In der aktuellen Folge unseres Vintage Drum Talks geht es mal wieder um große Bassdrums. Genauer gesagt hatte Vintage Drum Nerd Daniel Schwarz Ende letzten Jahres die Idee, einzelne Ludwig 3-ply Kessel aus den 70er-Jahren zu restaurieren und daraus ein (fast) authentisches Led Zeppelin Kit zu kreieren. Wichtig ist natürlich auch die Green Sparkle-Folie, für die das von John Bonham favorisierte Kit mit 26er Bassdrum bekannt war.

Beim Restaurationsprozess ging es recht ähnlich wie beim 3-ply Super Classic in Standardgrößen zur Sache. Die größte Herausforderung lag dieses Mal allerdings darin, dass kein kompletter Kesselsatz vorhanden war, sondern die einzelnen Trommeln aus allen Teilen der Welt einzeln zusammengekauft werden mussten. Während man 14“ x 10“ Racktoms und 16“ x 16“ Standtoms recht häufig gebraucht findet, sind besonders 26“ x 14“ Bassdrums und auch 18“ x 16“ Standtoms eher rar gesät. Hier hilft es dann ungemein, gut in der Vintage-Szene vernetzt zu sein.
Die Kesselsubstanz war zum Teil sehr durchwachsen
Besonders am Bassdrumkessel waren zahlreiche Extralöcher und auch Risse zu beheben. So stand erst einmal einiges an Spachtel- und Schleifarbeit sowie Lackierarbeiten an den Innenseiten der vier Kessel auf dem Plan, die Daniel gemeinsam mit seiner Partnerin Raphaela in der heimischen Werkstatt verrichtete. Danach ging es von Mannheim aus nach Pirmasens in die Pfalz zu St Drums. Hier wurden die Kessel fachmännisch plan geschliffen und im Ludwig-Stil der damaligen Zeit neu gegratet: 45-Grad-Winkel innen und außen schön rund. Plane Gratungen sind der entscheidende Faktor, um die Trommeln hinterher sauber stimmen zu können und ihnen das maximale Klangpotential zu entlocken.

Graten und Folieren wurde bei St Drums an einem Tag erledigt
Anschließend ging es ans Folieren. Diese umfangreichen Arbeitsschritte lassen sich bei guter Planung und Terminvereinbarung wirklich an einem Tag bei St Drums erledigen. Solch einen Service und diese Kapazitäten bietet wohl kein anderer Custom-Drum-Betrieb in Deutschland.
Die Endmontage der originalen Ludwig-Hardware sowie das Lackieren der Spannreifen in mehreren Arbeitsgängen mit abschließendem Anbringen der Inlays erfolgte dann wieder in der Mannheimer Werkstatt.

Apropos Hardware: Die Bassdrum war auch im Ursprung für einen Linkshänder-Drummer konzipiert, wovon die Bohrungen der originalen (aber nicht mehr vorhandenen) Railmount zeugen. Daniel hat sich kurzerhand für eine moderne und technisch sehr clevere Lösung entschieden, die Rail Mount Retro Fit von INDe Drums, die genau auf die Bohrlöcher der ursprünglichen Halterung passt. Wie diese montiert wird, seht ihr oben im Video.

Beim Sound hat man schon das Gefühl, die Led-Zeppelin-Magie zu spüren.
Jetzt haben wir in den letzten Jahren schon einige Vintage Drumsets gefeatured, den Ludwig 3-ply Sound würde ich als warm und fett bezeichnen, oder, wie Daniel es ausdrückt:
„…eine Mischung aus druckvollem Charakter mit einer „mumpfelig, dumpelfigen Note.“
Bei einem Kit in diesen Dimensionen ist aber die akustische Anmutung im Raum noch mal eine ganz andere Hausnummer, im Vergleich zu einem, sagen wir mal, 22“, 13“, 16“ Standard-Kit. Das Set klingt wirklich toll, die 68er Supraphonic in 14“ x 6,5“ setzt dem Ganzen dann noch einmal das Sahnehäubchen auf.
Dazu kommt natürlich auch das exzellente Tuning, die Tom-Resonanzfelle (Evans G1 Coated) sind für verbesserte Projektion im Raum deutlich höher als die Schlagfelle (UV2) gestimmt. Nur die Bassdrum stimmt Daniel im Gegensatz zu Bonham deutlich tiefer und moderner. Hier kamen zwei vorgedämpfte Felle – ein UV EQ4 und ein Coated EQ3 mit Loch als Resonanzfell – zum Einsatz. Die einzige zusätzliche Dämpfung bestand in einem Evans EQPad.
Der Recording-Prozess und die Mikrofone
Die ganze Aufnahme erfolgte – wie schon in der gesamten Serie – sehr räumlich, da Daniel zum Teil sehr laut spielt, sein Raum aber einfach auch sehr gut klingt. Auf diese Weise war es recht einfach, den authentischen Charakter der Drums einzufangen.
Mit Ausnahme der Bassdrum haben wir, wie bei den Episoden zuvor, keine Close-Mics benutzt. Dieses Mal hat uns die Firma beyerdynamic ein paar moderne (und auch ein paar legendäre) Mikros für den Dreh zur Verfügung gestellt. So hatten wir die Qual der Wahl zwischen gleich drei Bassdrum-Mics (TG D70 MKII, TG D71 Grenzfläche im Kessel, M 88 vor dem Resonanzfell), die dann im Mix unterschiedlich gewichtet zum Einsatz kamen.
Die Overheads sind sehr transparent klingende MC 930 Kleinmembraner. Für den Close Room / Front-of-Kit haben wir ein Pärchen M 160er benutzt. Ein Modell, das schon den legendären Sound von „When The Levee Breaks“ eingefangen hat. Hier habe ich etwas Hall und Compression hinzugemischt.
Als Schultermikrofon und für die Sprachaufnahme haben wir eines von Daniels M 90 Pro X (nicht mehr neu erhältlich) Großmembranern benutzt.

























