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12.02.2021

Orchestrale Kontakt-Librarys in der Praxis

Orchestrale Kontakt-Instrumente, die Hans Zimmer lieben würde!

Soundtracks basteln mit Kontakt-Libraries – Gamesound, Filmmusik oder Songarrangements – wir zeigen euch fünf orchestrale Kontakt-Librarys für euer virtuelles Orchester!

Stellt euch vor, ihr hättet eine Zeitmaschine und würdet mit eurem Laptop samt Kopfhörern und MIDI-Keyboard ins 18. Jahrhundert zu Wolfgang Amadeus Mozart persönlich reisen. Ihr öffnet eure DAW, setzt dem Meister eure Kopfhörer auf die Perücke und ladet eine orchestrale Kontakt-Library. 

Die fünf von uns vorgestellten Instrumente für dein virtuelles Orchester orientieren sich am Zeitgeist heutiger Film- und Gamemusikproduktionen. So schaffen es auch synthetische Elemente und spezielle Chöre in unsere Liste – ok, genug auf die Folter gespannt. Bevor wir euch orchestrale Kontakt-Libraries im Detail vorstellen, gibt es hier erst einmal einen kurzen Überblick der Sound-Bibliotheken:

  • Native Instruments Arkhis (Preis: 199 Euro)
  • Native Instruments Mallet Flux (Preis: 199 Euro)
  • Native Instruments Mysteria (Preis: 299 Euro)
  • Orchestral Tools Ark-Serie (Preis: 653 bis 713 Euro)
  • Best Service The Orchestra Complete 2 (Preis: 459 Euro) 

Sagen wir es einmal so: Die Chance nach dieser Aktion wegen Hexerei verbrannt zu werden, wäre durchaus gegeben. Damals jedenfalls bekam ein Komponist die eigenen geistigen Ergüsse meist erst bei den Proben zur ersten öffentlichen Aufführung zu hören. Die Musik existierte bis dahin ja nur auf dem Papier – und so spielten die Instrumente während dieser kreativen Phase ausschließlich in den Köpfen der alten Meister.

Auch heutzutage spielen die Instrumente in den Köpfen der Komponisten – jedoch über Kopfhörer und gleich zu Beginn des Kreativprozesses. In diesem Artikel zeigen wir euch fünf besondere Libraries für euer virtuelles Orchester. Die in diesem Artikel vorgestellten Instrumente eignen sich besonders für folgende Anwendungsbereiche:

  • Filmvertonungen
  • Game-Soundtracks
  • Trailer
  • Werbespots
  • Anreichern populärer Musikproduktionen 

Native Instruments Arkhis – Atmospärische Soundtracks

Kontakt-Libraries sind heute oft auf bestimmte Anwendungsbereiche ausgelegt. Die erste von uns vorgestellte Klangbibliothek zählt zu dieser Gattung. Arkhis kommt mit 90 zeitgenössischen Klangquellen daher und ist auf das sogenannte „Underscoring“ spezialisiert. Hierbei handelt es sich um eine Kompositionstechnik der Filmmusik, bei der die Musik synchron und paraphrasierend auf Vorkommnisse, Bewegungen und dargestellte Gefühle eingeht. Diese „Quellen“ setzen sich aus einer umfangreichen Sammlung von Orchester- und Ensembleklängen sowie Soloinstrumenten zusammen.  

Herzstück ist der üppige Morph-Regler. Über diesen können drei Klangquellen ausgewählt und im Stereobild von links nach rechts gelayert werden. So entstehen vielschichte Soundscapes, ganz einfach und intuitiv. Diverse Möglichkeiten der Klangformung stehen ebenfalls bereit. Es gibt für jeden Layer separate FX-, Tonhöhen-, Hüllkurven- und Lautstärkeregler. Ein zentraler LFO moduliert sowohl Effekte als auch Layerings. 

Eine umfangreiche Sammlung von Orchester- und Ensembleklängen bildet das Grundgerüst dieser orchestralen Kontakt-Library. Auch Soloklänge einzelner Instrumente können gewählt werden. Zudem sorgen eher unkonventionelle Instrumente wie beispielsweise ein Waterphone oder ein Hackbrett für Abwechslung. 

Bei dieser Kontakt-Library ist vor allem die Bedienung hervorzuheben. So wurde Native Instruments Arkhis um ein zentrales Playback-Modul herum konzipiert, das sich mit MIDI-Controllern leicht steuern lässt. 

