Hersteller_Roland
Test
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13.06.2014

Praxis

Bedienung:

Roland hat der TR-8 den Zusatz „Rhythm Performer“ verpasst und das passt erst mal wie die Faust aufs Auge! Mit der TR-8 „zu spielen“ macht einfach Spaß – sie als Begleit-Rhythmusmaschine zu gebrauchen, wie ihr Vorgänger ursprünglich einmal gedacht war, wäre weit unter ihren Fähigkeiten. Live-Programmierung, Fader hoch und runter reißen, Decays aufdrehen, Scatter-Stunts, all das geht nach einer kurzen Eingewöhnung mehr als flüssig von der Hand. Hier verfängt man sich nicht in Untermenüs und muss seinen Kopf demzufolge auch nicht großartig fordern, wie man da wieder raus kommt. Dass man aber nur 16 Kits und 16 Pattern speichern kann, sollte man nicht verschweigen, es stört mich allerdings auch überhaupt nicht. Viel mehr stört da die Tatsache, dass die Wiedergabe zum Kopieren von Pattern gestoppt werden muss.

Nach meinem Dafürhalten gibt es dennoch ein paar weitere, kleine hausgemachte Performance-Unzulänglichkeiten, was vor allem die linke Seite und das Umschalten der verschiedenen Betriebsmodi betrifft, sprich deren Beschriftung, Größe und Anordnung sowie das Taster-Verhalten. Fangen wir mit der etwas kryptischen Beschriftung an: TR-Rec, PTN Select, Inst Play, Inst Rec. Meiner Meinung nach wäre hier beispielsweise STEP, PATTERN, (Live)-PLAY, (Live)-REC eindeutiger gewesen, zumal diese Funktionen für mich auch gleichberechtigt sind und ich deshalb deren etwas zerklüftete Anordnung nicht ganz nachvollziehen kann. Platz für einen Set-Up Taster, der die versteckten Funktionen bedient, um sich den Neustart zu sparen, wäre dann auch noch gewesen.

Weiterhin wurde DRUM Select (Kit und Inst) als Toogle und nicht als Hold Funktion ausgelegt, was auch etwas bremst, da so nach der Wahl eines neuen Instrumentes immer wieder erst auf TR-Rec, Play oder Ähnliches zurückgeschaltet werden muss. So viele Sounds hat jedes Instrument ja nun nicht wirklich zu bieten, als dass man diese Ansicht stundenlang betrachten müsste. Das sind zugegebenermaßen zwar nur Kleinigkeiten, aber auch sie sollten ruhig benannt werden. Nichtsdestotrotz ist die TR-8, vor allem im Vergleich zu Jomox, Elektron und MFB, sehr viel einfacher und logischer zu bedienen.

SOUND:

Was den Sound anbelangt, orientiert sich die TR-8 wirklich sehr nahe an den beiden Originalen. Sie klingt vor allem im Direktvergleich sogar etwas frischer, sprich moderner. Ein echter 1:1-Vergleich mit den Originalen bietet sich zwar nicht wirklich an, da die alten Rolands schon untereinander viel zu unterschiedlich klingen, trotzdem haben auch wir versucht, die TR-8 an die beiden uns vorliegenden Originale anzunähern, was dank der weitreichenden Parametrisierung der TR-8 auch nicht allzu lange dauerte. Vielen Dank dafür nochmals an das Synthesizer-Studio in Hamburg, das uns ihre 808 und 909 dafür zur Verfügung gestellt haben.

Wie wir hören und sehen können, wurden auch die technischen Schwankungen der Altgeräte simuliert. In folgendem Screenshot einer kontinuierlich laufenden Snare kann man das auch sehen: Er zeigt, wie ganz und gar nicht gleich die Snare-Hüllkurve über die Zeit aussieht. Und das hört man auch.

Aber auch andere Eigenheiten kann man heraushören. Beispielsweise ergibt sich bei dem Zusammenspiel der offenen und geschlossenen Hihat ein gänzlich neuer Klang, anstatt dass einfach nur zwei Sounds gelayert werden. Sogar Snare und Clap „phasen“ bei einer gemeinsamen Verwendung, was bei den Originalen übrigens auf den gemeinsamen Rauschgenerator zurückzuführen ist. Aber auch an das Aufschaukeln der Kick wurde gedacht und entsprechend in der TR-8 nachempfunden.

Im äußerst kritischen Direktvergleich gefielen mir dennoch die alten Originale besser, da sie immer einen Ticken fetter und schmatziger klangen. Wir reden hierbei allerdings über Nuancen, die im Rahmen einer Bühnenshow wirklich niemandem auffallen oder gar stören dürften – und falls doch, dann auch nur bei vereinzelten Instrumenten.

So fand ich beispielsweise alle Toms und den überwiegenden Teil der Percussions wirklich gut und denen der Originalen in Nichts nachstehend. Ebenso verhielt es sich bei der 909 Snare und ihrem Blech. Der Rimshot, die 808 Snare und die 808 HiHats überzeugten mich wiederum nicht so sehr, hier fehlt es einfach am analogen Schmutz und Holz. Schön wäre es außerdem gewesen, das Decay bei einigen Instrumenten noch länger als bei den Originalen aufdrehen zu können, um Noise-Sweeps bzw. -Bursts zu veranstalten.

