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Test
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26.11.2015

Native Instruments Reaktor 6 Test

Software Instrument und Entwicklungsumgebung

Einmal um den Block

Native Instruments haben ihrem Urgestein und Flaggschiff Reaktor ein großes Update verpasst: Mit Reaktor 6 ist die neueste Version der modularen Entwicklungsumgebung für Software Synthesizer und Effekte erschienen. Reaktor hat bereits eine lange Geschichte hinter sich und genießt seit jeher einen hervorragenden Ruf – da müssen wir natürlich herausfinden, welche Neuheiten und Verbesserungen die sechste Auflage aus dem Hut zaubert!

Reaktor war eines der ersten Produkte der Berliner Software-Pioniere von Native Instruments, als virtuelle Instrumente noch in den Kinderschuhen steckten. Die Software (anfangs unter dem Namen Generator) legte den Grundstein für die vielen weiteren Hits der Firma. Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine Art Baukasten, mit der man auf virtuellem Wege fast jeden vorstellbaren Synthesizer oder Effekt entwerfen und spielen kann. Mit seinen umfassenden Möglichkeiten steht Reaktor seit seinem Erscheinen bei Sounddesignern und Klangtüftlern hoch im Kurs, bietet aber auch eine Vielzahl vorgefertigter, spielbereiter Synthesizer und Effekte. Das heißeste neue Feature des aktuellen Updates sind die sogenannten Reaktor Blocks, die das modulare Experimentieren vereinfachen und veranschaulichen. Wie sich das in der Praxis gestaltet und was sonst noch neu ist, soll dieser Test ans Licht bringen.

Details

Preise, Systemanforderungen, Autorisierung

Zum jetzigen Zeitpunkt ist Reaktor 6 nur einzeln erhältlich, das aktuelle Komplete 10 enthält noch Reaktor 5. Ich lehne mich aber wohl kaum zu weit aus dem Fenster, wenn ich voraussage, dass Reaktor 6 im Zuge des nächsten großen Komplete-Updates Teil des Pakets werden wird, wann auch immer das sein mag. Die gute Nachricht: Native Instruments haben den Preis für Reaktor kräftig zusammengestrichen. Das Upgrade von einer Vorversion (Reaktor 2-5) kostet nun ca. 100 Euro, die Vollversion ca. 200 Euro. So muss man sich dann auch nicht ganz so doll ärgern, wenn man heute Reaktor 6 kauft und beim nächsten Komplete-Update feststellt, dass man irgendwie doppelt bezahlt hat. Fest steht: 200 Euro sind angesichts der Fähigkeiten dieser Software ein echtes Schnäppchen.

Als Systemanforderungen gibt Native Instruments einen Mac Core 2 Duo mit 4 GB RAM und OS X ab 10.9, beziehungsweise einen Windows-PC mit Intel Core 2 Duo oder AMD AthlonTM 64 X2, 4 GB RAM und Windows 7 oder neuer an. Die Windows-Version ist nach wie vor unter 32 bit lauffähig, unter OS X ist das ja schon länger keine Option mehr. Je nach Komplexität des geladenen Ensembles ist Reaktor dafür bekannt, durchaus Ansprüche an das System zu stellen, wobei sich die neue Version etwas genügsamer geben soll. Das Programm läuft stand-alone oder als Plug-in in den Formaten VST, Audio Units und AAX Native.

Nach der Bestellung im Online-Shop lädt man einen Downloader herunter, der im Anschluss die eigentliche Software (ca. 270 MB) und den Content (Blocks, Factory Library, ca. 550 MB) lädt und installiert. Die Registrierung erfolgt wie üblich per Seriennummer über das Hilfsprogramm ServiceCenter, das eine Internetverbindung zu Native Instruments aufbaut. Hierüber lassen sich auch Updates durchführen.

Neuheiten in Reaktor 6

Das spannendste (und sichtbarste) neue Feature hatte ich bereits erwähnt: Reaktor Blocks ist ein modulares Framework, das auf einfache Weise das Erstellen neuer Synthesizer erlaubt. Die Optik der Player-Ansicht ist dabei an einen modularen Synthesizer im Rack-Format angelehnt, wodurch man ohne viel Bastelei eine intuitive Bedienoberfläche bekommt. Der Lieferumfang umfasst 30 Blocks, die zum Teil auf den Reaktor-gestützten Synthesizern wie Monark und Rounds basieren, auch der DRIVER ist als Block enthalten. Zusätzlich hat man Zugriff auf eine wachsende User Library, die zum Testzeitpunkt bereits 136 von Reaktor-Nutzern erstellte Blocks umfasste. Wer seine eigenen Blocks basteln möchte, kann auf ein in der User Library verfügbares Template zurückgreifen.

Weitere Neuerungen verbergen sich im Detail. Am auffälligsten ist die behutsam überarbeitete Benutzeroberfläche. Zwar wurde Reaktor nicht völlig umgekrempelt – wer die Software kennt, findet sich sofort zurecht – aber die Farbgebung ist etwas anders, vor allem der Browser ist nun übersichtlicher und in der Strukturansicht verbessern farbige und geschwungene „Kabel“ den Überblick. Die Core- und Primary-Libarys wurden neu organisiert und mit neuen Kategorien versehen, was das Auffinden bestimmter Elemente vereinfacht. Durch neu programmierte Core Macros sollen Systemressourcen gespart und der Klang weiter verbessert werden.

Wer tief in den Expertenmodus einsteigt und sich mit der Core-Ebene beschäftigt, profitiert von einigen weiteren neuen Features: Das Table Framework verbessert den Datenaustausch zwischen verschiedenen Ebenen, „Bundled Wires“ sind virtuelle Multicore-Kabel, mit denen sich Signale bündeln lassen, und mit „Scoped Buses“ kann man „drahtlose“ Verbindungen über mehrere Strukturebenen realisieren.

Alle bisherigen Bestandteile von Reaktor sind selbstverständlich weiterhin vorhanden und natürlich ist auch die riesige User Library weiterhin kompatibel. Das macht Reaktor zu einem hochflexiblen Instrument auch für jene, die sich nicht so sehr für das Erstellen neuer Klangerzeuger erwärmen können. Mit Synthesizern wie Razor, Prism und Spark, der exzellenten Minimoog-Emulation Monark und den unzähligen weiteren kleinen und großen Synths, Grooveboxen und Effekten der Reaktor Factory Library steht ein kaum enden wollendes Klangarsenal zur Verfügung, dessen Erforschung eine höchst inspirierende Angelegenheit ist und augenblicklich den Spiel- und Basteltrieb weckt.

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