Eurorack-Module
Test
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03.10.2017

Mutable Instruments CVPal DIY Kit Test

Eurorack Midi zu CV Modul zum selber bauen

DIY Schnittstelle zwischen Analogsynthesizer und Computer

CVpal war eines der ersten Eurorackmodule, welche von Mutable Instruments angeboten wurden, nachdem das französische Ein-Mann-Unternehmen mit seinen Desktopsynthesizer Bausätzen mehrere Jahre sehr erfolgreich war. Schon bei Neuerscheinung wurde CVpal bei Mutable Instruments nur als Bausatz angeboten, wobei es dort allerdings nicht mehr lieferbar ist. Jetzt ist CVpal bei Thonk.co.uk wieder als Kit erhältlich.

CVpal (wörtlich übersetzt: Steuerspannungs-Kumpel) ist eine USB-Midi-zu-Steuerspannung- Schnittstelle, die als Modul für das Euroracksystem und als kleines Desktop Gerät konzipiert wurde. Es zieht sich seinen benötigten Strom vom USB Anschluss und ist daher nicht auf die Eurorack Stromversorgung angewiesen. Des weiteren ist CVpal class-compliant und benötigt dadurch nicht nur keine extra Stromversorgung, sondern auch keine Treiber. Der "Steuerspannungs-Kumpel" stellt verschiedene Modi zur Verfügung, welche Notenwerte sowie CC-Werte, Trigger und sogar die Midi-Clock als analoge Signale ausgeben können.

 Die vielen Gesichter des CVpal ...

Details

Das Modul ist nur 4TE groß und verfügt über vier Ausgänge sowie einen USB Eingang. Wie schon erwähnt, bezieht es seinen Strom durch den USB Anschluss und ist eine USB Device, aber kein USB Host. So kann man es dafür verwenden, um Midi-Daten aus dem Computer oder einem iPad/Tablet zu konvertieren, jedoch nicht um sein USB-Midi Gerät, wie z. B. ein Keyboard, direkt an CVpal anzuschließen. CVpal generiert Steuerspannungen zwischen 0 und 4 Volt und kann daher Noten mit einem Umfang von 4 Oktaven in analoge Signale wandeln. Die Trigger und Gate Signale werden als 5 Volt ausgegeben, was in nahezu allen Fällen ausreichend ist, um andere Module oder analoge Desktop Synthesizer und Sequenzer zu triggern.

CVpal ist zwar class-compliant, verwendet aber einen speziellen Modus, der es erlaubt eingehende Midi-Daten mit einer sehr geringen Latenz zuverlässig in analoge Steuerspannungen zu wandeln. Dadurch funktioniert das Modul sehr gut unter OS X, iOS und Linux, jedoch leider weniger gut unter Windows, wo es bis zu 8 ms Latenz erzeugen kann und dadurch zum Teil relativ viel Jitter im Timing hervorbringt.

CVpal bietet 9 verschiedene Modi zur Wandlung der eingehenden Midi-Daten an. Die Herangehensweise hierbei ist wirklich clever, da es ganz ohne Menüs auskommt. Der jeweils gewünschte Modus wird durch Midi-Daten auf den 16 verschiedenen Midi-Kanälen aktiviert. Schickt man Midi-Daten auf z. B. Midi-Kanal 1 so agiert  CVpal im monofonen Modus, bei Kanal 5 arbeitet es dann im duofonen Modus usw. Das Modul besitzt vier Ausgänge, welche als OUT 1, OUT 2 und GATE 1, GATE 2 auf der Frontplatte bezeichnet sind. Diese Ausgänge geben jedoch, je nach gewähltem Modus, verschiedene Spannungen aus. So sind im Drum-Modus z. B. alle Ausgänge Trigger bzw. Gates.

Schauen wir uns doch die verschiedenen Modi mal ein bisschen genauer an. Wie schon bereits erwähnt, offeriert Midi-Kanal 1 den monofonen Modus, der auf OUT 1 den Notenwert und auf OUT 2 die Anschlagstärke (Velocity) als Steuerspannungen ausgibt. GATE 1 und GATE 2 geben hier das Gate auf beiden Buchsen identisch aus.

Schickt man Daten auf Midi-Kanal 2, befindet man sich im´Turbocharged monophonic‘ Modus, der identisch zum monofonen Modus ist und auch hier die letzte gespielte Note favorisiert. Anders als beim normalen monofonen Modus, gibt GATE 1 jedoch nicht einfach ein Gate aus, sondern einen digitalen Rechteck-Oszillator, der die gewünschte Note spielt. Eine schöne Zugabe, da der Rechteck-Oszillator sehr anständig klingt.

Midi-Kanäle 3 und 4 aktivieren den dualen monofonen Modus, wobei sich das Modul dann wie zwei unabhängige monofone Midi zu CV/ Gate Wandler verhält. Eingehende Midi-Noten auf Kanal 3 werden auf OUT 1 und das entsprechende Gate auf GATE 1 ausgegeben. Noten, die auf Midi-Kanal 4 eingehen werden dann auf OUT 2 und GATE 2 ausgegeben.

