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04.03.2021

DJs in Österreich organisieren sich gewerkschaftlich

DJs aus Österreich organisieren sich derzeit um eine gemeinsame Stimme im politischen Spiel zu haben. Mit der Gemeinschaft "Deck" soll auf Missstände und Probleme für Discjockeys aufmerksam gemacht werden.

Die Herrscher über die Dancefloors haben eine wichtige Aufgabe: Sie können das Feuer in der Crowd entfachen und mit einem Hauch wieder ausmachen. Dabei ist allerdings nur die Zeit hinter den Decks geregelt. Was davor und danach passiert hängt eher an den Beteiligten selber, denn als Selbstständige haben DJs keine Vertretung. Das ist zwar schon lange so, allerdings hat die Pandemie die Missstände noch einmal stark aufgezeigt und DJs in Österreich zum Handeln bewogen.

Die Missstände wurden auch dem Wiener DJ Steve Hope immer wieder vor Augen geführt: "Durch Covid haben wir deutlich gesehen, dass wir DJs eine Gruppe sind, von der keine Vertreterin zu Gesprächen eingeladen worden ist ... es gibt ja keine Vertretung". Aus diesem Grund machte sich Hope auf und suchte Gleichgesinnte. Zusammen mit Szenengrößen aus Wien wurde eine Gemeinschaft gesucht, mit der die Probleme der DJs aktiv angegangen werden können. Fündig wurde man schließlich beim österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB). Dort traf man sich mit Thomas Dürrer, dem Leitenden Sekretär der Sektion Musik in der Younion. Die Younion ist Teil der ÖGB und hilft vor allem bei Rechtsfragen, Networking und Weiterbildung. 

Es gibt viel zu tun

Dabei sollen auf verschiedenste Themen aufmerksam gemacht werden, die das Leben als DJ erschweren. Das können Probleme mit Gagen, Steuern und Rechnungen sein. Aber auch nicht funktionierendes Equipment in Clubs, windige Clubbesitzer und löchrige Verträge sind alltäglich. Sonst sollen auch wichtige Themen wie sexuellen Übergriffe am Arbeitsplatz und Gewalt in den Vordergrund rücken. Auch kulturelle und ideelle Fragen zur Clublandschaft sollen bei der neuen Gemeinschaft besprochen werden.

"Deck" wird die neue Fachgruppe der Younion heißen und dabei "die zentrale Informations- und Anlaufstelle für österrechische DJs werden". Mitgliedsanfragen sind jetzt schon gegen eine Gebühr von 12€/Monat möglich. Dafür gibt es unter anderem Rechtsschutz für Mitglieder.

Ein Ansatz wäre es den Beruf des DJs als Gewerbe zu sehen, worauf auch Hope hofft. Tättoowierer gehören gewerberechtlich schließlich auch zur Kosmetik- und Schönheitspflege, obwohl diese künstlerisch tätig sind. Realistisch ist dieses Vorhaben allerdings nicht, da dafür eine Änderung in der Verfassung notwendig wäre. Schneller durchsetzen könnte sich allerdings ein anderer Vorschlag: In Zukunft soll es ein Siegel geben, welcher Spielstätten als "Trusted Partner" ausweist. Das würde DJs vor allem bei neuen Locations eine besseres Grundgefühl geben.

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