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01.08.2019

Hardware, Software: Alles, was du als VR-DJ zum Auflegen brauchst

Mit der richtigen Software und Hardware als DJ in der virtuellen Realität mixen

Als vor ein paar Jahren die Kickstarter-Kampagne zu dem ersten Prototypen des Oculus Rift auftauchte, bedeutete das auch den Startschuss für die längst überfällige Entstehung einer neuen Branche. Plötzlich folgten weitere Geräte, VR-Software-Entwickler schossen wie Pilze aus dem Boden und sogar Facebook zeigte großes Interesse. Jetzt zocken bereits über vier Millionen Menschen mit PlayStation VR, Nintendo bringt Kinder mit LABO-VR in die virtuelle Realität und die Innovatoren Oculus und HTC präsentieren die neuste Generation ihrer Headsets.

Jeden Monat erscheinen diverse Spiele und Apps – selbstverständlich gibt es da auch Anwendungen für DJs. Und genau die schauen wir uns jetzt mal ein bisschen genauer an.

TribeXR: Auflegen lernen im DJ Bootcamp

Auf virtuellen CDJs und einem Mixer im Pioneer-Layout lernt ihr hier mit einem Virtual Reality Headset (alternativ mit DJ-Controller plus Webcam) die grundlegenden Fähigkeiten eines DJs. Fast sämtliche Features eines DJ-Setups werden hier im „Cyberspace“ nachgebildet – es gibt sogar virtuelle Kopfhörer, für die am Mischer die Lautstärke und der Cue-Mix eingestellt werden können.

Gesteuert wird alles mit virtuellen Händen, die mit den Controllern genau bewegt werden. Der erste Kurs des DJ Bootcamps ist im Juni diesen Jahres gestartet und vermittelte Beatmatching, Übergänge, Cueing, Beat FX, das sogenannte Mixing in Key, die richtige Songauswahl und vieles mehr.

Die App, in der das alles geschieht, bietet Features wie Avatare, eine persönliche Track-Liste oder Video-Lehrstunden. Die Multiplayer-Funktion erlaubt es den Anwendern, gemeinsam mit anderen zu spielen. Außerdem steckt hier eine Twitch-Integration drin, die speziell für Livestreams gedacht ist.

TribeXR läuft auf HTC Vive, Oculus Rift und auch klassisch in 2D auf dem PC. Der Preis liegt je nach Ausführung zwischen 17 und 25 Euro.

Vinyl Reality: Vinyl-Nostalgie in Virtual Reality

Wer virtuelle CDJs für zu neumodisch hält, sollte sich vielleicht mal Vinyl Reality anschauen. Da wird nämlich ganz klassisch mit zwei Plattenspielern und einem 2-Kanal-Mixer gemischt. Die Turntables sind natürlich nicht irgendwelche, sondern möglichst getreue Nachbildungen der beliebten Technics SL-1210, der hier allerdings „Technix“ heißt. Und auch die Nadel erinnert doch sehr an die blauen Concorde-Systeme von Ortofon.

Die Platten befinden sich stilecht in Cases und enthalten die ausgewählte Musik der Nutzer. Die darf in den Formaten MP3, FLAC, WAV, OGG, AIF, AIFF oder WMA sein. Während sich Vinyl-DJs im realen Leben oft den Rücken krumm machen müssen, wird hier eine virtuelle Ergonomie geboten. Das bedeutet, dass die Höhe und auch der Winkel des Setups nach Belieben eingestellt werden dürfen. Auch hier bekommen Neueinsteiger eine Einführung in die wichtigsten Funktionen der einzelnen Komponenten. Außerdem blendet die Software auf Wunsch die BPM-Zahlen ein – fast ein bisschen so wie bei der CDJ-Fraktion.

Wer möchte, kann hier sogar Mixes aufnehmen und diese teilen. Selbst Videos sind direkt bei der Aufnahme möglich, für Abwechslung sorgen verschiedene Kamera-Perspektiven und „Bühnenbilder“. Weiterhin gibt es eine Youtube-Playlist, die nur diesen Aufnahmen gewidmet ist – es lohnt sich wirklich, da mal reinzuschauen.

Vinyl Reality läuft mit Oculus Rift, HTC Vive und Windows MR. Der Preis beträgt 19,99 Euro.

Reality Decks: Old School und sehr minimalistisch

Reality Decks schlägt in eine ähnliche Kerbe wie Vinyl Reality. Die guten alten „Wheels of Steel“ in Kombination mit einem rudimentären Mixer dienen als Setup. Sechs Videos erklären Anfängern die ersten Schritte, fünf Tracks sind zum Üben bereits installiert und obendrauf warten 25 Vocal-Aufnahmen auf virtuelle Scratch-Aktionen. Selbstverständlich können auch eigene Titel importiert werden – welche Formate im Einzelnen unterstützt werden, verrät uns der Hersteller im Vorfeld aber nicht. MP3 wird aber mit Sicherheit dabei sein.

