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ASM Hydrasynth Workshop: Erste Schritte beim Soundprogramming

Leichtes noch leichter gemacht. Obwohl der Ashun Sound Machines (ASM) Hydrasynth enorme Programmiermöglichkeiten unter seiner Haube verbirgt, ist er für Synthesizer-Kenner relativ schnell zu durchschauen. Daher unterstützen wir insbesondere alle neuen Besitzer des Hydrasynth, die noch kein Dutzend anderer Soundmaschinen unter den Fingern hatten und weniger erfahren sind. Stellen wir den Kandidaten erst nochmal kurz vor, der im Bonedo-Test mit einer Top-Bewertung nur sehr knapp die Bestnote verfehlt hat: Der ASM Hydrasynth ist ein achtstimmiger Klangerzeuger, der sich laut Hersteller als „digitaler Wave-Morphing-Synthesizer mit polyfonem Aftertouch“ präsentiert. Er schlägt eine Brücke zwischen Vintage-Sounds und aktuellem Elektronikfutter und schafft es, die Grenzen zwischen typisch „Analog“ und „Digital“ zu verwischen. Diesen Eindruck gewinnst du schnell, wenn die Presets angespielt werden, von denen wir uns noch einige vornehmen. Wir hangeln uns durch einige Menüs des Hydrasynth in der Keyboard-Version. Die allermeisten Hinweise gelten auch für die ebenfalls achtstimmige Desktop-Ausführung.

ASM Hydrasynth Workshop: Erste Schritte beim Soundprogramming (Foto: Ashun Sound Machines)
ASM Hydrasynth Workshop: Erste Schritte beim Soundprogramming (Foto: Ashun Sound Machines)
Inhalte
  1. Quick Facts: Mutant
  2. Updates und Software
  3. Macros – Easy Edit
  4. Spielhilfen
  5. Wavemorphing
  6. Mutatoren
  7. Schlusswort

Quick Facts: Mutant

Was bedeutet ‚Mutant‘ beim ASM Hydrasynth?
Der Hydrasynth bietet drei Oszillatoren, wovon die ersten beiden nicht nur dynamische Wavetable-Fahrten ermöglichen, sondern jeweils auch um zwei “Mutant Modules” erweitert werden. Ein solcher “Mutant” oder “Mutator” moduliert den Basisklang (von “Mutation” = Veränderung). Dabei stehen mindestens acht optionale Synthese-Module zur Auswahl:
  • FM-Linear (einfache FM-Synthese)
  • Wavestack (fünffache Verdopplung mit Schwebung)
  • Hard Sync (Oszillator-Synchronisation)
  • Pulse Width (Pulsweitenmodulation)
  • PW-Squeeze (PWM mit anderer Charakteristik)
  • PW-ASM (Wellenform wird aufgeteilt in acht Einzelwellen und moduliert)
  • Harmonic Sweep (Verschiebung des harmonischen Spektrums)
  • Phase Difference (Erzeugung eines Phasendifferenzsignals)

Weitere Mutanten sind durch eine neue OS-Version möglich.

Updates und Software

Als frischgebackener Hydrasynth-User besuchst du zunächst die Webseite von Ashun Sound Machines und schaust bei den Downloads nach Updates. Hier gibt es hoffentlich noch viele Aktualisierungen, die den Hydrasynth noch leistungsfähiger machen. Sicherlich wirst du eine aktuellere Firmware-Version vorfinden als in deinem Gerät installiert ist. Die OS-Version erfährst du, indem du beim Hydrasynth auf die zwölfte und letzte Seite des System-Setup gehst. Auf der Webseite unter „Latest Update Pack“ kannst du das aktuelle Pack für die Keyboard- und Desktop-Version herunterladen. Das Programm (für Win/Mac) „Hydrasynth Updater“ erklärt sich von selbst. Es ist übrigens normal, dass der Hydrasynth während der Datenübertragung per USB-Kabel auf seinem Display nichts über den Verlauf anzeigt – also nicht verwirren lassen.
Eigentlich darf man es nicht laut sagen, aber im Grunde musst du den Hydrasynth gar nicht selber im Detail programmieren können. Per Random-Taste entstehen zufällige Effektkreationen und jedes Patch kannst du vor allem per „Master Control“ sehr gut abwandeln. Dies sind die jeweils acht Drehregler und Tasten, die um das große Display verteilt sind und verschiedene Klang- und Effektparameter zugewiesen sind. Diese acht Encoder fungieren als Macros für gezielte intuitive Klangeingriffe, wenn „Home“ aktiviert wurde. Ansonsten sind es Regler zur Werte-Änderung beim Editieren.

