Hersteller_Korg
Test
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16.02.2015

Praxis

Erster Eindruck

Genug der langen Worte – werfen wir die Kiste einfach einmal an. Hier hört ihr zum Einstieg zwei Jamsessions mit zwei Werkspatterns des volca sample. Ich drehe jeweils live an den Reglern für verschiedene Parts, mute Parts und spiele mit dem Analogue Isolator. Natürlich wird man die Werkspatterns bei ganzen zehn Speicherplätzen schnell mit Eigenkreationen überschreiben. Aber nach dem Auspacken macht es durchaus Spaß, damit herumzuspielen.

Werkssamples

Unter den 100 Samples, die werksseitig im Speicher des volca sample liegen, findet man reichlich Ausgangsmaterial für ausgedehnte Sessions. Gut die Hälfte der Auswahl machen Drum- und Percussionsamples aus (viele Drummachine-Sounds, aber auch einige akustische Trommeln), der Rest besteht überwiegend aus Instrumental-Hits und einigen Vocal-Schnipseln. Stilistisch ist das Ganze – wenig überraschend – hauptsächlich auf die Bedürfnisse von Dance- und Hip-Hop-Musikern zugeschnitten und viele Samples haben einen gewissen LoFi-Touch. Das liegt sicherlich nicht nur an der reduzierten Samplerate von 31,25 kHz, sondern dürfte auch eine stilistische Entscheidung seitens der Entwickler gewesen sein. Es passt einfach gut zum Konzept der kleinen Bastelkisten. Die folgenden drei Patterns bestehen ausschließlich aus Werkssamples des volca sample, an deren Sample-Parametern nichts verstellt wurde.  

User Samples

Den Prozess, eigene Samples vom Computer über die iOS-App auf den volca sample zu übertragen, möchte ich anhand der folgenden Bilderstrecke demonstrieren. Da es dafür auch Programme von Drittanbietern gibt, ist das nicht der einzige Weg, aber seitens Korg ist dieses etwas komplizierte Verfahren das offiziell dokumentierte und unterstützte. Zunächst muss man natürlich die App „Audio Pocket for volca sample“ aus dem App Store laden. Dann wird das iPhone bzw. iPad mit dem Computer verbunden und iTunes gestartet. Der Kopfhörerausgang des iOS-Geräts wird über ein Stereo-Miniklinkenkabel (z.B. das mitgelieferte kurze Sync-Kabel) mit dem Sync-Eingang des volca sample verbunden und die Kopfhörerlautstärke des iPhones oder iPads ganz aufgedreht. Eventuell muss man auch noch durch Löschen einiger Samples Platz schaffen. Dafür besitzt der volca sample seit der Firmware-Version 1.22 einen speziellen Modus, in dem man Samples zum Löschen auswählen kann. In der Anleitung ist der Löschprozess nicht beschrieben, man findet diese Info aber in einer PDF-Datei, die dem Update auf die (mittlerweile überholte) Version 1.22 beiliegt. Und dann geht's los:

Einmal überschriebene Werkssamples lassen sich über die App übrigens jederzeit wieder herstellen, sodass man den Speicher des volca sample ohne Rücksicht auf Verluste mit eigenen Sounds füllen kann.

Step Programmable Parameters

Zur Bearbeitung von Samples dienen die transparenten Regler des volca sample, die pro Step oder fließend im Sequencer aufgezeichnet werden können. Mit der Abspielgeschwindigkeit SPEED lässt sich hier die Tonhöhe in einem weiten Bereich bestimmen (so kann man zum Beispiel auch Basslines programmieren):

Mit START POINT und LENGTH kann man die Start- und Endpunkte des Samples beeinflussen:

HI CUT ist ein einfaches Filter:

Die Pitch-Hüllkurve bietet einen Regler für die Intensität und zwei Potis für ATTACK und DECAY und ermöglicht Tonhöhenverläufe. In der kleinen Amp-Sektion gibt es ebenfalls eine einfache Envelope mit ATTACK und DECAY und außerdem zwei Regler für LEVEL und PAN, die sich ebenfalls pro Step aufzeichnen lassen.

Mit den "Step Programmable Parameters" kann man Samples nach Lust und Laune verbiegen. Für die Aufzeichnung im Sequencer gibt es zwei Verfahren: Motion Sequencing und die Programmierung im Step Mode.

