Hersteller_Korg
Test
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25.08.2017

Praxis

Konzept und Struktur

Wenn man sich die Spezifikationen des Grandstage ansieht, fällt einem sofort der Begriff “7 Sound Engines” ins Auge. Hier kommt schnell die Vermutung auf, dass Korg für das Grandstage auf die Tonerzeugung der Kronos Workstation zurückgegriffen hat. Das trifft aber nur teilweise zu. Der Kronos bietet neun Sound Engines, aber eine einfache Reduktion auf sieben Engines im Grandstage ist nicht der Wahrheit letzter Schluss. Im Grandstage sind die folgenden fünf Sound Engines des Kronos anzutreffen: SGX-2, EP-1, CX-3, AL-1 und HD-1. Verglichen mit der Workstation fehlen also STR-1, MOD-7, MS-20 und POLYSIX. Neu im Grandstage und bislang selbst im Kronos nicht zu haben, sind die Engines “VOX” und “Compact”. Somit findet sich im Grandstage eine nicht geringe Auswahl an Kronos Sound Engines, die ein recht üppiges Soundpotenzial versprechen. Ob die neuen Engines “VOX” und “Compact” in Zukunft auch für den Kronos verfügbar sein werden, konnten wir allerdings nicht in Erfahrung bringen – das nächste Kronos-Update wird es zeigen.

Das Grandstage bietet insgesamt 500 Programs (Sounds), die auf die beiden Sektionen "ENSEMBLE" und "KEYBOARD" aufgeteilt sind. Die Programs der unterschiedlichen Kategorien kann man einzeln spielen, man kann aber auch zwei Programs layern oder splitten. Programs können direkt über die Wahl einer Kategorie und Variation in den Sektionen KEYBOARDS und ENSEMBLE selektiert werden und verfügen über eine werksseitige Voreinstellung der Effekte. Häufig verwendete Programs oder eigene Kombinationen lassen sich zum schnellen Abrufen in der 64 Speicherplätze umfassenden FAVORITES-Bank ablegen. 

Klangauswahl und Editierung

Ganz im Sinne eines Bühneninstruments liegt der Fokus beim Grandstage auf einer unkomplizierten Soundauswahl und der leichten Bedienung der wichtigsten Parameter für den Live-Betrieb. Wie das in der Praxis funktioniert, möchte ich hier anhand der KEYBOARDS-Sektion beschreiben. Dasselbe Prozedere gilt analog auch auf den ENSEMBLE Bereich.

Ist der Taster der KEYBOARDS-Sektion aktiviert und leuchtet rot, so können mit dem darunterliegenden Auswahlencoder die verschiedenen Sound-Kategorien der Sektion aufgerufen werden. Ein roter LED-Indikator zeigt auch optisch an, wohin die Wahl gefallen ist. Auswählen lässt sich aus folgenden Kategorien (von links nach rechts): GRAND, UPRIGHT, EP RD, EP WL, EP SYN, CLAV, ORGAN und ENSEMBLE.

Nach dem Auswählen der Kategorie werden die aktuelle Programmnummer sowie der Programmname im kleinen EL-Display der Sektion angezeigt. Die beiden im Grandstage verbauten Displays sind recht klein, aber durch ihre scharfen Lettern und ihre Helligkeit bei Tageslicht und Dunkelheit gut zu lesen. Dennoch, ein bisschen größer hätte ich sie mir schon gewünscht. Mit dem Poti VARIATION unterhalb des Displays kann man nun die zur Verfügung stehenden Sound-Alternativen innerhalb dieser Kategorie auswählen. Der Übergang zwischen den einzelnen Kategorien ist übrigens fließend. Erreiche ich z.B. das letzte Program der GRAND-Kategorie und drehe weiter nach rechts, so springt das Grandstage zum ersten Programm der UPRIGHT-Kategorie, u.s.w.

