Hersteller_Numark Gear_DJ-Controller
Test
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07.03.2013

Praxis

Software-Dreingabe

Begann ein Absatz wie dieser vor einigen Jahren sinngemäß meist mit: „Im Paket befindet sich zudem Traktor LE“ oder als „Softwaredreingabe gibt’s Virtual DJ“ hat sich das Blatt in letzter Zeit gewendet, denn es stehen zwei „neue“ Mitstreiter an der Tartanbahn, bereit den Langstreckenmarathon für sich zu entscheiden, namentlich Serato DJ Intro und Djay4Mac. Wenngleich letztgenanntes Programm, wie der Name schon sagt, den Apple-Jüngern vorbehalten ist. Und dann wären da ja auch noch Mixvibes, das sich stetiger Beliebtheit erfreut und Deckadance, wobei man aus dem Hause Image Line, was ihre DJ-Software angeht, nun schon länger nichts Bahnbrechendes gehört hat, außer das Versionsnummer zwei bald erscheinen soll. Serato Intro weist zwar im Direktvergleich zu den Platzhirschen VDJ und Traktor oder auch Mixvibes aufgrund seines jungen Bestehens „nur“ ein kleines Controller-Portfolio vor (zudem sich nun auch der MT-ProII zählen kann). Das liegt aber vielmehr daran, das SDI eine direkt unterstützte oder besser gesagt zertifizierte Hardware einfordert, wohingegen sich die beiden Konkurrenten mit jeder MIDI-fähigen Kommandobrücke mappen lassen – was im Sinne der freien Controller-Auswahl hoffentlich auch in Zukunft so bleiben wird. Zur Software:

Serato DJ Intro ist eine Dual-Deck-DJ-Software, die mit folgenden Kernkomponenten ausgestattet ist:

  • Zwei virtuelle Decks mit Tag- und BPM-Erkennung
  • Grafische Wellenformdarstellung inkl. Cuepoints und Loops
  • Musikverwaltung mit iTunes-Integration Crates, Playlisten und Cover-Darstellung
  • Auto-BPM und Autosync
  • Manuelle und automatische Loops
  • Fünf Cue-Punkte pro Track
  • Sampleplayer mit vier Slots
  • Zwei synchronisierbare Effekt-Racks mit je drei Effekten
  • Offline-Modus zur Titelvorbereitung

Im Rahmen unserer Kickstart-Serie Digital-DJing findet ihr ausführliche und ständig aktualisierte Testberichte zu aktuellen DJ-Programmen, bald auch Serato DJ Intro, daher möchte ich euch auf diesen Artikel verweisen, solltet ihr die Software-Funktionen im Detail nachlesen wollen. Wir schauen uns nun vielmehr an, wie es um das Zusammenspiel der beiden Komponenten bestellt ist und dies beginnt mit einer anwenderfreundlichen Inbetriebnahme via „Plug-and-Play“: Kaum ist der Controller eingestöpselt und die Software hochgefahren, konfiguriert sich alles wie von Geisterhand und der Numark leuchtet mich freundlich an, als wolle er sagen: „Von mir aus können wir loslegen“. Dem komme ich gern nach.

Mit dem Encoder browse ich zielstrebig durch den Verzeichnisbaum, welcher Crates und die iTunes-Library enthält. Drücke ich den Regler nieder, gelange ich in die aktuelle Playlist. Back beamt mich wieder in den Seitenbaum. Überraschenderweise zeigen meine Aktivitäten keinerlei Auswirkungen auf das File/Folder-Lämpchen. Es scheint wohl für eine andere Software bestimmt zu sein. Zwei Ladebuttons befüllen meine beiden Decks. Die Analyse einer Wellenform während der Laufzeit (MacBook/Core2Duo) erfolgt innerhalb von zehn Sekunden. Ein Beatgrid wird nicht angelegt, stattdessen wollen mich Tempo- und Beatmatching-Anzeigen als visuelle Mixhilfen für sich gewinnen – und natürlich auch die Wellenformen selbst. Neben „Cue“, „Pause“ und „Stutter“ lauert unterhalb des Jogwheels ein „Sync“-Button, der die beiden Software-Decks in Gleichschritt bringen soll, was aber nicht immer einwandfrei funktioniert, wie ihr dem nachfolgenden Audiobeispiel entnehmen könnt, bei dem die Off-Beats durch wiederholtes Drücken von „Sync“ erzeugt wurden.

