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Test
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11.12.2015

Roland Boutique JX-03 Test

Virtuell-analoger Synthesizer

Zwergen-Angriff im Bassbereich

Der Roland JX-03 aus der Boutique-Serie ist eine virtuell-analoge Emulation des Roland JX-3P. Genau genommen wird der analoge Klassiker mitsamt dem dazugehörigen Programmer PG-200 emuliert, denn anders als der JX-3P hat der JX-03 Drehknöpfe zum Schrauben. Wie seine Geschwister JP-08 und JU-06 kommt der Roland JX-03 im Miniaturformat und arbeitet mit der ACB-Technik („Analog Circuit Behavior“). In Verbindung mit der optionalen Tastatur K-25m wird aus dem Desktop-Modul ein Keyboard-Synthesizer.

1983 war das Geburtsjahr des analogen, sechsstimmig polyphonen JX-3P, der gegenüber dem ebenfalls sechsstimmigen Juno-106 unter anderem um einen zweiten stimmbaren Oszillator (DCO) erweitert wurde. So analog sah der JX-3P gar nicht aus: Dem Zeitgeist folgend hatte Roland die Fader und Drehpotis gestrichen und durch ein Taster-Programmierverfahren ersetzt, wie es beispielsweise auch seinem Zeitgenossen Korg Poly-61 widerfuhr. Allerdings gab es mit dem PG-200 einen Programmer, der das Erstellen von Sounds erleichterte. Trotz der aus heutiger Sicht wenig ansprechenden Bedienoberfläche ist der JX-3P ein Kult-Synthesizer, dessen Sound auch 33 Jahre nach der ersten Auslieferung immer noch gerne genutzt wird. Derzeit kann man das Retro-Doppel aus JX-3P und PG-200 mit etwas Glück für ca. 1000 Euro erstehen, Wartung nicht mit einkalkuliert. Doch ab sofort geht es auch günstiger: Durch die Emulation mittels ACB hat Roland nun beide Geräte in einem Gehäuse realisiert, und das in etwa einem Zehntel der Originalgröße des JX-3P und zu einem Preis von nur gut 300 Euro. Da stellt sich die Frage: oldschool analog oder newschool digital? Eine Entscheidungshilfe bietet euch hoffentlich dieser Testbericht.

Details

Gehäuse und Oberfläche

Manche werden während des Auspackens enttäuscht denken: „Das ist doch eine Spielzeugkiste und kein ausgewachsener Synthesizer!“ Aber auf den zweiten Blick fällt die solide Verarbeitung der Metall-Oberfläche auf, die sehr gut mit dem Kunststoffgehäuse verbunden ist. Die 24 Drehregler, 7 Schalter und 21 Taster sitzen durchweg fest am Gehäuse und lassen sich sehr gut bewegen. Lediglich der Abstand zwischen den Drehreglern könnte etwas größer sein – wie bei den beiden anderen Boutique-Synthesizern hat die Miniaturisierung kräftig zugeschlagen. Dagegen wirken die beiden Ribbon Controller eher groß, die für Pitch Bend und Modulation eingesetzt werden. Falls kein Keyboard angeschlossen ist, kann man mit dem linken Ribbon auch Noten erzeugen.

An der Unterseite des JX-03 befindet sich ein kleiner Lautsprecher mit 0,5 Watt Leistung, der dem eigentlichen Sound des Synthesizers natürlich nicht gerecht wird und eher eine Notlösung für den mobilen Einsatz ist. Der Lautsprecher wird durch Einstecken eines Steckers in den Kopfhörer- oder Line-Ausgang deaktiviert. Um der Mobilität keine Grenzen zu setzen, kann der Synthesizer mit zwei AA Batterien oder zwei Akkus gespeist werden, die Laufzeit soll bei etwa sechs Stunden liegen. Das dazugehörige Batteriefach öffnet man an der Unterseite der Hardware.

Die optional erhältliche Tastatur K-25m wird mit einem Flachbandkabel an der Unterseite des JX-Moduls angesteckt und der Synthesizer wird in einem Schacht hinter der Klaviatur eingeklickt. Für den richtigen Lagewinkel gibt es drei Optionen, die mit einer Kunststoff-Haltevorrichtung justiert werden. Das K-25m verfügt über 25 anschlagdynamische Minitasten und verwandelt den JX-03 in ein mobiles Keyboard.