Mit dem LEVEL-Poti lässt sich die Lautstärke der Sektion jederzeit unkompliziert anpassen. Auch hier hilft ein roter LED-Kranz bei der Übersicht auf einer dunklen Bühne. Darunter wartet ein beleuchteter EDIT-Button, der ein Untermenü zum Bearbeiten der wichtigsten Parameter des gerade gewählten Klangs aufruft. Nach dem Druck auf EDIT kann man über den VARIATION-Encoder die zur Verfügung stehenden Parameter und mit dem LEVEL-Regler die Werte justieren. Folgende Parameter werden geboten:

 

  • Octave: –3, –2, –1, 0, +1, +2, +3
  • Tune: –100 ... 0 ... +100 (cents)
  • Release: –100 ... 0 ... +100%
  • Sound-Parameter 1-4: je nach Programm-Typ unterschiedlich*
  • Reverb Send: –inf ... + 6.0dB
  • Damper: Off / On
  • Other Controls: Off / On

 

*Die maximal vier editierbaren Sound-Parameter unterscheiden sich je nach der für den gewählten Sound verwendeten Engine. Im Vordergrund steht hier das schnelle Anpassen der wichtigsten Klangeigenschaften im Live-Betrieb und nicht so sehr eine komplette, detaillierte Editierung. Die Parameterwelt, die der Kronos in und mit seinen Engines bietet, ist in der Portierung für das Grandstage auf ein Minimum reduziert worden. Das heißt, alle Sounds des Grandstage sind werksseitig komplett vorprogrammiert und können nur in ihrem Grundverhalten verändert werden, was im Gegenzug dafür sorgt, dass die Parameterwelt nie unübersichtlich wird. Dennoch frage ich mich, ob nicht ein Software Editor denkbar wäre, mit dem man die Sounds am Rechner in allen Details bearbeiten könnte – im Hintergrund arbeiten ja die aus dem Kronos stammenden Engines.

FAVORITE-Sektion und Split/Layer

Die FAVORITE-Sektion ist das "Gedächtnis" des Grandstage. Hier lassen sich komplette Registrierungen sichern, wie man sie für seine Songs bzw. für einen Gig benötigt. Darunter können sich einzelne Sounds aus den Sektionen ENSEMBLE und KEYBOARDS befinden, aber auch deren Kombinationen als Layer oder Splits. Diese Sektion "merkt" sich alle Einstellungen der Sektionen ENSEMBLE, KEYBOARDS und REVERB/DELAY. Nicht gesichert werden die Einstellungen für DYNAMICS und den 3-bandigen Equalizer.

Die FAVORITE-Sektion bietet insgesamt 64 Speicherplätze, aufgeteilt in die Bänke A-H sowie die Speicherplätze 1-8. Werksseitig sind hier schon 32 Settings vorprogrammiert, die aber alle änderbar und überschreibbar sind. Ein eigenes Display für das Anzeigen des gerade aufgerufenen Settings ist hier nicht vorhanden und es gibt leider keine Möglichkeit, Favorites zu benennen. Man muss sich also merken oder auf der Setliste notieren, dass A1 das Rhodes für Song A und D7 der Piano/Synth Split für Song B ist. Das ist etwas schade und hier hätte ich mir ein kleines zusätzliches Display und eine Benennungsmöglichkeit gewünscht.

Brauche ich einen Split, so aktiviere ich zunächst beide Sektionen ENSEMBLE und KEYBOARDS gleichzeitig und drücke die SPLIT-Taste. In der Standardeinstellung liegt der ENSEMBLE-Bereich auf der linken Seite und der KEYBOARD-Bereich auf der rechten Seite des Splitpunkts. Der Teilungspunkt ist werksseitig auf C4 eingestellt und lässt sich einfach verändern, indem man SPLIT gedrückt hält und die gewünschte Taste der Klaviatur betätigt. Will ich die beiden Sounds um den Split-Punkt vertauschen, drücke ich die Taste "SWAP". Möchte ich einen Layer, schalte ich die SPLIT-Funktion aus und die beiden gewählten Sounds aus den Sektionen KEYBOARDS und ENSEMBLE werden übereinander geschichtet. Das ist wirklich ganz einfach und klappt auch auf der Bühne problemlos.