Die Klangbausteine und Effektblöcke sind beim Hydrasynth übersichtlich angeordnet und schnell anwählbar – beste Voraussetzung fürs Soundprogramming. (Foto: Matthias Sauer)
Die Klangbausteine und Effektblöcke sind beim Hydrasynth übersichtlich angeordnet und schnell anwählbar – beste Voraussetzung fürs Soundprogramming. (Foto: Matthias Sauer)

Als nächstes lädst und installierst du bitte den „Hydrasynth Manager“. Nach der Installation findest du ihn auf dem Mac direkt im Ordner „Programme“. Mit dieser Applikation kannst du alle Sounds des Hydrasynth übersichtlich verwalten. Bevor wir uns dies anschauen, lädst du noch unter Patchbanks die kostenfreien Sound-Sets herunter, die ASM spendiert. Die beiden ersten Sets sind von Roger Austli und Inhalt erstellt worden. Der Patch Manager ist am Start. Du siehst im Hauptfenster zwei Hälften, in der jeweils eine komplette Patchbank mit 128 Speicherplätzen zu sehen ist. Einfach nutzt du den Manager wie folgt: In der linken Hälfte wählst du eine beliebige (auch importierte) Bank an, aus denen du Sounds aussuchst und sie einfach per Drag&Drop auf die rechte Seite des Patch Managers ziehst. In der rechten Hälfte wählst du eine der fünf Bänke (Hydrasynth A-E) an. Importiere nun die beiden heruntergeladen Patchbanks und rufe sie in der linken Häfte auf (sie sind als „Packs“ gelistet). Nun selektierst du alle 128 Sounds (bei gehaltener Shift-Taste) und ziehst sie in die Soundbank rechts, für die Hydrasynth Bank D angewählt ist. Die 128 neuen Sounds werden nun zum Hydrasynth übertragen. Auf Bank E legst du die zweite Patchbank. Jetzt stehen 5 x 128 Sounds, insgesamt als 640 Patches, im Hydrasynth bereit zum persönlichen Check.

Fotostrecke: 2 Bilder Unbedingt installieren und verwenden sollte man beide Programme, die ASM kostenfrei auf der Download-Seite bereithält. (Foto: Matthias Sauer)
Fotostrecke

Macros – Easy Edit

Nehmen wir nun einige Presets etwas näher ins Visier. Kleiner Tipp: Über die Browse-Taste kannst du besser navigieren, weil sich Patches nach Soundkategorien oder nach Namen suchen lassen. Zudem kannst du hier gleich auch deine Favoriten markieren und etwa für einen Live-Gig (Shift- plus Browse-Taste) ablegen sowie die Compare-Funktion (Knob 5) nutzen, um bearbeitete Sounds mit der Originalversion zu vergleichen

Die Patches bieten schon jeweils einen Parametersatz, der den acht Knobs zugewiesen ist und ein „Easy Edit“ erlaubt. (Foto: Matthias Sauer)
Die Patches bieten schon jeweils einen Parametersatz, der den acht Knobs zugewiesen ist und ein „Easy Edit“ erlaubt. (Foto: Matthias Sauer)

Am besten hören wir uns einige der Factory Presets an, wie sie sich klanglich verändern, wenn die vordefinierten Macros verwendet werden. Komplett neuartige Sounds entstehen zwar nicht, aber viele Presets lassen sich schon effektiv verformen, ohne wirklich zu editieren.

