Workshop_Folge
Workshop
2
25.05.2011

STROPHEN

Basis des Songs ist eine Bassline, die sich in punktierten Achteln um einen einfachen Beat webt. Bauen wir uns zunächst einmal den Groove zusammen.

In der ersten Strophe benötigen wir dafür nur eine Bassdrum und einen Clap. Die Kick klingt etwas pappig, wie aus einer Drummachine aus der Frühzeit des Samplings. Auch der Clap erinnert an legendäre Drumcomputer der Achtziger. Die Samples habe ich mir aus meiner Sammlung herausgesucht und in Logic zu einem EXS-Samplerprogramm gemacht.

Statt einer Hihat kommt zur zweiten Hälfte der Strophe noch ein „Zap“-Sound hinzu, der etwas an den Soundtrack früher Computerspiele erinnert. Dieser Sound springt im Panning von ganz links nach ganz rechts hin und her. Dafür habe ich mir ein passendes Sample gesucht, und in einem EXS-Programm auf zwei Tasten gelegt – einmal links, einmal rechts.

Hören wir uns den Strophen-Groove einmal an:

Dazu kommt eine Synth-Bassline, die dezent beginnt und dann langsam etwas aggressiver wird. Hierfür habe ich auf meinem Moog Little Phatty einen Sound programmiert. Dieser besteht aus zwei Oszillatoren, wobei der zweite etwas höher gestimmt ist und per Oszillator-Sync mit dem ersten synchronisiert wird. Dadurch wird der verstimmte zweite Oszillator automatisch auf den Anfang seiner Wellenform zurück gezwungen, immer wenn auch der erste Oszillator seine Wellenform neu beginnt (siehe Grafik). Das ergibt eine interessante Obertonstruktur, die für den etwas Orgel-artigen Klangcharakter verantwortlich ist. Zum Ende der Strophe hin wird das Filter etwas aufgemacht und gleichzeitig die Wirkung der Filterhüllkurve verstärkt. Die Reglerbewegungen habe ich per MIDI aufgezeichnet und den Sound zum Schluss als Audiospur in Logic aufgenommen.

Nun brauchen wir für die Strophe noch zwei Synthesizer-Sounds. Für den ersten habe ich Logic´s eingebauten Synth ES1 verwendet. Dieser ist zwar sehr einfach aufgebaut und schon etwas betagt, aber geradlinig und leicht zu programmieren und dadurch immer noch extrem alltagstauglich. Der Oszillator 1 liefert eine einfache Rechteckwellenform, die mit einer leisen Pulswelle vom Sub-Oszillator unterfüttert wird. Die Hüllkurve bekommt etwas Attack und Release, verhält sich aber ansonsten neutral. Sie wirkt sowohl auf die Amplitude als auch leicht auf das Filter. Zusätzlich habe ich noch etwas Resonanz und Sättigung dazugegeben, um dem Sound noch etwas Biss zu geben. Zum Schluss brauchen wir noch etwas Glide-Zeit, damit der Sound etwas von einem Ton zum anderen „glitscht“, was in Verbindung mit der polyphonen Spielweise einige willkommene Artefakte hervorruft.

Der zweite Synth-Sound stammt abermals vom Little Phatty. Hierbei handelt es sich um einen ziemlich aggressiven Lead-Synth, der ebenfalls vom Oszillator-Sync Gebrauch macht. Der erste Oszillator ist auf eine Sägezahnwelle eingestellt, während der zweite eine Rechteckwelle produziert, etwas höher gestimmt ist und per Osc-Sync synchonisiert wird. Die Hüllkurven sorgen mit einer sehr kurzen Decay-Zeit und einem Sustain-Level von ca. 80% für einen kurzen, knackigen Impuls am Anfang.

Diesen Sound habe ich in zwei Etappen aufgenommen, um das Glide-Verhalten zu optimieren. Bei den tiefen Tönen, die hauptsächlich den ersten Synth unterstützen sollen, brauchen wir kein Glide. Bei den höheren Tönen ist jedoch ein „Hineinglitschen“ in den ersten Ton gewollt. Dafür habe ich eine Hilfsnote aufgenommen, die quasi den Startpunkt für den Glide-Effekt setzt, und diese nachher aus der Audiospur wieder heraus geschnitten. Im Soundbeispiel hört ihr zunächst die Spur mit den tiefen Tönen, dann die aufgenommene Spur mit der Hilfsnote für den Glide-Effekt und schließlich die Bearbeitung, in der diese wieder herausgeschnitten ist.

Jetzt können wir uns die Strophe einmal komplett anhören:

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