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22.06.2021

Crumar Performer Test

Software-Instrument

String Machine Plugin: Was bringt der Crumar Perfomer der später 70er Jahre als Emulation?


In Synthesizer-Kreisen hat der italienische Hersteller Crumar keinen großen Namen. Dabei sind der Crumar Spirit sowie der Crumar Bit99 durchaus respektable Synthesizer. Heute finanzieren die Italiener ihr tägliches Brot hauptsächlich mit elektronischen Orgeln wie Crumar Mojo und anderen Tasteninstrumenten. Eine Ausnahme macht nun eine Software, die sich der Emulation eines bislang eher unterschätzten 49-Tasten-Keyboards annimmt: der Crumar Performer, eine Vintage Strings/Brass Machine. Es ist eine dieser zahlreichen String Machines, die zwischen Mitte der 70er und Anfang der 80er Jahre wie Pilze aus den Böden schossen. Dabei handelte es sich um ein günstiges und polyfon spielbares Keyboard für Live-Keyboarder. Da wohl die allermeisten Leser diese analoge Maschine nie selber angespielt haben, stellen wir sie hier mit einem Video von RetroSound kurz vor:

Das gleichzeitige Erklingen der 49 Stimmen wurde beim Original mit einem Frequenzverteiler erreicht. Nach dem ersten Release des Crumar Performer folgte bald eine neue Version (Rev B), bei der SSM-Chips für die paraphone Bläsersektion verwendet wurden. Bis heute werden diese Chips bei analogen Synthesizern geschätzt.

Bei der Emulation des Crumar Performer schaut es technisch natürlich anders aus: Schon beim Downloaden und Installieren der kleinen Datei wird klar, dass hier keine Unmengen an Samples verbraucht werden, sondern dass die Klänge offensichtlich modelliert werden. Die Software ist schnell heruntergeladen, installiert und mit einer Lizenznummer auf bis zu drei verschiedenen Rechnern online autorisiert. Sie läuft ab Windows 7 und Mac OS X 10.9 als Plugin oder Stand-alone-Programm und wird speziell für Linux sogar kostenfrei angeboten – che sorpresa!

Details

Crumar Performer bietet zwei Sektionen: String und Brass

Der Crumar Performer kombiniert die analoge Tonerzeugung von Streichern und Bläsern. Auf dem Panel finden sich 15 Slider und fünf Knöpfe – lange suchen muss man beim Editieren also nicht. Im Mittelpunkt steht die String Section, die über zwei Tasten (8’ und 16’) aktiviert werden kann. Zur Klangformung dient ein Drei-Band-Equalizer, mit dem sich ebenso strahlende wie auch düstere Streicherklänge erzielen lassen. Der Lautstärkeverlauf ist per Crescendo (entspricht dem „Hüllkuven-Attack“) und Sustain einstellbar – eine klassische Hüllkurve wäre praktischer.

Mehr an einen klassischen Analogsynthesizer erinnert die Brass-Sektion. Hier dreht sich alles um das Filter: Justierter sind Attack und Decay sowie die Eckfrequenz („Range“) und Resonanz. Die Sektion „Modulation“ (Slider: Delay Length, Rate und Depth) sorgt bei den Streicher- und Bläserklängen außerdem noch für mehr Lebendigkeit durch Filter-(VCF) oder Pitch-(FM)Modulation.

Eine weitere Seite ist mit virtuellen Effekt-Pedalen gefüllt, die es beim originalen Crumar Performer nicht gibt. Im Angebot sind ein grafischer 7-Band-Equalizer mit Laustärkekontrolle, ein Phaser, ein Chorus/Flanger sowie ein Analog-Delay-Effekt.

Auf der Edit-Seite gibt es die Möglichkeit, die zwölf Halbtonschritte unterschiedlich zu stimmen und so mikrotonale Skalen zu spielen. Außerdem können einige Klangparameter wie „Noise Level“, „Sustain Mod“, „Brass VCF Type“ sowie Chorus- und Reverb-Effekt bearbeitet werden. Die gesamten Einstellungen lassen sich als Programme speichern und mit anderen Usern teilen.

Bei den globalen Einstellungen finden sich neben der gewünschten Darstellungsgröße des Crumar Performer insbesondere die Controller-Zuweisungen, die man dank „MIDI Learn“-Funktion schnell im Griff hat. Einige wichtige Parameter wie „Brass Filter Attack“ oder „Strings Length Crescendo“ sollte man dem Modulationsrad oder einem anderen physikalischen Controller zuweisen.

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