Hersteller_Roland HYBR_Synth Keyboards
Test
3
08.06.2015

Praxis

Tastatur

Spätestens seit dem microKORG zieht sich ein Graben durch die Keyboarderfraktion – nicht wenige kommen mit Minitastaturen gut zurecht und schätzen die kompakte Bauform solcher Instrumente, während andere sich niemals einen Synthesizer oder ein Controller-Keyboard mit verkleinerten Tasten kaufen würden. Ich persönlich gehöre zu jenen, die Minitasten nicht schlimm finden und ganz gut darauf spielen können, habe zugegebenermaßen aber auch keine besonders großen Hände. Letztlich muss das jeder für sich selbst entscheiden – mittlerweile sollte sich jedoch herumgesprochen haben, dass eine Minitastatur nicht zwangsläufig unspielbar sein muss. So verhält es sich auch mit der Tastatur des Roland JD-Xi. Mir persönlich gefällt das Spielgefühl nicht ganz so gut wie beispielsweise beim microKORG, aber für einen kompakten Pattern-Synthesizer gibt es auch wenig Anlass zur Kritik. Die kleinen Tasten spielen sich recht angenehm und reichen für Synthesizer-Leads und -Bässe aus, für Pads und zum Eingeben von Noten in den Sequencer sowieso. Die Velocity-Kurve lässt sich in drei Stufen einstellen oder auf einen festen Wert setzen. Auf Aftertouch muss man beim JD-Xi allerdings verzichten.

Analoge Sounds

Der analoge Teil des JD-Xi ist ja nicht sonderlich komplex aufgebaut, was sich auch in den Sounds ausdrückt, die er produziert. Für vielschichtige analoge Klänge mit umfangreichen Modulationen ist der JD-Xi mit seinem einzelnen Oszillator jedenfalls nichts. Sein Wesen ähnelt eher der TB-303 oder vielleicht dem SH-101: ein Oszillator, ein Tiefpassfilter, Hüllkurven, ein LFO – fertig. Bahnbrechende Möglichkeiten zur Klangformung darf man hier nicht erwarten.

Was am Ende heraus kommt, kann dennoch oft überzeugen. Der Grundsound des Oszillators und des Filters ist Roland-typisch recht aufgeräumt und sauber und gefällt mir gut. Dank PWM und Suboszillator kann es auch mal fetter werden, wobei man von dieser einfachen Struktur natürlich keine Unison-Monster erwarten darf. Das Filter oszilliert bei viel Resonanz fleißig – als eigenständige Klangquelle lässt sich die Eigenschwingung aber nicht einsetzen, weil man den Oszillator nicht im Mix herunter regeln kann.  

Die Stärken des analogen Teils des JD-Xi liegen für mein Empfinden bei Bässen und Sequencer-Sounds, was im Kontext dieses Pattern-Synthesizers sehr gut passt. Hier hört ihr ein paar Beispiele:

Sehr löblich ist, dass trotz der digital umgesetzten Steuerung beim Drehen an den Reglern keine Abstufungen hörbar sind. Bei so manchem anderen analogen Synthesizer mit MIDI-fizierten Drehreglern treten hier deutlich wahrnehmbare Sprünge auf.

Nicht so gut gelungen finde ich hingegen die Programmierung. Gerade der analoge Teil würde einfach noch viel mehr Spaß machen, wenn man noch mehr Parameter im direkten Zugriff hätte. Insbesondere die Hüllkurven sind hier zu nennen – außer dem einsamen Regler zur schnellen Anpassung der Amp-Envelope gibt es keine Möglichkeit, in Echtzeit an den Hüllkurven zu schrauben. Auch der wichtige Regler für die Intensität der Filterhüllkurve fehlt. Für so gut wie alles, was über das Justieren von Cutoff, Resonanz und LFO hinausgeht, muss man in das nicht gerade intuitive Menü und die Werte mit Plus-/Minus-Tastern eingeben. Dieses Bedienfeld wendet sich eindeutig an Benutzer, die meistens ein Preset auswählen und dann noch ein bisschen daran drehen und eher nicht an jene, die Sounds gern vollständig selbst programmieren und auch beim Spielen alle wichtigen Parameter im direkten Zugriff haben möchten.

Digitale Sounds

Die beiden digitalen Blöcke des JD-Xi verfügen mit der SuperNATURAL Synth Engine über ein leistungsfähiges und vielseitiges Verfahren zur Klangerzeugung und klingen ausgezeichnet. Ein Sound besteht aus bis zu drei „Partials“, von denen jedes ein virtuell-analoger Oszillator oder ein PCM-Sample sein kann und über ein eigenes Multimode-Filter verfügt. Von breiten Klängen mit drei virtuell-analogen Oszillatoren bis hin zu drei gelayerten Sample-Sounds ist hier also fast alles möglich, mit bis zu 128-stimmiger Polyphonie.

Wie die analogen Sounds lassen sich einige Parameter der digitalen Klangerzeugung direkt mit den Drehreglern justieren, was hauptsächlich zum spontanen Schrauben während einer Performance dient. Die eigentliche Programmierung findet im Menü statt und lässt auf dem kleinen Display keine Freude aufkommen, zumal selbst ein Datenrad fehlt und die Plus-/Minus-Knöpfe wirklich der einzige Weg zum Einstellen von Werten sind. Da ist man bei drei Partials mit jeweils über 50 Parametern eine ganze Weile beschäftigt. Abhilfe könnte hier ein Software Editor schaffen, der nach meinem Kenntnisstand für den JD-Xi aber bislang nicht verfügbar ist.

