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12.06.2018

4 Klavier-Akkorde mit denen du fast alle Songs spielen kannst

Können dutzende, völlig unterschiedliche Songs tatsächlich die gleichen Akkorde verwenden?

Lerne alles was du benötigst, um sofort hunderte Songs auf dem Klavier spielen zu können.

Was haben „Let It Be“ von den Beatles, „No Woman No Cry“ von Bob Marley und „Love Yourself“ von Justin Bieber gemeinsam? Gar nichts? Wie könnten die auch nur irgendetwas gemeinsam haben? Diese so völlig unterschiedlichen Songs kann man überhaupt nicht vergleichen? Du wirst dich gleich wundern!

Alle eben genannten Titel haben eine nicht zu unterschätzende Gemeinsamkeit. In der Tat verwenden sie alle die gleichen Akkorde! Das klingt unglaublich, aber es ist tatsächlich wahr. Alle drei Songs basieren auf den gleichen vier Akkorden. Und nicht nur diese drei Songs. Die Liste ist fast endlos. Künstler aus jedem erdenklichen Genre nutzen immer wieder das gleiche Akkordschema. Da die Tonarten, die Tempi und natürlich auch die Melodien ganz anders sind, fällt das nicht ohne weiteres auf. Das zeigt aber auch sehr deutlich, wie vielseitig Musik sein kann. Es gibt nur zwölf verschiedene Töne, in einer Tonleiter sind es sogar nur sieben. Und trotzdem lassen sich über Melodie und Rhythmus so viele Variationen komponieren, dass Keinem ohne weiteres auffällt, wenn dutzende oder sogar hunderte Songs die gleiche Akkordstruktur nutzen. 

Bedeutet das nun, dass deine Oma tatsächlich Recht hat? Klingen aktuelle Lieder wirklich alle gleich? Ob das so ist und ob das gut oder schlecht ist, musst du selbst beurteilen. Für dich bedeutet das jetzt erst einmal: Wenn du diese vier Akkorde lernst, kannst du unglaublich viele Lieder damit spielen und begleiten. Und genau deshalb zeige ich dir jetzt, was dahintersteckt.

Falls du merkst, dass das alles noch ein bisschen viel für dich ist, solltest du zuerst meinen Artikel Kadenzen einfach erklärt! lesen. Denn die klassische Kadenz ist interessanterweise die Basis für dieses, in so vielen Songs verwendete, Akkordschema. Das dürfte für den ein oder anderen ebenfalls ziemlich erstaunlich sein. Also, legen wir los!

Details

Theorie

Also, um welche vier Akkorde handelt es sich denn genau? Das ist eine C-Dur-Tonleiter.

Bauen wir nun auf jedem Ton dieser C-Dur Tonleiter einen Akkord auf, mit den Tönen, die uns C-Dur liefert, sehen wir folgendes Bild.

Das sind die sieben Akkorde, die in C-Dur vorkommen können. Bestimmen wir sie, stellen wir folgende Verteilung fest.

Es gibt drei Dur-, drei Mollakkorde und einen verminderten Akkord. Also C-, F- und G-Dur, D-, E- und A-moll, sowie H-vermindert. Dabei bezeichnet man die Dur-Akkorde auch als Hauptklänge oder -funktionen und die Moll-Akkorde als Nebenklänge oder -funktionen.

Außerdem sind genau wie bei den Tonarten auch bestimmte Akkorde parallel oder verwandt. C-Dur und A-moll gehören zusammen, genau wie F-Dur und D-moll, sowie G-Dur und E-moll. Das ist deshalb wichtig, weil ein Akkord immer durch seine Parallele ersetzt werden kann. Statt C-Dur kann man also auch immer A-moll spielen. Und genau das passiert auch in unserer Akkordfolge.  

Die so berühmte Akkordfolge besteht aus folgenden Akkorden: 

I-IV-V-VI

Das hört sich schon irgendwie interessant an. Aber natürlich werden die Akkorde nicht in dieser Reihenfolge genutzt. Die wahrscheinlich berühmteste Akkordfolge der Welt sieht so aus.

Jetzt hört es sich schon fast nach einem Lied an. Wenn du meinen Artikel Kadenzen einfach erklärt! gelesen hast, weißt du aber bereits, dass es nicht so gut klingt, wenn man alle Akkorde in Grundstellung spielt und was Stimmführung bedeutet. Wendet man dieses Wissen an, klingt das Ganze noch viel besser.

Denk daran, dass es sich dabei nur um einen Baustein handelt. Oft wird dieser abgewandelt oder ergänzt. Es gibt allerdings auch Songs, die komplett mit genau diesem Akkordschema auskommen. Jetzt untersuchen wir zuerst einmal die oben bereits erwähnten Songs.

1. Beispiel: The Beatles -"Let it be"

Fangen wir mit den Beatles an. „Let it be“ ist einer der berühmtesten Songs, die je geschrieben wurden. Schau dir die Strophe mit Text und Akkorden an.

Hast du unsere vier Akkorde entdeckt? Sie kommen sogar auch genau in dieser Reihenfolge vor. Wie du siehst verändert der Komponist Paul McCartney schon in der zweiten Zeile des Refrains das Schema. Dennoch sind es dann immer noch die gleichen vier Akkorde. Und hier noch einmal zusammen mit der Melodie.

Hier kannst du dir das Werk in voller Länge anhören. Wenn du die Akkorde bereits geübt hast, dann spiel doch einfach mit. Oder du verfolgst dabei einfach die Noten. Achte auch auf die Stimmführung der Intro-Akkorde. 