Audio Samples
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Patch A030 Chord Grooves Patch A017 Hydra Drawbar Patch A021 NobleBell Patch A011 Fantasia Patch A036 LoveArp

Nun aber Spaß beiseite: Du hast den Hydrasynth ja gekauft zum Klangschrauben und willst auch ein paar Raffinessen auskosten wie die „Mutatoren“. Bleiben wir also weiter am Ball.

Spielhilfen

Schon beim ersten werkseitigen Sound „A001 Sawpressive DG“ gibt es etwas Feines anzutasten: Den polyfonen Aftertouch der Tastatur des Hydrasynth. Mit der rechten Hand spielst du einen Akkord und mit der anderen Hand einen Basston. Nur bei der höchsten Taste drückst du noch ein bisschen nach und öffnest so das Filter, während die anderen Akkordtöne und auch der Ton im Bass unverändert bleiben. Mit dieser Spielweise lassen sich beispielsweise die Oberstimme beziehungsweise Themen, Melodien oder bestimmte Solostimmen besser hervorheben, wenn es denn in der Praxis virtuos gelingt – Übung macht den Meister.

Bei den Spielhilfen des Hydrasynth sticht der Ribbon-Controller hervor. Mit diesem Bandmanual lässt sich im „Theremin Mode“ nuanciert Glissando-Linien erzeugen oder auch Klänge modulieren. (Foto: Matthias Sauer)
Bei den Spielhilfen des Hydrasynth sticht der Ribbon-Controller hervor. Mit diesem Bandmanual lässt sich im „Theremin Mode“ nuanciert Glissando-Linien erzeugen oder auch Klänge modulieren. (Foto: Matthias Sauer)

Neben dem polyfonen Aftertouch gibt es eine Spielhilfe, die man leider ebenso nur bei wenigen Synthesizern antrifft: Den Ribbon-Controller. Dieser verfügt über die Länge der gesamten Tastatur. Du solltest ihn schon jetzt einmal mit dem aufgerufenen Patch A001 kennenlernen. Nach dem Druck auf die Ribbon-Taste befindet er sich im Pitchbend-Mode. Das bedeutet, auf der Tastatur gehaltene Töne oder Akkorde lassen sich – wie beim Pitchbending-Rad – in der Tonhöhe stufenlos gleiten. Per Knob 1 wechselt du jetzt in den nächsten Mode, der „Theremin“ lautet. Anders als bei einer Thereminvox lässt sich der Klang zwar nicht berührungslos (per Gesten-Controller wie etwa Rolands D-Beam) steuern, aber über das lange Bandmanual sind sehr gut Partien spielbar, die an ein Theremin mit den typischen Glissandi und Vibrati erinnern. Die Töne kontrollierst du über den Ribbon. Wenn du zuviel Glissando oder falsche Töne erzeugst, solltest du Quantize aktivieren (Knob 5), wodurch du dich chromatisch über das Bandmanual bewegst. Beim Thereminspiel steuert die linke Hand die Lautstärke. Beim Hydrasynth ist hierfür das Modulationsrad vorgesehen. Jetzt solltest du einige prominente Theremin-Parts sicher performen können, wenn noch die Waveform von Oszillator 1 auf „Sine“ oder „Triangle“ geändert wird.
Ein Hörtipp aus dem Genre Trip-Hop: „Mysterons“ von Portishead (Album „Dummy“ von 1994). Hier wird das Theremin mit einemRoland SH-101 imitiert.

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Der dritte Modus „Mod only“ ist wiederum unspektakulär. Hier kann der Ribbon-Controller wie ein Modulationsrad verwendet werden. Und sicherlich hast du auch schon die Chord-Taste entdeckt. Wie bei einigen älteren Analog-Synthesizern (Korg Polysix oder SCI Prophet 600) bekommst du tatsächlich ein „Chord Memory“: Akkord auf der Tastatur halten, Chord-Taste drücken – nun kannst du diese Akkordstruktur mit jeweils nur einer Taste spielen – praktisch für originelle Keyboarder-Soli.

