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31.08.2021

Die 10 besten Software Synthesizer 2021

Von Emulationen bis Kuriositäten

Eine beliebig erweiterbare Liste

Software-Synthesizer gibt es inzwischen seit über 20 Jahren. Angefangen hat alles 1996 noch unter DOS! Seitdem die Firma Steinberg im Jahr 1999 ihre VST-Schnittstelle um MIDI-Empfang erweiterte, gab es für die Entwickler kein Halten mehr und immer mehr Software-Synthesizer entstanden. In diesem Bericht haben wird die 10 besten Soft-Synths für euch zusammengestellt. 

Der erste Software-Synthesizer überhaupt soll Audiosim gewesen sein, der für bestimmte Soundkarten programmiert wurde. Der Urvater aller Plug-in-Synthesizer kam allerdings aus dem Hause Steinberg und hörte auf den Namen Neon. Neon war das erste Plug-in, das in verschiedenen DAWs eingebunden werden konnte, sofern sie die VSTi-Schnittstelle unterstützen. Diese Liste der besten Software-Synthesizer ist auch nicht als Top-10 zu verstehen. Wie immer macht es der Mix, denn einen Synth für alles gibt es einfach nicht. Wenn du wenigstens ein paar Exemplare der hier erwähnten Synthies auf deinem Rechner hast, wirst du an Klangvielfalt nicht zu überbieten sein.

#1: Arturia Pigments – jetzt sogar additiv!

Arturia ist für Hardware-Synthesizer, Controller wie den Beatstep Pro und seine V-Collection bekannt, die ungefähr jede Synthesizer-Legende, die es auf dem Hardwaremarkt gibt, emuliert. Dazu gibt es seit drei Jahren Pigments. Ein Softwaresynthesizer, der vor allem optisch und im Workflow für viele, denen Serum zu dunkel, Massive zu monochrom und Omnisphere 2 zu verschachtelt ist, ein Segen ist. 

Dazu gibt es unter Anderem drei Synth-Engines, eine für analoge Oszillatoren, eine, die Wavetable-Synthese beherrscht, und seit dem letzten Update die Harmonic Engine, die additive Synthese mit ins Spiel bringt. Dazu gibt es in zwei Slots eine Vielzahl Filter, die man sich aus den großen Emulationen der Vcollection entliehen hat und eine vorbildliche Modulationsmatrix. Wo man sich sonst schnell verliert, nicht zurechtfindet, Verknüpfungen. nicht nachvollziehen kann, ist Pigments graphisch so gestaltet, dass immer klar ist. was wo wie moduliert wird.

#2: U-he Diva – das "analoge" Monster

U-He macht es einem schwer. Denn ALLE Synthesizer aus der Berliner Softwareschmiede gehören soundtechnisch zum Besten, was es in der Branche gibt. Was die analoge Soundqualität und die schiere Menge an zusätzlichen Preset-Banks betrifft, ist Diva allerdings noch eine Nasenspitze weiter vorne als Hive 2, Zebra 2 und co. Hält man U-he beim Produktnamen „Diva“ im ersten Moment noch abgehoben, löst sich das durch „Dinosaur Impersonating Virtual Analogue“ als Übersetzung in Wohlgefallen auf. 

Die alten Synthesizer-Saurier werden von dem Plugin derart echt nachgeahmt, man möchte fast sagen, man könnte auf die „echten“ verzichten. Mit dem einen großen Manko einer Engine, die bei entsprechenden Presets die CPU ganz schön in die Mangel nimmt. Aber Rechner werden immer leistungsfähiger, womit dieses Problem bald auch keines mehr sein dürfte.

#3: Xfer Inc Serum – Für EDM das Beste

Acht Jahre hat Serum schon auf dem Buckel. Und wird bis heute mit regelmäßigen Updates und neuen Features verbessert. Bisher hat dem Software-Synthesizer von Steve Duda, Intimus von Deadmau5, im EDM- und Techno-Bereich, was Sound, Oberfläche und Workflow betrifft, noch kein Plugin das Wasser reichen können. Ansich ist Serum total standardmäßig ausgestattet: zwei Oszillatoren, ein Filter, ein Noise und ein Sub-Oszillator, sieben Modulationswerkzeuge und zehn Effekte sind heute überhaupt nichts mehr, was irgendwie Begeisterungsstürme hervorruft. 

Kein Test nötig - hier gehts direkt ans Eingemachte mit dem Techno und EDM Synth

Aber wie das alles klingt, wie einfach sich alles modulieren lässt, wie viele Presetpacks und Skins (zum Verändern der Oberfläche) es gibt – da ist Serum einfach immer noch unerreicht. Soll es besonders analog klingen, ist der Softsynth vielleicht die falsche Wahl, mindestens braucht es etwas länger im ihn nach Minimoog klingen zu lassen, aber bei vielem Anderen führt kein Weg an Serum vorbei. 

#4: NI Komplete 13 – 16 Synthesizer im Paket

Bei Native Instruments  Komplete 13 einen einzelnen Software Synthesizer auszuwählen, der auf diese Liste käme ist unmöglich. Die Bässe von Monark und die Leads von Razor in Reaktor 6, die unerreichten Pad-Sounds von Absynth 5, FM8‘s maßgebender FM-Workflow und eine organische Klangqualität bei Massive X, die den Synthesizer selbst mit sehr seltsamen Presets noch wie ein akustisches Instrument klingen lassen. Der Berliner Branchenriese hat mit einigen seiner Software-Synthesizer Maßstäbe gesetzt in den letzten 15 Jahren.

