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Workshop
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20.04.2018

Live-Sounds in Synth und Workstation optimieren

Live besser klingen

Soundworkshop für Synthesizer und Workstations

Spielt man als Keyboarder live auf der Bühne, oder arbeitet gerade im Recording Studio, ein ausgewogenes Klangverhalten des verwendeten Instruments ist das A und O für ein einwandfreies Ergebnis. Gerade, wenn man sich selbst Sounds schraubt, die neue Soundlibrary checkt, oder Klänge eines Freundes im eigenen Instrument spielt, passiert in der Regel genau das: Die gebotenen Sounds zeigen beim Durchsteppen ein völlig ungleiches Lautstärkeverhalten! Oft wird auch an den Effekten nicht gespart, oder das Ansprechverhalten der Sounds per Anschlagshärte gerät hie und da aus den Fugen. Das passiert aber, wenn viele Köche den Brei rühren. Das eingeladene Angebot an Sounds klingt nicht ausgewogen. Da aber wollen wir hin. Dieser Workshop leitet euch genau durch die Punkte, denen in vielen Fällen nicht genügend Beachtung geschenkt wird, und bringt euch Schritt für Schritt zu einem homogenen Klangbild in eurem Live-Set. Dieser Workshop bezieht sich dabei auf Instrumente, die über ein Display verfügen sowie die Möglichkeit zur Speicherung von Klangparametern bieten.

Viele Hersteller haben in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht und das Klangverhalten ihrer Synthies und Workstations so zu präparieren, dass lautstärkeseitig keine Ausrutscher beim Umschalten der Presets passieren, und dass die gebotenen Sounds - gemäß der verwendeten Technologien - in ihrem Dynamikverhalten optimal präsentiert werden. Dass die Dosierung der Effekte dabei oftmals zu hoch gewählt wird, liegt daran, das Instrument im Laden, wo es ja verkauft werden soll, eindrucksvoll darzustellen.

Der Kunde freut sich, dass der Synthesizer seiner Träume (alleine) so toll klingt. Auf der Bühne und auch im Studio ist diese Dosierung nicht immer vorteilhaft. Damit du deine eigenen Live-Sounds perfekt gestalten und bereits Vorhandene kontrollieren kannst, habe ich ein paar Tipps für dich vorbereitet, die dir helfen, deine Sounds einmal auf Herz und Nieren zu überprüfen. Was dir bei dieser Arbeit hilft, sind ein guter Kopfhörer für die Feinheiten sowie ein paar Studio-Monitore oder eine kleine Pa für die finale Abstimmung. 

Details

Der „rohe“ Sound muss gut klingen

Wenn du gerade selbst am Entwickeln deines Lieblingssounds bist, oder einen Sound eines Drittanbieters in dein Instrument eingeladen hast, schalte im ersten Schritt die im Instrument gebotene Effektperipherie ab und spiele Den Klang ohne diese. In vielen Fällen hört man einen drastischen Unterschied, oftmals wird der jetzt plötzlich ohne Effekte gespielte Klang auch viel leiser.

Natürlich gibt es jede Menge Sounds, die gerade von den verwendeten Effekten leben, diese lassen wir jetzt einmal außen vor. Wir nehmen uns hier die andere Soundkategorie vor, die durch die Verwendung von Effekten aufgewertet wird. Das können Naturinstrumente sein, Synthpads, Leads, Bässe, und viele andere.

Sind die Effekte erst einmal abgeschaltet, lässt sich die eigentliche Klangbasis im Detail hören inkl. des Hüllkurvenverlaufs bei Amp und Filter. Gerade hier kann man oft selbst noch einmal Hand anlegen um das interaktive Zusammenspiel beider Komponenten in Abhängigkeit mit der Anschlagsdynamik auf seine eigenen Anforderungen abzustimmen. Ist das erledigt, prüfe den bearbeiteten Sound indem du ihn sehr dynamisch spielst. Vielleicht ist sogar das Filter nach zu justieren, um den Effekt partiell zu bieten, den der verwendete EQ-Effekt vorher nur global geboten hat. Hier gibt es noch viele Möglichkeiten das Klanggeschehen auf seine eigenen Anforderungen anzupassen.

Lernen muss man allerdings, den gerade in Arbeit befindlichen Sound ohne die Effekte zu hören, was alle Details zutage bringt, die sonst im Effektbrei untergehen.