Fotostrecke: 2 Bilder Der Anschluss eines Expression-Pedal sorgt für weitere klangliche Ausdrucksmöglichkeiten beim Hydrasynth. (Foto: Matthias Sauer)
Fotostrecke
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Polyfoner Aftertouch: Nur die Oberstimme wird mit Druckdynamik gespielt Theremin Mode des Ribbon-Controller Chord Memory-Funktion des Hydrasynth

Wavemorphing

Die ersten beiden Oszillatoren des Hydrasynth befähigen den ASM Hydrasynth zur Wavetable-Synthese mit 219 Single-Cycle-Wellenformen, die sich von dir im Wavelist-Modus achtfach (Wav1 bis Wav8) auswählen lassen. Dies ist etwas anders gelöst als bei einem PPG/Microwave-Synthesizer, bringt aber ähnliche klassische Sounds zustande. Als Anspieltipps seien nur drei Factory Sounds erwähnt. Der Wellensatz wird immer anders moduliert: 

A019 Wavescan GD (Wavetable-Morphing per Hüllkurve)
B009 PPG Choir PS (Wavetable-Morphing per Rad)
B020 WaveTrain BS (Wavetable-Morphing per LFO)

Später bauen wir noch ein eigenes Wavetable-Pad. Im Oszillator-Bereich gibt es übrigens noch etwas zu bestaunen. Mit OS 1.4 ist der Rauschgenerator vielseitiger geworden. Du kannst diese zwei Patches einmal aufrufen, die RING/NOISE-Taste drücken und die Noise-Typen der Reihe nach einzeln probieren:

A029 Damp Beat
A057 SDS Snare GD
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Klassischer Wavescan-Sound, Factory Patch A019 A029 DampBeat, der Noise-Typ wird verändert
Seit OS 1.4 ist der Rauschgenerator des Hydrasynth flexibler geworden. Er bietet nun sieben Noise-Typen. (Foto: Matthias Sauer)
Seit OS 1.4 ist der Rauschgenerator des Hydrasynth flexibler geworden. Er bietet nun sieben Noise-Typen. (Foto: Matthias Sauer)

Mutatoren

Was bewirken eigentlich die „Mutanten“ oder „Mutatoren“ des Hydrasynth? Dieser Frage gehen wir ebenfalls anhand der Presetklänge nach. An besten knüpfst du dir diese Patches am Hydrasynth selber vor, spielst ein wenig mit den Werten und bekommst auf diese Weise schon ein Gefühl dafür, wie der einzelne Mutant jeweils den Klang modifizieren kann. Prinzipiell benötigt man bei den Mutatoren mehr Zeit als beim Filter oder den Effekten bis ein überzeugendes Resultat herauskommt. Klanglich wirkungsvoll und häufig einbringen lässt sich die Frequenzmodulation, der FM Mutant also. Du kannst ihn bei diesen Patches direkt selber erleben:

A043 Tubular FP
A026 FM Moves MP
A040 Ambisines FP
B007 FM Percussion TM
Drastische Klangformung geschieht beim Hydrasynth mit Hilfe der Mutanten, die sich in der Oszillator-Sektion finden und beispielsweise FM oder PWM ermöglichen. (Foto: Matthias Sauer)
Drastische Klangformung geschieht beim Hydrasynth mit Hilfe der Mutanten, die sich in der Oszillator-Sektion finden und beispielsweise FM oder PWM ermöglichen. (Foto: Matthias Sauer)

Der Pulsweitenmodulation kannst du auch schnell auf die Sprünge kommen. Wir sprechen hier von drei Mutanten: PW-Orig + PW Sqeez + PW ASM. Du kannst sie hier gut kennenlernen:

A051 Go Your Own Way (Mutant 2 PW-Orig)
A062 BowedPPG PS (Mutant 1+3)
A095 Future Forest (Mutant 2)
A104 PWM-ASM GD 

Schauen wir uns noch drei weitere Mutanten an: Den Mutant „Osc Sync“ triffst du natürlich bei diesem Patch an:

A090 SYNC GD

Für den Mutant „Harmonic“ gibt es drei Klänge zu entdecken:

A096HeavenEleven PS
A072GellPMP KFP
A077Felt KFP.

