliches Bestandteil des Originals bleiben in Horvats Remix nur die Vocals erhalten, die sich stark verhalt und somit zuckerweich über die leicht aggressive und technoide Klang-Patina legen. 

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Eagles & Butterflies – The Last Dance

Label: Art Imitating Life
Veröffentlichungsdatum: 19.01.2018
Auch in diesem Jahr sammelt der britische Künstler mit aktuellen Wohnsitz in Los Angeles erneut Lorbeeren. Mit „The Last Dance“ war Chris Barrett einer der ersten Producer, dem es gelang, bereits im Januar einen Hit zu platzieren.
Als signifikante Zutaten dienten ein abwechslungsreiches Spiel aus einer emotionalen Melodie, ein im Kopf kreisendes Arpeggio, ein Marimba-artiges Glockenspiele sowie LFO-modulierte Lead-Sounds, die mit schweren Strings untermalt wurden. Das Herzstück des Stücks ist allerdings ein etwa zweiminütiger Break mit einem enthusiastischen Drop-in. 

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Patrice Baumel – The Hatchet

Label: Afterlife
Veröffentlichungsdatum: 06.04.2018
Bereits 2017 dominierte Patrice Baumel unsere Auflistung mit zwei eindrucksvollen Beiträgen. Nach seinem fulminanten Debüt auf dem Label Afterlife kehrte der in Amsterdam lebende DJ und Producer im April auf den Imprint von Tale Of Us zurück.   Mein ersten Berührungspunkt mit Patrice Baumel hatte ich bereits 2008 durch den Titel „Roar“, der damals auf dem Berliner Label Get Physical erschien. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Track, sondern vielmehr um ein Tool, das von vielen renommierten DJs verwendet wurde. Die fast sechsminütige, in ihrem Timing variierende Gitarren-artige Rhythmik, die sich bis zum fast stehenden Ton granuliert, war das Aushängeschild dieser Waffe.
„The Hatchet“ beinhaltet auch so ein markantes und aussagekräftiges Element, das durch die diesen Techno-Tracks rattert. Dubbige Synthesizer-Akkorde dienen als Gegenpol und verschmelzen im zeitlichen Verlauf mit einem rauschenden und wabernden Klangteppich zum spannungsgeladenen Höhepunkt. Eine kurz angedeutete tiefe Melodie-Phrase betont zusätzlich den sich immer wieder anfänglich reduzierten Aufbau dieses repetitiven Meisterwerks.

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Marcus Worgull – Broad Horizons

Label: Innervisions
Veröffentlichungsdatum: 19.01.2018
Marcus Worgull ist fester Bestandteil der Innervisions-Crew und mit handverlesenen Veröffentlichungen, die der Kölner unter anderem mit dem Kollaborationspartner Peter Pardeike produzierte, ein fester Garant für stilsichere Club-Tracks. Des Weiteren produzierte Worgull in Zusammenarbeit mit Danilo Plessow alias Motor City Drum Ensemble zwei phänomenale Ambient-Alben unter dem Pseudonym Vermont, die auf dem Label Kompakt erschienen.
Auch bei „Broad Horizons“ steht Marcus Worgull nicht alleine im Rampenlicht. Der britische Singer/Songwriter Fink lieferte mit seinen einfühlsamen Vocals nicht erschöpfende Stimmpassagen hinzu. Das Arrangement des Songs baut sich gemächlich auf, bis spätestens im Vocal- und Gitarren-Solo man sich stimmungsvoll irgendwo zwischen einer hoffungsvoller Sehnsucht und euphorischer Glückseligkeit befindet. Es war genau diese magische Stimmung, die dazu diente, hypnotische Momente zu kreieren oder energiegeladenen DJ-Set mit diesem sanften Stück zu beenden.

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von Bastian Erath

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