Ich persönlich praktiziere aber auch gern manuelles Beatmatching, also ganz „Oldschool“ nach Gehör mit Tempofader und den Jogwheels, die beim MT-Pro 2 gehörig gut unter der Hand liegen. Die Übersetzung der Teller im Scratch- und Nudge-Modus ist für meine Begriffe zweckdienlich eingestellt, wobei eine Umdrehung des Wheels exakt einem Turnus der Nadelposition im virtuellen Deck entspricht, was bei einen 120-BPM-Titel knapp 1,8 Sekunden bedeutet. Damit kommen die Hersteller dem Scratch-Gefühl einer Platte, zumindest was das grundsätzliche Timing angeht, einigermaßen nah, denn ein Vinyl, das bei 33 1/3 RPM abgespielt wird, macht ebenfalls 1,8 Sekunden pro Turn. Schade ist vor diesem Hintergrund, dass die Emulation nicht auf 45 RPM eingestellt werden kann – bei meiner „clubrelevanten“ Vinylsammlung herrscht nämlich ein deutlicher „Maxisingle/EP-Überhang“ vor. An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich die „Virtual Deck Speed“ in der Vollversion allerdings anpassen lässt.

Beim Vorhören der Decks kann ich zwischen Master und PGM gemäß ausgewählten Cue-Kanälen stufenlos blenden. Der Kopfhörerverstärker arbeitet angenehm zerrfrei, ist aber wie gesagt nicht der lauteste seiner Art. Das Audiointerface klingt gut. Vergleiche ich den Ausgabepegel bei identischen Einstellungen mit dem N4 (Gain auf Mitte), der durch einen externen Trafo bestromt wird, fällt auf, dass dieser allerdings doch um einiges höher ist. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch den Cut/ Boost der Equalizer verewigt, die für meine Begriffe praxisdienlich zupacken. Ein Kanalfilter ist nicht zugegen. Wer Wert drauflegt, kann sich mit Hi- oder Lowpass der Effektsektionen behelfen. Sollte der DJ auf der nächsten Party zu fortgeschrittener Stunde ein wenig über die Stränge schlagen, kommt ihm an dieser Stelle Seratos integrierter Software-Limiter zu Hilfe, der bei Überpegeln ins Geschehen eingreift und der Abend ist gerettet.

Performance

Mit zwei Musikstücken bei 5ms Latenz, eingeschalteter Synchronisation und aktiviertem Keylock, der respektable Dienste leistet, lag die Auslastungsanzeige während meines Tests meist zwischen 40 und 60 Prozent, also klar im grünen Bereich. Selbst wenn ich den Titeln mit Effekten auf die Pelle rücke und Samples abfeuere, gelangt die CPU-LED kaum in den roten, selten aber schon einmal in den orangenen Bereich. Ausnahme: Ich befördere nicht analysiertes Audiomaterial in ein Deck und die Berechnung geschieht im laufenden Betrieb, während alle Register gezogen werden. Der Käufer sollte seinen Musikbestand daher besser im Vorfeld auswerten lassen und nicht während einer Live-Session. Wer eine umfangreiche MP3-Sammlung sein Eigen nennt, könnte den Controller also vom Computer trennen und ihn am besten über Nacht rechnen lassen. Die Analyse der Audiofiles geschieht dann mit einem Titel pro CPU-Core.