Mit diesem Verfahren lassen sich also sehr bequem Splits und Layers aus jeweils einem Sound aus den beiden Sektionen erstellen. Doch was ist, wenn man zum Beispiel einen Flügelsound mit einem E-Piano layern möchte oder einen Split aus einem Pad und einem Lead Synth braucht, also zwei Sounds aus derselben Sektion? Auch das ist zum Glück möglich: In beiden Sektionen bietet der Wahlschalter jeweils eine Kategorie, in der die Sounds der jeweils anderen Sektion zur Verfügung stehen, also ENSEMBLE in der KEYBOARDS-Sektion und andersherum. So lässt sich, um beim eben genannten Beispiel zu bleiben, der Flügel unter KEYBOARDS auswählen und das E-Piano in der KEYBOARDS-Kategorie des ENSEMBLE-Bereichs. Die Auswahl ist dann zwar nicht ganz so komfortabel – man muss mitunter etwas am Variation-Regler kurbeln – aber immerhin: es geht!

Auch das Speichern von FAVORITES geht leicht von der Hand:

1. WRITE-Taste drücken (WRITE- und EXIT-Tasten blinken)
2. WRITE-Taste erneut drücken, um den aktuellen FAVORITES-Platz zu überschreiben oder
3. Um den Favoriten woanders hin zu speichern, einfach nacheinander eine Bank und danach eine Nummerntaste drücken.
4. Danach erlöschen die WRITE- und EXIT-Taster und der Sound ist sicher.

Sound

Doch jetzt zur wichtigsten Frage: Wie klingt das Korg Grandstage? Korg gibt mit einer Speichergröße von ca. 32 GB linear eine für den Stagepiano-Bereich neue Größendimension für das verwendete Samplematerial an. Sind mehr GB ein tatsächliches Mehr an Sound? Um das herauszufinden, habe ich hier ein paar Sounds der unterschiedlichen FAVORITES-Bänke angespielt, die sich aus dem Fundus der im Angebot befindlichen Sound-Kategorien bedienen. Los geht's mit der KEYBOARDS-Sektion.

In der Kategorie GRAND dreht sich alles um Flügelsounds. Fünf unterschiedliche Modelle stehen zur Auswahl: Berlin Grand, German Grand, Austrian Grand, Japanese Grand und Italian Grand. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den Grandpianos um folgende Originale handelt:

 

  • Berlin Grand: Bechstein
  • German Grand: Steinway
  • Austrian Grand: Bösendorfer Imperial
  • Japanese Grand: Yamaha-Flügel aus der C-Serie
  • Italian Grand: Fazioli

Laut Korg stammen alle Flügelsounds, die u.a. typische Eigenschaften wie Dämpfer-Resonanz, Saiten-Resonanz und Dämpfer-Noise sowie Tastatur-Noises bieten, aus der vom Kronos bekannten SGX-2 Engine. Die SGX-2-Engine streamt umfangreiches und ungelooptes Sample-Material mit bis zu 12 Layern pro Grand Piano direkt aus einem verbauten SSD-Speicher. Durch die Verwendung von ungeloopten Samples und die vielen Velocity-Layer klingen die gebotenen Grandpianos wirklich klasse und detailreich und haben jeweils ihren eigenen Charakter, sodass man für die unterschiedlichsten Stile gut ausgestattet ist. 

In der Upright-Kategorie findet man zwei Klaviere, die ebenfalls aus der SGX-2 Engine stammen. Hier ist mir leider nicht bekannt, welche Instrumente gesampelt wurden. Die Vermutung liegt aber nahe, dass es sich bei dem Upright 1 um ein Yamaha Akustikpiano handelt.

Der trendige Sound der beiden Uprights setzt sich gut durch, wobei mir persönlich das Upright 1 Piano besser gefällt. Übrigens gibt es für alle Pianoklänge auch Monoversionen, die im Live-Einsatz mit einer Band oftmals die bessere und durchsetzungsstärkere Variante gegenüber einem detailreichen Stereo-Sound sein können, der im Bandkontext oft ohnehin nicht richtig zur Geltung kommt.

