Hersteller_Ortofon
Test
5
02.02.2012

PRAXIS

Nun ist es aber Zeit für Mix- und Scratch-Action. Also den Tonabnehmer auf meinen Technics 1210 MKII montiert, alle Parameter richtig justiert und ab geht die Post!   

Die technischen Infos empfehlen einen Auflagekraftbereich von 2 - 4 Gramm. Ich beginne also beim Minimalwert. Den ersten Teil der Prüfung besteht mein Proband mit Bravour. Auch bei einer sehr lauten 12 Inch kommt die Nadel nicht ins Straucheln und sorgt für eine unverzerrte Wiedergabe. Zudem sind bereits jetzt schnelle Basic-Scratches und Backspins in regulärer Geschwindigkeit möglich. Reine Mix-DJs finden also schon ab dieser geringen Auflagekraft beste Voraussetzungen zum Cueing und Abwerfen der Platten vor. Komplexe Scratches und schnelle Backspins kommen allerdings erst ab etwa 3 Gramm ohne Springen der Nadel aus.   

Da der Nadelträger von Q.Bert-S relativ weich aufgehängt ist, beginnt das gesamte System beim Hin- und Herbewegen der Platte ein wenig zu „schwimmen“. Dadurch bedingt entstehen tieffrequente Signalanteile. Für einen regulären Tonabnehmer läge deren Pegel sicher noch im Rahmen. Vor dem Hintergrund, dass es sich hier um ein System handelt, das eigentlich speziell für die scratchende Zunft entwickelt wurde, schneidet es zumindest in dieser Disziplin nicht wie erwartet ab.

Der Gesamteindruck des Kandidaten von Ortofon entspricht überraschenderweise eher dem eines guten Club- bzw. Mix-Tonabnehmers. In Sachen Scratching bieten andere Systeme (teilweise auch die hauseigenen) gleiche oder sogar bessere Eigenschaften. 

Die Angabe, dass Q.Bert-S ein Tonabnehmer mit einer sehr hohen Ausgangsspannung ist, kann ich bedenkenlos unterschreiben. Unser Prüfling war nur etwa ein halbes dB leiser als die besten dieser Kategorie, der Numark CS-1 und der Concorde S-120. Unter Berücksichtigung des sphärischen Nadelschliffs ist die Höhenwiedergabe des Systems als überraschend plastisch zu beschreiben. Den in der Marketing-Kampagne beworbenen Bass kann ich indes in dieser Form nicht ausmachen. Er ist zwar präsent und durchaus kraftvoll, doch wirken mir die Subanteile weniger definiert als etwa die Mitten. Diese stellen sich klanglich warm und sehr differenziert dar. Zusammengefasst ergibt sich ein warmer und durchsetzungsfähiger Sound, der zu einer Platzierung im oberen Bereich des Teilnehmerfeldes führt.

ZWEITE MEINUNG

(Daniel Wagner, Technics 1210 MKII, UREI 1603)

Bei dem vorliegenden Tonabnehmer handelt es sich um ein Komplett-System aus Ortofons Concorde-Serie mit den üblichen bekannten Schwächen und Stärken. Der Nadelträger ist relativ stabil, der Griff wenig griffig und prinzipiell abbruchgefährdet. Es wird aber ein Gummiüberzug mitgeliefert, um wenigstens dem erstgenannten Problem wirksam entgegentreten zu können. Zur Verwendung kommt ein sphärisch geschliffener Diamant. Die Kontakte sind wirklich hervorragend verarbeitet und der Überhang mit 52 mm ideal auf die Disco-Laufwerke der Marke Technics abgestimmt. So weit, so gut. Q.Bert-S wird als Scratch- und Battle-Tool beworben, wobei auf Ortofons DJ-Site ausdrücklich auf die Basswiedergabe hingewiesen wird. Wir können also auf ein Scratch-williges, basslastiges DJ-System hoffen, was der folgende Test zeigen soll.  Der Arbeitsbereich hinsichtlich der Auflagekraft wird mit 2 bis 4 Gramm angegeben, empfohlen werden 3. Ich beginne also mit 2 Gramm, die direkt für einen angenehmen Mix-Workflow sorgen. Für Basic-Scratches und Backspins ist keine höhere Auflage nötig! Für schnelle Backspins nutze ich 3 Gramm, in Verbindung mit welligem Vinyl sogar 3,3 Gramm. Der Sound des Systems überrascht mich wirklich. Er ist ausgewogen, sehr räumlich und wohldefiniert. Die Wärme bei Gary Raffertys „Baker Street“ ist fast schon rührend. Toll!

Nur den beworbenen Bass kann ich nicht hören. Er ist zwar kräftig, aber nicht übermäßig betont. Im Gegenteil, er fügt sich schön in das gesamte Klanggeschehen ein. Demnach ist Ortofons Q.Bert-S für mich nicht unbedingt das Scratcher-Ass, aber auf jeden Fall ein System, das bei minimaler Auflagekraft einen definierten und warmen Sound und einen amtlichen DJ-Workflow gewährleistet und das bei einem Preis, den man wohl gut verschmerzen kann.

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