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19.12.2019

Behringer K-2 Test

Analoger monophoner Desktop-Synthesizer

Korg MS-20 „Behringer Edition“

Und es geht weiter! Behringers Raubzug durch die Geschichte analoger Klangerzeuger macht auch vor dem Korg MS-20 kein Halt, einem der erfolgreichsten analogen, monophonen Synthesizer für Bass und Lead-Sounds überhaupt – nach dem Moog Minimoog versteht sich. 

Der großer Bruder des ebenfalls erfolgreichen MS-10 sprach mit seinem rotzigen Sound die Punks unter den Synthesizer-Liebhabern an und so verwundert es nicht, dass er insbesondere von Protagonisten des EBM (Electronic Body Music), Industrial und Noise geschätzt wurde: Front 242, KMFDM, Front Line Assembly, Skinny Puppy – to name a few – aber auch Aphex Twin, Jean-Michel Jarre, Air und natürlich Mr. Oizo („Flat Beat“) zählen zu den Fans.

Mr Oizo "Flat beat" official video directed by Quentin Dupieux

Übrigens: In unseren beiden Vintage Synth Specials gehen wir noch mehr auf Hintergründe und Geschichte ein, sodass an dieser Stelle nur noch der Hinweis folgen soll, dass es auch eine moderne „mini“ Kopie von Korg selbst gibt – so günstig wie der Behringer ist der Korg MS-20 mini aber bei weiten nicht.

Details

Ziemlich identisch: Behringer K-2 und Korg MS-20

Der K-2 ist ein analoger, halb-modularer und monophoner Synthesizer mit zwei Oszillatoren und Filtern. Wie die meisten Behringer Clones – und im Gegensatz zum Original – kommt auch dieser Desktop-Synth ohne Klaviatur aus. Er verfügt dafür über die Möglichkeit der Eurorack-Montage und misst wie der Pro-1 dann 80TE bzw. 95 x 424 x 136 mm bei einem Gewicht von 1,8 kg.

So richtig Eurorack-kompatibel ist der K-2 aber nicht wirklich, da Replika wie Original S-Trigger und Hz/Volt Steuersignale anstatt V/Okt.-Logik erwarten. Etwas zu viel Authentizität, wenn ihr mich fragt. Immerhin gibt es „moderne“ 3,5 mm Patch-Buchsen anstatt der dicken 6,3 mm Klinke und natürlich auch MIDI sowie USB-MIDI. Ach, und die Potis drehen sich hier auch deutlich schwerer.

Aufbau: Dual OSC, Dual Filter 

Struktur und Optik des Behringer K-2 sind ansonsten mit dem Original faktisch gleich, wenn auch mit etwas anderem Größenfaktor. Es gibt zwei OSCs die vier Wellenformen kennen, als da wären: Dreieck, Sägezahn, Pulsweite und Noise für die OSC 1 sowie Sägezahn, Rechteck, Puls und Ringmodulation für OSC 2.

Jeder OSC kann über vier Fußlagen gestimmt werden, wobei der Erste von 32’ bis 4’ reicht und Nummer 2 von 16’ bis 2’. OSC 2 verfügt außerdem über eine Fine-Regelung für den Pitch, OSC 1 hingegen über die Regelung der Pulsweite. Abgerundet wird das Alles von Portamento und Master-Tune.

Anschließend werden beide Signalquellen im Mixer gemischt und von zwei seriellen Filter gestutzt. Die Kombination aus High- und Lowpass sorgt für üppigste Vielfalt. Beide sind in der Resonanz regelbar und selbstoszillierend. Ein kleiner Schiebeschalter schaltet ferner zwischen zwei verschiedenen Bauweisen der alten Produktionszeit um. „Filter 1“ ist dabei aggressiver im Bass, muffiger und rauscht mehr, „Filter 2“ hingegen ist sauberer, knackig sowie mittiger und auch etwas zahmer.

Interne Modulationsmöglichkeiten

Der K-2 bietet zwei Envelopes, EG1 und EG2 sowie einen Modulation Generator, MG, den wir heute wohl eher LFO nennen würden. Der MG/LFO kennt die frei einstellbaren Wellenformen Sägezahn, Dreieck und Pulsweite, wobei es außerdem für Dreieck/Sägezahn und PW getrennte Patch-Ausgänge gibt. Intern verkabelt wurde nur mit Dreieck/Sägezahn. Mit den drei Reglern MG/T.EXT kann das LFO-Steuersignal dann individuell auf Frequency Modulation, HP Cutoff und LP Cutoff angewandt werden.

Ähnliches gilt für die beiden Hüllkurven: EG2 ist auf die beiden Cutoffs anwendbar, EG1 wiederum kennt „per default“ nur Frequency Modulation als Ziel. EG1 bietet die Parameter Delay, Attack und Release, EG2 verfügt über Hold, Attack, Decay, Sustain und Release. Sustain wirkt übrigens, wie beim Original, invertiert auf das Filter. Ein weiterer Stolperstein, den es zu beachten gilt: Steckt man andere Quellen ein, muss trotzdem EG2/Ext aufgedreht sein.

Patchfeld

Mehr als 32 Buchsen stehen dem Patchfeld rechts zur freien Verknüpfung zur Verfügung, darunter ein Sample & Hold-Block sowie der External-Signal-Processor (ESP) mit Verstärker, f/V-Converter und Envelope Follower, um auch aus externem Audio Steuerspannungen und Trigger zu generieren. So kann man einen Drumloop für die Modulation nutzen, den MS-20 mit einer Gitarre spielen oder die eigene Stimme für das Pitch-Tracking nutzen, charmante Fehler inklusive.

Im Prinzip alles wie beim MS-20, mit dem Unterschied, dass es eben kein Modulationsrad und damit auch keinen ModWheel-Ausgang gibt. Wirklich schade, denn beim Pro-One hat Behringer doch Kreativität gezeigt und uns einen kleinen Work-Around via MIDI spendiert. Naja, immerhin gibt es noch den Trigger-Switch.

Verwendung im Eurorack

Die rückseitigen Anschlüsse fallen bei Eurorack-Montage übrigens weg – und damit die Update-Möglichkeit über USB sowie die Fähigkeit den MIDI-Channel via Mäuseklaviatur zu wählen. Es ist aber zu verschmerzen, denn die meisten Eurorack-Module kennen überhaupt kein MIDI. Ein Flachbandkabel für das Eurorack und das Netzteil sind Teil des Lieferumfangs. Eine richtige Gebrauchsanweisung fehlt – wie immer.

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