Audiobeispiele

Effekte sollen aufwerten

Wenn du damit fertig bist, schaue nach, wie viele Effekte dieser Sound vorher verwendet hat. Sind es z. B. Hall, Chorus und EQ (eine beliebte Auswahl), so schalte zunächst den Chorus ein, und prüfe, ob du ihn wirklich benötigst. Oftmals genügt bei 2-oszillatorigen Klanggebilden ein leichtes Detuning, sofern es sich dabei nicht um einen Stereosound handelt, dessen beide Audiokanäle für eine einwandfreie Wiedergabe des aufgezeichneten Sounds verwendet werden.

Viele hochwertige Synths und Workstations bieten innerhalb ihrer Effekte neben der Regelung zwischen „DRY“ und „WET“, auch eine Gain-Regelung "TRIM" an, um zu verhindern, dass der verwendete Effekt durch das eingeschliffene Signal übersteuert wird. 

Preisgünstigere Synths und Workstations bieten innerhalb der Effektperipherie allerdings so viel Headroom, dass selbst bei höchsten Signalpegeln - entstanden durch hohes Oszillatoren-Level, offene Filter, ‚laute‘ Wellenformen und ohne Anschlagsdynamik - kein Clipping stattfindet. Ein großer Headroom grenzt allerdings auch den gesamten Dynamikbereich ein.

Drehe den Effektanteilregler des Chorus-Effekts nun auf „DRY“ (kein Effekt) und erhöhe den Anteil langsam, um die Portionierung festzulegen. Gehe damit sehr sparsam um, den weniger hilft oft mehr. Hast du die gewünschte Menge Chorus gefunden, spiele, und schalte den Effekt nacheinander aus und ein. Stellst du eine Erhöhung der Lautstärke bei eingeschaltetem Effekt fest, wähle die Gain-Regelung (TRIM) des Effekts und drehe sie soweit herunter, dass der Sound mit und ohne Effekt dieselbe Lautstärke bietet.

Danach widmest du deine Aufmerksamkeit dem Hall und gehst nach demselben Schema vor. Bei der Dosierung des Raumanteils ist Obacht geboten. Oftmals genügt eine geringe Menge Hall, oder besser Raum, um dem Sound das gewisse Etwas an Tiefe zu verleihen. Lange Effektfahnen, hier Raumsimulationen großer diffuser Räume, sind nur spezifischen Sounds zuzuordnen z. B. Pfeifenorgeln, Chöre, Orchester-Strings, etc. … auch Klänge, die episch wirken sollen, Sounds, die von der Tiefe und Größe des Raums leben. Auch hier solltest du darauf achten, dass der Klang ohne sowie mit verwendeten Effekten gleich laut bleibt!

Audiobeispiele

Sollte dein Synthesizer / Workstation keine Gain-Regelung innerhalb der Effekte bieten, kannst du die Lautstärkeunterschiede auch mit Hilfe der Oszillatoren-Levels angleichen. Dazu kommen wir aber in einem weiteren Punkt. Ist der EQ jetzt noch nötig? Dann gehe mit diesem ebenso vorsichtig um, wie mit den zuvor genannten Effekten. Auch hier ist dieselbe Lautstärke des Sounds mit sowie ohne Effekt die goldene Regel.

Die EQ-Einstellung des Einzelsounds

Sind deine Sounds nicht Solo-Performance lastig, denke daran, sie so zu „EQ-en“, dass sie weder „Bass“-, noch „Höhen“- dominant agieren. Einige Synthesizer / Workstations bieten einen Master-EQ (z. B. Korg Kronos), der auf den gesamten Output wirkt, um das Klanggeschehen auf die Location einzustellen, in der du spielst. Ist ein FOH vor Ort, ist der Master-EQ von sekundärer Bedeutung. Hier gilt dann einzig und alleine dein optimal eingestelltes Live-Sound-Set. Dann ist auch der FOH zufrieden, denn er muss nicht ständig korrigieren.

Soundlautstärken untereinander anpassen

Hast du die Effekte so eingestellt, wie ich es eben beschrieben habe, ist im nächsten Schritt die Lautstärkeanpassung aller verwendeten Programme untereinander an der Reihe. Beim Durchsteppen der vorhandenen Sounds innerhalb deines Sets, wirst du jetzt Lautstärkeunterschiede beim Umschalten der Klänge feststellen, die es zu beheben gilt. Das ist nicht schwierig in der Routine, hilfreich sind aber Tools, wie deine Ohren plus visuelle Möglichkeiten, um das Level der jeweilig angespielten Sounds darzustellen.