Der Mutant „WaveStack“ fürs Anfetten des Basisklangs ist zum Beispiel bei diesem Patch hörbar:

A081HitChords! SCD

Beim nachfolgenden Patch solltest du den Warm Mode und auch das Unisono, beides unter VOICE zu finden, probieren. Um noch den neuen Mutator “PhazDiff” (seit OS 1.4) anzutesten, werden unbedingt OSC 1 und OSC 2 benötigt:

A085 Slow-esto SCD
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Mutant “FM-Lin” am Beispiel von A043 Tubular Mutant “PW-Orig” am Beispiel von A062 Bowed PPG Mutant “Osc Sync” am Beispiel von A090 Sync Mutant “Harmonic” am Beispiel von A096HeavenEleven Mutant “WaveStack” am Beispiel von A081 HitChords

Sounds selbst bauen

Das ist zwar alles schön und nett, du möchtest aber nun einmal selber einen Sound am Hydrasynth programmieren. Ok, wir drücken auf die Init-Taste und beginnen mit einem “weißen Blatt” und schauen gemeinsam, wie ein bewegtes Wavetable-Pad entstehen kann.

Mit einem Druck auf die Init-Taste startet man blanko und kann von Grund auf sein eigenes Klangprogramm erschaffen. (Foto: Matthias Sauer)
Mit einem Druck auf die Init-Taste startet man blanko und kann von Grund auf sein eigenes Klangprogramm erschaffen. (Foto: Matthias Sauer)

Für mehr klangliche Wärme bei diesem Pad nutzen wir zunächst den Parameter „Warm Mode“, welchen du siehst, wenn du auf die Voice-Taste drückst: Per Knob 8 aktivieren und den Grad der „analogen Verstimmung“ per „Analog FL“ (Knob 4) dosieren. Wir nehmen einen Wert um 50 und tippen beim Module Select-Feld auf den Taster „OSC1“. Den Mode stellen wir auf „WaveScan“ (Knob1) und geben den Maximalwert 8.0 (Knob 5) ein – der nun kreierte Wellensatz soll durchfahren werden können. Jetzt drückst du auf „Wavelist Edit“ (Button 2) und kannst insgesamt acht der 219 Single-Cycle-Wellenformen selektieren, zwischen denen gemorpht werden soll – das Wavemorphing des Hydrasynth eben. Am besten drehst du wild an den acht Drehreglern und suchst ganz unterschiedliche Wellenformen zufällig aus. Jetzt drückst du nochmal auf den Taster „OSC1“ und durchfährst die ausgewählten Wellenformen, indem du den Drehregler 5 (WaveScan) verwendest. 

Befindet sich der erste oder zweite Oszillator im WaveScan-Modus, kann man seine eigene WaveList erstellen, die aus bis zu acht Single-Cyclic-Wellenformen besteht. (Foto: Matthias Sauer)
Befindet sich der erste oder zweite Oszillator im WaveScan-Modus, kann man seine eigene WaveList erstellen, die aus bis zu acht Single-Cyclic-Wellenformen besteht. (Foto: Matthias Sauer)