In einem Stagepiano dürfen klassische E-Pianos natürlich nicht fehlen. Die Rhodes- und Wurlitzer-Sounds der Kategorien EP RD und EP WL kommen allesamt aus der EP-1 Engine. Laut Korg bietet sie mit ihrer MDS (Multi-Dimensional Synthesis) Technologie ein besonderes Konzept der Dynamikumschaltung, welches auf subtilste Änderungen der Anschlagsstärke ansprechen soll. Im Umfang der EP-1 Engine befinden sich zudem Modelle der für diese Sounds gerne verwendeten Verstärker, Boxen, Lautsprecher und Vintage-Effekte.

In der Kategorie EP RD (RD = Rhodes) finden sich die klassischen Rhodes Modelle I, II, V sowie das customized Dyno-My-Piano, die mit den dazugehörigen, klassischen Effekten kombiniert wurden. 

Unter der Kategorie EP WL (WL = Wurlitzer) sind E-Pianos mit Metallzungen (Reed)- und Saitenmechanik zu finden. Darunter sind z.B. klassische Sounds der Wurlitzer-Modelle 200 und 200A sowie EGrands der 1980er Jahre wie das Yamaha CP-80. 

Die Kategorie EP SYN kümmert sich insbesondere um synthetische E-Pianos, darunter selbstverständlich die 80er-typischen FM Pianos à la Yamaha DX7.

In der Kategorie CLAV gibt es z.B. funky Clavinet Sounds. Darunter ist auch das klassische D Modell, gesampelt mit vier unterschiedlichen Tonabnehmern. Die Klangerzeugung wird hier von der Physical Modeling Engine AL-1 sowie der PCM Sound Engine HD-1 übernommen.

Obwohl es eigentlich kaum möglich ist, Orgel und Piano auf derselben Tastatur gleichermaßen überzeugend zu spielen, gehören natürlich auch Orgeln zum gängigen und praxisgerechten Soundangebot eines Stagepianos. Die Kategorie ORGAN bietet Sounds aus dem Bereich elektromagnetischer Orgeln inkl. der typischen Merkmale wie den Vibrato/Chorus Effekt, die klassische Percussion, Einstellungen für Amps und einen für meine Ohren recht anständig klingenden Rotor Effekt, der gegenüber dem Kronos noch eine Verbesserung erfahren zu haben scheint. Diese Sounds stammen aus der CX-3 Sound Engine. Hier ist es besonders schade, dass sich die Klänge nicht detailliert bearbeiten lassen, denn auf das Zurechtbauen eigener Zugriegelregistrationen muss man beim Grandstage verzichten. Für die Demos wurde ein Split erzeugt – links Bass, rechts Orgel:

Dazu gesellt sich ein echter Klassiker, der in den 1960er Jahren in den Markt kam und in Europa und den USA großen Einfluss auf die Pop-Musik hatte: die legendäre VOX-Orgel, die üblicherweise mit dem Classic Rock der 1960er Jahre assoziiert wird. Berühmte Songs mit diesem Sound sind z.B. “House of the Rising Sun” von den Animals, “Light My Fire” von den Doors, “In A Gadda Da Vida” von Iron Butterfly und “I’m Down” von den Beatles. Die Sounds dieser Orgeln werden von der neuen VOX Sound Engine erzeugt, die das Grandstage selbst dem Kronos voraus hat.

Hier ist aber noch nicht Schluss, es gibt mit „Compact“ ja noch eine zweite neue Sound Engine. Die Farfisa Compact Transistor Orgel kennt man auch von Schallplatten aus den 1960er Jahren, z.B. von “When a man loves a Woman” von Percy Sledge. 

