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14.09.2020

Die besten Effekt-Plugins mit Groove-Faktor 2020

Plugins fürs rhythmisches Audiodesign

Kreative Animation leicht gemacht

Hall, Delay und Chorus? Für Kreative längst nicht alles. Beim digitalen Produzieren werden Effekte, mit denen sich Spuren rhythmisch und klangfärbend formen lassen, immer beliebter. Gater und Stutter zerstückeln etwa Flächen nach beliebigen Mustern. Rhythmisch interessant modulierbar sind aber auch Filter wie WahWah, Tremolo oder das Panning.

Wozu macht man das Ganze eigentlich? – Ganz einfach: Man setzt musikalische Stilmittel wie etwa Gater-Effekte bei Trance-Produktionen oder Glitch-FX bei Electronica ein. Außerdem erhält man so effektvolle Groove-Variationen, die sich zügig erstellen lassen, und letztlich können die Effekte klanglich zu neuen Ideen führen. All das sind also gute Gründe, um ein Dutzend dieser Kreativ-Plugins einmal in einer Übersicht unterzubringen. Dort schauen wir uns zudem an, wie einfach sich die Bedienung und das Preset-Angebot gestalten. Natürlich zeichnet sich ein Effekt-Plugin nicht allein durch seine klanglichen Eigenschaften aus, sondern es muss beim Produzieren direkt und einfach nützliche Ergebnisse liefern. Für eine allererste ungefähre klangliche Vorstellung gibt es zu jedem Plugin zwei Audio-Demos: Im ersten Beispiel geht es ums Bearbeiten eines Synthpads und im zweiten setzen wir das Effekt-Plugin auf einen Drumloop an.

Izotope Stutter Edit 2 – der Elite-Performer

Eine Klasse für sich unter den Kreativ-Effekten bildet das Plugin Stutter Edit 2 von Izotope. Per MIDI-Tastatur lassen sich “Gestures” (so heißen die Effekte bei Stutter Edit) spontan triggern und wechseln. Das funktioniert spielend einfach. Neben Stutter und Buffer gibt es insgesamt elf Effekte in fantastischer Qualität. Alle Parameter lassen sich mit einem Kurveneditor steuern. Wer möchte, kann im Detail verblüffende FX-Animationen programmieren. Stutter Edit 2 ist mit vielen innovativen Presets ausgestattet, die für viele Einsatzbereiche wie Drums, Vocals oder Master Bus zugeschitten sind und wirklich begeistern können. Auch für die Live-Performance ein Hammer.

System: Ab Windows 8, ab Mac OS X 10.13
Format: AU, VST, AAX
Preis: 194 Euro

Cableguys Shaperbox 2 – XL-Baukasten für Pragmatiker

Einen ganzen Baukasten mit einzelnen FX-Typen bescheren uns die Cable Guys. Hier kommen insgesamt sechs Shapers (Time, Crush, Filter, Pan, Volume und Width) zusammen. Über den Preset-Browser kann man entspannt nach Kategorien (Compress, LoFi, Instant Remix, Fluid Flow etc.) suchen. Dort finden sich viele Ausgangsmuster, wobei sich die einzelnen Effektkomponenten teils auch noch abändern lassen, so zum Beispiel bei der LFO-Wellenform. Die Effekte der Shaperbox 2 laufen nicht nur temposynchron zur DAW, sondern lassen sich wahlweise auch per MIDI triggern. Man spürt bereits bei der ersten Session, dass dieses Multieffekt-Bundle richtig viel Power hat. Hier schlägt man gern zu!

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.8
Format: AU, VST, AAX
Preis: 89 Euro

Unfiltered Audio BYOME – Modulares FX-Monster

Teurer, aber genau so ein Power Bundle wie Shaperbox oder Stutter Edit ist BYOME von Unfiltered Audio. Das Kürzel BYOME ist eine klare Aufforderung: “Build Your Own Modular Effect”. Mit der Sammlung aus über 40 einzelnen Effektmodulen (Dynamics, Delay, Distortion, Granular, Reverb etc.) dürften selbst anspruchsvolle Designer kaum an ihre Grenzen kommen. Man muss aber nicht aktiv schrauben, denn ab dem ersten Moment kann man den nützlichen Browser mit über 400 Presets genießen. Speziell für den experimentellen Sektor ist Ivo Ivanov von Glitchmaschines engagiert worden, der 70 charismatische Presets für Drums und Perc entwickelt hat. Insgesamt bekommt man ein modular aufgebautes Mixing-Tool, das auf lange Sicht spannend bleibt.

Weitere Informationen findet ihr auf der Herstellerseite

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.11
Format: AU, VST, AAX
Preis: 249 USD

Waves Kaleidoscopes – Simples Vintage Kit

Wieder ein neues Produkt von Waves: Kaleidoscopes ist weich gelandet. Diese FX-Suite rekrutiert sich aus klassischen analogen Effekten wie Phaser, Flanger, Chorus und Tremolo. Jeweils zwei Effekte sind in diesem Multieffekt-Plugin kombinierbar. Sidechaining und LFO sorgen ein wenig für rhythmische Bewegung. Wilde Effektorgien mit harschen experimentellen Sounds sind aber nicht die Stärke von Kaleidoscopes. Vielmehr bewährt sich das Produkt bei soften ambienten Synthesizerklängen auf Basis der guten Presets. Ein regulärer Preis von knapp 100 US-Dollar ist aber etwas happig – achtet daher auf Deals, da wird das ordentliche Plugin meist weniger als die Hälfte kosten.