Sehr gut, wenn auch nicht ganz hundertprozentig überzeugend, fand ich die Kicks. Im Vergleich gingen mir diese nicht wirklich tief genug bzw. fehlte ihnen einfach ein Hauch Cojones. Da hilft auch der Compressor nichts, dessen Verhalten über den Poti-Regelweg sowieso etwas sonderbar, weil zum Ende hin viel zu extrem, ist. Live ist dieser nur schwierig zu benutzen, da man den extremen Lautstärkezuwachs mit dem Fader ausgleichen müsste. Generell wären Gain-Potis (zusätzlich zu den Fadern) wünschenswert gewesen. Klar, man kann hier auch anstelle der Fader mit Mutes performen, allerdings muss man diesen Modus auch erst wieder etwas umständlich über Inst-Play und Step-Taste 16 anwählen und zweitens gibt es auch keine Solofunktion.

Weiterhin sind die Lautstärken der einzelnen Instrumente nicht optimal aufeinander abgestimmt, sodass man den Fader der Kick relativ oft auf der Hälfte belassen muss, damit die anderen Instrumente nicht untergehen. Das fällt auch auf, wenn man die Einzelausgänge via USB benutzen will, da diese ohne Gegensteuern am Fader fast immer clippen.

Die Integration der Effekte ist wiederum grundsätzlich gut gelöst. Klanglich würde ich sie dennoch eher der Kategorie FX zuordnen, besonders beeindruckende Räumlichkeiten kann man hier also nicht unbedingt zaubern. Weiterhin wird sich hier auch nicht ganz strikt an die Aufteilung Reverb/Delay gehalten, sodass sich auch ein LoFi und Reverse Effekt einfindet. Ein paar Effekte mehr hätten dennoch sicherlich nicht geschadet, vielleicht liefert Roland aber auch hier noch etwas nach.

Der Sidechain-Effekt allerding ist sehr witzig und auch er beinhaltet 8 verschiedene Presets. Diese lassen sich als Grooves bezeichnen wie Externes Audio dann "pumpt". Im Beispiel hört ihr am Anfang die unspektakuläre, monotone Bassline, so wie sie aus der TB-3 heraus kam, anschließend hangel ich mich durch alle 8 Presets und ändere dabei zusätzlich den Sidechain-Effekt-Anteil.

USB-Integration:

Allgemein ist das eingebaute USB-Interface mit den Einzelausgängen natürlich eine tolle Sache, trotzdem gibt es auch hier ein paar kleine Unzulänglichkeiten: Zum einen läuft das Interface ausschließlich mit 96 kHz, was zwar einerseits sehr zukunftsorientiert ist, andererseits schwächere Rechnersysteme deutlich schneller an deren Belastungsgrenze bringt.

Weiterhin möchte man unter Umständen auch noch sein eigentliches Audiointerface nutzen, was meinem Kenntnisstand nach aber nur mit einem Mac und einem sogenannten „Aggregate Device“ möglich ist. In Ableton Live habe ich das in Verbindung mit meiner RME UFX auch erfolgreich nutzen können, in Verbindung mit Pro Tools 11 hat das Ganze allerdings schon nicht mehr funktioniert.

Inkonsequent finde ich es auch, dass die Pads, sollten sie extern via MIDI angetriggert werden, nicht aufleuchten. Unverständlich bleibt für mich auch, warum man die Effekte ebenfalls nicht mit einem Notenbefehl triggern bzw. starten kann. Somit lassen sich die Effekte nur vom internen Sequencer aus nutzen, wobei zusätzlich anzumerken ist, dass diese Effekte ohnehin nicht auf die Einzelausgänge routbar sind, sondern nur dem Main-Out zur Verfügung stehen. Last but not least lassen sich, wie bereits erwähnt, die Rolls nicht per MIDI aufzeichnen.

Dennoch macht es Spaß, mit den A/B Pattern und eventuell darauf programmierten Send-Effekten zu einem von der DAW aus programmierten Beat zu jammen. Für richtiges Oldschool-Feeling wäre allerdings ein 808-Kippschalter statt der A/B Buttons angebracht gewesen.

Allgemeines

Auch wenn sich meine Aufzählung der vielen „kleinen Unzulänglichkeiten“ durchaus etwas abschreckend liest, muss ich sagen, dass die TR-8 eine sehr gute Drummachine ist, mit der es sich ohne Wenn und Aber arbeiten lässt, sofern man von ihrem begrenzen Klangvorrat einmal absieht. Meine Kritik fällt diesmal auch nur deshalb besonders „kleinkariert“ aus, weil der Anspruch an den Riesen Roland meiner Einschätzung nach durchaus höher ausfallen darf als bei den sonst üblichen „gewöhnlichen“ Drummachine oder Clone Herstellern.  

Fairerweise muss man allerdings auch sagen, dass, was die zeitgenössische elektronische Musik betrifft, man mit einer 808 oder 909 bzw. einer Kombination aus beiden wie der TR-8 zu 99,9% auf der klangästhetisch sicheren Seite ist, nur eben besondere Überraschungen darf man (bisher) nicht erwarten.

Hip-Hopper sollten außerdem beachten, dass für ihre angestrebte Klangästhetik eine 808 alleine auch nicht ausreicht, sondern in den meisten Fällen bzw. Produktionen diese außerdem mit reichlich Outboard bearbeitet und dann von einer MPC aus abgespielt wurde.

Trotzdem habe ich die Vermutung, dass Roland hier bald nachbessern und weitere Drumsynths mit einem Update nachliefern wird. Bis dahin wird auch noch ein halber bonedo Stern bis zur Top-Bewertung zurückgehalten. Und wenn wir gerade bei Wünsch-dir-was sind: Den Editor zur Erstellung der „Models“ könnte man der Öffentlichkeit durchaus auch zugänglich machen, denn so könnten eigene Mods deutlich einfacher, weil digital, zu realisieren sein.

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