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10.10.2018

DJ-Mashups und was es zu beachten gibt

Wie erstellt man als DJ ein gutes Mashup?

Mashups: mit ihrer Mixtur aus zwei verschiedenen Tracks polieren sie nicht nur angestaubtes Musikmaterial auf, sondern verleihen eurem Set individuellen und stilübergreifenden Glanz. Die Herangehensweise besteht aus der innovativen, harmonischen Kombination beispielsweise eines oder mehrerer Acapellas mit einem Instrumental, mitunter auch einer Dub-Version eines anderen, stilistisch konträren Tracks. Vielleicht klingt dies banal, dennoch gelten für den Erfolg eines Mashups etliche Regeln, die wir euch in diesem Crashkurs verraten werden.

Der Ursprung des Mashups

Bereits 1988 mischte ein erstes Mashup die europäischen Verkaufscharts auf: The Timelords „Doctorin’ In the Tardis“. Dahinter verbargen sich KLF, die in dem Track das Dr. Who-Thema mit Gary Glitters „Rock and Roll Part II“ und Sweets „Blockbuster“ kommerziell erfolgreich fusionierten. Etliche rechtliche Streitereien folgten, sehr humorvoll nachzulesen in dem Buch „Der schnelle Weg zum Nr. 1-Hit“. Sicherlich war dies auch ein Grund, warum Mashups in der Mitte der 90er, damals auch als Bastard Pop betitelt, folglich illegal als Bootleg auf Vinyl vertrieben wurden.

Dennoch schafften einige der inoffiziell veröffentlichten Mashups den Sprung vom Club-Underground in die Verkaufs-Charts, wie Mylo vs. Miami Sound Machine – Doctor Pressure (Mylo „Drop The Pressure“ und Miami Sound Machine „Dr. Beat“) oder LMC – Take Me to the Clouds Above (U2 „With or Without You“ und Whitney Houston „How Will I Know“).

Vor und hinter der DJ-Kanzel freut man sich gleichermaßen über Mashups und zwar aus folgenden Gründen: Mit relativ geringem Aufwand werten die eigens produzierten Mashups euer Set innovativ und einzigartig, aber auch mit einem gewissen Augenzwinkern auf, wie bei dem Mashup von Eminem/Nena: Loose Yourself/Nur geträumt.

Durch die Kombination zweier oder auch mehrerer Titel in einem sprecht ihr eine größere Crowd an, die auf dem Dancefloor feiert. Im Set dienen Mashups auch als Brücke beim Wechsel zwischen verschiedenen Musikstilen, ohne durch radikale Breaks die Tanzfläche leer zu räumen. Der Erfolg etlicher Mashups bestätigt folgende Rezeptur:

Stilistisch konträr und populär

Ein Rap-Acapella mit dem Beat eines anderen Hip-Hop-Tracks im Mashup zu kombinieren, bringt keine musikalische Erleuchtung auf dem Dancefloor. Entsprechend sollten sich die sehr bekannten, zu vermischenden Tracks von ihren Genres stark abgrenzen, zum Beispiel Alternative und House, Hip-Hop und NDW. Aber auch zeitliche Epochen können vereint werden, beispielsweise die 1980er mit den 2000ern.

Musikalisch up to date

Damit euer Mashup auch bei eurer Crowd im Club ankommt, sollte entweder das Acapella oder Instrumental dem aktuellen Zeitgeist entsprechen und wenigstens eurem Publikum geläufig sein, am besten das Instrumental. Schließlich entscheidet dies vorrangig, ob ihr den Tänzer auf dem Dancefloor haltet. Zwei Tracks aus einer vergangenen Epoche hingegen sorgen nur beim entsprechenden Publikum dieser Dekade für Begeisterung. Verzichtet aber darauf, zwei aktuelle Tracks zu kombinieren, die euch auch einzeln eine volle Tanzfläche bescheren würden und ansonsten als Floorfiller strategisch im Set fehlen würden.

Vom Tempo passend

Dank Einfrieren der Tonhöhe via Keylock-Feature macht ihr selbst beim Ultra-Pitching Micky Mouse oder Darth Vader Vocals den Garaus. Dennoch verliert ein Musikstück mit zunehmender Tempoänderung seine Charakteristik, daher sollten sich die beiden Mashup-Tracks nicht um mehr als 10 bpm unterscheiden beziehungsweise das beigesteuerte Instrumental nahezu das Originaltempo behalten, um den prägnanten Stil der Tracks nicht zu verändern. Im Fall einer notwendigen Tempoanpassung gilt wie beim Mixing: Lieber Tracks etwas beschleunigen als abbremsen.