Besonders Sounddesigner für Game- und Filmmusik sollten sich diese orchestrale Kontakt-Library genauer ansehen. Atmosphärische Sounds, die perfekt auf Bewegungen angepasst werden können, sind ohne Zweifel die größte Stärke dieser Klangbibliothek. 

Native Instruments Arkhis:

  • Bedienung: einfach
  • Klangspektrum: groß
  • Variationsmöglichkeiten: vielfältig
  • Soundbild: atmosphärisch

Native Instruments Mallet Flux – Percussions mit Sequenzer

Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an digitalen Mallet-Instrumenten. Mallet Flux von Native Instruments ist jedoch eine besondere Stabspiel-Library. So beherbergt diese Soundsammlung nicht nur Glockenspiel, Celesta, Xylophon, Vibraphon und Marimba, sondern sie stellt für jeden Sound auch noch einen eigenen Sequenzer samt Playing-Engine bereit.

Die Flux-Engine ist für die Pattern-Automation verantwortlich. Dabei werden gespielte Akkorde in komplexe Phrasen gewandelt. Pro Instrument stehen euch zusätzlich noch zahlreiche Artikulationen wie beispielsweise harte und weiche Schläge, lange und kurze Töne oder rückwärts gespielte Samples bereit.  

Entstanden ist die Kontakt-Library übrigens in Zusammenarbeit mit den Spezialisten von Sonuscore. Über die 270 verfügbaren Preset-Scenes können verschiedene Ausgangspunkte für die weitere Bearbeitung geladen werden. Die verschiedenen Patterns könnt ihr jederzeit bis ins kleinste Detail weiterbearbeiten. 

Der pro Sound verfügbare Sequenzer kann problemlos in Parametern wie Länge, Rate und Wiederholungen eingestellt werden. Zusätzlich stehen interne Insert- und Send-Effekte bereit. Jeder Sound verfügt über einen Reverb-, Pan-, Delay-, Mic- und Level-Regler. Auch ein globaler EQ und ein Kompressor sind mit an Bord. Auf der Send-Effekt-Seite der Kontakt-Library könnt ihr aus verschiedenen Halltypen wählen oder eine abgespeckte Version des hauseigenen Replika-Delays hinzuschalten. 

Alles in allem besticht Native Instruments Mallet Flux durch ein klares Klangbild. Als Ergänzung für ein bestehendes virtuelles Orchester mit Streichern, Bläsern und dergleichen ist diese Soundsammlung bestens geeignet: Die Bedienung ist simpel und die Bearbeitungsmöglichkeiten sind umfangreich. Auch Trap-Produzenten sollten aufgrund der Glockenklänge bei dieser Kontakt-Library einmal genauer hinschauen. 

Native Instruments Mallet Flux:

  • Bedienung: einfach
  • Klangspektrum: mittel
  • Variationsmöglichkeiten: vielfältig
  • Soundbild: klar

 

Native Instruments Mysteria – Außergewöhnliche Chor- und Vocal-Texturen

Native Instruments Mysteria ist eine ganz besondere Kontakt-Library. Ihre Entwickler haben es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, die Emotionen der menschlichen Stimme in cineastische Spannungskurven zu übersetzen. 

Die Soundbibliothek spielt sich anders als die meisten Libraries: Das Einspielen der Sequenzen erfolgt hier nicht primär über die Klaviatur des MIDI-Keyboard – auf jeder Taste liegt oft das gleiche Sample und nur manche Sounds sind tonal spielbar. Die einzelnen Klangquellen werden intern über Effekte und weitere Einstellmöglichkeiten vorbereitet und dann über eine durchdachte X/Y-Steuerung bedient. 

Auf der X-Achse besteht die Möglichkeit, zwischen den Klangquellen zu überblenden. Die Y-Achse verändert die emotionale Intensität, die sich je nach gewählten Sounds unterscheidet. Diese Art der Steuerung ist zwar nicht neu, jedoch stand sie bei einer Kontakt-Library selten so sehr im Fokus. 

Die Hauptseite von Native Instruments Mysteria wirkt recht übersichtlich, während die Pages zur weiteren Bearbeitung komplex daherkommen. Um dieses Instrument vollends zu verstehen, bedarf es jedenfalls einer gewissen Einarbeitungszeit. Dazu stehen 350 Master Presets bereit, die sich aus 600 Layern und mehr als 800 Klangquellen zusammensetzen. 

