Bass Hersteller_Orange
Test
7
22.04.2020

Praxis

Der Lüfter im neuen Orange-Basstop springt bereits bei niedriger Last, also beispielsweise beim heimischen Üben, nach einigen Minuten an und läuft dann permanent. Die gute Nachricht ist jedoch, dass der Ventilator sehr leise läuft und deshalb selbst extrem nebengeräuschsensible Gemüter - zu denen ich mich selbst zähle - sicherlich nicht stören wird. Sobald man mit Mitmusikern probt oder den Amp bei Gigs einsetzt, ist vom Ventilator sowieso nichts mehr zu hören.

Der handliche Little Bass Thing qualifiziert sich aufgrund der geringen Nebengeräusche also prinzipiell auch für das heimische Übe-Setup. Für die volle Punktzahl in dieser Disziplin fehlen ihm aber leider einige zusätzliche Features, welche bei einem modernen Kompakt-Top heutzutage eigentlich zum Standard gehören. Ich rede vom Kopfhöreranschluss und (im besten Fall) einem Aux-In für externe Audioquellen. Wirklich schade, dass Orange bei diesen praktischen Features gespart hat.

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Aber genug gemeckert, jetzt kommen wir zum wichtigsten Kapitel und hören uns an, was mein heutiger Testkandidat in Sachen Sound zu bieten hat. Der cleane Sound ohne jegliche EQ-Anpassungen macht bei mir durchaus schon Appetit auf mehr! So fein und detailverliebt wie manch anderes modernes Class-D-Top löst der Orange Little Bass Thing den Sound zwar nicht auf, er liefert aber aus dem Stand einen warmen, ausgewogenen Wohlfühlsound, mit dem man wirklich sehr gut arbeiten kann.

Beim nächsten Clip kommt ein Spector-Bass aus der Legend-Serie zum Einsatz. Um den modernen, Edelbass-mäßigen Sound dieses Fünfsaiters noch zu verstärken, habe ich am Orange-Amp mit dem EQ die Bässe und die Höhen ordentlich angehoben.

Auch mit dem Spector und einer relativ extremen EQ-Einstellung macht der kleine Class-D-Amp von der Insel eine richtig gute Figur, wie ich finde. Der Spector-Sound wird durch die EQ-Anpassung noch deutlich breiter, unten herum dröhnt aber nichts und die Höhen klingen überhaupt nicht harsch.

Soweit, so gut - ein wichtiges Feature des neuen Orange-Amps blieb aber bisher noch außen vor: der On-Bord-Kompressor. Im nächsten Beispiel hört ihr deshalb einen Sound mit aktiviertem Kompressor, der Regler stand bei Aufnahme auf etwa 10 Uhr.

Ab hier setzt sich der kleine Orange-Amp klanglich von vielen anderen Class-D-Amps ab, denn der Kompressor bringt wirklich einen eigene Note ins Spiel: Durch die weiche Kompression wird der Sound eine Spur geschmeidiger und wärmer, was sehr gut zu passiven Bässen - etwa einem Fender Jazz Bass - sowie klassischeren Klangvorstellungen passt. Der Effekt erinnert durchaus an die Kompression von klassischen Röhrenamps und fühlt sich beim Spielen angenehm natürlich an.

Die Lautstärke legt allerdings bei zunehmender Kompression ziemlich heftig zu, weil es beim Little Bass Thing offensichtlich keine automatische Pegel-Anpassung gibt. Das Konzept funktioniert natürlich bestens, wenn man beispielsweise für den Chorus im Song per Fußtaster einen lauteren und komprimierten Sound abrufen will.

Für andere Anwendungen kann der starke Pegelunterschied dann jedoch auch schon mal nerven. Aber das ist - wie so oft - wieder eine Frage der Anwendung und des persönlichen Geschmacks!

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Jetzt schalten wir in Sachen Kompression noch einen Gang hoch und drehen den Regler weiter auf. Der Kompressor verdichtet den Slapsound sehr organisch und sorgt für Punch und Charakter:

In den beiden letzten Beispielen kommt die semiparametrische Mittenreglung des Amps verstärkt zum Zug. Bei der ersten Aufnahme habe ich den mittleren Bereich bei etwa 500 Hz für mehr Durchsetzungskraft angehoben, und im zweiten Clip hilft ein Low-Mid-Boost dem Bridge-Pickup-Sound meines Fünfsaiters mit Punch und Fülle auf die Sprünge. Beides funktioniert hervorragend und zeigt, dass Orange die Abstimmung des Equalizers wirklich sehr gut gelungen ist.

Klanglich hat mich der Orange Little Bass Thing ziemlich schnell überzeugt - beim Thema Leistung und Performance sieht die Sache nicht anders aus. 500 Watt Ausgangsleistung erscheint heutzutage, vor allem für einen Class-D-Amp, sicher nicht allzu üppig. Der kleine Orange-Amp ist mit effektiven Boxen aber wirklich laut und performt derart stabil, dass er auch bedenkenlos bei größeren Clubgigs oder für Monitoring-Zwecke auf großen Bühnen eingesetzt werden kann.

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