Midi-Kanal 5 ermöglicht duofones spielen mit Voice Stealing, bzw. Stimmenvergabe. Hier wird der Notenwert als Steuerspannung gleichzeitig auf OUT 1 und OUT 2 ausgegeben und die beiden GATE 1 und GATE 2 Ausgänge liefern, wie im monofonen Modus, dasselbe Gate aus.

Midi-Kanal 6 aktiviert den ‚Controller conversion‘ Modus, welcher eingehende Midi CC Daten in Steuerspannungen wandelt. CC01 (Modulationsrad) und CC02 (Breath Controller) werden hier jeweils auf OUT 1 und OUT 2 ausgegeben. CC03 und CC04 werden als binäre Version entsprechend auf GATE 1 und GATE 2 gewandelt.

Auf den Midi-Kanälen 7 und 8 erhält man eine monofone Notenwandlung plus einen CC-Wert in Strom gewandelt. Ähnlich wie beim monofonen Modus wird die eingespielte Note auf OUT 1 ausgegeben und beide Gate Ausgänge liefern hier wieder das gleiche Gate aus. OUT 2 bietet hierbei jedoch noch eine zusätzliche Wandlung von CC01 (Midi-Kanal 7) oder CC02 (Midi-Kanal 8).

Schickt man Noten auf Kanal 10 in CVpal, so aktiviert man dessen Drum-Modus. Hierbei werden die Midi-Noten 36, 38, 40 und 46 auf einem der vier Ausgänge als Trigger ausgegeben. Bei Midi-Kanal 11 passiert das Gleiche, wobei man aber Gates anstatt Trigger auf den vier Ausgängen erhält.

Die Midi-Kanäle 12, 13 und 14 sind für einen monofonen Modus reserviert, wobei auf den Gate Ausgängen jedoch Midi-Clock und Reset Informationen ausgegeben werden, was sich z. B. hervorragend dazu eignet, Sequenzermodule zum Computer bzw. iPad zu synchronisieren. In diesem Modus erhält man den Notenwert als CV auf OUT 1 ausgegeben, das Gate dazu diesmal jedoch auf OUT 2. Auf GATE 1 liegt dann die Midi-Clock an, welche je nach gewähltem Midi-Kanal in verschiedenen Auflösungen angeboten wird. Auf Midi-Kanal 12 sind das dann 24 ppqn (pulses per quarter note), 8 ppqn auf Kanal 13 und schließlich 4 ppqn auf Midi-Kanal 14. In diesem Modus wird ein Reset-Signal auf GATE 2 ausgegeben, was dem Midi ‚Start‘ Befehl entspricht.

Des weiteren gibt es noch die Möglichkeit CVpal zu kalibrieren, wozu man jedoch ein Multimeter benötigt. Hierzu werden die Midi-Kanäle 15 und 16 verwendet. Bei mir war der "Steuerspannungs-Kumpel" jedoch nach dem Zusammenbau gleich auf dem Punkt, so dass ich ihn nie kalibrieren musste.

Do-It-Yourself

CVpal war das erste Modul, das ich mir selber gelötet habe, und dabei hatte ich das letzte Mal als Kind einen Lötkolben in der Hand. So kann ich CVpal auch jedem DIY Einsteiger als ersten Modul-Bausatz bedenkenlos empfehlen. Es ist wirklich kinderleicht.

Das Modul ist sehr einfach aufgebaut und die Anleitung zum Zusammenbau vorbildlich. Daran sollten sich andere Hersteller eine Scheibe abschneiden. So fängt Olivier von Mutable Instruments in seiner Anleitung zum Zusammenbau auch mit einem Link an, welcher das Löten an sich kurz und gezielt für "Modularisten" erklärt, die noch nie einen Lötkolben in der Hand hatten. Bei diesem Bausatz muss man sich auch als Laie nicht sorgen etwas kaputt zu machen, da CVpal nicht einmal an die Stromversorgung angeschlossen wird und sowieso sehr einfach und mit wenigen Teilen aufgebaut ist. Ich empfehle blutigen Anfängern jedoch sich eine Lochrasterplatine zu besorgen, um vorher ein bisschen zu üben.

Nicht nur dass die Anleitung sehr verständlich, in einem einfachen Englisch mit vielen Fotos erklärt wird, Olivier erklärt dabei auch immer kurz und gezielt, was man denn da überhaupt gerade lötet und wozu das gerade zu lötende elektronische Teilchen gut ist. Die Anleitung ist wirklich narrensicher und lässt keine wichtigen oder unwichtigen Punkte aus, wobei sie aber trotzdem knapp und auf den Punkt aufgebaut wurde.

Auch ein echter Neuling hat das CVpal Modul in maximal 2 Stunden gelötet und zusammengebaut. Solange man sich konzentriert und alles ruhig der Reihe nach lötet und zusammensteckt, hat man nach dieser Zeit sein erstes DIY Modul in seinem Eurorack, und dabei sogar noch ein bisschen über die Elektronik von Modulen gelernt.

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