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05.11.2021

Eurorack-Sequenzer kreativ verwenden Workshop

Hacks für Intellijel Metropolix, Erica Synths Black Sequencer und Squarp Hermod

Tipps und Tricks für modulare Schaltzentralen

In vielen Modularsystemen bildet der Sequenzer das Herzstück. Er bestimmt den Hauptrhythmus des Patches, schickt Melodien an die Oszillatoren und kann schrittweise quasi alle Parameter anderer Module modulieren. In dieser Vielfalt an Funktionen stecken endlose Möglichkeiten für unkonventionelle Patches und Sounds. Ein paar kreative Optionen will ich heute anhand dreier Sequenzer vorstellen und habe für diesen Workshop den Intellijel Metropolix, den Erica Synths Black Sequencer und den Squarp Instruments Hermod ausgewählt. Sie funktionieren allesamt sehr unterschiedlich. Es wird daher jeweils um eine ihrer jeweiligen Stärken gehen und um die Frage, wie diese sich in Patches nutzen lassen – natürlich immer in Kombination mit anderen Modulen. 

Quick Facts: Eurorack-Sequenzer

Was ist ein Eurorack-Sequenzer?

Mit einem Sequenzer lassen sich in modularen Eurorack-Systemen melodische CV- und Gate-Signale an Oszillatoren, Hüllkurven und andere Module verteilen. Die meisten Eurorack-Sequenzer bieten mehrere Spuren, was polyphone Sounds ermöglicht. Die CV-Signale können alternativ zur Modulation von Filtern oder Effekten genutzt werden, während Gates auch Drum-Sounds triggern können. Um sich stetig verändernde Sequenzen erzeugen zu können, verfügen viele Sequenzer-Module auch über Modulationseingänge, mithilfe derer interne Aspekte wie die Sequenz-Reihenfolge, die Oktavlage oder auch die Häufigkeit von Notenwechseln verändert werden können.

Metropolix oder: Mehr Dynamik im Patch

Vorab möchte ich noch einen wichtigen Punkt klarstellen: Dieser Workshop behandelt nicht die allgemeine Funktionalität der drei Module. Den Metropolix habe ich selbst zusammen mit dem Black Sequencer bereits detailliert betrachtet und den Hermod haben wir ebenfalls getestet. Jetzt aber rein ins Thema – und zuerst an den Metropolix. Besonders beeindruckt hat mich im Test dessen „Accumulator“-Feature, mit dem sich die Töne der Sequenzen mit jedem Durchlauf zyklisch verändern können. Damit lässt sich noch anderes anstellen, als bloß Melodien zu spielen.

Akzente setzen

So ist es möglich, das melodische CV-Signal zu vervielfachen, etwa mit einem Mult-Modul oder Stackcables. Dann kann das CV-Signal neben seinem Einsatz am 1V/Oct-Eingang des Oszillators auch dafür genutzt werden, um anderswo in der Signalkette rhythmische Akzente zu setzen. Wird es in Richtung Filter-Cutoff und zugleich zum Decay der Hüllkurve geschickt, werden hohe Töne länger gespielt und der Filter öffnet sich. Mit einem solchen Patch lässt sich eine dynamische Variante des von klassischen Synths bekannten Filter-Keytrackings erzielen. Auch PWM- oder FM-Eingänge können in einer solchen Situation interessante Resultate zeigen.

Selbstverständlich kann das vervielfachte CV-Signal noch verfremdet werden, bevor es an sein Ziel gelangt. Dafür können unterschiedliche Module zum Einsatz kommen. Mit einem Inverter (auch als Polarizer bekannt) kommt die Sequenz gespiegelt am Ziel an. Interessant kann es auch sein, sie durch einen Slew Limiter für Portamento oder Verzögerungen zu schicken – dafür eignet sich zum Beispiel das beliebte Make Noise Maths

Und wer komplett experimentell arbeiten will, mixt mehrere Sequenzen aus unterschiedlichen Kanälen über einen CV-Mixer mit einem LFO zusammen oder sendet sie gar durch einen Wavefolder wie den Intellijel Bifold. Dann wird es aber schnell sehr verrückt.

Kleine Veränderungen bewirken Großes

Das Besondere an derart komplexen Vervielfältigungen von CV-Sequenzen ist: Dank der Hands-On-Steuerung des Metropolix verändert sich bei komplexen Signalflüssen der ganze Patch durch kleine Anpassungen an seinen Slidern. Je komplexer das Ganze ist, desto interessanter wird es, nur noch minimale Änderungen zu tätigen und immer genau darauf zu achten, was klanglich passiert. 

Im Kreis denken

Gerade beim Metropolix empfiehlt es sich zudem, an manchen Stellen des CV-Signalflusses darüber nachzudenken, ob ein Signal auch an den Sequenzer zurückgeschickt werden könnte. Denn, wie gesagt: Viele Sequenzer können selbst auch moduliert werden. Der Metropolix erlaubt es beispielsweise, seinen CV-Eingang A so einzustellen, dass die anliegende Steuerspannung die Spielrichtung der Sequenz beeinflusst. Ein invertiertes Sequenzsignal aus dem Sequenzer kann zurück gepatcht, der Melodie selbst ständig einen neuen Twist geben und das Ergebnis eine Stufe unvorhersehbarer machen.