Jede Stimme kann in einem sogenannten Cluster im Detail bearbeitet werden – auf diese Weise lassen sich bis zu acht Stimmen individuell im Stereobild platzieren. Außerdem stehen zur weiteren Bearbeitung sechs modulierbare Effekte bereit. Auch das Replika Delay ist hier wieder mit von der Partie.

Den Klang dieser Library zu beschreiben ist nicht leicht, da sehr viele Einstellungen getroffen werden können, um das Klangbild zu beeinflussen. Im Großen und Ganzen zeigt sich das Kontakt-Instrument atmosphärisch und eher dissonant – perfekt, um Spannung aufzubauen. Besonders Filmmusikkomponisten und Sounddesigner für Videospiele sollten sich dieses Instrument genauer anschauen. 

Native Instruments Mysteria:

  • Bedienung: komplex
  • Klangspektrum: groß
  • Variationsmöglichkeiten: riesig
  • Soundbild: atmosphärisch und dissonant

Orchestral Tools Metropolis-ARK-Serie – Klangstarke Orchester-Library

Die orchestralen Kontakt-Libraries von Orchestral Tools befinden sich auf den Festplatten vieler bekannter Hollywoodfilmkomponisten. Das liegt zum einen an der hervorragenden Qualität der spielbaren Instrumente und zum anderen an den vielseitigen Einstellmöglichkeiten und verfügbaren Artikulationen.

In diesem Artikel möchten wir euch die Orchestral Tools Metropolis-ARK-Serie vorstellen. Diese setzt sich mittlerweile aus vier orchestralen Kontakt-Libraries zusammen, die alle einen speziellen Bereich abdecken. Bevor wir die Vorzüge der einzelnen Libraries hervorheben, kommen wir zur Bedienung, die sich bei allen Soundsammlungen der Serie gleicht. 

Der Fokus des Hauptfensters liegt bei den Einzelinstrumenten auf einem großen, runden Regler, der es Anwendern erlaubt, die gewünschte Dynamik auszuwählen. Das Spektrum reicht von ppp bis hin zu fff. Im oberen Bereich des Kreises kann per Mausklick gewählt werden, ob die Dynamik per Velocity oder Modwheel (Xfade) gesteuert wird. Auf Seite zwei besteht die Möglichkeit, fünf Mikrofon-Settings hinzuzuschalten oder zwischen ebendiesen zu wählen. Zur Auswahl stehen Close 1, Close 2, AB, Tree und Surround. Übrigens kann jedes Mikrofon zu einem eigenen Ausgang geroutet werden.

Seite drei bietet weitere Einstellungsmöglichkeiten. So können beispielsweise Round-Robin-Samples deaktiviert oder Einstellungen zu Attack und Release getroffen werden. Komponisten, die einen Controller bei der Aufnahme ihrer Orchester-Arrangements verwenden, werden auf Seite vier viel Zeit verbringen – denn hier werden alle Einstellungen zum kontrollierten Arbeiten getroffen.

Die Darstellung der sogenannten Multi-Instrumente unterscheidet sich etwas von den Einzelinstrumenten. Hier entfällt der große, runde Regler. Stattdessen können bis zu 12 Artikulationen geladen werden, die gecrossfaded oder umgeschaltet werden können. Übrigens muss bei den Multis noch einmal unterschieden werden. Im Preset-Browser stehen einerseits Multis bereit, die über eine Oberfläche gesteuert werden, also zusammengefasst wurden, andererseits gibt es auch Multis, die einzelne Instrumente laden und diese gleichzeitig spielbar machen.

Metropolis ARK 1 – das laute Orchester

Diese orchestrale Kontakt-Library kommt komplett ohne subtile Orchesterklänge aus und setzt auf eine maximale Dynamik. Besonders hervorzuheben sind die gigantischen Bläser-Sektionen, die sich beispielsweise aus Bassposaune, Cimbasso und Waldhorn zusammensetzen. Ein großes Orchester sowie Pianoklänge und Percussion-Instrumente gehören ebenfalls dazu wie der epische Chor. Ach ja, eine Metal-Band wurde auch gesampelt. So könnt ihr auch auf ein Rock-Drum-Set und E- beziehungsweise Bassgitarren zurückgreifen. 