Samplepads

Ein besonderer Eyecatcher an diesem Gerät ist natürlich die Pad-Sektion zum Abfeuern von Samples, Cues und Loops. Auch Akai gehört ja bekanntermaßen der inMusic-Gruppe an, daher verwundert es nicht, dass die Pads ihren „Brüdern“ am LPD8 wie ein Ei dem anderen gleichen und sogar in Orange, wenngleich strenggenommen etwas heller illuminieren. Indes, sie stehen beim Numark-Controller etwas mehr aus dem Gehäuse heraus, als bei meinem LPD. Wo ihr die Tasten trefft, ist ihnen herzlich egal, solange ihr dies mit einer gewissen Bestimmtheit tut. Sanft darüberstreichen ist nicht, daher konnte ich auch leider keinen Punkt für die „Anschlagdynamik“ verteilen – denn die konnte ich nun gar nicht ausmachen. Daher könnte man auch durchaus von überdimensionierten Buttons sprechen. Wer also glaubt, er könne ähnliche verschachtelte Aftertouch- und Velocity-abhängige Funktionen aufrufen, wie bei einem VCI-400, irrt nicht nur wegen der funktionsbeschnittenen Software. Samples landen im Übrigen „direkt“ auf dem Master, gemäß der in der Software eingestellten Lautstärke. Warum Numark keinen Drehregler zur globalen Lautstärkeanpassung verbaut hat oder den mittleren Masterfader hierzu einsetzt, der zwischen den beiden Channelfadern auf mich ohnehin auf der falschen Position spielt, bleibt mir ein Rätsel.

Serato Intro hat sechs Basic-Effekte an Bord, von denen drei pro Deck simultan gesteuert werden können. Für die Effekte befinden sich an jedem Deck vier Endlosdrehregler samt dediziertem Takt-Encoder, der 24 Schritte pro Umdrehung macht. Bedeutet: Bei einem Effektanteil von 100 Prozent pro Turnus entspricht ein Schritt demnach rund vier Prozent. Um den Beat-Multiplier zu einem Taktwechsel zu bewegen, sind drei Schritte nötig. Wo ich gerade die FX-Racks anspreche: Neben den zuvor erwähnten Filtern haben diese Flanger, Phaser, Reverb und Echo im Gepäck (zum Teil temposynchronisierbar von 1/8-8 Beats). Seltsamerweise erfolgt keine Aktualisierung in der Softwareoberfläche, wenn ich an der Hardware Sampleplayer oder FX bediene. Ein Umschalter für die grafische Benutzeroberfläche in Intro ist ebenfalls nicht zugegen. Ärgerlich.

Eingeschaltet werden die „Audioschleifer“ über die Pads 1-3, was ich ehrlich gesagt nicht verstehe. Hätte man die Button-Funktion nicht in die Encoder integrieren und stattdessen Loop-Rolls auf die Pads verfrachten können? - Ja, ich weiß, man kann nicht alles haben, aber dennoch hätten Push-Encoder für mehr Konfigurationsmöglichkeiten, gerade auch im Hinblick auf ein Update, meiner Meinung nach nicht geschadet. Außerdem: Cuejuggling und Loop-Roll-Infernos bereiten einfach weitaus mehr Spaß, wenn man sie über große Pad-Matrixen abfeuern kann, doch den FX-On Befehl und die Manual-Loops finde ich dafür unpassend. Da hätte mir eine kleine Zeile Standardtaster unter den Potis bei Verwendung der Pads für andere Funktionen (damit man nicht eine Dreifachbelegung auf der untern Zeile hat) besser gefallen.

Dafür ist das visuelle Feedback, da die Encoder-Stellung im Gegensatz zum Gehör keinen Aufschluss über die Intensität eines Klangverbiegers erlaubt, durch die beleuchteten Pads (welcher Effekt ist eigentlich eingeschaltet) eindeutig. Was ich für Autoloops (1, 2, 4, 16 Bars), die als Zweitfunktion auf den gleichen Tasten liegen, eben aus diesem Grund nicht behaupten kann.