Weitere Informationen findet ihr hier.

System: Ab Windows 10, ab Mac OS X 10.13
Format: AU, VST
Preis: 99 USD

Polyverse Gatekeeper – Effektives Gater-Tool

Einfach, aber effektiv: Gatekeeper von Polyverse Music ist ein Spezialist für die schnelle wie präzise Lautstärkemodulation mit insgesamt acht separaten Hüllkurven. Typische Gater-Flächen sind im Nu erstellt. Auf dem ansprechenden GUI braucht man eigentlich kaum selber individuelle Kurven für den Groove einzuzeichnen. Gatekeeper bietet mit Hunderten von Presets viele sinnvoll nutzbare Vorlagen, die klar sortiert sind: Rhythmic, Evolving, Tripplets, Swing, Stereo, Gating, Drums, LFO, FX. Gatekeeper ist ein sehr dank- und bezahlbares Plugin, das man immer wieder gern zum dezenten rhythmischen Anschieben von trägen Spuren verwendet: simpel zu bedienen und universell einsetzbar.

Hier geht es zum Thomann-Shop! 

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.7

Format: AU, VST (32/64-bit)
Preis: 43 Euro

Glitchmachines Fracture XT – Electronica-Meister

Es soll deftig zur Sache gehen? Mit Bruchstücken und Artefakten malträtiert Fracture XT selbst ein unscheinbares Audiomaterial experimentell. Dieses Plugin arbeitet hauptsächlich mit einem granularen Pitch-Prozessor, der zusammen mit Delay und Multimode-Filter und vier LFOs bizarre Drones, Rhythmen und Klangwolken erzeugt. Zur Auswahl stehen einige Presets, die schnell zu abstrakten elektronischen Klängen führen.  Von Fracture XT gibt es auch eine kostenfreie Version namens Fracture (Free), die schon auf Bonedo vorgestellt worden ist. Überhaupt macht der Hersteller Glitchmachines seinem Namen alle Ehre. Auch die weiteren Produkte wie der Multi-Effekt "Convex" sind für drastische Effektmanipulationen ein Tipp fürs kreative Effektieren.

Hier geht es zum Hersteller!

System: Ab Windows 8, ab Mac OS X 10.8
Format: AU, VST (32/64-bit)
Preis: 59 USD

Output Movement – US-Animationskünstler

Output Movement ist ein wahres Preset-Monster. Über 300 Vorlagen werden bei diesem Effekt-Plugin mitgeliefert, weitere Expansion Packs kann man hinzukaufen (das Pack “Beyond 4/4” ist gut für experimentellere Musik in ungewöhnlicheren Taktarten). Vier Rhythmus-Generatoren (jeweils Step, LFO oder Sidechain) versetzen das eintreffende Audiomaterial in Bewegung. Sie modulieren dabei Filter, Kompressor, Delay; Reverb und andere Effekttypen. Für die spontane Echtzeitkontrolle gefällt das praktische XY-Pad. Wie alle Produkte von Output klingt auch Movement aktuell und mehr als durchschnittlich. Falls es nicht besonders “trashig” sein muss, ist dieses Plugin ein guter Allrounder.

Hier findet ihr Movement bei Thomann!

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.9
Format: AU, VST, AAX
Preis: 145 Euro

Roben Papen XY-Transfer – Fliegender Holländer

Rob Papen ist eigentlich für Synthesizer und Sounddesign bekannt, mit seinem Plugin “XY-Transfer” bietet er auch bei den modularen Effekten ein souveränes Werkzeug, das mit über 200 Presets den ungeduldigen Producern rasch entgegenkommt. Es ist dreiteilig aufgebaut. Jeder Bereich verfügt über sein eigenes XY-Pad, mit dem alle Bewegungen der Effektparameter anschaulich erstellt und dargestellt werden können. Nicht allein Filter, Room und Delays, auch Gater- und Grain-Effekte beinhaltet XY-Transfer. Per Modulationsmatrix mit vier Slots lassen sich Parameterverknüpfungen flexibel gestalten – guter Sound, relativ einfache Bedienung und durchaus einen Versuch wert. XY-Transfer ist im Bundle Explorer-6 enthalten.

Hier findet ihr XY-Transfer auf thomann.de!

