Nach einer langen Testphase führt Irland nun ein festes Grundeinkommen für Musiker und Musikerinnen dauerhaft ein. 2000 Kunstschaffende sollen in Zukunft 325 Euro pro Woche erhalten, ohne dafür künstlerische Leistungen nachweisen zu müssen. Laut Studien soll dieses Modell außerdem positive Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben. Doch wie haltbar ist dieses Grundeinkommen wirklich? Könnten noch andere Länder dem Beispiel Irlands folgen?

Das irische Projekt begann ursprünglich während der Corona-Pandemie als Testlauf. Unter dem Titel “Basic Income for the Arts” erhielten ausgewählte Künstler und Künstlerinnen finanzielle Unterstützung, ohne dabei auf bestimmte Ergebnisse verpflichtet zu sein. Aus rund 8.000 Bewerbungen wurden per Los 2.000 Personen ausgewählt, die zwischen 2022 und 2025 jeweils 325 Euro die Woche erhielten. Neben Musikern und Musikerinnen wurden auch Talente aus bildender Kunst, Literatur, Schauspiel und Comedy gefördert. Ziel sei es, Künstlern und Künstlerinnen finanzielle Sicherheit zu bieten, sodass diese sich mehr auf ihre kreative Arbeit konzentrieren können.
Die Ergebnisse
Die Ergebnisse dieser 3-jährigen Testphase fielen überwiegend positiv aus. Teilnehmende berichteten von mehr kreativer Zeit, weniger Arbeit in fachfremden Berufen und einer entsprechenden höheren Gesamtzufriedenheit. Auch die psychische Belastung durch finanzielle Unsicherheit sei während des Zeitraums zurückgegangen.
Auch die Erfahrungsberichte der Geförderten zeigen, welchen Einfluss diese Unterstützung im Alltag haben kann. In einem Artikel des Guardian-Magazins berichtet die irische Autorin Caelainn Hogan von ihrer Erfahrung. Sie beschreibt das Programm als lebensverändernd, da es ihr viele Freiheiten zum Experimentieren und unabhängigen Publizieren bot. Als sie während der Laufzeit schwanger wurde, konnte sie dank der finanziellen Sicherheit dennoch ihre kreative Arbeit fortsetzen.
Zudem zeigt eine staatliche Auswertung, dass das Grundeinkommen auch einen wirtschaftlichen Nutzen hatte. Demnach erzeugte jeder investierte Euro rund 1,39 Euro im Gegenzug. Insgesamt wurden die sozialen und wirtschaftlichen Vorteile auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt. Dazu zählen unter anderem Einsparungen bei Sozialleistungen, Verwaltung und zusätzliche Steuereinnahmen. Schließlich wurde im Oktober 2025 eine dauerhafte Fortführung beschlossen, wobei das neue Programm noch 2026 in Irland starten soll.
Ähnlich zur Testphase bleibt die Zahl der Geförderten zunächst limitiert. Auch der Förderungszeitraum wird beschränkt, wobei die Fördergelder alle drei Jahre neu verteilt werden. Zudem soll es Personen nicht möglich sein, an zwei dieser Zyklen hintereinander teilzunehmen. Damit soll versichert werden, dass möglichst viele verschiedene Leute die gleichen Chancen haben.
