Keyboards Reverb
Test
3
18.12.2018

Praxis

Klang

Das Erbe der Holy Grail-Serie kommt beim Cathedral immer wieder zum Vorschein. Hier und da wurde es allerdings sinnvoll erweitert. So finden wir in Form des „Grail Spring“ einen klassischen Holy Grail Spring Reverb vor, der im Vergleich zu seinem Vorbild zusätzliche Einstellmöglichkeiten wie Pre-Delay oder Feedback erhalten hat. Der Feder-Hall ist angenehm realistisch simuliert und hat eine gute Ansprache. Die klangliche Auflösung, die ja auf 24 bit beruht, lässt meiner Meinung nach ein wenig zu wünschen übrig. In der Hall-Fahne sind die Mitten recht matschig und verwaschen, vor allem die hohen Mitten sind wiederum stechend und überpräsent. Dieses Phänomen mag je nach Sound-Quelle und Hall-Algorithmus variieren. Gerade Spring-Reverbs sind bei Synthesizern noch am ehesten für perkussive Sounds interessant.

Der „Hall“-Algorithmus ist sanft und wirkt wie eine angenehme „Verlängerung“ des Ur-Signals, was man unter anderem auch durch den Damping/Tone-Poti beeinflussen kann. Allerdings fehlt mir hier die Möglichkeit zur Modulation. Durch die abermals scharfen Mitten wird außerdem atmosphärischen Synth-Pads ein wenig Wärme genommen.

Dem „Room“ wohnt eine herausragende Sättigung und ein realistisches Raumgefühl inne, er bietet sich bei Keyboardern vor allem für Synth-Riffs im Stile der 1980er Jahre an. Die gute Raumwiedergabe spiegelt sich auch im „Plate“-Modus wider, dem sogar eine sanfte Modulation nachzusagen ist. So richtig lösen vom leicht verwaschenen, mittenlastigen Grundsound möchte sich der Cathedral allerdings auch hier nicht. Vielleicht ist dieser Frequenz-Fokus gerade für Gitarren genau das Richtige, bei Synthesizern tendiert es leider eher zur Reduktion der klanglichen Wärme. Umso mehr Noise-Spaß kann man schließlich mit den Feedback/Pre-Delay-Reglern haben, was die Delay-Ebene durchscheinen lässt. Diese Wechselwirkung ist eine Art Alleinstellungsmerkmal des Cathedral.

Speziell im Reverse-Modus kann man eher von einem „Reverse-Delay“ sprechen, denn der Pre Delay-Poti wird zur Delay Time und die nachhallenden Reverse-Fahnen wirken wie eine Art Echo, welches aber immer noch mit einem sanften Reverb versehen ist. Dieser Hybrid funktioniert sehr gut für abstrakte Texturen und sich windende Flächen.

Der einzige offensichtlich modulierte Reverb ist der „Grail Flerb“. Depth und Rate lassen sich via Reverb und Damping einstellen. Durch die Delay-Ebene lassen sich hier sehr abgefahrene, fast loop-artige Sequenzen erschaffen.

Im separaten „Echo“-Modus wird dann deutlich, dass das Delay zwar gut in Kombination mit den Reverbs funktioniert, jedoch auf sich selbst gestellt nicht wirklich ausgewachsen ist. Die Selbst-Oszillation bei aufgedrehtem Feedback funktioniert beispielsweise nur bedingt. Auch beim Tweaken der Delay Time lassen sich keine wirklichen Pitch/Feedback-Partys feiern, was ich sonst so sehr an Delays schätze. Das alles stört mich hier aber nicht wirklich, denn der Cathedral behauptet ja nicht, ein Delay-Pedal zu sein, und besticht vielmehr durch die intelligente Verschmelzung von Echo und Reverb.

Video: Electro Harmonix Cathedral Sound Demo (no talking) with Sequential Prophet 08

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