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Test
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27.06.2013

DJ-Tech SL 1300 MK6 USB Test

DJ-Turntable mit USB-Audiointerface

Die Low-Cost Scratch-Maschine

In Zeiten, wo das Interesse der DJ-Kundschaft an Plattenspielern scheinbar nachlässt, sind neue Modelle auf dem Markt eher spärlich gesät. Doch die Firma DJ-Tech, bekannt für Geräte der unteren und mittleren Preisskala, wagt sich mit dem neuen Turntable SL 1300 MK6 USB genau in dieses Segment. Denn eigentlich stehen die Chancen gar nicht schlecht, mit einem Plattenspieler erfolgreich zu sein. Schließlich hat die vor einiger Zeit eingestellte Zwölfhunderter-Serie aus dem Hause Technics eine Riesenlücke hinterlassen. Die Preise für Gebrauchtgeräte sind ins Unverhältnismäßige gestiegen und den vinylbegeisterten Musikfans fehlt der Nachschub an qualitativ hochwertigen Laufwerken. Jetzt tritt der SL 1300 MK6 an, um genau diese Lücke zu füllen.  

Die Bezeichnungen „SL“ und „MK“ erinnern dabei nicht nur zufällig an die legendären Technics-Turntables, denn unser Testkandidat bietet ähnliche Features wie das japanische Vorbild. So hat der Proband einen, im Druckgussverfahren hergestellten, Plattenteller mit Direktantrieb, einen höhenverstellbaren S-Shaped-Tonarm mit SME-Bajonettverschluss sowie gleich drei Pitch-Bereiche (+/- 10, 20 und 50 Prozent). Doch DJ-Tech setzt sogar noch einen drauf und spendiert dem Gerät einen Phono-Vorverstärker, ein USB-Audiointerface und eine Rückwärtslauf-Funktion -  und das alles für einen empfohlenen Ladenpreis von lediglich 249 €! Ob der „Dreizehnhunderter“ zu einem derart verlockenden Preis anderen Top-Geräten das Wasser reichen kann, erfahrt ihr im folgenden Test!

Details

Der rote Karton beinhaltet - stoßsicher verpackt - den Plattenspieler, eine Headshell (ohne Tonabnehmersystem) sowie das Kontergewicht des Tonarms. Ein Adapter aus Aluminium dient zum Abspielen von Singles. Für die bessere Erkennung der Abtastnadel bei Dunkelheit sorgt eine aufsteckbare LED-Leuchte. Der Plattenteller aus Aluminium ist nicht vormontiert und wurde separat vom Chassis untergebracht, eine Slipmat ist im Lieferumfang enthalten. Das Euro-Netzkabel dient zur Spannungsversorgung des Laufwerks, während das Gerät über ein Standard USB-Kabel Typ-B mit einem Computer verbunden wird, außerdem legt DJ-Tech eine Recording-Software auf CD bei. Dabei handelt es sich um das Programm Audacity von Soundforge. Das gedruckte Manual liegt in englischer, spanischer und portugiesischer Sprache vor, eine deutsche Anleitung ist zum Testzeitpunkt nicht erhältlich, doch da wir es hier mit einem Plattenspieler und nicht mit einem Raketenantrieb zu tun haben, sollten auch diejenigen gut zurechtkommen, die sich mit Fremdsprachen nicht so gut auskennen.

Erster Eindruck

Meine Neugier ist geweckt, und ich mache mich sofort an den Aufbau des Gerätes. Also erst mal den Plattenteller auf die konisch geformte Spindel gesteckt und die Slipmat auflegen. Dann schraube ich das Kontergewicht auf das hintere Ende des Tonarms, stecke die Nadelleuchte auf und lege den 7-Inch-Adapter in die dafür vorgesehene Mulde. Statt der mitgelieferten Headshell befestige ich der Einfachheit halber einen Concorde Tonabnehmer von Ortofon am genormten SME-Bajonettverschluss. Nun noch die Kabel zur Spannungsversorgung sowie die beiden Audiostrippen (analog und digital) einstecken, und schon ist der Aufbau fertig. Jeder, der schon einmal einen Plattenspieler in der Hand hatte, braucht dafür nun wirklich kein Manual. Gespannt mache ich mich daran, das Gerät zu „befummeln“. Der Plattenteller ist sehr robust und verfügt über ein hochwertiges Lager ohne erkennbares Spiel. Weiter geht`s mit dem Tonarm - dieser ist komplett aus robustem Aluminium gefertigt und macht einen absolut hochwertigen Eindruck. Das Lager des S-Shaped-Arms hat ein im Gegensatz zum Plattenteller eine minimale Toleranz, die aber völlig im grünen Bereich liegt. Für diese beiden wichtigen Kriterien gehen meine Daumen schon einmal steil nach oben.   Ebenfalls positiv fällt mir das recht hohe Gewicht des Laufwerkes von annähernd zehn Kilogramm auf. In Kombination mit den vier großen, gut gedämpften Füßen des Plattenspielers, kann ich von einer guten Resistenz des Gerätes gegenüber Körperschall ausgehen. Das Chassis ist komplett aus robustem Kunststoff gefertigt - das geht auch völlig in Ordnung, wenn man bedenkt, in welchem Preissegment sich der Testkandidat bewegt. Sämtliche Tasten, Fader und Schalter machen eine gute Figur und geben mir keinen Grund zu Beanstandungen. Das gilt auch für die,  stabil im Gehäuse verbauten, Buchsen des Backpanels. Insgesamt meistert der SL 1300 MK6 die erste Prüfung mit Bravour!

Anschlüsse

Alle Anschlüsse des Plattenspielers sitzen im vertieft montierten Backpanel, was die Kabel vorm Abknicken schützt. Darüber hinaus kommen sich die Strippen und der Mixer nicht in die Quere, wenn sie um 90 Grad gedreht für ein Battle-Setup aufgebaut werden. Gleich neben der Netzteilbuchse residiert der Netzschalter, doch lässt sich dieser nur ziemlich umständlich betätigen. Ebenfalls auf der Rückseite sind die beiden Audioverbindungen beheimatet - an den Stereo-Cinch-Buchsen liegt ein analoges Signal an. Dank des integrierten Phono-Vorverstärkers kann ich zwischen Line- und Plattenspieler-Pegel wählen. Digitaler Sound wandert über die USB-Schnittstelle in den Rechner. 

Features

DJ-Tech´s SL 1300 MK6 USB ist ein direkt angetriebener DJ-Turntable, der 449 x 370 x 145 Millimeter (B x T x H) misst. Mit seinem stolzen „Kampfgewicht“ von 9,8 Kilogramm steht er fest auf vier großen, stoßabsorbierenden Füßen. Der Antrieb des Plattentellers mit seiner sechzehnpoligen Spulenformation und dem Ringmagneten gleicht den legendären „Zwölfhundertern“ von Technics sehr. Allerdings ist der Teller beim DJ-Tech-Modell nicht zusätzlich durch eine Hartgummimatte von unten gedämpft. Auch der Alu-Tonarm erinnert an das Vorbild - er hat eine effektive Länge von 230,5 Millimetern und einen Überhang von 15 Millimetern. So kann ich problemlos Komplett-Systeme wie ein Ortofon Concorde DJ-S am SME-Bajonettverschluss verwenden. Ausgeliefert wird das Gerät jedoch mit einer Headshell, an der sich Montage-Systeme wie Shures M-44-7 befestigen lassen. Wer sich noch nicht sicher ist, welches System er verwenden möchte, dem sei unser großer Tonabnehmer-Testmarathon empfohlen.

Per Drehkranz verstelle ich den Tonarm in der Höhe und arretiere ihn mithilfe eines Hebels. Ein verchromter Metallstab ermöglicht mir ein schonendes Aufsetzen oder Abheben der Nadel. Wer mit Skating-Kräften zu kämpfen hat, der kann sich mit der stufenlos justierbaren Anti-Skating-Funktion am Tonarm behelfen.

Zwei 32 Millimeter große Tasten starten und stoppen den Antrieb. Mit seinem hohen Drehmoment benötigt der Motor nur 0,3 Sekunden (33 1/3 RPM), um auf die volle Geschwindigkeit zu kommen. Die elektronische Bremse stoppt den Teller in der gleichen Zeit. Für langsames Auslaufen gibt es eine Motor-Off-Taste (blinkt blau, wenn aktiv), die den Antrieb komplett deaktiviert. Fünf nebeneinander liegende Buttons bestimmen die Geschwindigkeit des Plattentellers und seinen Pitch-Bereich. Mit „Speed RPM“ wähle ich die Abspielgeschwindigkeit (33, 45 oder 78 RPM). Möchte ich den Teller rückwärts laufen lassen, betätige ich den Reverse-Button. Die Pitch-Select-Taste ermöglicht mir die Wahl eines Pitch-Bereichs von 10, 20 oder 50 Prozent, woraufhin ich mit dem Fader die Abspielgeschwindigkeit reguliere. Befindet sich der Regler in der mittleren Nullstellung, leuchtet eine praktische, blaue Kontroll-LED auf. Alternativ lässt sich der Pitch aber auch mit dem Quarz-Button auf „Null“ zurückbringen - und zwar unabhängig von der Stellung des Reglers selbst. Positive Wertungspunkte heimsen auch die blau leuchtenden Kontroll-Displays ein. Absolut Top! Die aufsteckbare Nadelleuchte des SL 1300 MK6 USB finde ich persönlich praktischer, als die fest installierte Lampe der 1200er. Bei einem Defekt der Leuchte kann ich diese nämlich einfach austauschen, während beim Technics das gesamte Gerät demontiert werden muss.

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