Black Sequencer oder: Melodien hoch zwei

Nun weiter zum nächsten Sequenzer. Wie der Metropolix hat auch der Black Sequencer mehrere Stärken. Im Vergleich zum Intellijel-Modul sind vor allem seine vier Melodiespuren ein Pluspunkt. Aber: In einem kompakten Case fragt man sich schnell, wie man die alle in Patches unterbringen soll. Denn nicht jeder hat vier verschiedene Klangquellen parat.

In solchen Situationen wirken kleine Hilfsmodule Wunder. Meine Tipps: Precision Adder, Switches und Bernoulli Gates. Gute Erfahrungen habe ich mit dem Doepfer A-185-2, dem Doepfer A-151 und dem Mutable Instruments Branches gemacht – und möchte daher kurz erläutern, was mit ihnen möglich ist.

Dreamteam: Sequenzer und Precision Adder

Die drei Modultypen mixen bzw. verteilen Gates und Melodien. Angenommen also, es gibt in einem Rack mit einem Black Sequencer nur zwei Oszillatoren. Ein Precision Adder mit mindestens zwei, besser vier Kanälen kann dann mehrere Melodien aus den Kanälen des Sequenzer-Moduls zu einer einzigen zusammenführen – so wird im Idealfall aus je zwei CV-Spuren eine komplexe Tonfolge und man „braucht“ nur noch zwei Stimmen im Rack, um den Black Sequencer voll auszunutzen. Wird eine der vier CV-Spuren verändert, verändert sich eine der beiden Melodien dann in jedem Fall.

Die Melodie-Bestandteile, die der Precision Adder kombiniert, können am Black Sequencer über die Kanal-Buttons zudem performativ ein- und ausgeblendet werden und sogar immer wieder unterschiedlich aufeinandertreffen, wenn die einzelnen Sequenzen unterschiedliche Längen haben.

Bernoulli Gates als Sequenzer-Erweiterung

Tonfolgen können dank Bernoulli Gates auch rhythmisch komplexer werden. Die Gates zum Triggern der Hüllkurven, die aus dem Black Sequencer kommen, werden dank eines solchen Moduls – ich empfehle wie gesagt das Mutable Instruments Branches – nicht mehr durchgehend weitergegeben. Denn: Erhält Branches einen Trigger in seinem „In“-Eingang, entscheidet sich prozentual, ob er an Ausgang A oder B ausgegeben wird. Das wird mit dem Drehgeber eingestellt. Steht der auf 12 Uhr (50 %) und wird die Hüllkurve für eine Stimme nur vom Ausgang A getriggert, besteht bloß eine 1:2-Wahrscheinlichkeit, dass sie abfeuert. Entsprechend wird immer nur ein zufälliger Teil einer Sequenz tatsächlich hörbar gemacht.

Dies komplementiert die „Probability“-Funktion des Black Sequencers hervorragend, können doch insgesamt vier zufällige Gates in einem Branches-Modul erzeugt werden, um mehrere Hüllkurven mit einem Gate-Kanal des Black Sequencers anzusteuern, um LFOs zu syncen oder auch perkussive Sounds aus Drum-Modules zu triggern. Solche Trigger können abschließend mithilfe eines Sequential Switches noch genutzt werden, um ein Signal nacheinander auf eines von bis zu vier Zielen zu schicken. Auf diese Weise entstehen in wenigen Schritten komplexe Patches – ein Beispiel ist unten eingebunden.

Als letzter Aspekt sind noch die vier Modulations-Spuren des Black Sequencers zu beleuchten. Für diese habe ich auch noch ein paar kleine Tipps: Ist ein Branches im Einsatz, kann eine Mod-Spur beispielsweise deren Wahrscheinlichkeitswert modulieren, über den „p“-Eingang des Moduls. Geschieht dies, gilt bei jedem Schritt ein anderer Prozentsatz für den virtuellen „Münzwurf“, der zwischen Ausgang A und B entscheidet. Oder man nutzt die Trigger aus dem Bernoulli Gate, um ein separates Sample & Hold-Modul anzutreiben, dessen Input die Steuerspannung der Mod-Spur ist. So werden nur manche ihrer Schritte als Modulationssignale an Zielpunkte weitergegeben.

Die Stichwörter lauten in jedem Fall: Mischen und manipulieren! Wenn ein Sequenzer (wie der Black Sequencer) neben Pitch- und Gate-Signalen noch weitere Spannungsarten ausgeben kann, macht es viel Spaß, sie mit den „klassischen“ Sequenz-Signalen zu kombinieren oder diese mittels anderer Module zu verfremden. Da ist Kreativität gefragt – und Utility-Module werden schnell zu den besten Freunden im Rack.

Squarp Instruments Hermod oder: MIDI? CV? Beides!