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.9
Format: AU, VST, AAX
Preis: 43 Euro

XFer Records LFO Tool – Etablierter Assistent

Der Produktname sagt quasi schon alles: LFO Tool der amerikanischen Software-Schmiede Xfer Records, bekannt für ihren Wavetable-Synthesizer Serum, nutzt einen LFO zur rhythmischen Bearbeitung eintreffender Audiosignale sowie auch zur MIDI-Kontrolle anderer Instrumente. Die über 100 Presets zeigen, dass LFO Tool, anders als Polyverse Music Gatekeeper, auch die Filtermodulation (Tief-, Hoch-, Bandpass- und Comp) klanglich überzeugend beherrscht. Die sachliche Oberfläche soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass der schon seit rund zehn Jahren verfügbare LFO Tool ein zuverlässiger Assistent für Trance-Gates, Sidechain-Pads oder Wobble-Effekte ist.

Hier geht es zum Hersteller!

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.5
Format: AU, VST
Preis: 49 USD

Sugar Bytes Effektrix - Berliner Kult-Loop-Frickel

Aus der Hauptstadt kommt Sugar Bytes mit einigen verlockenden Süßigkeiten. Der Kreativ-Effekt für Loops mit 16-fachem Slicing nennt sich Looperator, ein Klassiker der Berliner bleibt aber Effectrix. Es handelt sich um einen “Effect”-Sequencer, der bis zu 14 Effekte (Stutter, Crush, Phaser, Reverse, Tonal Delay, etc.) steuert. Mit der Random-Funktion auf einzelnen oder allen Effekt-Sequencen kann man sich leicht inspirieren lassen – einen Spaßfaktor gibt es hier definitiv. Soundästhetisch passt das Plugin zur Clubmusik. Bei einigen Effekten (insbesondere Reverb) muss man qualitativ Abstriche machen. Wie andere Plugins des Herstellers ist auch Effectrix kostengünstig für das iPad zu haben.

System: Ab Windows 7, ab Mac OS X 10.9
Format: AU, VST, AAX (64-bit)
Preis: 112 Euro

DSAudio Tantra – Günstiger Inspirator

Etwas betagter, aber als groovender Multieffekt noch immer adrett ist DSAudio Tantra. Die Standardversion enthält 122 Presets. Für jeweils rund 15 Dollar kann man drei Expansions und somit weitere 192 Vorlagen erwerben. Das muss aber nicht sein, denn das klar strukturierte GUI lädt zum Experimentieren ein. Jedes der sechs Module (Filter, Lo-Fi, Glitch, Delay, Distortion, Flanger) lässt sich dabei randomisieren. Hinzu kommen Master-EQ und -Reverb. Rhythmischer Motor ist der Sequencer im Curve- oder Step-Mode – insgesamt ein gutes wie günstiges Werkzeug für komplexere Effektmuster.

Hier geht es zum Hersteller! 

System: Ab Windows Vista, ab Mac OS X 10.9
Format: AU, VST, AAX (64-bit)
Preis: 69 USD

MeldaProduction MRhythmizerMB – Multiband-Talent

Der Name ist Programm: von Melda Production übernimmt das kreative Rhythmisieren. Das gelingt hauptsächlich mit drei internen Sequencern, die sich auf das Timing, auf die Lautstärke und auf das Filter auswirken. Die Benutzeroberfläche ist angenehm übersichtlich gestaltet. Es finden sich relativ wenige Presets, die eine grobe Richtung vorgeben wie “Automatic Glitch”, “Echoing” oder “Multiband Autoscratch”. In der Praxis macht man sich gern die Random-Funktion zunutze und lässt sich von den meisten guten Ergebnissen inspirieren. Vorbildlich ist die ausdauernde Produktpflege von Melda Productions. Die Software hat bereits Version 14.07 erreicht. Man sollte dieses Plugin jedenfalls mindestens einmal probieren.

Hier findet ihr den MRhythmizerMB bei thomann!

System: Ab Windows Vista, ab Mac OS X 10.9
Format: AU, VST, AAX
Preis: 97 Euro

Schlusswort

Sind diese kommerziellen Plugins notwendig? Jein! In die DAWs fließen immer mehr Effekt-Plugins mit ein, mit denen sich Spuren rhythmisch prägen lassen. So zum Beispiel auch bei Apple Logic Pro X. Ab der Version 10.5 ist ein spezieller „Remix FX“ hinzugekommen. Das sind typische DJ-Effekte wie Repeater, Wobble, Reverse, Scratch, Gater oder TapeStop. Klasse ist auch das Plugin „StepFX“. Erst wenn die internen Plugins der DAW nicht mehr greifen, sollte man gezielt fremdgehen.

Dabei sind Izotope Stutter Edit und Shaperbox von den Cable Guys tolle Profiwerkzeuge und bestechen durch ihren Funktionsumfang und ihre Soundqualität. Fürs einfache „Angrooven“ reicht aber schon etwa Gatekeeper von Polyverse Music oder Xfer Records LFOTool. Bitte aber nicht falsch interpretieren, alle vorgestellten Produkte haben ihren speziellen Reiz.

Wie immer erfährt man letztlich erst durch das eigene Probieren, ob und wie das Plugin für den eigenen Produktionsstil etwas bringt. Mit dieser Auswahl sollte man schnell ein paar Favoriten finden und sie einmal anhand der Demo-Version, die fast immer zum Download angeboten wird, probieren. Viel Spaß und Inspiration dabei!

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