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30.04.2020

Korg Wavestate Workshop: Sounddesign ganz einfach

Per Wave Sequencing 2.0 zu neuen Sounds

Wichtige Funktionen des Korg Wavestate zielsicher nutzen

Die Korg Wavestate ist ein innovativer Synthesizer mit Sample-basierten Klangsequenzen, die als „Wave Sequencing 2.0“ etliche Keyboarder und Produzenten ins Staunen versetzen. Wie bei seinem historischen Vorgänger Korg Wavestation fühlen sich aber leider viele Musiker beim Editieren schnell überfordert. Sie wissen bei dieser Parameter-Flut kaum, wo man zuerst wie am besten Hand anlegt und seine eigene Soundvarianten erstellt. Vermutlich geht es dir ähnlich? Falls ja, erfährst du in diesem Workshop, dass sich die Korg Wavestate sogar überraschend einfach (kein Scherz!) bedienen lässt. Sie muss keineswegs als Preset-Maschine unter deinen Fingern versauern. Im Gegenteil, Soundtüfteln kann schon bald zur Sucht werden. Sogar bei einer „Performance“ (so der Begriff für ein vollständiges Klangprogramm) mit nur einem Layer (oder „Program“) entstehen sehr wertige Sounds für den musikalischen Alltagsjob.

Kommen wir mit Fakten. Das beste Statement findest du unter Technische Daten“ auf Seite 83 der Bedienungsanleitung: „Alle Änderungen werden in der Performance gespeichert (Programs, Wellenformsequenzen usw. können – aber müssen nicht – separat gespeichert werden“.  Können, aber nicht müssen - genau dieses Konzept wird in der Praxis zum sehr erfreulichen Unterschied zur Korg Wavestation, bei der alle einzelnen Bestandteile einer Performance wie Patches oder Wavesequencen separat gespeichert und organisiert werden müssen, was das gesamte Handling erschwert. Nicht so bei der Wavestate. Ja, das ist doch einmal eine Aussage: Du kannst also ungeniert alle möglichen werkseitigen Vorlagen (wie Patches, Sequencen und Effekte – und davon gibt es viele!) nach bester Laune bearbeiten oder „verbiegen“ und das Ergebnis dieser Session als Performance abspeichern, die sich immer zuverlässig reproduzieren und gern auch mit anderen Usern teilen lässt. Die Bedienungsanleitung lassen wir aber nun links liegen und halten uns so kurz wie möglich, versprochen!

Quick Facts: Wave Sequencing 2.0

Was macht Wave Sequencing 2.0 so leicht bedienbar?

Anders als bei der Korg Wavestation aus den frühen 1990er Jahren erlaubt das Wave Sequencing 2.0 der Korg Wavestate ein direktes Zugreifen auf eine Wellenformsequenz - und zwar gestaffelt in sieben einzelne Linien (WSeq Lanes). Jede einzelne Lane bietet zudem etliche fertige Muster. Rund 1.000 Presets für WSeq Lanes erleichtern die Arbeit mit einer Wave Sequence enorm.

Erste Schritte

Bevor wir am Synthesizer einige Performances erstellen, sind administrative und organisatorische Dinge zu klären. Zunächst einmal wird dich sicherlich der Hinweis „Auto Power-off is enabled. The system will shut down ...“ nach dem Einschalten der Korg Wavestate nerven. Diese Meldung werden wir jetzt deaktivieren und erstmals das bei der Wavestate sehr häufig erforderliche Navigieren per gehaltener Shift- und Page-Taste kennenlernen. Bitte drücke auf die Utility-Taste, halte die Shift-Taste und drücke mit der Taste „Page +“ solange bis die Display-Seite „Preferences“ erscheint. Hier wählst du anstelle von „4 Hours“ ein „Disabled“ für Auto Power-Off an.

Sound Librarian herunterladen

Genau jetzt ist es der richtige Zeitpunkt, die kostenfreie Software „Wavestate Sound Librarian“ für Windows oder Mac OS X herunterzuladen. Bei dieser Gelegenheit solltest du die aktuelle Sofware-Version deines Geräts checken (unter Utility – About) und bei Bedarf (bei korg.com schauen) updaten. Der Sound Librarian stellt dir alle aktuelle Daten (Performances, Programs, Wave Sequencen, Wseq Lanes, Scales und Set Lists), die sich in deinem per USB-angeschlossenen Synthesizer übersichtlich auf dem großen Bildschirm deines Rechners dar. Wird eine neue Performance am Gerät abgespeichert, erscheint diese direkt in der Librarian Software. Daher ein Tipp, wenn du eine Reihe an Performances erstellen und benennen willst: Sichere dein gutes Soundergebnis jeweils einfach als Performance „01“, „02“ und so weiter. Einen kompletten Soundnamen für die Performance sowie weitere Angaben wie „Author“ oder „Category“ tippst du mittels Sound Librarian ein – das geht natürlich viel schneller und entspannter als direkt am Gerät.