Motion Sequencing

Das „Motion Sequencing“ ermöglicht die kontinuierliche Aufzeichnung aller transparenten Regler außer Tempo im Sequencer. Wenn das Motion Sequencing aktiviert ist, muss man dazu nur den gewünschten Track auswählen, auf Record drücken und an den Reglern drehen. Das funktioniert sowohl im Live- als auch im Step-Modus. Nachdem der Sequencer einmal alle Steps durchlaufen hat, kehrt er automatisch in den Play-Modus zurück und man kann sich den nächsten Regler oder Track vornehmen. Mit einer Tastenkombination lässt sich die Motion Sequence für den gewählten Track auch schnell wieder löschen, wenn man einen Fehler gemacht hat.

Step-Programmierung

Unmittelbar vor Veröffentlichung dieses Testberichts brachte Korg das Update auf die Firmware-Version 1.30 heraus, die einen ärgerlichen Bug der Vorversionen beseitigt. Bis vor Kurzem war es nämlich entgegen der Beschreibung in der Anleitung nicht möglich, die „Step Programmable Parameters“ im Step Mode zu programmieren, man konnte sie nur per Motion Sequencing in Echtzeit aufzeichnen. In der neuen Version wurde das nun in Ordnung gebracht. Firmware-Updates funktionieren beim volca sample übrigens, indem man das Gerät in den Update-Modus versetzt und die als WAV-File codierte Systemdatei über einen Audioplayer oder einen Computer in den Sync-Eingang einspeist. Das klappte im Test im zweiten Anlauf, nachdem ich dem volca sample beim ersten Versuch wohl etwas zu viel Pegel zugemutet hatte.

Um Klangparameter für einen Step zu programmieren, hält man im Step-Mode den jeweiligen Step-Taster gedrückt und dreht an den gewünschten Reglern. Bedenken muss man dabei allerdings, dass die Reglerstellungen nach einem Patternwechsel oft nicht mit dem derzeit eingestellten Wert übereinstimmen. Es empfiehlt sich also, den Ausgangswert vorher zu prüfen und mit der Reglerstellung abzugleichen, damit man das Poti nach dem Editieren eines Steps zurück in die Ausgangsposition drehen kann. Wirksam bzw. hörbar werden auf diese Weise programmierte Parameter auch im Step Mode nur, wenn die Motion Sequence grundsätzlich aktiviert ist. Einmal programmierte Werte lassen sich leider nur mit der gesamten Motion Sequence für den jeweiligen Part löschen, sofern man nicht jeden einzelnen Regler manuell in die Ausgangsstellung „zurück programmieren“ möchte.

Effekte

Der volca sample bietet einen Halleffekt mit einem gewaltigen Trash-Faktor. Eigentlich mag ich diese Formulierung nicht besonders, aber hier passt sie wirklich mal: Der Hall klingt so schlecht, dass es irgendwie schon wieder gut ist. Jedenfalls passt es zum LoFi-Charme der gesamten volca-Serie, obwohl dieser Hall wirklich hart an der Grenze des guten Geschmacks ist. Der Reverbanteil lässt sich global regeln, weitere Einstellmöglichkeiten gibt es nicht. Allerdings kann man für jeden Track des Sequencers auswählen, ob der betreffende Part mit Hall versehen werden soll oder nicht.

Außerdem gibt es den bereits erwähnten „Analogue Isolator“, mit dem man die Bässe oder Höhen etwas boosten oder komplett cutten kann. Den finde ich richtig gut – er klingt gut und lässt sich während einer Performance spontan und kreativ einsetzen. Glücklicherweise sind die beiden dazugehörigen Potis größer und griffiger als die anderen, denn manchmal möchte man gar nicht mehr aufhören zu schrauben.

Bedienung

Die grundlegende Bedienung erschließt sich wie bei allen volcas sehr schnell. Am besten legt man einfach los und erforscht die Möglichkeiten. Die Bedienungsanleitung macht nämlich wenig Spaß – sie kommt als winzig bedrucktes Faltblatt, das auch einem Radiowecker beiliegen könnte und auf dem man die passende Sprache jedes Mal von Neuem suchen muss. Dennoch sollte man natürlich einen Blick darauf werfen, um einen Überblick über die Features zu bekommen.

Komplizierter und ein bisschen hakelig wird es erst, wenn man zum Beispiel eigene Samples laden möchte wie oben beschrieben. Mit der iOS-App und dem Modus zum Löschen von Samples sind zudem seit dem Erscheinen des volca sample schon einige wichtige Punkte hinzugekommen, die in der gedruckten Bedienungsanleitung nicht erwähnt werden. Informationen hierüber findet man in der Hilfefunktion der App bzw. in den PDF-Dateien, die den jeweiligen Firmware-Updates beiliegen.  

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