ENSEMBLE-Klänge

Die ENSEMBLE-Sektion bietet eine große Auswahl an zusätzlichen Sounds, die alleine für sich oder in Kombination mit der KEYBOARDS-Sektion gespielt werden können. Der Inhalt der ENSEMBLE-Kategorien ist recht vielschichtig und wie folgt aufgeteilt:

 

  • STRINGS: Pads und Chöre, realistisch klingende Streicherensemble-Sounds und optimal zum Layern geeignete Synthie-Pads
  • BRASS: ein Querschnitt durch unterschiedliche Blech- und Holzblas-Ensembles
  • SYNTH: umfassendes Sortiment an vor allem polyphonen Synthesizer Sounds diverser Couleur
  • LEAD: zahlreiche Lead-Sounds monophoner und polyphoner Synthesizer
  • BELL/GTR: diverse Glocken- und Gitarrensounds
  • BASS: eine große Auswahl an Bass-Sounds, darunter Kontrabass, E-Bass, Synthie-Bass usw.
  • SFX/HIT: Soundeffekte, kurze Orchester-Samples und Schlaginstrumente

Die ENSEMBLE-Sounds sind natürlich eher als Ergänzung zu verstehen, schließlich ist das Grandstage zuallererst ein Stagepiano. Erfreulicherweise wurden sie von Korg aber nicht so stiefmütterlich behandelt, wie es bei manch anderem Digitalpiano zu beklagen ist, sondern klingen stellenweise richtig schön. Wer hauptsächlich Klavier und E-Piano spielt und hier und da mal eine Streicherfläche, einen Lead-Sound oder ein Pad benötigt, wird es sich in vielen Fällen sparen können, ein zweites Keyboard mitzuschleppen. Hier ein toller Split mit zwei Sounds aus der ENSEMBLE-Sektion:

Soundvariationen durch Echtzeit-Switches

Mit den SWITCHES 1 und 2 kann man während des Spielens dem Sound zugewiesene Parameter abrufen. Bei den Orgeln z.B. liegt auf SW1 die zuschaltbare Percussion, auf SW2 der ein- und ausschaltbare Vibrato/Chorus-Effekt. Bei den E-Pianos sind es in der Regel das Tremolo und der Chorus-Effekt. Allgemein kann man sagen: SW1 reguliert zumeist den Sound, SW2 kümmert sich um die Effekte. Übrigens lassen sich die ON- und OFF-Einstellungen für SW1 und SW2 auch mit in den FAVORITES speichern. Werden Splits und Layers gespielt, wirken die beiden Switches allerdings nur auf die KEYBOARDS-Sektion.

Kein Abreißen des Sounds beim Klangwechsel

Alle Sounds des Grandstage bedienen sich einer schon im Kronos gebotenen Funktion, welche das Abreißen des Sounds beim Wechseln zu einem anderen verhindert. Korg nennt das Smooth Sound Transition. Ein Beispiel: Ich spiele einen Pad-Sound und halte meinen letzten Akkord. Währenddessen wähle ich einen Lead-Sound. Mein Pad erklingt nun immer noch, während ich mit der anderen Hand bereits den neuen Lead-Sound spielen kann. Nehme ich nun die Hand, die den Pad-Sound gehalten hat, von der Tastatur und schlage erneut an, ist auch dort der Lead-Sound aktiv. Klasse! Auf diese Weise sind "Löcher" beim Soundwechsel ausgeschlossen.

Dynamik zusätzlich beeinflussen

Ein interessantes Feature bietet der DYNAMIC-Regler. Dieser lässt sich wie alle anderen Sektionen über einen Taster ein- und ausschalten. Steht das Poti in der gerasteten Mittelposition, passiert nichts. Drehe ich das Poti nach links, wird der Dynamikumfang des Sounds erweitert, was ideal für gefühlvolle Pianosoli oder sehr dynamische Begleitungen ist. Eine Rechtsdrehung des Dynamics-Reglers erzeugt einen, relativ zur Anschlagstärke, lauteren Sound bei flacherer Dynamik. Diese wird nämlich jetzt gemäß der Reglerbewegung nach rechts eingestampft.

