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Test
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18.09.2012

Praxis

Tastatur
Die dynamisch gewichtete Tastatur des F-120R lässt sich angenehm spielen. Die Oberfläche aus Pseudoelfenbein fühlt sich wirklich gut an. Dass die Tasten etwas kürzer sind, fällt in der Praxis kaum auf. Vor allem beim sehr filigranen Pianissimo-Spiel macht sich der sauber definierte Druckpunkt positiv bemerkbar. Wie bei einem echten Klavier kann man die Tasten bis zum Druckpunkt drücken, ohne dass etwas passiert. Von da an entscheidet die Anschlaggeschwindigkeit darüber, ob überhaupt ein Ton ausgelöst wird oder nicht. Den direkten Vergleich mit der PHA-III-Tastatur der derzeitigen Roland-Spitzenmodelle kann die Ivory Feel-G nicht gewinnen; so fällt beim F-120R vor allem beim beherzten In-die-Tasten-hauen der etwas harte Aufschlag auf den Tastenboden unangenehm auf. In dieser Preisklasse schlägt sich die Klaviatur aber gut. Für ein kompaktes Einsteiger-Piano kann man wirklich nicht meckern.

Klang
Der Flügelklang Nr. 1, der traditionell der zuverlässigste Indikator für die Qualität eines Digitalpianos ist, fällt beim F-120R für Roland-Verhältnisse unerwartet hell und drahtig aus und wirkt fast etwas metallisch. Im Vergleich zu den Highend-Modellen aus gleichem Hause enttäuscht der recht eindimensionale Sound leider etwas. Gemessen am günstigen Preis des F-120R geht der Sound aber in Ordnung, zumal man ihn mit verschiedenen Einstellmöglichkeiten auch noch an die persönlichen Vorlieben anpassen kann (Brillianz, Saitenresonanz, Dämpferresonanz, Loslassresonanz). 

Im Diskant gefällt mir der Sound nicht so gut. Hier wirkt er recht künstlich:

Was man durch Feineinstellungen noch bewerkstelligen kann, zeigt das nächste Hörbeispiel. Es handelt sich um den gleichen Grundsound – verändert wurden nur der Brillianz-Parameter und der Hallanteil.

Piano Nr. 2 ist eine etwas gedecktere, dumpfere Variante, die mir fast besser gefällt. Das ist natürlich wie immer Geschmackssache!

Auch die klassische Kombination von Piano und Streichern darf natürlich nicht fehlen!

Die SuperNATURAL-Technologie soll u.a. für ein realistischeres Ausklingverhalten und eine stufenlose Dynamik sorgen. In der Tat fallen beim F-120R die Sprünge zwischen den verschiedenen Velocity-Layern nicht auf. Auch der Ausklang wirkt wesentlich realistischer als bei günstigen Instrumenten mit kurz geloopten Samples:

Die übrigen Klänge des FP-120R überzeugen mich weniger. Nun finde ich es nicht so wichtig, dass ein Digitalpiano besonders tolle Streicher oder Chöre enthält, aber ein paar schöne E-Pianos könnten schon dabei sein. Die beiden Vintage-EP-Sounds sind aber leider etwas zu sauber geraten, obwohl sie einige der charakteristischen Nebengeräusche abbilden. Im typischen Einsatzgebiet eines Wohnzimmer-Digitalpianos ist das nicht so schlimm, aber wer solche Sounds mag und gern spielt, wird hier womöglich etwas enttäuscht sein. Inzwischen gibt es deutlich realistischere Emulationen dieser Klassiker.

Orgeln sind auch mit an Bord. Diese können bei einem Digitalpiano eigentlich nur Beiwerk sein, weil die auf ein möglichst realistisches Klaviergefühl ausgelegte Tastatur gar kein authentisches Orgelspiel zulässt. Für den gelegentlichen Einsatz findet man hier aber sowohl Pfeifenorgeln als auch die Hammond-Variante in verschiedenen Ausführungen. Viele Orgelsounds bieten zwei verschiedene Einstellungen, die mit der Anschlagstärke umgeschaltet werden. Weitere Zugriffsmöglichkeiten auf die Registrierung und den Leslie-Effekt gibt es aber nicht.

Begleitautomatik
Die 60 Styles des F-120R decken den Pop-Rock-Bereich genauso ab wie die Genres Latin und Jazz. Die geschmackvoll programmierten Rhythmen sorgen für Abwechslung und Spaß bei der Hausmusik. Hier finden sich zahlreiche lebendige Patterns, die mit den statischen Begleitautomaten vergangener Zeiten nichts mehr gemeinsam haben. Die Styles bieten jeweils zwei Variationen mit unterschiedlicher Intensität.

Im Pianist Mode bezieht das F-120R die gesamte Tastatur in die Begleitautomatik ein, sodass man sich nicht darum kümmern muss, in einem bestimmten Bereich einen Akkord zu greifen. Das funktioniert in der Praxis recht gut – vorausgesetzt, man spielt überhaupt Akkorde. Das Haltepedal wird ebenfalls berücksichtigt, sodass sich Akkorde auch schrittweise auf einem im Pedal festgehaltenen Grundton aufbauen lassen. Die nächsten Klangbeispiele zeigen einige Styles. Ich habe hier und da bewusst etwas “nachlässig” gespielt, um den Pianist Mode herauszufordern.

Bedienung
Bei Digitalpianos wird traditionell mehr Wert auf ein elegantes Äußeres gelegt als bei Keyboards. Also verstecken die Hersteller das Bedienfeld meist in einer schmalen Leiste oberhalb der Tastatur und verbauen nur die allernötigsten Knöpfe. So auch beim F-120R. Wegen der dürftigen Ausstattung mit Tastern muss man einige Umwege und “interessante” Tastenkombinationen in Kauf nehmen. Ein paar Taster mehr für die verschiedenen Klang- und Rhythmuskategorien wären schön gewesen und hätten die Auswahl eines passenden Sounds erleichtert. Auch die Navigation durch das Menü hätte mit ein paar zusätzlichen Knöpfen komfortabler ausfallen können. Andererseits ist das Bedienfeld auf diese Weise unauffällig genug, um das schlanke Design des Pianos nicht zu stören, zumal das F-120R nicht mit der die Knopfleiste verdeckenden “Classic Position”-Deckelstellung der Topmodelle ausgestattet ist. Und da immerhin die “Piano”-Kategorie einen eigenen Taster besitzt, kommt man von überall her schnell wieder zur Grundeinstellung “Klavier”.

Das LC-Display ist trotz seiner kleinen Größe eine große Hilfe bei der Klangauswahl und beim Einstellen von Werten. Kryptische Kürzel, wie sie noch das Schwestermodell F-120 mit seiner 3-stelligen LED-Anzeige verwendete, gibt es hier nicht mehr. Stattdessen steht ein vergleichsweise komfortables Setting-Menü zur Verfügung, das Zugriff auf die erweiterten Einstellungen (z.B. Detaileinstellungen der Flügelklänge) bietet.

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