Beim Speichern einer neuen separaten Performance bitte am Synthesizer die Shift- und Write-Taste gleichzeitig drücken. Betätigst du nur die Write-Taste, wird versehentlich der originale Sound überschrieben, was im Eifer des Gefechts zu schnell passiert. Es gibt übrigens bei der Wavestate keine dedizierte Compare-Taste, aber ein Vergleichen ist dennoch sehr einfach möglich: Compare-Funktion: Enter-Taste drücken und Write-Taste hinzunehmen, der originale Performance, nochmals Enter- und Write-Taste, der aktuelle Stand ist zu hören.

Für einen Live-Gig willst du natürlich eine Set Liste haben, die alle Performance bereitstellt. Aber auch im Studio ist es nützlich, seine Favoriten aus der großen Soundauswahl zusammenstellen. Vielleicht erstellt du dir eine Set Liste mit den 64 besten Flächensounds? Wie auch immer, eine ‚Set List‘ der Wavestate umfasst 64 Speicherplätze, die in vier Bänke A-D (aufrufbar per Shift- + Bank-Taste) organisiert sind. Ab Werk ist eine Liste schon verfügbar, sie heißt „Taste of Wavestate“. Mit den 16 Tasten rechts über der Tastatur kannst du die Performances anwählen, wobei die Taste „SET LIST“ und freilich nicht „WSEQ STEPS“ aufleuchtet. Zum Anlegen einer eigenen Set List ist die Librarian-Software extrem praktisch. So funktioniert's: Gehe zu Edit – New Set List und es erscheint eine leere Liste in der Ansicht „Set Lists“. Beide Fenster „Set Lists“ und „Main Window“ sind offen. Nun kannst du die gewünschten Performances vom Hauptfenster in die neue Set List ziehen – geschafft. Zur Anwahl der neuen Liste musst du am Gerät noch unter „Utility – System Setup“ die Liste anwählen. Übrigens, es lassen sich per Sound Librarian mehrere Set Lists kreieren und einzeln am Synthesizer anwählen. So könntest du 256 oder noch mehr Performances organisieren.

Einfache Analog-Sounds bauen

Nimm bitte die „Init Performance“, die sich in der alphabetisch sortieren Liste der Performances finden lässt. Als erstes möchten wir einmal Sounds kreieren wie bei einem Analog-Synthesizer. Ja, es macht die gesamte Prozedur viel leichter, wenn du die Wavestate als klassischen (Sample-ROM-) Synthesizer betrachtest und entsprechend herangehst. Anstelle eines Oszillators verwendest du ein Program, das innerhalb der Performance einem Layer (Layer A) zugewiesen wird und auch schon fertige Effekt-Einstellungen liefert. Auf dieser praktischen Vorlage kannst du nun mit Filter, Hüllkurven, LFOs und anderen Effekten relativ schnell neue Sounds erzeugen. Die „Init Performance“ ist angewählt, du drückst zweimal auf die Taste „Page+“ und siehst die Seite „Layer Programs“. Für Layer A suchst du nun ein Program aus, das klanglich in Richtung „Simple Analog“ geht. Dazu werden mit dem Value-Regler rechts vom Display die Liste mit allen verfügbaren Programs durchgearbeitet.

Aufgepasst! Das Durchforsten kann sehr aufregend sein und viel Zeit verschlingen. Gehe am besten zielorientiert vor und wähle das nächstbeste Program. Wie wäre es mit dem Program „5 Other Unisono“? Das ist eine universelle Vorlage mit Sägezahn-Oszillatoren.

Tipp:  Bewege dich mit der Page-Taste soweit, bis du zur Seite „Voice Assign“ kommst. Hier kannst du den Grundsound mittels Unisono, Detuning und Stereo-Breite fetter machen oder ihn auch monofon schalten für Bässe oder Leads. Wir nehmen das Patch „5 Other Unisono“ und nutzen genau dies auch genau in dieser Reihenfolge: Unisono Voice = 2, Detune = 30 und Stereo = 100. Bitte als Ausgangswerte für breite voluminöse Flächenklänge merken.

Stimmt, jetzt lernen wir die Filtersektion mit Polysix- und MS-20-Tiefpassfilter kennen und spielen ein wenig mit den Hüllkurven-Werten und den Filtertypen. Bei der Wavestate findest du eine ASDR-Hüllkurve, die sich vierfach umschalten beziehungsweise jeweils für Filter, Lautstärke, Tonhöhe und Vectorsteuerung nutzen lässt. Du kannst also wie mit einem analogen Synthesizer arbeiten und könntest auch die gute Effektsektion außen vorlassen. So in etwa hört es sich an, wenn einfache Klänge der Korg-Klassiker Polysix- und MS-20 nachgebildet werden. Danach ein Beispiel wie klassische Synthesizersounds mit der Korg Wavestate noch etwas raffinierter klingen per Multifilter-Typ, Arpeggiator und Chorus/Delay/Reverb-Effekt.