Anhand des dritten Sequenzers soll es abschließend noch um ein weiteres wichtiges Thema gehen, nämlich MIDI-Integration von Eurorack-Sequenzern. Sie ist keine Selbstverständlichkeit und ihre Notwendigkeit im eigenen Setup sollte beim Sequenzer-Kauf immer bedacht werden. Der Metropolix verzichtet ganz auf die Schnittstelle; auf dem Panel des Black Sequencers finden sich MIDI-In- und Out-Ports, aber diese dienen primär dem Übertragen von Clock-Informationen. Keiner der beiden bietet in Sachen MIDI so viel Flexibilität wie der Hermod von Squarp Instruments.

Wer gibt den Takt vor?

Wie kann ein solches Setup konkret aussehen? Die erste Frage, die geklärt werden muss, ist die nach der zentralen Clock. Wenn etwas beispielsweise im Loop in Ableton und Co. aufgenommen werden soll, muss sie aus der DAW kommen. Nur so lassen sich Start- und Stop-Signale parallel zur Aufnahme im Rechner senden. Dafür kann der Hermod via USB-Kabel über den „Host“-Port mit dem Computer verbunden werden. Er wird dann in Ableton als MIDI-Gerät erkannt. Dann muss am Hermod selbst nur noch die Clock in seinen Einstellungen auf „extern“ gesetzt werden, und schon kommen Transport- und Clock-Signale vom Rechner ins Eurorack.

Erst In, dann Out

Das ist aber erst der Anfang. Denn die Clock wird vom Hermod automatisch auf den MIDI Out-Port geschickt und kann von dort aus an andere Synths weitergeleitet werden. Haben diese einen eigenen Sequenzer, starten sie parallel zum Hermod. Für den Gebrauch mehrerer MIDI-Synths und -Drummachines empfiehlt sich in dieser Art Setup die Nutzung eines MIDI-Splitters, gerade weil die Sequenzen der acht Kanäle des Hermod auch MIDI-kompatibel sind. Um ihn als Sequenzer für MIDI-fähige Synths zu nutzen, muss ein nur noch ein MIDI-Effekt auf dem jeweiligen Kanal des Hermods programmiert und ein MIDI-Channel definiert werden. Die Noten der Spur werden dann nicht mehr als CV/Gate-Kombi, sondern via MIDI ausgespuckt.

Hermod als Schnittstelle für MIDI-Controller

Und auch ein weiterer Port ist in diesem Szenario nützlich, nämlich der USB-Device-Anschluss. An diesen können externe MIDI-Controller angeschlossen werden. Standardmäßig steuern sie die aktive Spur des Hermod, welche über die Zahlen-Buttons ausgewählt wird, sodass man das Rack wie einen typischen Synth via Klaviatur spielen kann. In die Hermod-Spuren kann man als Alternative zum Live-Spielen natürlich auch Sequenzen mithilfe des Controllers aufnehmen. So erlaubt der Hermod einen sehr flexiblen Umgang mit dem Eurorack: Ob über USB-MIDI vom Computer oder Keyboard-Controller aus oder Standalone – alles ist möglich.

Insgesamt vier Ports mit MIDI-Funktionalität hat das Gerät, so viele wie kein anderer Eurorack-Sequenzer: MIDI In, MIDI Out, MIDI Host und MIDI Device – die ersten beiden im 5-Pin-DIN-Format, die letzteren beiden als USB-A- und -B-Anschlüsse. Mit ihnen wird der Hermod nach etwas Konfigurationsarbeit zu einem flexiblen Hub für das gesamte Eurorack- und Studiosystem. Er erlaubt dann das Kombinieren von MIDI-fähigen Synths, dem Eurorack und der DAW in beliebiger Ausrichtung.

Zum Schluss

Mit einigen Tipps und Tricks haben wir heute mehrere rhythmisch-melodische Möglichkeiten modularer Synthesizer erforscht. Vier grobe Richtungen für die Nutzung von Sequenzern in Patches lagen im Fokus: Die kreative Nutzung von CV/Pitch-Signalen zur Akzentuierung von Patch-Elementen, das flexible Mixen von Melodien, das Verteilen von Gates und das Thema der Clock- und MIDI-Integration von Euroracks in größeren Studios. Den Patch-Beispielen lagen dabei immer die Stärken der jeweiligen Sequenzer – des Intellijel Metropolix, des Erica Synths Black Sequencers und des Squarp Hermods – zugrunde. Die Stärken muss man beim eigenen Sequenzer definitiv gut kennen, um die hier angerissenen Konzepte erfolgreich auf sie zu übertragen.

Und natürlich hängt vieles von den anderen Modulen im Case ab, eine Universal-Anleitung zur Sequenzer-Nutzung gibt es im Eurorack-Bereich nicht. Der eine nutzt statt eines Bernoulli Gates lieber einen Clock Divider oder sieht den Sinn für einen Precision Adder in seinem Setup nicht. Dafür hat das Case dann andere Optionen, vielleicht das dynamische Abschwächen von Modulationssignalen mithilfe von VCAs. Wichtig ist in jedem Fall nur zu wissen: Wie bei allen Instrumenten muss auch bei modularen Synths der Umgang mit Modulkombinationen geübt werden. Kein Modul ist so nützlich wie eines, das man in- und auswendig kennt – gerade, wenn es ein Sequenzer ist.

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