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04.07.2016

5 wichtige Scratch- und Mix-Innovationen im Hip-Hop

Spin that wheel

Hip-Hop DJing und Turntablism blicken mittlerweile auf eine über 40-jährige und ereignisreiche Geschichte zurück. Viel ist passiert seit den Anfängen der Bewegung in den frühen 70er-Jahren mit DJs aus der New Yorker Bronx wie Kool Herc, DJ Kool D, Disco King Mario oder Grandmaster Flash. Von sehr simplen Techniken wie „Baby- und Forward-Scratches“ hat sich dank zahlreicher Innovatoren aus aller Welt eine komplexe Kunstform entwickelt. Wir haben die wichtigsten Mix- und Scratch-Techniken und deren Erfinder zusammengefasst. Two, Three, Scratch!

Technik: Backspining/Quick-Mix
Jahr: circa 1974
Erfinder: Grandmaster Flash (New York/USA)

Hip-Hop Pioneer Grandmaster Flash erfand etwa 1974 die „Backspinning-Technik oder „Quick-Mixing“, wie er es selbst gerne bezeichnet. Dabei verwendet man zwei identische Schallplatten und erzeugt live und manuell Loops der gewünschten Songabschnitte unter Verwendung der ebenfalls von Flash entwickelten „Clock Theory“ (identische Markierungen auf den Labels der Platten). Der „Großmeister“ zeigt in seinem Homestudio die Quickmix-Technik (circa bei 2:30 Min).

Technik: Baby-Scratch
Jahr: Circa 1975
Erfinder: Grandwizzard Theodore (New York/USA)

Grandwizzard Theodore aus der New Yorker Bronx stammt aus Grandmaster Flashs Umfeld und entdeckte nach eigenen Angaben - durch einen Zufall beim Üben im heimischen Schlafzimmer - den „Urvater“ aller Scratch-Techniken: den Baby-Scratch. Diese Aussage ist nicht ganz unumstritten, denn auch andere Hip Hop Pioniere wie Lovebug Starski oder Tyrone the Mixologist beanspruchen für sich, diese Technik als erster gescratcht zu haben. Nach so einer langen Zeit lässt sich der genaue Ursprung dieser Innovation nicht mehr eindeutig nachverfolgen, aber sicher ist, dass Grandwizzard Theodore der erste DJ war, der diese Technik in der New Yorker Bronx populär machte.

Technik: Transformer-Scratch
Jahr: circa 1982
Erfinder: DJ Lightnin Rich oder DJ Spinbad

Der leider im Frühjahr 2016 verstorbene DJ Lightnin Rich aus Philadelphia gilt unter vielen Experten der Turntablism-Szene als Erfinder der Tranformer-Scratch. DJ Too Tuff von der legendären Rap-Formation „Tuff Crew“ äußerte sich dazu folgenderweise: „Lightnin Rich war der erste, kurz danach kam DJ Spinbad. Beide performten den Transformer-Scratch erstmals 1982“. Bei dieser Technik wird das laufende Signal der Platte durch gezielte, schnelle Faderbewegungen rhythmisch unterbrochen.

Ganz Eindeutig ist die Angelegenheit dennoch nicht, weil zahlreiche andere (glaubhafte) Quellen DJ Spinbad als den Schöpfer dieses Scratches nennen. Fakt ist, dass diese circa 1982 kreierte Technik später von DJs wie Cash Money und Jazzy Jeff (ebenfalls aus Philadelphia) weiterentwickelt und populär gemacht wurde. Lightnin Rich, der für DJs wie Too Tuff als Erfinder des Transformer-Scratch gilt, hier in Aktion (circa 1988/89).

Technik: Tear-Scratches
Jahr: circa 1985
Erfinder: DJ Prince Paul (New York/USA)

Prince Paul, DJ der legendären Rap-Band Stetsasonic und später auch Produzent der Gruppe De La Soul, demonstrierte der Welt im Jahr 1985 zum ersten Mal eine Scratch-Kreation, die man in Fachkreisen Tear-Scratch nennt. Dabei handelt es sich um einen Scratch, der ohne Fader ausgeführt wird und durch eine Unterbrechung der Rückwärtsbewegung der Schallplatte entsteht. DJ Prince Paul demonstrierte auf der Debüt-Single seiner Band Stetsasonic erstmals den „Tear-Scratch“ (bei 1:58 Min).

Technik: Flare-Scratch
Jahr: circa 1992 Erfinder:
DJ Flare (San Francisco/USA)

DJ Flare aus San Francisco ist ein Mitglied der Turntablism Gruppe Invisibl Skratch Piklz und entwickelte Anfang der neunziger den Transformer-Scratch weiter, indem er dessen Prinzip der Fader-Öffnungen invertierte. So benötigte man weniger Bewegungen des Faders und konnte die Rhythmik der Signalunterbrechungen massiv beschleunigen. Der ursprüngliche Flare-Scratch basiert auf einem Baby-Scratch mit jeweils einer Signalunterbrechung durch den Crossfader bei der Vor- und Rückwärtsbewegung der Platte. DJ Flare demonstrierte auf der „Skratchcon“ im Jahr 2000 seine berühmte Scratch-Kreation.

Eure Meinung

Habt ihr ergänzende Informationen oder Anregungen? Wir sind gespannt auf eure Beiträge im Kommentarbereich. Wer noch auf der Suche nach einem passenden Nadelsystemen für seine DJ-Turntables ist, dem lege ich unseren Tonabnehmer-Testmarathon ans Herz. Außerdem möchte an dieser Stelle auch noch auf unseren Videokurs zum Thema mixen und scratchen lernen hinweisen und verbleibe bis zum nächsten Mal

Euer DJ Rick Ski

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