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Test
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24.05.2012

Casio XW-P1 Test

Performance-Synthesizer

Willkommen zurück!

Der Name Casio genoss unter Musikern in den letzten 20 Jahren keinen besonders guten Ruf. Dabei hatte der japanische Hersteller in den Achtzigern mit der CZ-Serie durchaus einige Synthesizer im Angebot, die auf dem Gebrauchtmarkt bis heute gefragt sind. Danach verlegte man sich aber ganz auf die Produktion von Kinderzimmer-Keyboards und verschwand aus der Profi-Szene. In den letzten Jahren zeigte Casio Bemühungen, den professionellen Markt zurück zu erobern. Digitalpianos und einige höherklassige Arranger-Keyboards für Entertainer machten den Anfang. Mit den beiden Synthesizer-Geschwistern XW-P1 und XW-G1 kommen jetzt zwei Geräte hinzu, die ernst zu nehmende Instrumente für Studio und Bühne sein möchten. Wir hatten ein Vorserien-Exemplar des Performance-Synthesizers XW-P1 für euch unter dem Bonedoskop.

Der XW-P1 kombiniert einen flexiblen Synthesizer mit einem Step-Sequenzer und einem Phrasen-Sequenzer. Damit ist klar, wo die Reise hingeht: Der Synth richtet sich in erster Linie an Musiker, die in elektronischen Genres unterwegs sind, und unter diesen vor allem an jene, die ein Instrument für Live-Performances suchen. Mit gut 500 Euro ist der XW-P1 recht erschwinglich und könnte deshalb viele Freunde finden, wenn er denn etwas taugt.

Für all jene, die viel mit Loops und Sequenzen arbeiten und Wert auf Werkzeuge wie z.B. einen Looper legen, bietet sich als Alternative zum XW-P1 ggf. der Zwillingsbruder XW-G1 an. Dieser richtet sich noch stärker an die Loop-Fraktion und verzichtet dafür auf einige Features der Synthesizer-Engine. Den XW-G1 werden wir in einem weiteren Test auch noch unter die Lupe nehmen.

DETAILS

Konzept

Casio bezeichnet den XW-P1 als "Performance Synthesizer". Laut Hersteller wurde er "speziell für die Kreation und Komposition von elektronischen Sounds und die Performance bei Live-Auftritten entwickelt." Dafür hat der XW-P1 eine Synthesizer-Sektion an Bord, die wiederum in einen Solo-Synthesizer und eine samplebasierte PCM-Klangerzeugung unterteilt ist. Zusätzlich gibt es eine Drawbar-Orgel-Simulation und eine "Hex Layer" genannte Funktion, mit der bis zu sechs Klänge geschichtet werden können. Eine Effekteinheit mit Hall, Chorus und einer breiten Palette an DSP-Effekten rundet die Klangerzeugung ab. Ein Step-Sequenzer dient dem Abspielen und Erstellen von Begleitpatterns. Mehrere Patterns lassen sich verketten und als Song im SMF-Format auf die Speicherkarte exportieren. Der Sequenzer kann auf weitere Synth-Parts zugreifen, die sich nicht live auf der Tastatur spielen lassen. Dadurch kann er nicht nur einfache Sequenzen, sondern komplette, multitimbrale Begleitpatterns spielen. Zusätzlich stehen ein Arpeggiator und ein Phrasen-Sequenzer zur Verfügung, der auf Tastendruck voreingestellte oder selbst aufgenommene Phrasen abspielt.

Äußerlichkeiten

Auch durch sein Äußeres macht der XW-P1 klar, dass er in elektronischen Gefilden zu Hause ist. Das Design ist kantig und wirkt sehr technisch. Die Bedienoberfläche ist in silbergrau und einem grellen Orange gehalten. Gepaart mit den blauen LEDs ist das auf der Clubbühne ein Blickfang erster Güte. Auf mich wirkt das Design etwas zu verspielt, aber das ist wie immer Geschmackssache. Das Gehäuse ist vollständig aus Kunststoff, was den Synth zwar leicht macht, aber nicht gerade zu einer "erwachsenen" Erscheinung beiträgt. Von außen erinnert der XW-P1 schon etwas an die zahlreichen CasioTone-Keyboards, die seit Jahrzehnten Kinderherzen höher schlagen lassen. Ausreichend stabil wirkt das Gehäuse allerdings durchaus, und das geringe Gewicht macht sich beim Einsatz auf der Bühne natürlich positiv bemerkbar.