Soundmäßig entschädigen die digitalen Blöcke aber für vieles. Für mein Empfinden liegen die Stärken bei den Pads und Synth Strings (wenig verwunderlich bei einem Roland Synthesizer) und bei Trance-Chords und -Leads auf Super-Saw-Basis.  

Drums

Die Drum-Sektion des JD-Xi klingt ebenfalls sehr gut und deckt mit etlichen Drumcomputer-Samples den typischen Soundbedarf von Dance- und Hip-Hop-Produzenten ab. In Verbindung mit dem Step-Sequencer bilden die Drums eine vielseitige Drum Machine, die in manchen Fällen vielleicht sogar ein separates Gerät ersetzen könnte. Dagegen spricht allerdings, dass der JD-Xi keinen gesonderten Ausgang für die Drums besitzt (geschweige denn Einzelausgänge für einzelne Sounds) und dass man sich zur detaillierten Bearbeitung von Sounds auch bei den Drums durch ein langes Menü quälen muss. In der Praxis dürften deshalb die wenigsten Benutzer von den vorprogrammierten Drumkits abweichen, die aber auch schon gut klingen und viele Stile der elektronischen Musik abdecken.

Sequencer

Mit dem Sequencer des JD-Xi kann man die vier Parts aufzeichnen und zu Patterns kombinieren. Ein Pattern ist dabei stets an ein Programm gebunden – möchte man ein weiteres Pattern mit den gleichen Sounds erstellen, so muss man das gesamte Programm kopieren. Allerdings lassen sich Patterns von einem in ein anderes Programm oder von einem in einen anderen Part kopieren. Die Länge eines Patterns kann einen, zwei oder vier Takte zu je 16 Steps betragen. Der Sequencer sendet MIDI-Noten und lässt sich selbstverständlich zu einer MIDI-Clock synchronisieren.

Zur Aufnahme gibt es einen Echtzeitmodus, in dem man live auf der Tastatur spielen und die Regler des JD-Xi aufzeichnen kann, und einen Step-Eingabemodus. Der Sequencer ist leicht zu bedienen und macht eine Menge Spaß. Nach eingehender Beschäftigung mit dem JD-Xi und seiner Struktur halte ich ihn für ein wesentliches Element des Synthesizers – der ganze JD-Xi ist vor allem interessant, wenn man den Sequencer nutzen und an Patterns basteln möchte. Alles kann bei laufendem Sequencer passieren, sodass Patterns sich spontan entwickeln können. Schön wäre allerdings noch eine Option gewesen, die Sequenzen der drei Synth-Parts per Tastendruck zu transponieren. Auch fehlt mir eine schnell zugängliche Möglichkeit zur Lautstärkeanpassung der vier Parts, dafür muss man nämlich auch ins Menü. Direkt auf dem Bedienfeld lassen sich Parts lediglich muten (durch Drücken von SHIFT und dem jeweiligen Part-Taster).

In jedem der Preset-Programme ist natürlich auch ein Preset-Pattern vorhanden, mit denen man experimentieren kann. In der Regel wird man diese meist löschen und eigene Patterns erstellen, aber die Presets können eine Inspirationsquelle sein. Es gibt sogar einige kleine „Construction Kits“, bei denen nebeneinander liegende Programme ähnliche bzw. aufeinander abgestimmte Patterns beinhalten. Hier ein paar Beispiele für Preset-Patterns:

Vocoder und Auto Pitch

Für einen Synthesizer mit 37 Minitasten gehören ein Anschluss für ein Schwanenhalsmikrofon und ein Vocoder heute ja fast zum guten Ton. Und Roland hat mit dem VP-330 und dem SVP-350 zwei echte Vocoder-Legenden im Stammbuch. Gemessen daran sind die Einstellmöglichkeiten des Vocoders beim JD-Xi eher dürftig – man hat keinen Zugriff auf die einzelnen Bänder und kann lediglich aus einer Reihe von Presets auswählen und einige Parameter wie Hochpassfilter und Envelope (drei Settings) einstellen. Der Grundsound geht in Ordnung und für ein paar typische Vocoder-Effekte bei einer Electro-Performance brauchen wohl die wenigsten weitergehende Regelmöglichkeiten. Wer jedoch einen voll ausgestatteten Vocoder benötigt, sollte sich anderweitig umsehen.

Mit Auto Pitch kann man die typischen Autotune-Effekte erzeugen. Die Tonleiter der „erlaubten“ Töne lässt sich einstellen. Außerdem lassen sich die Formanten verschieben („Gender“) und eine Oktavierung einstellen.  

Bedienung

Ich hatte es bereits erwähnt: Der JD-Xi kann für einen kleinen Synthesizer sehr viel, aber um die Möglichkeiten voll auszuschöpfen, führt der Weg immer wieder in die recht langen und nicht gerade übersichtlichen Menüs. Es handelt sich eher nicht um einen Synthesizer für Sound-Bastler, die jeden Parameter der Klangerzeugung selbst einstellen möchten. Die Regler auf dem Bedienfeld taugen hauptsächlich zum spontanen Schrauben während einer (Pattern-) Performance, womit die Stärke des JD-Xi meiner Ansicht nach klar umrissen ist. Alles, was man zum Auswählen von Presets, zum schnellen Verändern einiger ausgewählter Klangparameter und zur Programmierung von Sequencer-Patterns braucht, ist schnell zugänglich. Alles andere erfordert Geduld und ein wenig Leidensfähigkeit.

Sehr schade und unverständlich ist, dass die Drehregler keinen Modus zum Abholen von Werten bieten. Ich habe in den Menüs lange nach einer entsprechenden Option gesucht, ohne sie letztlich zu finden. Wenn der gespeicherte Wert nicht mit dem Regler übereinstimmt, gibt es unvermeidbare Sprünge.  

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare