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21.07.2020

Corona Hilfen für Clubs - große Unterschiede in Ländern

Metropolen wie Berlin und Hamburg machen Zusicherungen, während andere Regionen nur Hoffen können

Die Veranstaltungsbranche liegt seit Monaten still. Auch wenn hier und da an Konzepten der Wiedereröffnung gefeilt werden, ist mit einem Regelbetrieb erst in einigen Monaten zu rechnen. Viele Clubs und Eventlocations sind auf Fördergelder und Spenden angewiesen. Dies funktioniert in manchen Regionen besser als in anderen - ein Überblick. 

Lage in Berlin

Keine andere Stadt in Deutschland ist für seine Clubszene so bekannt und berüchtigt wie Berlin. Sie spiegelt einen wichtigen Teil der Kultur- und Kreativszene wieder, lockt jedes Jahr tausende Besucher aus der ganzen Welt in die Metropole und hat für jede noch so verrückte Vorliebe etwas zu bieten. Der Senat reagierte auf die Sorgen der vielen Clubbetreiber und versprach laut "Der Tagesspielgel" im Schnitt 81.000 Euro an Soforthilfen. Ganz soviel ist dann nicht geworden, der Technoclub Tresor sowie das ://about blank berichten von rund 25.000 Euro an Soforthilfen. Für Clubs dieser Größe nicht wirklich eine Rettung, laut dem Betreiber des Tresors, Dimitri Hegemann, belaufen sich allein die Kosten für Kredite, Mieten, Versicherung, GEZ und Abrechnungssysteme auf 25.000€ in 5 Wochen. 

Viele Berliner Clubs haben jedoch einen Vorteil gegenüber Clubs in anderen Städten - sie haben viel Platz und Outdoor-Einrichtungen. Das Sisyphos, Kater Blau und ://about blank haben Biergärten mit Speisen eingerichtet. Dazu kommen Fotoausstellungen, Live-Musik und sogar Theateraufführungen. Dem Sisyphos ist auch noch etwas ganz anderes eingefallen: man hat die Möglichkeit, einen der drei Floors für eine Stunde zu mieten. Etwas über 100€ muss dafür gezahlt werden, DJ-Equipment ist am Start. Der einzige Hacken - max. 4 Freunde dürfen dabei sein. Aber wer kann schon von sich behaupten, im Sisyphos aufgelegt zu haben? 

Kaum Hilfen in anderen Bundesländern

Auch wenn die Fördergelder nur für eine Zeit lang gelten und nicht alle Clubs davon profitieren, kleinere Clubs mit weniger als zehn Mitarbeitern schauen komplett durch die Finger, ist die Lage in Berlin verhältnismäßig gut. In Hamburg hat der Senat 1.5 Millionen Euro für Clubs mit einer Größe von unter 1600 Personen bereitgestellt. Ähnlich verhält es sich in Köln, dort wurden 700.000 Euro bereitgestellt, 41 Clubs bekamen Zuschüsse zwischen 5.000 und 25.000 Euro. Weitere 600.000 Euro sollen außerdem in der nächsten Förderrunde folgen. 

Andere Clubs außerhalb dieser Metropolen mussten sich bislang auf Hilfen des Bunds verlassen. Bis zu 15.000 Euro wurden an Soforthilfen ausgestellt. Die Regelungen waren hierbei jedoch nicht immer klar und nicht institutionell geförderte Einrichtungen hatten es oft schwer an Zuschüsse zu kommen. Clubs haben abseits mancher Großstädte oft keine Lobby und müssen für die Anerkennung als kulturellen Ort kämpfen. 

In Bayern gibt es ein Stabilisierungsprogramm für kleine und mittlere Spielstätten, in Hessen ein Kulturpaket und der Eventkultur-Verband Rhein-Neckar arbeitet an einem Förderprogramm. Im "Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft" des Bundes finden sich weitere Informationen zu Unterstützungen für die Kreativbranche. Dabei wird aber deutlich, dass Clubs nicht die größte Priorität haben. Allerdings beziehen sich die Unterstützungen nicht nur auf direkte Geldflüsse, sondern auch auf Steuererleichterungen, Kurzarbeitsmodelle oder Ausfälle von Honoraren. 

So schlecht die Lage aktuell ist, ein Blick in die nahe Zukunft verspricht keine große Verbesserungen. Aktuell können durch Open-Air Konzepte oder umgebaute Outdoorlocations mit Bewirtung zumindest mittlere Umsätze generiert werden. Mit dem Ende des Sommers können diese Konzepte aber nur eingeschränkt weitergeführt werden.

Auf Spenden angewiesen

Nur mit den Fördergeldern der Städte und Länder wird es nicht möglich sein, die ganze Branche zu retten. Ohne Spenden wird es nicht gehen. Falls ihr euren Lieblingsclub unterstützen möchtet, geht auf die Homepage oder Social Media Seiten der Veranstaltungsorte. Dort findet man oft direkte Links zu Spendekonten oder Crowdfundingkampagnen. Als Gegenleistung werden Gästelisteplätze für zukünftige Veranstaltungen oder Merchandise angeboten. Ein paar weitere Links:

United We Stream - Ein Livestreaming-Angebot vieler Clubs auf der ganzen Welt. Es wird aus verschiedenen Clubs mit tollen Line-Ups live übertragen, während Spenden eingenommen werden. Weltweit sind 74 Städte mit 373 Locations am Start, ein Großteil stammt aus Deutschland. 

S.O.S - Save Our Sounds - Clubrettung für die Hamburger Club- und Veranstalterszene. Als Dankeschön für Spenden gibt es Gästelistenplätze. 

Save Berlin's Club Culture in Quarantine Crowdfunding - Schon knapp 16.000 Spenden wurden für die Berliner Clubs gesammelt, dass Ziel von 1 Mio. Euro ist zur Hälfte erreicht.  

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