Software
Test
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16.09.2021

Cherry Audio Mercury-4 Test

Software-Synthesizer

Kleiner Planet mit großen Chancen als Synthesizer

 

Schon wegen seines Gehäuse-Designs, das an frühe Heimorgeln erinnert, ist der 1978 erschienene Roland Jupiter-4 nicht so gefeiert worden als sein überaus erfolgreicher Nachfolger Jupiter-8, von dem es inzwischen richtig tolle Emulationen gibt.

Doch der Schein trügt: Ein Jupiter-4 versprüht klanglich und vor allem wegen seiner praktischen Geradlinigkeit noch besondere Reize. Man wird sich aber nicht deswegen auf eines der wenigen Second-Hand-Modelle einlassen, die zu astronomischen Preisen angeboten werden. Umso besser ist es, wenn man den Jupiter-4 nun als erstaunlich kostengünstige Emulation erwerben kann. Nach dem im Juli 2021 veröffentlichten Memorymode mit voller Punktzahl im Bonedo-Test und einigen anderen Klassikern wie Oberheim Eight-Voice, ARP 2600, Korg MS-20 oder Roland Juno-106 hat Cherry Audio wieder zugeschlagen: Mercury-4 ist das neue Produkt und die Erwartungen sind hoch. 

Der Cherry Audio Mercury-4 orientiert sich zwar deutlich am Original der späten 70er Jahre, enthält aber noch zusätzliche Komponenten, die einen Vergleich zwischen alter Hardware und neuer Emulation unfair ausschauen lassen. Wie fast immer: Eine Software und den Synthesizer im Original nutzt man in der Praxis unterschiedlich. Und natürlich sind immer auch klanglich unterschiedliche Nuancen auszumachen. Wer sich dennoch näher für den originalen Roland Jupiter-4 interessiert, findet einige Details im Bonedo-Feature.

Details

Mercury-4 bietet einen Jupiter-4 plus Joker

Der Oszillator des Roland Jupiter-4 samt Sub-Ozillator und Rauschgenerator ist detailgetreu nachempfunden. Mit der Pulsbreitenmodulation und dem Stereo-Ensemble-Effekt sind auch schwebende Klänge möglich. Ein Drift-Regler sorgt für Schwankungen in der Tonhöhe - das ist sinnvoll, denn das Original ist nicht sehr stimmstabil, sondern für ein analoges Drifting bekannt. Die Emulation ist aber übrigens nicht auf vier Stimmen limitiert, sondern erlaubt eine 16-fache Polyfonie. Auch das Unisono fehlt bei den Assign Modes nicht und lässt sich in der Schwebung (Detune) dosieren.

Das Filter kombiniert einen resonanzfähigen Tief- und Hochpass und soll wie der VCO die klanglichen Eigenschaften des Roland JP-4 simulieren. Der LFO lässt sich tempo-sychronisieren und die Trigger-Sektion sorgt für eine S/H-Modulation der Filterfrequenz wie auch für die rhythmische Auflösung des Arpeggiators. Die Arpeggiator-Einheit ist etwas eigenwillig, denn die höchste Note der gebrochenen Akkord muss per „Top Note“ definiert werden. Man kann nicht - wie üblich - eine Range von eins bis vier Oktaven anwählen.

Cherry Audio zieht noch ein Ass aus dem Ärmel. Der Mercury-4 integriert anders als sein historisches Vorbild ein Band-Echo-Effekt. Dieses Tape-Echo bietet sieben Modes, die im Audio-Demo kurz vorgestellt werden, und erzeugt zusammen mit dem internen Reverb schöne räumliche Effekte und verleiht dem Sound des Mercury-4 einen charmanten Retro-Touch.

Per Drift-Regler lassen sich die beim Jupiter-4 und anderen analogen Synthesizern häufigen Schwankungen in der Tonhöhe nachempfinden. Das Analog Drifting wird während des Arpeggios  in seiner Intensität verändert.

Der Ensemble-Effekt des Mercury-4 ist nicht so charismatisch wie der Juno-Chorus, verhilft aber zur Soundfülle. Das Echo wiederum bietet sieben Modes für unterschiedliche Muster.

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