Metropolis ARK 2 – das leise Orchester

Metropolis ARK 2 ist das perfekte Gegenstück zu Version eins. So setzt die orchestrale Kontakt-Library im Gegensatz zu ihrem älteren Bruder auf leisere Klänge. Besonders die Chor-, Streicher- und Keys-Sektionen klingen hervorragend. Zusätzlich verfügt die Klangsammlung auch über eine leise Percussion-Sektion, Streicher sowie Blech- und Holzbläser.  

Metropolis ARK 3 – das perkussive Orchester

Orchestral Tools Metropolis ARK 3 kommt als orchestrale Beat-Machine daher. So wurden auch die Musiker anderer Sektionen wie beispielsweise Streicher und Bläser bei den Aufnahmen dazu animiert, die Perkussion-Sektion zu imitieren. Herausgekommen ist dabei ein Orchester, das Akzente setzt und ziemlich nach James Bond klingt. 

Metropolis ARK 4 – das fokussierte Orchester

Die Entwickler von Orchestral Tools Metropolis ARK 4 haben es sich zur Aufgabe gemacht, ein cineastisches Orchester mit kleinen Instrumentengruppen zu realisieren. So kamen während der Recording-Session kleine Ensembles zum Einsatz, die jedoch vor die Herausforderung gestellt wurden, mit viel Ausdruck zu performen. Die Streicher und Blasinstrumente überzeugen dabei durch eine hervorragende Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit.  

Orchestral Tools Ark-Serie:

  • Bedienung: einfach
  • Klangspektrum: groß
  • Variationsmöglichkeiten: gut
  • Soundbild: hervorragend klingende Orchesterklänge

Best Service The Orchestra Complete 2 – Komplexe Arrangements aus Akkorden

The Orchestra Complete 2 von Best Service, die in Zusammenarbeit mit Sonuscore entstand, ist quasi die eierlegende Wollmilchsau unter den orchestralen Kontakt-Libraries. Der Fokus bei dieser orchestralen Kontakt-Library liegt nicht so sehr auf einzelnen Instrumenten (die trotzdem ebenfalls verfügbar sind), sondern auf der ausgeklügelten Ensemble-Engine.

Diese setzt sich aus einem fünffachen Arpeggiator zusammen. So lassen sich schnell orchestrale Figuren und Patterns erzeugen – just with the click of a key. Nahezu alle Instrumente eines Orchesters werden hier abgedeckt. Übrigens: Die komplette Library beinhaltet ganze 475 Presets! Die gespielten Akkord-Progressions lassen sich via MIDI-Drag-and-draw direkt in das Arrangement-Fenster der DAW übertragen, und das für jeden der fünf Arpeggio-Slots separat.

Wird eine einfache Akkordfolge in der Sektion „Animated Orchestra“ gespielt, setzt das gesamte Orchester ein. Schön ist dabei, dass die Intensität auch über das Mod-Wheel und die Velocity beeinflusst werden kann. The Orchestra Complete 2 besteht aus der Ursprungsversion von The Orchestra, Strings of Winter sowie Horns of Hell. 

The Orchestra Complete 2 ist das perfekte Paket für Anwender, die schnell zu einem vorzeigbaren Ergebnis kommen möchten. Die verfügbaren Orchesterphrasen geben einen hervorragenden Ausgangspunkt zur weiteren Bearbeitung ab. Besonders Nutzer, die Musiktheorie nicht gerade zu ihren Stärken zählen, sollten hier zugreifen. 

Best Service The Orchestra Complete 2:

  • Bedienung: einfach
  • Klangspektrum: groß
  • Variationsmöglichkeiten: riesig
  • Soundbild: hervorragend klingendes, selbstspielendes Orchester

Fazit

Orchestrale Kontakt-Libraries gibt es wie Kabel im Studio: unzählige. Wir hoffen jedoch, euch mit unserer Auswahl ein paar besondere Perlen herausgepickt zu haben. Arkhis, Flux Mallets und Mysteria zeigen sich als perfekte Ergänzungen für bereits bestehende Orchestersammlungen. Die Orchestral-Tools-ARK-Serie hingegen präsentiert sich als umfangreiches Gesamtpaket mit professionellen Orchestersounds, die sich bis ins kleinste Detail weiterbearbeiten lassen. Mit The Orchestra Complete 2 bekommt ihr ein Rundum-sorglos-Paket geliefert, mit dem ihr schnell zu den gewünschten Ergebnissen gelangt und das dabei noch hervorragend klingt. Wir wünschen euch viel Spaß beim Orchestrieren!

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