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Test
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27.07.2016

Dexibell Vivo P7 Test

Kompaktes Digitalpiano

Piano to go

Mit dem Dexibell Vivo P7 bietet der junge italienische Hersteller ein kompaktes, transportables Digitalpiano an, das sich mit nur gut 14 kg Gewicht für den mobilen Einsatz anbietet. Erst kürzlich hatten wir das eng verwandte Stagepiano Dexibell Vivo S7 zum Test in der Bonedo-Redaktion, das durch ein klares Konzept und einen guten Klang überzeugen konnte. Mit dem Vivo P7 haben wir nun den zweiten Testkandidaten der neuen italienischen Piano-Schmiede auf dem Prüfstand. Wie das „P“ schon vermuten lässt, handelt es sich hier um ein Modell aus der portablen Serie, die im Gegensatz zur S-Serie mit integrierten Lautsprechern ausgestattet ist. Zum Test stand uns die 88-Tasten-Version zur Verfügung.

„Made Made Made in Italy“ verspricht das Siegel auf den Kartons des italienischen Herstellers, denn tatsächlich werden die Produkte aus dem Hause Dexibell vollständig in Italien hergestellt. Insgesamt bietet Dexibell derzeit drei Piano-Serien an, welche sich in die Bereiche Home, Stage und Portable unterteilen lassen und jeweils in Versionen mit 73 und 88 Tasten verfügbar sind. Dabei bleibt der technische Kern stets der gleiche und das portable Vivo P7 ist dem Stagepiano-Modell Vivo S7 unter der Haube recht ähnlich. Neben der „True To Life“-Klangerzeugung, die Sampling- und Modeling-Technologien miteinander verbindet, bietet auch das Vivo P7 mit seinen 320 Stimmen eine nahezu „unendliche“ Polyphonie. Wesentliche Unterschiede zum Stagepiano sind hier aber die eingebauten Lautsprecher, eine etwas einfachere Tastatur ohne „Ivory Touch“-Beschichtung sowie ein weitaus geringeres Gewicht, denn mit seinen 14,5kg ist unser Testkandidat genau drei Kilogramm leichter als das Vivo S7. Ob die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten und Features unseren Piano-Ansprüchen genügen können, das wollen wir in diesem Test herausfinden.

Details

Gehäuse

Ebenso wie das Vivo S7 präsentiert sich das Vivo P7 in einem hochwertigen, grauen Gehäuse, welches mit Ausnahme der schwarzen Plastik-Seitenteile fast ausschließlich aus Metall besteht und einen sehr robusten Eindruck macht. Trotz des Metallgehäuses und der eingebauten Lautsprecher bleibt das Vivo P7 erfreulich leicht und ist mit 14,5 kg kaum schwerer als so manches 73-Tasten-Keyboard mit leicht gewichteten Tasten. Das Gehäuse ist im Vergleich mit vielen Mitbewerbern in diesem Marktsegment recht flach und dafür etwas tiefer. Die Oberseite ist leicht angewinkelt und erzeugt damit ein angenehmes Design. Auffällig sind die außen auf der Oberseite befindlichen, perforierten Segmente. Darunter befinden sie die beiden im Gehäuse verbauten Full-Range-Lautsprecher, die mit einer für diese Klasse recht üppigen Leistung von 2x 30 Watt einen druckvollen Klang und einen Schalldruckpegel von bis zu 108 dB SPL erzeugen sollen.

Im Lieferumfang ist neben dem Netzteil und einem zugegebenermaßen etwas billig wirkenden Notenhalter zum Aufstecken eine englischsprachige Bedienungsanleitung enthalten. Eine deutsche Anleitung ist auf der Hersteller-Webseite als Download verfügbar. Leider liegt dem Vivo P7 aber kein Haltepedal bei, und laut den Aussagen des deutschen Vertriebs gibt es noch keine konkreten Pläne, ein eigenes Pedal zu entwerfen und mitzuliefern. Das ist besonders schade, weil das Dexibell-Piano stufenlose Pedale unterstützt, die nicht jeder bereits herumliegen hat. Zum Glück konnte ich das Piano problemlos mit meinem Sustainpedal von Yamaha bedienen.

Anschlüsse

Fangen wir auf der Vorderseite des Vivo P7 an, denn hier befinden sich, direkt links neben dem linken Seitenteil, zwei Kopfhöreranschlüsse im großen und kleinen Klinkenformat sowie ein Audio-In als Miniklinkenbuchse. Dank der verschiedenen Größen der beiden Kopfhörerbuchsen kann man sowohl Studio- als auch Smartphone-Kopfhörer ohne Adapter verwenden – ein praktisches Detail! In den Audio-In können Songs oder Playbacks von einer externen Audioquelle eingespeist werden und laden zum Mitspielen ein.

Alle weiteren Anschlüsse des Vivo P7 befinden sich auf der Rückseite des Gehäuses. Hier finden wir neben dem Stromanschluss zwei Audio-Ausgänge, zwei Anschlussmöglichkeiten für Pedale (Hold, Expression) sowie einen USB-Slot für ein Speichermedium und eine USB-Buchse zum Verbinden des Vivo P7 mit einem Computer. Leider hat man beim Vivo P7 die traditionellen MIDI-Buchsen eingespart. Natürlich wird das MIDI-Protokoll auch über USB übertragen, aber die MIDI-Buchsen sind immer noch ein sehr nützliches Feature, wenn es darum geht, externe Instrumente anzusteuern. In punkto Stromanschluss wäre bei einem transportablen, bühnentauglichen Instrument eine Kaltgerätebuchse praktisch, aber da ist Dexibell leider nicht der einzige Hersteller, der stattdessen ein externes Netzteil einsetzt.