Einsteigerfreundlich ist hier die Möglichkeit, das Tempo der Musikstücke in BPM anzuzeigen. Der Sound kann über die Einstellungen so geroutet werden, dass die Freunde auch etwas von der Mix-Performance haben. Das Erstellen von Videos spielt hier genau wie bei Vinyl Reality eine Rolle. Dafür stehen ebenfalls verschiedene Stages und Perspektiven zur Auswahl. Der DJ wird als Avatar dargestellt, ihr könnt also mit den Motion-Controllern die virtuellen Hände hochreißen und das dann später im Video anschauen.

Reality Decks läuft auf Oculus Rift und kostet 19,99 Euro.

Electronauts: DJ spielen

Während die anderen gerade vorgestellten Apps versuchen, reales DJing mehr oder weniger genau virtuell abzubilden, geht Electronauts einen anderen Weg. Hier wird die Erfahrung abstrakt in ein Spiel gepackt. Anstatt wie ein DJ auf Decks zu mixen, kann man Electronauts viel eher mit einer Live-Performance vergleichen. Die Controller in den Händen werden zu Taktstöcken, mit denen sogenannte „Orbs“ wie ein Schlagzeug angeschlagen werden. Die „Music Reality Engine“ ist eine Oberfläche, die einzelne Versatzstücke von Musikstücken anbietet. Spieler basteln sich hieraus dann quasi eigene Remixes zusammen.

Tracks importieren ist im Gegensatz zu den anderen Apps nicht vorgesehen. Stattdessen muss auf die vorgefertigten Loops und Samples zugegriffen werden, die von diversen populären EDM-Künstlern wie Steve Aoki, Chainsmokers, Dada Life, Krewella oder Nero stammen und mit In-App-Käufen erweitert werden. Trotz der Ferne zum realen DJing ist Electronauts interessant. Denn hier zeigt sich, dass das Interface nicht zwangsläufig CDJs, Turntables und Mixer nachempfinden muss, sondern auch völlig neue Wege gehen kann. In solchen Schnittstellen liegt möglicherweise viel eher die Zukunft, als in virtuellen Nachempfindungen „alter Technik“.

Electronauts funktioniert mit Oculus Rift, HTC Hive, Windows MR und auch PlayStation VR.

Der Preis liegt je nach Version zwischen 16,70 Euro und 19,99 Euro.

Wave: Der virtuelle Club

Die Plattform Wave geht das Thema völlig anders an. Hier geht speziell um die Beziehung zwischen DJ/Performer und Publikum. Das ist ein Aspekt, der vielleicht sogar noch wichtiger ist. Für Fans eines Künstlers kann das zum Beispiel bedeuten, nicht unbedingt auf ein Konzert oder Gig fahren zu müssen, sondern das quasi von zu Hause aus zu erleben.

Durch die Möglichkeiten der Virtual Reality kann das trotzdem zu einer aufregenden Erfahrung werden und das mit Elementen, die in der Wirklichkeit gar nicht möglich sind. Ein Konzert muss nicht mehr in einem Club, einer Halle oder einem Stadion stattfinden, sondern auf fernen Planeten, am Meeresgrund oder im Mikrokosmos. Sogar Interaktion und soziale Aspekte mit anderen Fans sind hier denkbar.

Die Künstlerin Imogen Heap hat diese Technik bereits genutzt, um ein Konzert komplett im „Cyberspace“ aufzuführen. Mijk van Dijk hat einen sehr ausführlichen Artikel über Wave geschrieben: VR DJ-Sets: Auflegen in der virtuellen Realität

Hardware: Immer noch relativ kostspielig

Die zwei großen Plattformen sind Oculus Rift und HTC Hive. Damit die sogenannten Headsets (also die VR-Brillen) vernünftig funktionieren, ist ein sehr leistungsfähiger PC notwendig. Einsteigermodelle fangen preislich ab 800 Euro an. Für die genauen Spezifikationen der Rechner solltet ihr unbedingt die Empfehlungen der Hersteller HTC und Oculus checken. Die Headsets liegen preislich ungefähr bei 450 Euro für Oculus Rift S und 599 Euro für das HTC Vive. Die notwendigen Controller sind bereits inbegriffen.

PlayStation VR ist für DJ-Anwendungen im Augenblick eher ungeeignet, denn es gibt keine vernünftigen Anwendungen dafür. Außerdem ist hier das Routing des Audio-Signals nicht wirklich möglich. 

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