Wenn dein „Analog-Sound“ ein ganz anderer Typ sein soll, schaust du wieder bei den Programs nach und wählst eine neue Ausgangsbasis für Layer A an. Dabei wirst du beobachten, dass einige dieser „Analogsynth“-Programs auf Wave Sequencing basieren und rhythmisch angelegt sind und öfter auch schon mit passenden Effekten garniert sind.

Flächen-Sounds bauen

Es sind vor allem die Pad- oder Flächensounds, die schon bei der Korg Wavestation gefeiert wurden. Wie zuvor bei „Einfache Analog-Sounds bauen“ schauen wir erst einmal unter den Programs nach einer sinnvollen Vorlage. Der nächstbeste Flächenklang im „90ies Style“ ist das Program „AirDancePad“. Wie anhand der leuchtenden Tasten PRE FX und MOD FX zu erkennen, sind EQ und Chorus/Flanger aktiviert und beigemischt worden. Natürlich sind die bewegungsreichen Flächen der Korg Wavestate atemberaubend per Wave Sequencing zu erstellen, wir bleiben aber weiterhin bodenständig und schauen uns die LFO-Sektion an.

Mit einem LFO lässt sich eigentlich jedes Synthpad animieren. Vier LFOs stehen bei der Korg Wavestate zur Verfügung: für Filter, Lautstärke, Tonhöhe und Panorama. Das Handling ist simpel: Du drehst den Intensity-Regler nach rechts, tippst auf „Tempo Sync“ und gibst bei Frequenz einen gewünschten Notenwert ein. Wir setzen dies einmal mit dem Filter-LFO beim „AirDancePad“ um. Die feine Bandsperre wird nun rhythmisch gleichmäßig moduliert. Mit diesem einfachen Trick lässt sich das Pad aufwerten wie im A/B-Vergleich zu hören. Mit dem Amp-LFO kannst du ziemlich einfach „pumpende Flächen“ simulieren, im Beispiel kommt das Program „Dream Denali Cello“ zum Einsatz. Und als dritte Kostprobe gibt es das Program „Andromeda Pad“, auf das drei LFOs (Filter, Amp, Panorama) gleichzeitig ansetzen.

Arpeggiator einsetzen

Zu den produktiven Spielzeugen des Korg-Synthesizers gehört auch der Arpeggiator, der sich über die Arpeggiator-Taste aktivieren lässt und nun schon sein überschaubares Parameter-Aufgebot offenbart. Anhand der „Init Performance“ kannst du die klassischen Auf- und Ab-Muster probieren. Doch aufgepasst: Das benutzte „Init Programm“ (Layer A) basiert auf einer Wellenformsequenz. Auch wenn der Gate-Wert auf 100% des Arpeggiators erhöht worden ist, wird sich nun der erste Sound der Wave Sequenz akustisch zeigen. Das hat natürlich wenig Reiz. Mit dieser Faustregel wird es besser: Beim kombinierten Einsatz von Arpeggiator und Wave Sequencing wird die Funktion „Sync Notes“ aktiviert. Du drückst auf die Select-Taste (links vom Display) und stellst „Sync Notes“ auf „On“. Nun wird die Wellenformsequenz abgespielt und bleibt nicht quasi eintönig beim ersten Sequenzschritt stehen. Was dies in der Praxis bedeutet, verdeutlicht dieser einfache A/B-Vergleich. Anschließend hörst du weitere Arpeggio-Sounds, die auf Basis der „Init Performance“ entstanden sind.

Effekte richtig einsetzen

Qualitativ erhaben und eine wahrlich effektive Seite der Korg Wavestate ist die Effektsektion. Hier bekommst du PRE FX (Compressor, Amps, EQ), MOD FX (Modulationseffekte wie Chorus, Phaser, etc.), DELAY sowie noch einen REVERB und EQ für alle vier Layer einer Performance. Wie schon gesagt, kriegst du nach Anwahl eines Program (für z.B. Layer A) schon passende Effekte angeboten. Du kannst und sollst aber selber die Effektblöcke ausgiebig kosten. Ein FX-Block wie PRE FX oder REVERB muss per kombinierter Shift-Taste aktiviert werden. Ansonsten solltest du wissen, dass du nicht selber großartig Effekte programmieren musst, sondern nach dem „Lego-Prinzip“ die zahlreichen Presets der einzelnen FX-Blöcke anwenden kannst. Auf der Effektseite suchst du oben einen „Type“ aus und unter Presets kannst du entsprechende Vorlagen abrufen. Das funktioniert sehr einfach. Hier und da werden die Effekte nachträglich per Wet/Dry-Regler fein dosiert – und du kommst mit dieser Methode ziemlich weit.