Bedienfeld

Über die Controller an der Oberfläche wird am Sound gedreht. Der Signalfluss verläuft wie bei den beiden anderen Boutique-Synthesizern von links nach rechts und beinhaltet folgende Sektionen:

  • DCO-1: Oktavlage (64'-2'), Schwingungsform (Sinus, Dreieck, Sägezahn, Puls 10%, Puls 50%, Noise), Schalter für die Modulatoren LFO und ENV
  • DCO-2: Oktavlage (64'-2'), Schwingungsform (Sinus, Dreieck, Sägezahn, Puls 10%, Puls 50%, Noise), Tune, Fine Tune, Crossmodulation, Schalter für die Modulatoren LFO und ENV
  • Regler für die Modulationsintensitäten für beide DCOs gemeinsam (Hüllkurve, LFO, Polarität der Hüllkurve)
  • VCF: Source Mix DCO1/DCO2, Hochpassfilter, Tiefpassfilter mit Cutoff und Resonanz, LFO Modulation, Envelope Modulation, Polarität der Envelope, Pitch Follow (Keytracking)
  • VCA: Wahlschalter Envelope/Gate, Level
  • LFO: Schwingungsform (Sinus, Sägezahn steigend, Sägezahn fallend, Rechteck, Random, Noise), Einsatzverzögerung, Rate
  • ADSR Hüllkurve

Für die Presetwahl findet man darunter die drei Bankwahltasten A, B und C. Bei der Preset-Verwaltung wurde im Vergleich zum Original der Rotstift angesetzt: Von den 32 freien Speicherplätzen des Vintage-JX sind beim JX-03 nur 16 frei belegbare in Bank C übrig geblieben, auf den 32 Plätzen der Bänke A und B findet man feste Presets. Deren mitunter etwas lustig anmutende Namen (Violin, Flute, Oboe ...) sind wie beim JX-3P aufgedruckt und werden über die daneben befindlichen 16 Wahltasten angewählt. 16 Speicherplätze für Eigenkreationen sind arg wenig und so mancher wird sich statt der Presets mehr freie Plätze wünschen (das war beim Original JX-3P nicht anders!). Zum Glück ist das Verfahren zum Sichern von Patches auf dem Computer recht komfortabel: Hierzu muss der JX-03 via USB an einen Rechner angeschlossen werden und im Backup-Modus starten. Der Synthesizer wird als Laufwerk erkannt und die Daten können munter hin und her transferiert werden.

Auf der rechten Seite befinden sich weitere zwei Taster. Einer davon aktiviert den Chorus-Effekt, der andere ist eine Optionstaste, mit der man in Kombination mit den 16 Wahltasten etliche weitere Einstellungen vornehmen kann. Leider sind diese Funktionen nur in der mitgelieferten mehrsprachigen Faltblatt-Anleitung zu finden. Die beiden großen, beleuchteten Touch Ribbon Controller auf der linken Seite funktionieren ohne Probleme und reagieren sehr direkt.

Unterschiede zum JX-3P

Leider ist dem JX-03 das gleiche Schicksal widerfahren wie seinen Boutique-Geschwistern und die Stimmenzahl wurde auf vier gekürzt. Für eine Erweiterung der vier Stimmen auf acht müssen zwei JX-03 über MIDI kaskadiert werden. Das bedeutet natürlich eine Verdopplung des Kaufpreises. Nur eingefleischte JX Fans werden hier zuschlagen. Besonders schade ist aber, dass der 128-schrittige und sogar polyphone Step-Sequencer des JX-3P durch einen monophonen 16-Step-Sequencer ersetzt wurde. Der erfüllt zwar seinen Zweck und ist einfach zu programmieren, aber er ist kein Vergleich zum Sequencer des Vintage-Synthesizers.

Anschlüsse

Auf der Rückseite befinden sich die Anschlüsse an die Außenwelt. Hier findet man je einen Stereo-Ein- und Ausgang sowie einen Kopfhöreranschluss, die allesamt als Stereo-Miniklinkenbuchsen ausgeführt sind. Entsprechende Adapterkabel sollte man sich also ggf. besorgen. Außerdem besitzt der JX-03 MIDI In/Out und einen Micro-USB-Anschluss zur Stromversorgung und Verbindung mit dem Computer. Der Netzschalter, der Regler für die Gesamtlautstärke und eine Bohrung für ein Kensington Lock sind ebenfalls hinten zu finden.

So, und jetzt geht es ans Eingemachte – ab ins Studio mit der Kiste!

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