Verbinde für die visuelle Darstellung des Pegels, dein Instrument z. B. mit deiner DAW und bringe eine Spur in Aufnahmebereitschaft. Als Messinstrument verwendest du ein Plug-in, das eine stereofone VU-Meter Darstellung bietet. Am besten ein Plug-in, dass den jeweilig gemessenen Pegel markiert zwischenspeichert und hält, sobald die Zeigerinstrumente wieder gen „Null“ gehen. Auf diese Weise kannst du bei Stereosignalen auch die Unterschiede der Kanal-Levels deutlich erkennen und ggf. angleichen.

Tipp: Ein kostenloses VU-Meter in den Formaten VST, AU und RTAS findest du hier.

Hier ein Audiobeispiel eines wirklich ausgewogenen Klangwechsels. Gewechselt wird zwischen einem Chor und einem Stringensemble, welche beide ihren Einsatz im Epic-Bereich finden.

Ein wichtiger Schritt 

Deine Sounds sind in der Regel anschlagsdynamisch spielbar. Der maximal erreichbare Pegel ist hier ausschlaggebend. Spiele deine Sounds in der mittleren Lage in deinen dynamischen Bereichen und vergiss nicht auch deine maximale Anschlagshärte in diesen Test zu integrieren. Beobachte für eine visuelle Korrekturmöglichkeit das VU-Meter in deiner DAW und mache dir ggf. Notizen ob des maximalen Zeigerausschlags, denn das ist nur die Beurteilung der visuellen Darstellung. Die rein akustische Beurteilung ist erst später dran, denn Sounds können aufgrund ihrer Struktur zwar laut optisch laut erscheinen (Druck), sind aber in der akustischen Wahrnehmung leiser. Nur die eigenen Ohren entscheiden in diesem Moment, ob der Eindruck leise oder laut ist. Hier muss also später noch einmal Hand angelegt werden, um die Levels der lauteren Sounds an den leisesten anzupassen.

Die Lautstärke anpassen. Wie geht das?

Visuelle Korrektur

Angekommen an einem Punkt wo die beschriebene Theorie in die Praxis umgesetzt wird, gibt es verschiedene und vor allem geräteabhängige Möglichkeiten, die Lautstärken der in Frage kommenden Sounds untereinander anzupassen. 

Einige Synthesizer und Workstations verwenden einen Masterregler innerhalb der Programmstruktur um die Lautstärkeanpassung des gewählten Sounds komfortabel anzupassen. Andere verwenden dieses Feature nicht, hier müssen die Levels der verwendeten Oszillatoren innerhalb des Sounds proportional herauf- oder heruntergeregelt werden.

Dazu wiederum bieten einige Instrumente Möglichkeiten alle benutzen Oszillatoren per Shortcut innerhalb der Program/Patch-Ebene zu selektieren, um diese per verknüpften Data-Wheel oder Slider proportional in ihrer Lautstärke zu justieren.

Bei einfachen Synths oder Workstations, dient ein Taschenrechner um das Level zu finden, was man beabsichtigt einzustellen. Hier geht man so vor, dass man sich die Lautstärken der einzelnen Oszillatoren kurz notiert, um dann mit dem Taschenrechner den neuen Wert auszurechnen, indem man prozentual Pegel hinzufügt oder absenkt.

Beispiel:

OSC.1: Level 120, OSC. 2: Level 90.

Der Sound ist generell zu laut. Nun möchte ich den gesamten Sound um 10% herunterziehen. Die neuen Levels betragen jetzt:

OSC.1: Level 108, OSC.2: Level 81.

Bei „ungeraden“ Werten, wie z. B. OSC.1: Level 117, OSC. 2: Level 97 gilt das Rundungsverfahren. Erhöhe ich den Pegel hier generell um 5% erhalte ich folgende Werte:

OSC.1: Level 122,85, OSC.2: Level 101,85.

In diesem Fall werden die Levels beider Oszillatoren aufgerundet:

OSC.1: Level 123, OSC.2: Level 102

Während die Pegel in der visuellen Korrektur justiert werden, sollte man sich gleich die Sounds markieren, die, im Verhältnis zu anderen, leise sind. Diese sind dann das Maß der Dinge und dienen als Referenz für die Nivellierung der lauteren Sounds.