Bedienfeld

Das Bedienfeld ist in drei Bereiche gegliedert und fügt sich nahtlos in das nüchterne Design des Vivo P7 ein. Das Herzstück der Oberfläche ist das mittig platzierte, blaue LCD-Display, das von Cursor-Tastern und drei Menü-Buttons zum Navigieren in den den Untermenüs flankiert wird. Im linken Bereich des Bedienfelds befinden sich ein Metronom, zwei „Assignable“-Taster, der Player/Recorder und mehrere Taster für die Chord-Funktionalität, auf die wir im Praxisteil näher eingehen werden. Die rechte Seite dient zur Auswahl der Sounds und Speicherplätze. Hier finden wir sieben Taster für die Klangkategorien und weitere sieben für die darin befindlichen Sounds. Diese Taster haben eine Doppelfunktion und werden alternativ zum Abspeichern der eigenen Klangkreationen verwendet; dazu schaltet man links davon per Tastendruck in den Memory-Modus. Einzig der Einschalttaster sowie der Lautstärkeregler liegen rechts außerhalb dieser drei Bereiche.

Tastatur

m Vivo P7 wird – getreu dem Motto „Made In Italy“ – eine Tastatur aus dem Hause Fatar verbaut, in diesem Fall die TP/100LR mit Drei-Punkt-Sensor. Im Vergleich zum Vivo S7 handelt es sich hier allerdings um eine etwas einfachere Ausführung ohne „Ivory Feel“-Oberfläche, die auch vom Gewicht her noch etwas leichter ist. Wie alle Tastaturen aus dem Hause Fatar ist die TP/100LR eine hochwertige Hammermechanik und keine Unbekannte, so hat sie sich seit Jahren in vielen Workstations und Masterkeyboards verschiedener Hersteller (u.a. Studiologic Numa/Acuna, Arturia Keylab, Kurzweil Artis) bewährt.

Klangerzeugung

Schon beim Test des Vivo S7 war ich angesichts der etwas prahlerischen Ankündigung der T2L-Klangerzeugung etwas skeptisch geworden. Als Hersteller muss man sich ja schließlich immer wieder etwas Neues einfallen lassen und so überbietet man sich gern mit spektakulären Wortschöpfungen. Jedenfalls verbindet Dexibell mit der „True To Life“ Klangerzeugung klassische Samples mit Modeling-Technologien, wie es auch einige andere Hersteller von Digitalpianos praktizieren. Verwendet wurden lange Samples, die in den tiefen Registern eine Länge von bis zu 15 Sekunden haben und mittels holophoner, d.h. dreidimensionaler Technik aufgenommen und wiedergegeben werden. Hinzu kommen eine hohe interne Audioauflösung mit 48 kHz und 24 bit sowie die 320-stimmige Polyphonie. Durch die mit den Samples verknüpfte Physical-Modeling-Technik lassen sich bei den Piano- und E-Piano-Sounds diverse Nebengeräusche (Dämpfer, Saitenresonanzen etc.) einstellen, die zu einem realistischen und lebhaften Klang führen sollen. Die internen Klänge wurden seit dem Erscheinen des Vivo P7 bereits mit mehreren Software-Updates erweitert. Darüber hinaus ist es möglich, Klänge im Soundfont-Format zu importieren. Das Vivo P7 lässt sich im Split- und Layermodus betreiben und verfügt über 49 Speicherplätze für Benutzer-Registrierungen.

Weitere Features

Wer einen USB-Stick rückseitig aufsteckt, kann ihn dank des internen Audio-Recorders als Abspiel- und Aufnahmemedium benutzen. Die Aufnahmen werden in einem hoch auflösenden WAV-Format (48 kHz, 32 bit) aufgezeichnet. Abspielen kann das Vivo P7 aber auch andere Formate wie z.B. MP3, WAV und AIFF in verschiedenen Samplingraten und Bittiefen. Darüber hinaus ist es mit Hilfe der Bluetooth-Schnittstelle möglich, Musik vom Smartphone oder Tablet über das Vivo P7 zu streamen. So kann man auch drahtlos zu seinem Lieblingssong jammen oder ein vorgefertigtes Playback abspielen.

Software und Apps

Softwareseitig kam unser Testgerät mit der neuesten Version 3.0. Jedes Software-Update für die noch junge Vivo-Serie brachte einige Neuerungen, darunter nicht nur eine Erweiterung der Sound-Palette, sondern auch neue Features in punkto Bedienbarkeit. Grundsätzlich darf man sich bei Dexibell also auch in Zukunft auf weitere Updates und neue Features freuen. Ab der Version 3.0 ist es z.B. möglich, das Vivo P7 mit dem iPad und der App „Vivo Editor“ zu bedienen. Leider kann man diese Funktion nur nutzen, wenn man ein iPad und dazu ein „Camera Connection Kit“ besitzt. Hier wäre noch Luft nach oben bei der Kompatibilität mit anderen Mobilgeräten. Besitzer eines iPhones bzw. eines iPads kommen außerdem in den Genuss der frei erhältlichen App „X Mure“, die die Pianos aus dem Hause Dexibell um eine Arranger-Funktion ergänzt. Nähere Infos zu dieser App findet ihr in unserem Dexibell Vivo S7 Testbericht. 

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