Bass
Feature
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10.08.2011

Wie bei vielen Erfindungen, sind es meistens mehrere Personen, die vollkommen unabhängig voneinander, jedoch nahezu zeitsynchron, auf das gleiche oder zumindest ein ähnliches Ziel hinarbeiten. Auslöser für dieses Forschungsstreben ist in der Regel ein existierendes Problem, das einer Lösung bedarf. Derjenige, der es nun schafft, eine funktionierende Lösung zu finden und diese in ein verbrauchergerechtes und wirtschaftlich erfolgreiches Produkt zu verwandeln, erntet dann meistens auch den Ruhm und Glanz des so genannten „Erfinders“.

Nun, der Entdecker der ersehnten Lösung, der bis heute als „der Erfinder“, als der „father of electric bass“ gilt und wohl immer gelten wird, egal wie viele vor ihm eventuell ähnliche Ideen in der Schublade liegen hatten, war Leo Fender (1909 – 1991).

Der kalifornische Radiotechniker hatte ein radikal neues Instrument entwickelt, das eine ganze Musikepoche prägen sollte. Darüber hinaus schuf er ein Instrument, das bis heute in seiner Originalform nahezu unverändert gebaut wird und dabei nichts von seiner Popularität verloren hat. Die Beliebtheit des 1951 vorgestellten Precision Bass und die direkte Verbindung zu dem Begriff Electric-Bass wuchs innerhalb kürzester Zeit über solche Maßen, dass der „Fender Bass“ zu einem festen Begriff in der Musikfachwelt der 50er und 60er Jahre wurde. Noch heute findet man beispielsweise in den Bassnoten der Arrangements bekannter Songs  die Bezeichnung „Fender Bass“, wenn der Komponist den Einsatz eines E-Basses vorschreibt. Die Bezeichnung „Bass-Guitar“ verwendete man bis Ende der Sechziger Jahre übrigens vornehmlich für „Bariton-Gitarren“ wie beispielsweise die Sechssaiter-Bässe von Danelectro oder Fender. Die Bezeichnung „Fender-Bass“ hingegen stand 20 Jahre stellvertretend für alle E-Bass Fabrikate.

Der auslösende Faktor dieser epochalen Erfindung lag wie bereits erwähnt in der Situation der damaligen Zeit, nämlich in der simplen Tatsache, dass der Bass in nahezu allen musikalischen Situationen zu leise war. Nicht umsonst hatten Jazz-Kontrabassisten Hornhäute an den Fingern der Zupf-Hand, die an riesige Warzen erinnerten. Einige von Leo Fender´s Vorgängern griffen das Problem der Bassisten bereits Jahrzehnte zuvor auf. Nehmen wir zum Beispiel den ehemaligen Gibson-Masterminds Lloyd Loar, der maßgeblich an der Entwicklung des Magnet-Tonabnehmers beteiligt war. Bereits in den 20er Jahren hatte Lloyd begriffen, dass sich die Resonanz eines akustischen Kontrabasses alles andere als günstig auf eine laute elektrische Übertragung auswirkte. So konstruierte er einen massiven E-Kontrabass, bei dem der Korpus nur sehr spärlich ausfiel. Ob bei den Überlegungen Lloar’s das Handling oder der Soundvorteil im Vordergrund stand, ist aber heute nur noch schwer nachzuvollziehen. Belegt ist allerdings die Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt einfach noch keine, für die Verarbeitung von Bass-Frequenzen geeigneten Bass-Anlagen existierten. Die Erfindung des E-Basses alleine hätte also ohnehin niemandem geholfen.

Auch die, zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich Hawaii-Gitarren produzierende, amerikanische Firma Rickenbacker unternahm einen Versuch, einen praktikablen elektrifizierten E-Bass an den Start zu bringen. Nachdem man 1931 bereits die erste Serien-E-Hawaii-Gitarre (Lap-Steel - wegen ihres bratpfannenähnlichen Designs „Frying Pan“ genannt) präsentierte hatte, stellte Rickenbacker kurz darauf den Bedpost-Bass („Bettpfosten-Bass“) vor, der jedoch ebenfalls auf dem Prinzip des E-Kontrabasses beruhte.

Diese beiden Versuche sowie Versuche weiterer Hersteller wie z.B. die eben schon erwähnte, im Ansatz durchaus stimmige Audiovox Bass Fiddle, fanden damals jedoch unter Bassisten keinen großen Anklang. Das sollte sich erst ändern, als sich Leo Fender konsequent und radikal vom Kontrabass-Design löste und das Prinzip der Solid-Body Guitar (Massiv-Korpus-Gitarre), die er 1948 als „Broadcaster“ bzw. „Telecaster“ vorgestellt hatte, gleichfalls auf den Bass übertrug. So simpel das aus der heutigen Sicht erscheint, so radikal war die Idee zu jener Zeit, als Bassisten eben nur Kontrabass spielten. Der so entstandene, neuartige E-Bass war mit einer für Kontrabassisten ungewöhnlich kurzen Mensur von 86,4 cm ausgestattet und wurde längere Zeit von „Umsteigern“ auch mit Kontrabass-Fingersatz gespielt (Zeige-, Mittel- und kleiner Finger, statt ein Finger pro Bund).

Das nächste absolute Novum für den fretless-gewohnten Bassisten waren die 20 Metallbünde auf dem Griffbrett, die es ihm ohne Anstrengungen gestatteten, mit absoluter Präzision zu intonieren. „Intonation with precision“ – nach dem Namen für das Baby brauchte also nicht lange gesucht werden. Der Precision-Bass war geboren! Der „Preci“ war mit einem Single Coil Pickup1 und jeweils einem Volumen- und Ton-Regler ausgestattet. Die Kopfplatte entsprach einer größeren Version der Telecaster-Gitarre. Und genau so wurde der Precision-Bass die ersten sechs Jahre lang gebaut.

Im Windschatten der Fender Stratocaster Gitarre bekam der „Precision“ 1957 ein neues Body-Shaping sowie den bis heute sehr beliebten Split-Coil-Humbucking Pickup verpasst. Die ursprüngliche Version des Precision-Basses wurde 1968 unter dem Namen „Telecaster Bass“ noch einmal neu aufgelegt. 1972 ersetzte Fender den Single Coil des Telecaster-Basses durch einen Humbucker  und platzierte diesen direkt am Halsende. Außer Mulm war aus diesem Bass jedoch nicht viel herauszuholen, und so verlor sich seine Popularität in den 70ern. Mit dem bis heute uneingeschränkt beliebten Precision-Bass, einem Instrument, das im Laufe seiner Regentschaft eine phänomenale Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte  (wie die späteren Kapitel dieser Reihe noch zeigen), begann die Ära des E-Basses.

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