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Interview mit Medhi Al-Aquil, Hersteller des Condesa Carmen V Rotary Mixers

Condesa Mastermind Medhi El-Aquil war zum Zeitpunkt des Tests auf einer kleinen Europa-Promtion-Tour. In Berlin präsentierte er Carmen V im Plattenladen OYE Records Kreuzkölln. Wir hatten Gelegenheit zu einem Interview.

Medhi El-Aquil stellte den Condesa Carmen V bei OYE Records in Berlin vor
Medhi El-Aquil stellte den Condesa Carmen V bei OYE Records in Berlin vor

Warum hast du dieses einzigartige Layout für deine Mixer gewählt?

Medhi El-Aquil: Bei Condesa kommen zuerst die Knöpfe und Regler und die Elektronik wurde dazu passend gestaltet, nicht anders herum. Bei vielen Herstellern entspricht das User-Interface der Position der Platinen im Inneren des Mixers, so dass die Gestaltung einfach und effizient ist. Wir folgen mit unserem Design dem, was für den User am besten ist. Unsere Mixer sollen ein Instrument für den DJ sein, nicht einfach ein Arbeitsgerät. Die Idee der Funktionalität eines Condesa Mixers ist: Du denkst nicht, du hörst nur. Es gibt es immer einen Punkt, an dem deine Ohren anfangen, die Musik wahrzunehmen, die hereinkommt. Die Volume-Potis sind sehr angenehm und empfindlich und man kann sehr feine Lautstärkenuancen erzeugen. Wenn man ein paar Millimeter dreht, kann man es deutlich wahrnehmen. So kann DJ prinzipiell auch ohne EQ sehr ausgewogene Mischungen erzielen.

Anders als viele andere Rotary-Mixer hat Carmen V einen Dreiband-EQ.

Medhi: Es gab sehr vielen Nachfragen nach einer Vierkanal-Version von Lucia, so dass ich den Carmen-Mixer mit einem Dreiband-EQ ausstattete. Der Unterschied zum Lucia-EQ ist, dass die Mitten aktiv sind. Deshalb hat der Mid-EQ etwas mehr Power. Auf dem Lucia ist eine aktive Schaltung für alle drei Bänder. Die Mitten nehmen also den Bässen und Höhen etwas Power weg.
Beim Carmen V EQ teilen sich die Bässe und Höhen eine gemeinsame Schaltung, während die Mitten eine eigene Schaltung und dadurch etwas mehr Boost haben, circa 16 dB. Ich wollte den Carmen V etwas mehr zu einem Performance-Mixer machen, der Klänge effektiv formen kann.

Warum gibt es keinen Gain-Regler in den Kanälen?

Medhi: Das nimmt einen überflüssigen Regler aus dem Signalweg. Ich finde es verwirrend, wenn DJ-Mixer zwei Regler für die Lautstärke haben. Der eine Lautstärkeregler pro Kanal hat einen ausreichend hohen Output. Jeder Phono-Kanal verstärkt das Vinylsignal um 42 dB. Die Line-Eingänge haben keine zusätzliche Verstärkung. Es läuft durch die Equalizer-Schaltung, die keine weitere Verstärkung addiert. Die Kanäle werden also passiv summiert, bevor sie die Endverstärkung erreichen. Das Resultat ist ein sehr offener und dynamischer Klang und die Signale verschmelzen sehr angenehm miteinander.
Ich persönlich benutze die Kanal-EQs nur, um das Musikstück auf das nächste Musikstück abzustimmen. Wenn man eine alte Platte abspielt, kann man ihr mit dem Kanal-EQ etwas Energie hinzugeben, so dass sie im Mix mit moderneren Stücken bestehen kann.

Mit 48 Volt ist das mitgelieferte Netzteil ziemlich stark!?

Medhi: Ja, der Mixer arbeitet zur Zeit intern mit 40 Volt. Je höher die interne Spannung, desto besser sind der Rauschabstand und die Verzerrung. Daher werden wir bald intern mit 48 Volt arbeiten, um einen noch mal um 20 Prozent besseren Rauschabstand zu erreichen. Die Ausgänge sind trafosymmetrisch und nicht aktiv symmetrisch. Wenn man einen Fehler macht und einen der Ausgänge an der Erde kurzschließt, kann nichts passieren. Bei manch anderen Mixern würde das den Ausgang zerstören. Außerdem hilft das bei der Vermeidung von Brummschleifen.

Medhi El-Aquil präsentiert sein Topmodel, den Condesa Carmen V
Medhi El-Aquil präsentiert sein Topmodel, den Condesa Carmen V

In der Modular-Szene gibt es viel Zusammenhalt und Zusammenarbeit. Ist das in der Rotary-Mixer–Szene genauso? 

Medhi: Nicht ganz so. Die Hälfte der Hersteller-Konkurrenten achtet vor allem auf sich selbst, die andere Hälfte ist durchaus kooperativ. Wir haben zum Beispiel einen guten Austausch mit Varia Instruments. Andererseits sind die Leute, die Condesa Mixer kaufen, auch sehr speziell: Es gibt eine kleine Nische von DJs, die einen Rotary-Mixer wollen und eine noch viel kleinere Nische, die einen Condesa wollen. 

Ein wichtiger Grund für den Test eines solch raren Mixers ist natürlich, den DJs bei der Entscheidungsfindung zu helfen, da sie einen Condesa nicht im Musikgeschäft um die Ecke antesten können. 

Medhi: Genau. Jemand der einen Condesa bestellt, gibt uns einen großen Vertrauensvorschuss, falls er ihn nicht zufällig schon einmal bei einem Freund oder in einem Club antesten konnte. Ich finde das großartig und erstaunlich. 

Welche Stile spielen DJs, die sich für einen Condesa-Mixer entscheiden? 

Medhi: Das ist ganz unterschiedlich. Viele DJs, die ähnlich wie ich sehr eklektische Musik mögen, ältere Musik sammeln und auflegen: Jazz, Funk, World Music, Balearic, Disco, aber auch House- und Techno-DJs und DJs, die mit CDs spielen. Ich finde allerdings, dass besonders Vinyl sehr gut über Condesa-Mixer klingen, weil die Phono-Vorverstärker so offen klingen. Oft fallen mir bei Songs, die ich eigentlich sehr gut kenne, plötzlich Details auf, die erst über meinen Condesa-Mixer richtig zur Geltung kommen. Übrigens auch im Vergleich zu meinem Mackie Studiomixer. 
Ein Condesa ist linear bis runter zu 10 Hz und klingt dadurch sehr viel offener. Musik geht ja selten bis 10 Hz herunter, aber trotzdem klingt der Bass dann viel definierter, klarer und harmonischer. Das kommt natürlich vor allem über eine gute Anlage mit gutem Subbass zum Tragen. Ein Grund dafür ist, dass wir keine Mikrochips benutzen, die dann wieder mit Filtern versehen werden, um Selbstoszillation vorzubeugen. Natürlich muss man auf Bassfeedbacks und auf Lautstärkespitzen achten. Wir wollen dem DJ einfach alles geben, was klanglich vorteilhaft ist, aber der DJ muss verantwortungsvoll mit den Möglichkeiten umgehen. Ein Condesa erzeugt viel mehr Lautstärke, als man eigentlich benötigt. 

Vielen Dank für das sympathische Interview.

Hier geht´s zu unserem Condesa Carmen V Test

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von Mijk van Dijk

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