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28.10.2021

Origins Of Sound: Der Funky Drummer

Dieser Drumloop ist ein Grundpfeiler des Hip-Hop

Legendäre Klänge, die die Welt bewegen

Nicht nur bestimmte elektronische Musikinstrumente haben Geschichte geschrieben, sondern auch so manche Sounds und Samples. Lasst uns einige legendäre Klänge unter die Lupe nehmen: Wo kamen sie her, wo führten sie hin und warum sind sie heute noch wichtig? Heute: der „Funky Drummer-Drumloop“, ein Grundpfeiler des Hip-Hop.

Im ersten Teil unserer Origins Of Sound ging es schon einmal um einen legendären Drum-Break, den sogenannten Amen-Break, benannt nach dem Stück „Amen Brother“, in dem vom Drummer der Winstons für 5,2 Sekunden getrommelt und Jahrzehnte später tausendfach gesampelt wurde. Aber es gibt noch einen zweiten legendären Break, der als Groove-Motor für unzählige Tracks diente: der „Funky Drummer“, benannt nach dem gleichnamigen Stück von James Brown von 1970.

James Brown galt lange als „most sampled man in the biz“ und war auch einer der ersten, die sich darüber öffentlich und ausführlich beschwerten. Den Hinweis aus der Hip-Hop-Community, dass durch das Sampeln seiner Shouts und Grooves auch wiederum seine eigene Musik am Leben gehalten würde, ließ der Godfather of Funk nicht gelten. Und übersah dabei, dass er viele der Samples gar nicht selbst geschaffen hatte. Denn er hatte stets eine fantastische Begleitband.

Legendäre Musiker wie Maceo Parker, Fred Wesley oder auch Bootsy Collins kreierten in Live-Jams die Musik, über die James Brown so kongenial croonte. Und für die funky Drum-Grooves sorgte von 1965 bis 1970 Clyde Stubbenfield, der vielen Hits des Godfathers Of Funk seinen rhythmischen Stempel aufdrückte: „Ain’t It Funky Now“, „Give It Up Turnit A Loose“, „Get Up, Get Into It“, „I’m Black And I’m Proud”, „Cold Sweat”, „Sex Machine“ und natürlich den Song, um den es hier geht: „Funky Drummer“.

Video:

Ursprung

Jeder, der sein musikalisches Leben nicht unter einem Stein verbracht hat, kennt diesen Drumloop, der eigentlich im Original super-entspannt daher groovt, aber in Stücken von Public Enemy, N.W.A. oder Ice Cube auch massiv aggressiv getweakt wurde.

Sein Ersteinsatz könnte bereits 1986 auf dem Grandmaster Flash-Song „Fastest Man Alive“ stattgefunden haben. Über den Hip-Hop wurde der „Funky Drummer“ dann in den weltweiten Pop-Kanon gespült und wurde ab 1988 bei den Fine Young Cannibals („I‘m Not The Man I Used To Be“) und dann später bei diversen Pop-Größen wie Kylie Minogue, George Michael, Queen oder Britney Spears drübergebrezelt, um Hipness aus der Hüfte anzutäuschen.

Es schien aber auch schon fast vorbestimmt: Wenn er im Original freisteht, wird der Beat durch das Fehlen der restlichen Band förmlich nach vorne gedrückt. Hart und prägnant! Bestes Sample-Material. Denn wer konnte schon 1970 ahnen, dass es 15 Jahre später digitale Wundermaschinen geben würde, mit denen Musiker den ersten Takt solo oder ab dem fünften Takt gewürzt mit den „Ain’t It Funky“-Shouts von James Brown absampeln und in ihre eigenen Stücke einbauen würden?

Video

Paid in full – NOT!

Mit dem „Funky Drummer Break“ hat Clyde Stubblefield einen Drum-Loop für die Ewigkeit geschaffen – ohne es zu ahnen – und ohne jemals dafür bezahlt worden zu sein.

Da Stubblefield keinen Songwriter-Credit für „Funky Drummer“ bekam, erhielt er auch keine Tantiemen für das Sampeln seines Breaks. Durch die Presse und das aufkommende Internet erfuhren aber immer mehr Menschen, dass Stubblefield der „Original Funky Drummer“ ist und er nutzte seinen Namen mit seinem 1997er Album „Revenge of the Funky Schlagzeuger“, auf dem er die  Original-Drumgrooves der größten James Brown-Hits noch einmal pur eintrommelte. Clyde Stubblefield verstarb am 18. Februar 2017.

Video:

TIPP: Der originale Funky Drummer in deiner DAW

Wenn Ihr nun den originalen Funky Drummer in eure DAW einladen wollt: Clyde Stubblefield hat 2001 eine Session gespielt, die bei Yurt Rock als royalty-free Sample-Pack erhältlich ist.

Das Pack ist übrigens gerade für sehr schmale 29,95 Euro erhältlich und ihr bekommt damit nicht nur einen legendären Live-Drummer für eure DAW, sondern unterstützt damit auch noch den Clyde Stubblefield Scholarship Fund, der jedes Jahr einen Jugendlichen aus der Clydes Heimatregion Madison unterstützt, um am College Musik zu studieren, damit sein musikalisches Erbe weiterlebt. Also, ich habe gleich zugeschlagen!

And now: Get wicked!

So wird’s gemacht: in diesem Video könnt ihr dem Original Funky Drummer Clyde Stubblefield direkt auf die Finger schauen.

Video:

Do it yourself!

Und hier noch ein kleiner Service für alle Drummer, die sich in unsere kleine, kuschelige Bonedo-DJ-Ecke verirrt haben: In diesem Video könnt ihr Clyde direkt auf die Finger schauen, wie er seine Grooves spielt und erklärt. Und noch mehr erfahrt ihr im Bonedo-Drum-Workshop von Sönke Reich.

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