Es gibt leider auch einen kleinen Haken: Für Split- und Layer-Kreationen wären Send-Effekte gut, die aber bei der Korg Wavestate (V1.0.3) nicht angeboten werden. So kannst du also nicht innerhalb einer Performamce einen Bass trocken lassen und ein Pad verhallen. Auch eine Tiefenstaffelung durch unterschiedliche Räume und Hall-Intensitäten sind leider nicht möglich. Über die REVERB-Taste gelangst du per Shift/Page-Taste schließlich an den Master-EQ. Hier und ggf. bei PRE FX solltest du nachschauen und zumindest Bäss und Höhen checken. Es wäre schade, wenn der geniale Flächensound mit dröhenden tiefen Frequenzen einhergeht.

Wave Sequences gestalten

Noch mehr Spielspaß nach dem Lego-Baukasten-Prinzip gibt es beim Wave Sequencing. Es ist überraschend, wie einfach sich eigene Muster entwickeln lassen. Suche dir bei der „Init Performance“ für Layer A ein Program mit einem Wave Sequencing aus, das in etwa schon deiner Vorstellung entspricht, und probiere an den einzelnen WSEQ Lanes die sehr zahlreichen Presets aus. Nochmal zur Erinnerung: Der große Trumpf des Wave Sequencing 2.0 ist es, dass wichtige Parameter wie Sample, Timing oder Gate separat voneinander und haptisch direkt im Zugriff stehen. Du nimmst also diese Bausteine wie eben Sample, Timing, Gate und Shape und konstruierst bloß durch Anwählen, Probieren und Kombinieren der Vorlagen deine eigene Wave Sequenz. Es ist genauso einfach wie es sich anhört!

Noch einmal starten wir bei der „Init Performance“, sehen das „Init Program“ für Layer A auf der Layer Programs-Seite und drücken links bei den WSEQ LANES auf die Sample-Taste. Auf dem Display siehst du Sample-Lane-Seite. Unter Presets (angewählt ist „Init Sample Lane“) gehen wir schnell per Value-Regler einige Vorlagen durch und staunen ebenso schnell, was sich klanglich tut (Spektral, disharmonisch, Streicher, Synthwaves, etc.).

Wir bleiben beim Preset „Interstellar Dust“ für die Sample WSEQ LANE hängen. Nun probieren wie eine nächste Lane aus: Timing. Hier sind rhythmische Impulse zu erwarten. Gehen wir einige Presets wieder durch und lassen uns vor den spontanen Ergebnissen überzeugen.

Gelandet sind wir auf dem Preset „Icy Drops“ für die Timing WSEQ LANE. Dieses spielerische Anwählen und Probieren setzt du fort mit den übrigen Linien (vor allem mit Pitch, Shape und Gate), schaltest die FX-Blöcke ein und filterst den Klang noch etwas – fertig mit der Session. Ehrlich, nach schon einer Minute könnte die Wave Sequence wie dieses perkussive Exemplar klingen.

Natürlich könnten wir noch mehr ins Detail gehen und über einzelne Parameter des Wave Sequencing 2.0 philosophieren. Aber: Es bremst deine Spontanität und hemmt jede Kreativität. Zudem haben wir eingangs versprochen, dass es simpel bleibt: „Sounddesign ganz einfach“ – so unser Fahrplan.

Schlusswort

Von wegen kompliziert! Es finden sich tatsächlich einige Ansätze, wie man die Korg Wavestate für sich selber entdecken und vielleicht auch endgültig erobern kann. Einige Hands-On-Beispiele haben skizziert, dass sich schon mit nur einem einzigen Layer beeindruckende Klänge verwirklichen lassen, die ganz unterschiedlich klingen können – ob für ein neues Studioprojekt oder für den Live-Gig. Letztlich kommt es auf das persönliche Klanggespür und auf ein bisschen Glück an. Natürlich sollte zudem bekannt sein, wie ein klassischer Synthesizer grundsätzlich funktioniert. Der Sound Librarian ersetzt zwar keinen Editor, sollte aber schon bei der ersten EditierSession installiert sein. Weil das Kreieren eigener Performances viel leichter geht als man es beim Anblick der vielen Funktionen und des kleinen Displays voreilig vermutet, wird das Angebot an Performances immer größer werden und künftig noch andere Facetten und Möglichkeiten dieses fantastischen Korg-Synthesizers aufzeigen. Schluss mit dem Presetkonsum und viel Spaß beim Eintauchen ins Wave Sequencing 2.0!

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