Diesen Wellendurchlauf bzw. das spektrale Morphing „automatisieren“ wir nun mit der ersten Hüllkurve des Hydrasynth, was mit der Modulationsmatrix erledigt wird: ModMatrix-Taste drücken und im ersten Slot ENV1 (Source) und OSC1 Wavescan (Destination) mit einem Wert von etwa -50 eingeben, anschließend auf die ENV1-Taste drücken und einen Hüllkurvenverlauf bestimmen. Spannend ist es hier die Hüllkurven tempo-synchron zu gestalten. Stelle „BPM Sync“ auf „ON“ und du bekommst Notenwerte angezeigt für die einzelnen Hüllkurven-Phasen. Wir geben ein: Attack = 1/2, Decay =1/1, Sustain = 0 und Release = 1/1. Bei der Lautstärke-Hüllkurve (das ist ENV2) sorgen wir für ein sanftes Attack und ein ebensolches Release (mit einer Dauer von jeweils 1 bis 4 Sekunden). Damit ist das Wavetable-Pad bereits in den Grundzügen fertig.
 Nun schaffen wir etwas Klangfülle. Drücke auf die Mixer-Taste und bringe den Pegel für OSC 3 auf etwa Wert 90 und wähle bei OSC3 als Wave etwa „TriSaw“. Dieser Oszillator stützt nun das spektrale Treiben von OSC1. Um den Sound noch etwas aufzurauen, kannst du „Mutant 1“ mit dem vorangestellten „Mode FM-Lin“ bemühen und auch „Noise“ als Quelle probieren. Die beiden Filter des Hydrasynth erfüllen alle täglichen Wünsche und bieten auch eine Korg MS20-Charakteristik (Preset-Beispiel: MS20 Filter A112 ResoSpread PS) und auch einen Vowel-Typ (Preset-Beispiel: Vowel A109 Ohhh GD). Wir nehmen nur ein bisschen Tiefpass und drehen hierfür einfach am großen Cutoff-Regler. Wie sich das Ergebnis schon nach sehr kurzer Zeit anhören kann? Hier kommt ein Beispiel:

Audio Samples
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Custom Wavetable Pad, in drei Minuten am Hydrasynth erstellt

Bei PRE-FX rufen wir einen Chorus auf und tippen dann auf die REVERB-Taste und wählen ein Dry/Wet-Verhältnis von 50:50 und verlängern die Hallzeit ein wenig. Für sehr ambiente Hallfahnen solltest du als Typ “Cloud” nehmen. Bei den Effekten gibt es abschließend den POST-FX, für den wir diesen Tipp mit auf den Weg geben und im Handumdrehen lassen sich rhythmische pumpende Flächen erzeugen: Selektiere per Knob 1 den FX-Typ “Compress” und wähle bei Sidechain “BPM Duck”. Klasse: Bei der Einstellung Tap” kannst du tatsächlich die “Tap Tempo”-Taste verwenden und damit ein individuelles rhythmisches SideChaining realisieren. Ausprobieren bei POST-FX solltest du auch einmal den LoFi-FX zur Klangverfärbung des gesamten Patch.
 Die letzten beiden Audio-Demos zeigen Patches, die mit dem POST-FX im wahrsten Sinne des Wortes “nachdrücklich” modifiziert worden sind:

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PostFX LoFi PostFX Compressor SideChain

Schlusswort                                

Grandioser Klang, viel Kreativ-Potenzial für den Soundtüftler und nicht zuletzt dank Ribbon und Poly-AT auch für Live-Performer stark – das ist der Hydrasynth. Die Preset-Ausstattung ist klassisch geprägt durch viele 80er Jahre-Anleihen, du kannst dem Hydrasynth noch viel hippere und ungewöhnlichere Sounds entlocken. Selbst wenn du nur ein bisschen an der Oberfläche des ASM Hydrasynth kratzt, wie in diesem Workshop, lässt sich diesem Synthesizer musikalisch viel abgewinnen. Man sollte sich aber die Zeit nehmen, um noch sehr viel mehr entdecken zu können. Bei der Arbeit mit den Mutants brauchst du sowieso Erfahrung und ein bisschen Glück, denn alle klanglichen Ergebnisse lassen sich nicht exakt voraussagen. Beim Arpeggieren ist es wiederum ein Leichtes, kaum ein Synthesizer bietet für den Arpeggiator so viele Bedienelemente auf dem Panel. Wie schon eingangs erwähnt, ist es sinnvoll, alle Software-Neuerungen seitens ASM auf dem Radar zu haben und sein Keyboard- oder Desktop-Modell entsprechend zu aktualisieren. Wir wünschen dir viel Spaß beim Schrauben und Staunen.

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ASM Hydrasynth Workshop: Erste Schritte beim Soundprogramming (Foto: Ashun Sound Machines)

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von Matthias Sauer

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