Test
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17.07.2016

Bastl Instruments bitRanger Test

Analoger Synthesizer und Logic Computer

Bits und Bytes für Analogliebhaber

Die tschechische Eurorack-Schmiede Bastl Instruments und der New Yorker Circuit-Bending-Tüftler Pete Edwards aka Casper Electronics präsentierten auf dem Moogfest 2016 den zusammen entwickelten bitRanger, einen patchbaren Analogsynthesizer im Desktop-Format. Von den Herstellern als „Analog Logic Computer“ bezeichnet, hebt er sich schon mit seiner Beschreibung von den meisten anderen portablen Desktop-Synthesizern ab. Doch was kann man nun mit der kleinen Kiste anstellen?

Wie man dem mit zahlreichen Patchmöglichkeiten ausgestatteten Mini-Synthesizer schon auf den ersten Blick ansieht, wendet er sich an all jene, die ein Faible für Modulares und für Bastler-Geräte wie den Moog Werkstatt-01 haben. Auch die Fans der Teenage Engineering Pocket Operators und anderer Taschen-Synthies wurden laut den Entwicklern als Zielgruppe anvisiert. Wo findet der bitRanger in diesem Umfeld seine Lücke? Wir haben den bitRanger getestet und es herausgefunden.

Details

Gehäuse

„Handheld“ steht in der Produktbeschreibung, und das ist nicht zuviel versprochen. Die kleine Schachtel passt in jeden eigentlich schon überfüllten Koffer und zur Not auch in die Jackentasche. Trotz der kompakten Abmessungen wurde nicht auf hölzerne Seitenteile verzichtet, was dem bitRanger bei allem Bast(e)l-Charme ein hochwertiges Äußeres verleiht. Die Mobilität des bitRanger zeigt sich auch am Batteriefach an der Gehäuseunterseite, das eine 9-Volt-Blockbatterie aufnimmt. Alternativ kann der Synthesizer über ein Standard 9V-DC-Netzteil gespeist werden, welches allerdings nicht im Lieferumfang enthalten ist. Auf dem Front-Panel ist ein kleiner Lautsprecher eingebaut. Alternativ befindet sich hinten am Gehäuse ein 3,5 mm Klinkenausgang, der wahlweise als Kopfhörerausgang oder als normaler Stereo-Output genutzt werden kann. Es braucht natürlich ein entsprechendes Y-Kabel, wenn man den Stereo-Sound des bitRangers nutzen möchte. 

Bedienfeld

Beim Erstkontakt mit dem bitRanger dürften auch hartgesottene Synth-Experten zweimal hinsehen müssen: Die kleine Bedienoberfläche ist mit Symbolen, Linien und Patchpunkten übersät und platzt aus allen Nähten. Auch bei mir stiftete das Durcheinander zunächst etwas Verwirrung. Auf den zweiten Blick fallen aber doch einige beruhigende Standards ins Auge. Mit vier großen Potis können Volume, LFO-Rate und die Stimmung des VCO sowie des HFO (High Frequency Oscillator) geregelt werden. Die Ranges der LFO/VCO-Potis lassen sich mit simplen Schaltern wählen. Der HFO ist ein Master-Sync-Oszillator, zu dem der VCO synchronisiert wird. Seine Frequenz bestimmt also das Master Tuning, während beim Drehen am VCO Pitch Obertoneffekte entstehen. Einige andere gängige Synthesizer-Komponenten sucht man hingegen vergeblich: Auf eine Filter-Einheit wurde beim bitRanger verzichtet und auch eine herkömmliche ADSR-Hüllkurve ist nicht zu finden. Wie hängt das nun alles zusammen und vor allem: Wie macht man damit Musik?

Durch verschiedene weiße Linien und Symbole, die von den einzelnen Reglern ausgehen, wird die Zusammengehörigkeit der einzelnen Elemente dargestellt. Mit den mitgelieferten Mini-Patchkabeln können diese Elemente dann untereinander verbunden werden. Bei insgesamt 118 Patchpunkten musste auch an deren Größe gespart werden: Zum Einsatz kommen kleine Jumper-Kabel, die an Experimentierkästen erinnern und zum Beispiel auch beim Anyware Instruments' Tinysizer Verwendung finden. Das macht die Bedienung phasenweise etwas hakelig. Ich weiß nicht, ob ich unter Live-Bedingungen die winzigen Input-Sockets verlässlich mit den zarten Kabeln versorgen könnte. Hier ist auf jeden Fall Fingerspitzengefühl und eine ruhige Hand gefragt.

Weiß umrandete Patchpunkte sind Outputs, nicht umrandete sind Inputs. Alle 118 Stück hier einzeln aufzuzählen, würde ein bisschen den Rahmen sprengen, aber einige stechen besonders ins Auge. Schaut man beispielweise weiter nach unten, so nehmen die Outputs der „Bits“-Sektion dort viel Platz ein. Die Grundlage bilden die sogenannten „Divider Bits“. Dahinter verbergen sich zwölf Clock-Signale mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, die aus Unterteilungen des LFO Outputs gewonnen werden. Indem man sie in beliebige Eingänge patcht, lassen sich sequenzierte Patterns erzeugen.

Diese Bits lassen sich auf verschiedene Weisen miteinander verknüpfen und zu komplexeren Signalen kombinieren. Das XOR Gate lässt sich zum Beispiel als Bit-gesteuerter Inverter für beliebige Spannungen verwenden. Die beiden oberhalb der Divider Bits platzierten MUX-Einheiten (Multiplexer) verändern die Wave Shape des VCOs, wenn man Rechteckschwingungen (z.B. Bits) in ihre Eingänge patcht, und geben zwei unterschiedliche Versionen dieses Signals über den linken und rechten Kanal aus. Was hier genau passiert, lässt sich kaum planen, und so gibt die Anleitung an dieser Stelle den sympathischen Ratschlag: „If nothing crazy happens, plug in more cables.“ Am DATA-Ausgang liegt eine komplexe Kombination der beiden MUX-Einheiten an. Auch die sogenannten „Adventure Bits“ werden „programmiert“, indem man Bits in die MUX-Inputs patcht, und geben dann unregelmäßige Bit-Patterns aus. Schließlich gibt es noch die unter dem VCO zu findende „Byte“-Sektion, hinter der sich ein R2R D/A-Wandler verbirgt. Je nachdem, welche Bits man hier einspeist, lassen sich stufige Spannungsverläufe erzeugen, die dann den VCO modulieren oder über den Byte CV Output extern ausgegeben werden können.

Unterhalb der Bits-Sektion findet man zwei „Mode“-Schalter, mit denen zwischen vier verschiedenen Oszillator-Shapes bzw. Grundsounds gewählt werden kann. Außerdem beeinflusst das Mode-Setting verschiedene andere Bausteine des bitRangers, beispielsweise die Wirkung des LFOs. Hier wird also nicht einfach ein Sound umgestellt, sondern das ganze Gerät umgekrempelt. Es lohnt sich jederzeit, einfach mal einen anderen Mode auszuprobieren.

Auf der Homepage von Bastl Instruments steht das User Manual zum Download bereit. Die Anleitung ist in leicht verständlichem Englisch verfasst und gibt einen Überblick die Funktionen des „Analog Logic Computers“. Hier und da finden sich Tipps und Tricks für Patch-Experimente. Allzu sehr ins Detail geht das Manual aber nicht, sodass am Ende die Erkenntnis steht: Der bitRanger will einfach ausprobiert werden. Und genau das tun wir jetzt.

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