Auf den ersten Blick erscheint die mit Tastern übersäte Bedienoberfläche des XW-P1 nicht unbedingt selbsterklärend. Verschaffen wir uns daher zunächst einen Überblick. Links befindet sich die Sektion zur Echtzeit-Steuerung. Hier gibt es vier programmierbare Drehregler, 16 Buttons für den Step-Sequenzer und neun Fader, die je nach Spielmodus unterschiedliche Funktionen übernehmen. Auch drei Buttons zur Steuerung des Drawbar-Orgelsounds haben hier Platz gefunden.

Rechts davon folgen der Netzschalter und der Lautstärkeregler. Weiter geht's mit sechs Buttons, mit denen der Spielmodus ausgewählt und bei Bedarf in den Edit-Mode gewechselt werden kann. Darunter befindet sich die Tempo-Sektion mit +/- Tastern und einem Tap-Tempo-Button.

Im Zentrum des Panels ist ein LC-Display untergebracht, das von einem Rad zur Dateneingabe flankiert wird. Unterhalb der Anzeige finden wir kleine runde Buttons, die der Bedienung des Arpeggiators, des Phrase-Sequencers und des Mixers dienen. Im unteren, mittleren Bereich der Bedienoberfläche, zwischen Display und Tastatur, sind Taster zur Steuerung des Step-Sequenzers und zur Patternauswahl angesiedelt. Je nach Betriebszustand des Synths können die Pattern-Knöpfe aber auch andere Aufgaben übernehmen - etwa die Auswahl von Kategorien der Tonerzeugung.

Rechts vom Display folgen Taster zur direkten Programmauswahl und zur Navigation durch die Menüs. Drei Buttons zur Oktavumschaltung und Transposition machen das Panel komplett. Das dunkle Feld ganz rechts könnte man bei einem flüchtigen Blick für einen Lautsprecher halten. Es handelt sich jedoch um eine gummierte Ablage, auf der zum Beispiel ein MP3-Player rutschfest gelagert werden kann. Sehr praktisch

Anschlüsse

Rückseitig bietet der XW-P1 zunächst einen Stereo-Line-Ausgang (2x 6,3mm-Klinke) und einen Kopfhörerausgang. Es folgen eine Reihe von Eingängen für externe Audiosignale. Am Mic In (Klinkenbuchse) kann ein Mikrofon angeschlossen werden. Dafür steht auch ein Level-Poti zur Verfügung. Der Stereo-Eingang dient dem Anschluss von Audioplayern und ist als 3,5-mm-Klinkenbuchse ausgeführt. An der Inst-In-Buchse kann eine externe Klangquelle angeschlossen (mono) und dann in der Klangerzeugung des XW-P1 verwendet werden. Auch ein Anschluss für ein Sustain-Pedal bzw. einen zuweisbaren Fußtaster ist vorhanden.

Zwei MIDI-Buchsen (In sowie Out/Thru) sind ebenso dabei wie ein USB-Anschluss zur Verbindung mit einem Computer. Dieser dient nicht nur der Übertragung von MIDI-Daten. In Verbindung mit einer von Casio kostenlos verfügbaren Software kann er auch zur Archivierung von Klangprogrammen und anderen Daten genutzt werden. Zu guter Letzt befindet sich an der Rückseite noch ein SD-Card-Slot, über den man Klangprogramme und Sequenzen laden und speichern kann. Praktischer wäre meiner Ansicht nach ein Anschluss für einen USB-Stick gewesen, aber man kann nicht alles haben... Eine SD-Karte verschwindet sicher im Keyboard und kann als unauffällige Speichererweiterung dienen. Von daher ist das auch ganz praktisch.

Die Stromversorgung erfolgt wahlweise über das externe Netzteil oder über 6 Batterien vom Typ Monozelle (D). Casio gibt die Batterielebensdauer mit 35 Stunden an.

Tastatur

Die Klaviatur des XW-P1 ist eine leicht gewichtete Synth-Tastatur in Klavier-Optik, d.h. ohne Lücke unter den Tasten. Für Synthesizer-Sounds bietet sie ein akzeptables Spielgefühl. Feinfühlige Klavier- oder E-Piano-Darbietungen werden auf den leichtgängigen Plastik-Tasten kaum gelingen, sind ja aber auch nicht die Kernkompetenz dieses Gerätes. Für einen Performance-Synthesizer, auf dem man Synth-Sounds spielt, Flächen drückt und Sequenzen abfährt, geht die Tastatur voll in Ordnung. Sie wird von einem Pitch- und einem Modulationsrad begleitet, die beide auch nicht ganz mit Profi-Standards mithalten können. Die Räder sind klein und trotz der Riffelung wenig griffig. Außerdem liegen sie sehr eng beieinander, was in der Hektik einer Live-Performance zu Fehlgriffen führen kann. Schnell hat man dem benachbarten Rad einen unbeabsichtigten Schubs gegeben.

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