In perfekter Harmonie

Mashups klingen wie aus einem Guss, wenn die Tonarten der Tracks harmonieren. Aufschluss darüber geben Programme wie Mixed-In-Key. Anhand des Camelot-Mix-Systems bestimmt ihr hier, welche Tracks zueinander passen.

Ein DIY-Acapella extrahieren

Acapella-Versionen sind rar, sodass ihr oft den Weg über das Extrahieren gehen müsst. Dazu importiert ihr von einem Track die Vocal-Version und das dazugehörige Instrumental als separate Spur in ein Audiobearbeitungsprogramm wie Audacity. Beachtet, dass Vocal- und Instrumentalversion von der Struktur beziehungsweise Länge komplett identisch sind und hundertprozentig phasengenau übereinanderliegen.

Indem ihr das Instrumental markiert und mit dem Effekt „Invertieren“ unterlegt, wird dessen Phase umgekehrt und der Track praktisch umgepolt. Spielt ihr beide Tracks gleichzeitig ab, löscht quasi das invertierte Instrumental bei der Vocal-Version fast alles heraus, bis auf den Gesang. Ein Acapella, wie im Studio aufgenommen, gelingt damit zwar leider nicht, aber die Vocals stechen so stark hervor, sodass im Mashup die Relikte der Instrumentalspuren gänzlich untergehen. Exportiert ihr das Projekt als Audio-Datei, entsteht euer extrahiertes DIY-Acapella.

Mashup Werzeuge

Mashups verlangen im Produktionsprozess keine Batterie von unzähligen Spuren, Effekten und Plug-ins. Folgendes Mindestbesteck benötigt ihr:

  • Zwei bis vier Spuren, je nachdem, wie viele Tracks euer Mashup vermixt
  • Einen Dreiband-Equalizer pro Spur, um klanglich die Tracks anzupassen oder eventuell Frequenzen störender Instrumente leicht herauszufiltern
  • Cut- und Loop-Werkzeug zum Anpassen der Track-Strukturen
  • Reverb-Effekt, um dem Acapella akustisch Raum und Fülle zu verleihen

Dafür eignen sich schon Einstiegsprogramme wie Audacity oder GarageBand, aber natürlich auch Ableton Live, Fruity Loops, Magix Samplitude, Cubase, Wavelab, Logic oder auch Mashup, eine darauf spezialisierte Software von den Mixed-In-Key Entwicklern.

Weitere Regeln für Mashups

Die Strukturen der zu vermischenden Titel passen beim Übereinanderlegen in der Software meistens nicht auf Anhieb, sodass Chorus- und Strophen-Parts nicht der gleichen Länge und Position im Track entsprechen. Loops zum Verlängern von Parts und Cuts, um komplette Segmente zu verschieben, schaffen Abhilfe. Es ist nicht zwingend erforderlich, dass ein Mashup aus einem Acapella und Instrumental besteht. Bestes Beispiel ist das sehr gelungene Mashup „Doctor Pressure“. Mylos „Drop The Pressure“ steuert den Groove und Breakdown inklusive Vocals bei, Miami Sound Machines „Doctor Beat“ den Leadsound, die Percussions und Vocals.

Ein eher minimal instrumentierter, grooviger Track lässt genügend Luft für einen komplett instrumentierten, darüber gelegten Track, der lediglich durch Herausfiltern seiner Bässe das Mashup ergänzt. Greift ihr auf eine Dub-Version mit einzelnen Vocal-Fragmenten zurück, beachtet, dass diese sich im Mashup nicht mit denen des Acapellas überlappen. Auch ist die Mixfreundlichkeit eures Mashups, indem ihr mindestens acht Takte mit reinem Beat oder Groove als Intro beziehungsweise Outro setzt, zu berücksichtigen.

Aber nicht vergessen: Obwohl das Web täglich von nicht autorisierten Versionen, Remixes und eben Mashups überflutet wird, solltet ihr das Risiko einer Urheberrechtsklage nicht eingehen.

Also viel Spaß beim "mash-upen" und schaut auch mal in den Artikel DJ und Producing wächst zusammen rein.

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