Schottland will dem irischen Beispiel folgen
Auch in Schottland wird momentan über ein ähnliches Modell diskutiert. Freischaffende Künstler und Künstlerinnen leiden hier unter unregelmäßigen Aufträgen, niedrigen Honoraren und stets wachsenden Lebenserhaltungskosten. Wie in vielen anderen Ländern müssen Kreative ihre künstlerische Arbeit meist mit zusätzlichen Tätigkeiten und Nebenjobs finanzieren. Dadurch können sich gerade Nachwuchsmusiker und Musikerinnen nur schwer eine berufliche Zukunft aufbauen. Daher plädieren bereits zahlreiche prominente Stimmen der schottischen Kunst- und Kulturszene ebenfalls für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Der schottische Kulturminister Angus Robertson erklärte in einem Interview mit der BBC, dass die Regierung nun prüfe, wie ein solches Modell umgesetzt werden könnte. Dabei müsste unter anderem geklärt werden, wie diese Auszahlungen mit dem Steuer- und Sozialsystem vereinbar wären. Hierzu sagte Robertson:
„Es ist allgemein bekannt, dass Freiberufler im Kultur- und Kunstsektor vor einer ganz besonderen Herausforderung stehen. Wir wissen, dass dies ein Problem ist. Es geht darum, dass Menschen das Beste aus ihren kreativen Talenten machen, und das zahlt sich für die Gesellschaft finanziell und in anderer Weise aus. Wenn das dort [in Irland] funktioniert, dann ist das definitiv etwas, das wir uns hier ansehen sollten.“
Dazu empfahl eine von der Regierung eingesetzte Arbeitsgruppe, dem Modell aus Irland mehr nachzugehen. Die schottische Regierung hat dabei bereits zusätzliche 34 Millionen Pfund für Kulturprojekte zugesagt und strebt eine jährliche Förderung von insgesamt 100 Millionen Pfund an. Ob das Grundeinkommen für Kunstschaffende nun tatsächlich in Kraft tritt, ist allerdings noch offen.
Mögliche Kritikpunkte
Doch natürlich hat auch dieses bedingungslose Grundeinkommen seine Schattenseiten. So kritisieren viele Kunstschaffende, darunter auch Geförderte des Test-Projekts, dass dieses Modell keine feste Lösung zu dem Problem bietet. Während die Förderung einem kleinen Teil der Kunstwelt zugutekommt, kämpft der Großteil weiterhin mit den gleichen Herausforderungen. Einige Teilnehmende hinterfragen außerdem das Losprinzip, welches womöglich zu neuen Ungleichheiten innerhalb der Kunstszene sorgen könnte.
Auch Wirtschaftsexperten teilten ihre Bedenken, dass die Auszahlungen möglicherweise mit anderen bestehenden Sozialleistungen kollidieren könnten. Mit der zusätzliche Finanzierung könnten Personen, die beispielsweise Sozialhilfe, Wohngeld oder Ausbildungsförderung beantragen, in Schwierigkeiten gelangen. Durch die Einkommensanrechnungen könnten diese Personen Teile ihrer bisherigen Unterstützung verlieren. Die konkrete Ausgestaltung des Modells in anderen Ländern lässt also noch wichtige Fragen offen.

Was bedeutet das für Deutschland?
Auch in Deutschland berichten freischaffende Musiker und Musikerinnen von ähnlichen Problemen durch unsichere Einnahmen und steigende Lebenshaltungskosten. Eine direkte Grundsicherung für Kulturschaffende nach dem Vorbild Irlands gibt es hier bislang nicht. Zwar erhalten sie mithilfe der Künstlersozialkasse einen erleichterten Zugang zu gesetzlicher Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, doch ein regelmäßiges Einkommen ersetzt sie nicht.
Doch gerade jetzt plädieren immer mehr Musikerinnen und Musiker für mehr Kulturförderung im deutschsprachigen Raum. Wenn die finanzielle Sicherheit in Irland nachweislich mehr Zeit für kreative Arbeit ermöglicht und zugleich gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Vorteile erzeugt, könnte dieses Modell auch in anderen Ländern ein Ansatz sein. Doch gerade hier müssten die Finanzierung und das Verhältnis zu bestehenden Sozialleistungen sorgfältig geprüft und geregelt werden.
Neben vielen unabhängigen Stimmen sprechen sich Organisationen wie die Deutsche Jazzunion oder der Deutsche Musikrat klar für das Grundeinkommen für Kunstschaffende ein. Auch die Berliner Initiative “Mein Grundeinkommen” beispielsweise fördert verschiedene Modellversuche und Projekte, wobei hier direkt auf das irische Vorbild verwiesen wird.