Mittlerweile konzentriert man sich zunehmend auf die MASCHINE-Hardware, Sample-Instrumente für Kontakt 6 und eine nicht enden wollende Zahl an Erweiterungen. Neue Synthesizer oder größere Updates sind selten geworden. Deswegen der erhobene Zeigefinger in Richtung NI: kommt aus dem Knick! Sonst könnte es früher oder später eng werden mit einem Listenplatz, der eigentlich gesetzt scheint.

#5: Spectrasonics Omnisphere 2 – mehr Presets geht nicht!

Wer Omnisphere als reine Emulation anderer Synths sieht, unterschätzt ihn nach maßlos! Zum einen kommen in den Regelmäßigen Updates auch immer neue Preseits mit, von denen die viele äußerst kreatives Sounddesign mitbringen. Dafür sorgen bei Omnisphere 2 u.a. 58 Effekte, ein sehr guter Arpeggiator, und „The Orb“, das Circular Motion Interface, welches zufällig Parameter per Zufall moduliert. Und auch noch per App ferngesteuert werden kann Eigene Audiofiles können ebenso importiert werden. Zum anderen gibt es keinen Software-Synthesizer, für den es derart viele Soundpacks bei Drittanbietern gibt. 

Für alle, die schnell Zugriff auf viele Sounds im Workflow brauchen, also vor allem in der Film- und Game-Musik-Branche, gibt es kaum einen besseren Software Synthesizer. Über 14.000 Presets sind es seit dem letzten Update, hier bleiben keine Wünsche offen.

#6: Kilohearts Phase Plant – Modular aber direkt

Phase Plant von Kilohearts hat eine wachsende Fangemeinde. So modular, so vielschichtig ist momentan kaum ein Software-Synthesizer. Die Möglichkeit, Effekte und Modulationen bei jeder Synthesizer-Stimme einzeln anzulegen ist nur eine von unzähligen Möglichkeiten, extrem komplexe Sounds zu bauen.

Wo Einsteiger durch die Tiefe, diese die modulare Arbeitsweise mit sich bringt, vielleicht noch eine gewisse Lernkurve vor sich haben, werden Modularsynthesefans an Phase Plant ihre Freude haben. Dieser Software Synthesizer ist vor allem für alle, die gerne Sounds basteln, denen Modularsynthese dann aber doch der eine Schritt zu weit weg vom eigentlich Musikmachen ist.

#7: Plugin Alliance DS Audio Thorn – Trap und EDM Synth

Manchmal muss es gar nicht mehr, anders, größer, lauter sein. Manchmal reicht es, einfach das alles gut und richtig zu machen, was einen bei der Konkurrenz stört. Synthesizer A klingt toll, ist aber ein Albtraum in der Bedienung. Synthesizer B hat eine komplexe Engine mit unendlichen Routing- und Modulationsmöglichkeiten, die Effekte klingen aber zum Einschlafen. 

Dmitry Sches‘ Synthesizer Thorn – seit einiger Zeit unter dem Dach von Plugin Alliance vertrieben -  macht wenig anders. Er klingt aber toll, bedient sich toll, ist freundlich zur CPU, für Einsteiger genauso zu empfehlen wie Sounddesigner und hat im Bereich EDM/Trap schon eine echte Fangemeinde. Zurecht. 

#8: Sugarbytes Aparillo – FM mit Orbiter

Die Softwaresynthesizer von Sugarbytes sind schon immer eher Exoten gewesen. Aparillo ist da nicht anders. Ein 16-fach-plyphoner FM-Synthesizer, der nicht einfach eine normale Modulationsmatrix hat, sondern einen „Orbiter“. Die Komplexität der Sounds, die schon durch eine einzelne gehaltene Note aus Aparillo kommen, ist kaum zu überbieten. Für cinematische Flächen und bedrohliche Horrorfilmstreicher eignet sich der Synth hervorragend. 

#9: Eventide Generate – Chaos-Oszillator und Buchla-Optik

Zuerst kam Pendulate, dann Generate. Oberfläche, Sound und Workflow des Software-Synthesozer von Newfangled Audio (Eventide macht den Vertrieb) sind im Vergleich zu den meisten anderen Instrumenten dieser Liste eher ungewöhnlich. Und das ist genau der Grund. Generate macht vieles anders. Die Oberfläche ist an die alten Modularsynthesizer von Buchla angelehnt. Der Klang wird in einem „Chaos-Oszillator“ erzeugt und in einem Buchla-typischen „Low Pass Gate“ geformt. 

Das klingt und spielt sind alles anders. Allerdings kommt fast jeder zu Generate zurück, gerade weil er hervorragend und anders klingt. Dazu ist die Einbindung von MPE hervorragend gelöst. Bei entsprechendem Controller- und DAW-Gespann kann man hier den meisten Presets selbst mit subtilsten Modulationen sehr vielfältige Klänge entlocken.

#10: Vital Audio Vital – Neuer Star am Wavetable-Himmel

Vital ist umsonst. Die kostenpflichtigen Versionen bringen mehr Wavetables und Presets mit, aber alle Funktionen sind in der Freeware-Version vorhanden. Liebe Konkurrenz, schaut her! Dazu ist der Synthesizer, was Workflow und Vielfalt der Sounds betrifft auf der Höhe der Zeit. Dazu kommt ein bisher nicht erwähnter, gerade für Einsteiger*innen nicht unerheblicher Punkt: es gibt eine riesige Community auf dem eigenen Discord-Server. Hier bekommt man blitzschnell Hilfe bei Fragen oder technischen Problemen, Sounds werden ausgetauscht, auch Programmierer Matt Helm ist aktiv und geht auf Wünsche der Community ein. 

Dazu bringt Vital einige Features mit, die es so bei der Konkurrenz von Serum und Pigments nicht gibt: Stereo-LFOs, Spectral-Warping-Mode und Antesten von Modulationen durch Mouse-Over.

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