Video: The Beatles - "Let it be"

 

2. Beispiel: 2. Bob Marley – “No woman, no cry”

Wie du gleich sehen wirst, gibt es unsere vier Akkorde auch im Reggae.

Und hier wieder zusammen mit der Melodie.

Hier der Titel in voller Länge. 

Video: Bob Marley - "no woman no cry"

 

3. Beispiel: Justin Bieber – “Love yourself”

Jetzt noch ein aktueller Song. Geschrieben wurde er ursprünglich von Ed Sheeran für eines seiner Alben. Hier ist der Refrain.

Und zusammen mit der Melodie.

Hier wieder der gesamte Titel zum anhören und mitspielen.

Video: Justin Bieber – "Love yourself"

 

Ist das nicht erstaunlich? So unterschiedliche Songs, aber sie nutzen alle die gleichen Akkorde? Es gibt noch unzählige weitere Songs, die aus diesen vier Akkorden bestehen. Viele davon verwenden sie ebenfalls genau in dieser Reihenfolge. 

Zum Beispiel:

  • Elton John – Can You Feel The Love Tonight
  • Alphaville – Forever Young
  • James Blunt – You Are Beautiful
  • Nena – 99 Luftballons
  • John Denver – Take Me Home, Country Roads
  • Jessie J – Flashlight
  • Charlie Puth – One Call Away
  • Enrique Iglesias – Hero
  • Billy Joel – We Didn’t Start The Fire
  • Miley Cirus – Party In The USA
  • Justin Bieber – Baby
  • Pink – Raise Your Glass
  • Carly Ray Jepsen – Call Me Maybe
  • Richard Marx – Right Here

Man könnte diese Liste fast endlos fortführen. Vielleicht fallen dir ja noch weitere Songs mit diesen vier Akkorden ein. Spielen kannst du sie jetzt auf jeden Fall alle!

Moll-Version

Ebenfalls sehr häufig verwendet wird die Moll-Version dieser Akkordfolge. Aber keine Panik, das ist nicht schwer. 

C-Dur und A-moll sind ja wie bereits erwähnt parallel, oder verwandt. Das bedeutet, sie haben die gleichen Vorzeichen und sie benutzen die gleichen Töne. Deshalb begegnen wir in der A-moll-Version jetzt den gleichen Akkorden. Das ist die A-moll-Tonleiter.

Jetzt bauen wir wieder auf jedem Ton einen Akkord auf, mit den Tönen, die A-moll zur Verfügung stellt.

Und so heißen die Akkorde dann.

Du siehst, es sind die gleichen wie in C-Dur. Allerdings ist der erste Akkord eben jetzt A-moll, C-Dur ist dann der dritte Akkord, usw. In Moll nutzen wir also diese Akkorde: 

I-III-VI-VII

In Moll sieht die Akkordfolge dann meistens so aus:

Jetzt wenden wir wieder das Stimmführungswissen an und erhalten dann das:

Und sofort klingt dieses Schema wieder nach einem Lied, das man kennt. Natürlich deshalb, weil es eben tatsächlich oft verwendet wird. Jetzt können wir in verschiedenen Songs wieder auf die Suche danach gehen.

1. Beispiel Moll: Adele – „Hello“

Und zusammen mit der Melodie.

Hier wieder der gesamte Titel zum anhören und mitspielen.

Video: Adele "Hello"

 

2. Beispiel Moll: Avicii – "Wake Me Up"

Und zusammen mit der Melodie.

Hier wieder der gesamte Titel zum anhören und mitspielen.

Video: Avicii – „Wake Me Up“

 

3. Beispiel Moll: The Script – "Hall of Fame"

Und zusammen mit der Melodie.

Hier wieder der gesamte Titel zum anhören und mitspielen.

Video: The Script – "Hall of Fame"

 

Auch hier geht die Liste endlos weiter. Hier ein paar Beispiele:

  • Ed Sheeran – Photograph
  • The Weeknd – I Can’t Feel My Face
  • Wiz Khalifa – See You Again
  • Robin Schulz – Ok
  • Jon Bellion – All Time Low
  • John Legend – All Of Me
  • Lukas Graham – 7 Years
  • Eagle Eyed Cherry – Save Tonight
  • Luis Fonsi ft. Daddy Yankee - Despacito

Es gibt auch in Moll noch viele weitere Songs, die du mit unseren vier Akkorden problemlos spielen kannst. Gehe auf die Suche nach ihnen. Und suche in deinen Lieblingssongs nach diesen Strukturen. Du wirst erstaunt sein!

Jetzt bist du gefragt

So, und wie immer, bist auch jetzt du wieder gefragt. Übe die Akkordfolgen in Dur und Moll ausgiebig auf dem Klavier. Ich zeige sie dir noch einmal in allen Lagen:

Und dann bist du soweit und kannst nach Herzenslust bei all diesen Songs mitspielen. Wenn du einem Song in einer anderen Tonart begegnest, musst du nur herausfinden, wie die vier Akkorde dann in diesem Fall heißen. Und schon kann es losgehen, so, wie zum Beispiel bei unseren drei Moll-Beispielen. Transponiert habe ich diese Lieder absichtlich nicht, damit du gleich auch andere Tonarten siehst und du direkt bei den Originalen mitspielen kannst. 

Zu diesem Thema gibt es auch noch sehr viele Infos und Videos im Netz. The Axis Of Awesome nähert sich diesem Thema zum Beispiel auf sehr humorvolle Weise.

Video: The Axis of Awesome

 

Ich wünsche dir viel Spaß beim Üben und Spielen deiner Lieblingssongs! 

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