Apropos Autoloops: die Vergrößerung über „8“ kann aktuell nur mittels Auto-16-Button, nicht jedoch über die x2-Taste erfolgen, denn diese macht bei „8“ Schluss (noch). Kleiner als "1" wird´s gar nicht erst, ergo ist man bei einem „Build-Up“ stark eingeschränkt, es sei denn die Verwendung der Jogwheels zum Verkürzen der Schleife ist für den Einzelnen eine Option - im nachstehenden Hörbeispiel als Kombination mit einem Echo, Reverb und Phaser zu hören. Hier sei nochmal angemerkt, dass sich leider keine Loops auf die fünf Bänke abspeichern lassen, sondern nur Cues. Jedoch kann ein Loop an einem Cuepoint deklariert werden, sodass ich zumindest diese eine Schleife beim Cuejuggling mit den vier Positionen (der temporäre Cuepoint ist über die Stutter-Taste zugänglich) nutzen kann.

Pad Nummer 4 ist im Normalzustand derweil als Tap-Button für die Synchronisation der Effekteinheiten angedacht. Auch manuelle Loops mit Reloop und Cutter-Taste sind mit von der Partie, und zwar über die untere Zeile, die sich zudem auch für Cue-Punkte oder Samples verantwortlich zeigt. Der Operationsmodus wird über die „Shift“-Taste aktiviert. Was das Handling der Kreativabteilungen angeht, so kann ich feststellen, dass manuelle und automatische Loops den Nulldurchgang gut treffen, jedoch werden sie nicht quantisiert oder an einem Beat angelegt, daher ist im Mix mit einem zweiten Titel Vorsicht und gutes Taktgefühl geboten – gerade beim Verlassen kleinerer Loop-Intervalle oder beim Upscaling.

Was mir gut gefällt, ist die Option, Loop-Flanken per Jogdial anzupassen, wenn man mal danebengelegen hat. Ebenfalls an Ort und Stelle angelegt und abgerufen werden können bis zu vier Cuepoints und Sampleslots. Jedoch nicht alles simultan, sondern ich muss zwischen den Pad-Modi umschalten. Zum minimalistischen Sampleplayer ist zu sagen, dass die Audiodateien im One-Shot-Modus abgespielt werden und ich als Startpunkt einen potenziellen Hotcue deklarieren kann. Nur stoppen lassen sich die Samples aufgrund fehlender alternativer Abspielmodi (Toggle, Hold, Trigger, Loop...) nicht.

Update auf Serato DJ

Ob sich das Update auf Serato DJ lohnt, ist eine sehr individuelle Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt. Dagegen spricht, dass sich weder Loop-Rolls noch der Slicer-Mode der „größeren“ Controller mappen lassen, auch nicht mit einem Zusatzcontroller. Warum Serato den Käufern des kostenpflichtigen Upgrades derartige Restriktionen auferlegt, kann ich nicht nachvollziehen und es entzieht sich meiner Kenntnis. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Re-Konfiguration des Mixtrack Pro II als „Nativ-Controller“ NICHT vorgesehen, sprich nicht machbar ist. So erscheint mir der Preis für die „Vollversion“ im Direktvergleich mit der Konkurrenz zu hoch. Kommen wir aber nun zu den positiven Aspekten: Dafür sprechen zum Beispiel der Session-Recorder zum Aufzeichnen der Darbietung, der erweiterte Umfang des Samplers, mehr Loops, mehr Cues, mehr individuelle Einstellmöglichkeiten in den Preferences und der Bibliothek oder auch neue Ansichten für Browser und Layouts. Solltet ihr es noch genauer wissen wollen, hier findet ihr weiter unten eine Fotostrecke zum direkten Vergleich der beiden Versionen.

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