Akustische Korrektur

Nachdem alle verwendeten Klänge zunächst innerhalb der visuellen Korrektur bearbeitet wurden, folgt der letzte Check per Ohr. Hier empfehle ich das sequentielle Durchsteppen der vorhandenen Sounds per gleichzeitigem Anspielen und Abhören über eine geeignete Anlage. Bei einer großen Anzahl an Sounds, habe ich immer wieder Stichproben innerhalb des Kontingents gemacht, um sicher zu gehen, dass keine Ausreißer in punkto Lautstärke auftreten. Bei dieser Vorgehensweise lassen sich auch noch final die verwendeten Effektzuweisungen überprüfen und ggf. korrigieren. Der Mann am Pult (FOH) wird es euch danken.

Controller standardisieren

Zum Schluss kann/sollte man auch die Controller-Zuweisungen noch einmal prüfen. Unterschiedliche Instrumentenhersteller bieten unterschiedliche Wege. Verwendet dein Synthesizer oder Workstation Hardware-Controller (Potis, Switches) um diese frei mit Funktionen zu belegen, sollte man sich immer ein paar dieser Controller auch für die schnelle Veränderung von Effektparametern reservieren. Und das am besten immer nach demselben Schema und nach Instrumentengenres getrennt. 

Beispiel: Für einen E.Piano Sound (Rhodes) sind die Effekte Phaser plus Chorus vorgesehen, die, miteinander verknüpft, für die Modulation des Sounds sorgen. Diese liegen auf dem fiktiven Hardware-Switch „1“ und können zu- oder abgeschaltet werden. Auf dem Hardware-Switch „2“, liegen Raumsimulationseffekte. Hiermit wechsele ich - rein theoretisch – einen Hall mit einem Delay, sofern es die Instrumentenstruktur zulässt.

Für die Gattung „Strings“ z. B. können wieder andere Regeln gelten, die du für diesen Typus Sound als nötig erachtest. Wichtig ist nur, dass du dir darüber Gedanken machst, die eben erwähnten Hardware-Controller nach einem sich „durchziehenden roten Faden“ belegst: Der könnte so lauten: Hardware-Controller 1 regelt Modulationseffekte, Hardware-Controller 2 ist für Raumsimulationen zuständig. Wie viele Controller dir zur Verfügung stehen, hängt einzig und allein von deinem verwendeten Instrument ab.

Soundname gibt Hinweise zu Spielhilfen

Übersicht im eigenen Soundfundus bieten Hinweise innerhalb des Namens des gewählten Sounds.

Die via Display ausgestatteten Synthesizer / Workstations zeigen in der Regel auch den Namen des Sounds an. Viele Hersteller geben deshalb auch Hinweise zur Verwendung spezifischer Controller schon innerhalb des Soundnamens an. Das ist recht praktisch, weiß man doch, was man einmal ausprobieren muss, wenn der Klang noch unbekannt ist. Du kannst genauso vorgehen und deine für dich relevanten Hinweise mithilfe von Kürzeln im Namen des Sounds unterbringen.

Beispiel: „Rhodes SW1 FX“. Heißt in diesem Fall: Der Hardware-Switch 1 schaltet die Effekte Phaser plus Chorus zu, oder ab. Oder „Leadsaw Mod VCF“ Heißt: mit dem Mod-Wheel öffnest du das zuvor damit verknüpfte Filter. Der Möglichkeiten gibt es hier viele. Du solltest dir Kürzel ausdenken, die für dich die höchste Aussagekraft haben und zur Regel machen, diese zu verwenden.

Sounds sichern

Zum Schluss steht die Sicherung des aufwendig bearbeiteten Soundmaterials mit Priorität an. Ob auf dem USB-Stick, dem Rechner über ein vom Hersteller zur Verfügung gestelltes Editor-Programm, per SYSEX-Dump, die Sicherung der wichtigen Sounds sollte Konsequent erledigt werden. Der Möglichkeiten gibt es hier viele. Am besten mit einer Datumsangabe im Dateinamen. Diese hilft vor allem, die alten von den neuen Versionen zu unterscheiden. Es ist fatal, sollten die bearbeiteten Sounds durch eine Unachtsamkeit im "Datenhimmel" landen.

Fazit

Gerade im Hinblick auf die Nutzung deines Klangmaterials im Live- oder Studiobetrieb soll dieser Workshop dir eine Hilfe sein, deine Sounds so vorzubereiten, dass du sie im Detail kennenlernst, um sie optimal einzusetzen. Mir selbst hat diese Vorgehensweise immer sehr viel gebracht, denn im echten Einsatz sollten nun mal keine Schnitzer passieren.

Viel Spaß beim Editieren!

 

 

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