Hinter der Funktion steckt kein Kompressor auf der Audio-Ebene, wie man ihn zum Beispiel beim Nord Stage findet. Vielmehr ist DYNAMIC wie eine stufenlose Anpassung der Velocity-Kurve zu verstehen. So kann man auf der Bühne spontan für mehr Durchsetzungskraft oder auch mal für eine erweiterte Dynamik sorgen, was sehr praktisch ist. Weil sie auf der MIDI-Ebene arbeitet, wirkt sich die Dynamikänderung aber nicht auf alle Programs im selben Rahmen aus. So sind z.B. alle Orgeln und manche Synthiesounds davon ausgeschlossen, da die zu Grunde liegenden Sounds entweder ohne oder nur mit geringer Velocity-Ansprache programmiert worden sind. Auch können Dynamikeinstellungen nicht in den FAVORITES gespeichert werden.

Das folgende Audiobeispiel zeigt die Wirkungsweise des DYNAMICS-Reglers am Beispiel eines Piano-Sounds. Der erste Teil der kleinen Sequenz zeigt den Sound mit einem Velocity-Wert von 70 gespielt. Danach wird der DYNAMICS-Regler langsam von links nach rechts gedreht, ohne die Anschlagstärke zu verändern. Während der Anschlag gleich bleibt, verändert sich der Sound drastisch.

Klangregelung auf die Schnelle

Mit dem 3-bandigen EQUALIZER lässt sich das komplette Klangbild des Grandstage an die räumlichen Gegebenheiten, den Sound der Band und die eigenen Vorlieben beim Gig anpassen. Wird der EQ benötigt, muss er zunächst aktiviert werden, was durch den rot leuchtenden Taster angezeigt wird. Der EQ arbeitet global und wirkt sich auf das gesamte Ausgangssignal des Grandstage aus. Auch er ist nicht speicherbar.

Effekte

Auch die Effekt-Sektion, namentlich REVERB/DELAY, lässt sich über einen eigenen Taster ein- und ausschalten. Acht Varianten (je viermal Reverb und Delay) können per Drehschalter selektiert werden. Geboten werden bei den Reverbs die Typen HALL, STAGE, ROOM und SPRING, während die Delay-Seite mit DELAY, CROSS, TAPE und MOD DLY aufwartet. Die Effektstärke wird mit dem daneben liegenden Regler DEPTH gesteuert und ist durch den dazugehörigen LED-Kranz leicht ablesbar. Für den DELAY-Bereich gibt es zusätzlich einen Tap-Taster, mit dem sich die Delays unkompliziert an das Songtempo anpassen lassen.

Die Effekte sind klanglich klassentypisch und bieten das Nötigste an Räumen und Delays. Einstellen lässt sich nur die Effektstärke (und bei den Delays das Tempo); weitere Eingriffsmöglichkeiten gibt es nicht. Im Vordergrund steht also auch hier die unkomplizierte Einstellung im Live-Betrieb. Das ist einerseits praxisgerecht, denn auf der Bühne geht es ja oftmals eher um „mal eben etwas Hall“ und nicht so sehr um die exakte Justierung der Parameter. Dennoch finde ich es etwas schade, dass hier der EDIT-Button gänzlich fehlt und man gar nichts einstellen kann, denn gerade bei der Aufwertung von Sounds ist das detaillierte Bearbeiten von Effekten ein wichtiger Punkt. Immerhin ist es möglich, bei Layer- und Split-Sounds die Effekt-Sends beider Komponenten über die EDIT-Parameter der jeweiligen Sektionen getrennt zu justieren.

Sperrbezirk

Für Sicherheit ist beim Grandstage auch gesorgt. Damit kein Anderer durch Herumfingern am Instrument wichtige Einstellungen ins Nirwana schickt oder man selbst nicht in der Hektik eines Auftritts versehentlich etwas verstellt, gibt es eine praktische Sperrfunktion namens "PANEL LOCK". Ist sie aktiviert, werden alle Tasten und Regler auf dem Bedienfeld „eingefroren“ und reagieren nicht. Davon ausgenommen sind die Echtzeitcontroller: Pitch Bend, Modulationsrad, MASTER VOLUME-Regler, die beiden Switches SW1 und SW2 sowie die EXIT-Taste bleiben stets einsatzbereit.

Korg Grandstage Produktvideo

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